Fragen zum Pterygium

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Euphemia
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Fragen zum Pterygium

Beitrag von Euphemia »

Geschätzte/r Feuerblick und Humungus,

auch ich habe wieder mal Fragen und freute mich sehr, wenn bei Zeit und Gelegenheit ein paar Zeilen dazu angemerkt werden könnten.

Vorweg sei gesagt: ich finde es höchst erstaunlich, dass ausgerechnet ich in beiden Augen jeweils ein ausgeprägtes nasales Pterygium habe.
Denn ich mache nie Urlaub im sonnigen Süden, meine berufliche Tätigkeit wird in staubfreien Innenräumen ausgeübt und draußen begebe ich mich grundsätzlich stante pede freiwillig in den Schatten, wenn nicht gerade frostige Temperaturen herrschen.
Erinnerlich ist mir, dass die Augenärztin 2021 das Flügelfell erstmalig erwähnte und sie nach meinem obigen Statement sagte, dass es dann bei mir genetisch bedingt sein müsse. (Allerdings hat niemand in meiner Familie so etwas.)

Vor einigen Wochen war ich zur jährlichen Kontrolle bei meiner lediglich konservativ tätigen Augenärztin. Es war alles in Ordnung und auch noch nichts von Grauem Star zu sehen. (Ich bin stark kurzsichtig, habe Astigmatismus und trockene Augen.)
Ich erwähnte, dass ich seit ein paar Wochen im Dunkeln mit dem linken Auge Lichtquellen oftmals (nicht immer) anderthalbfach nebeneinander sähe. Sie meinte, das läge eher an der Brechkraft meiner Brillengläser. Das leuchtet mir zwar grundsätzlich ein, allerdings sind die Brillengläser seit 2 Jahren dieselben, weshalb ich es nicht nachvollziehen kann.

Als mein neues Seh-Phänomen kürzlich abends beim Autofahren einmal ziemlich extrem war, fragte ich mich, ob es womöglich an meinem Pterygium liegen könne, welches im linken Auge schon ganz nah an die Pupille grenzt – wohlgemerkt bei hellem Tageslicht.

Könnte es nicht sein, dass in Dunkelheit bei geweiteter Pupille der Rand des Pterygiums meinen Seheindruck stört und/oder gegebenenfalls meinen (per Brille korrigierten) Astigmatismus verstärkt?

Ich habe mir die Pterygia nun erstmalig genauer angesehen. Als stark Kurzsichtige bin ich dazu prima in der Lage – zumindest ein Vorteil der Myopie. ;-)
Mit seitlichem Lichteinfall sah ich nun sehr gut, wie großflächig es (über die gesamte Augenhöhe) insbesondere links ist.

Naiv wie ich bin, dachte ich bis vor kurzem, dass ein Pterygium einfach irgendwie „abgeschabt“ werden könne; schließlich sieht es recht harmlos aus.
Als ich nun jedoch las, dass es reseziert und die Stelle sogar mit einem Bindehauttransplantat genäht (mit anschließendem Fädenziehen :-o) oder geklebt werden muss, war mir doch ein wenig mulmig zumute.

Die erste Frage formulierte ich schon weiter oben; nun meine restlichen:

Wenn als Transplantat ein Stück Bindehaut unterm Oberlid entfernt wird, kann diese Stelle unterm Oberlid offensichtlich einfach so bleiben? Wächst die Entnahmestelle dann mit der Zeit wieder zu? Aber dort, wo das Pterygium entfernt wird, muss Bindehaut transplantiert werden? (Nun gut, diese Stelle liegt ja auch nicht geschützt unter dem Oberlid.)

Das Pterygium im linken Auge sieht für mich wirklich sehr großflächig aus. Ob man ein derart großes Stück Bindegewebe überhaupt unterm Oberlid entnehmen kann? Denn es wird doch wohl kaum nur der Teil auf der Pupille und Iris entfernt, sondern das gesamte Flügelfell?

Und ist Nähen des Transplantats besser als Kleben? Kleben stelle ich mir als Betroffene halt angenehmer vor, weiß aber nicht, ob es vergleichbar effektiv ist.

Vermutlich wäre es nicht ratsam, den Eingriff vor Ort in einem Augenzentrum vornehmen zu lassen, welches pro Jahr – wenn überhaupt! – eine einstellige OP-Zahl zum Flügelfell vorzuweisen hat? Besser wäre sicherlich ein Klinikum, das den Eingriff häufiger vornimmt? Wobei häufig bei Pterygia ja nun wirklich relativ ist... Immerhin bringen es einige Kliniken aber auf 50-190 Eingriffe, wobei die Spitzenreiter recht weit entfernt sind.

Da ein Pterygium leider zu Rezidiven neigt, will ich den Eingriff natürlich so spät wie möglich machen lassen. Aber über kurz oder lang wird es links notwendig werden, fürchte ich.

Es wäre toll, die ein oder andere Frage beantwortet zu bekommen.

Im Voraus schon einmal ganz lieben Dank!
Euphemia
"Wer sich nur tragen lässt, lernt weder laufen noch tragen." (Kyrilla Spiecker)
Humungus
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Re: Fragen zum Pterygium

Beitrag von Humungus »

1. Pterygien gelten je nach Definition als gut- oder bösartig, ich habe "semimaligne" gelernt, weil zwar keine Metastasierung stattfindet, aber die Hornhaut (sehr) langsam infiltriert wird.

2. Das langsame Wachstum führt dazu, dass man bei der Behandlung Zeit hat. So manches Pterygium wächst irgendwann auch gar nicht mehr. Die Gefahr ist allerdings den geeigneten OP-Zeitpunkt zu verpassen.

3. Durch die Infiltration und den Zug wird ein Astigmatismus ausgelöst, der gut zu Pseudo-Doppelbildern (zweite, schwächere Kontur um eine Linie) führt. Dieser Astigmatismus kann auch nach der OP des Pterygiums weiter bestehen bleiben, wenn zu lange gewartet wird. Außerdem kann nach der OP die Hornhaut lokal vernarben. Auch deshalb: nicht zu früh und unnötig operieren - aber nicht zu spät.

4. State of the art ist eine Exzision mit einem freien Transplantat und simultaner lokaler Behandlung mit einem Mitosehemmer (Zytostatika wie 5-FU, Mitomycin). Lokale Vernähung oder Weglassen des Mitosehemmers führt zu einer deutlich erhöhten Rate an Rezidiven.

5. Ob Naht oder Verklebung ist völlig wurscht, das Fädenziehen tut überhaupt nicht weh, wenn nicht sowieso mit resorbierbarem Fadern genäht wird (der fault dann selber raus).

6. Schleimhaut ist ausgesprochen robust , dehnbar und bildet sich auch nach. Man kann also eine ganze Menge von einer anderen Stelle nehmen, ohne etwas kaputt zu machen. Viel blöder ist, dass sich Schleimhaut nach dem Ausschneiden widerspenstig verhält, beispielsweise zusammenpappt oder sich einrollt. Der Operateur braucht ein ruhiges Händchen.

7. Um gründlich zu prüfen, ob ein Pterygium bereits Hornhautzug auslöst, obwohl es noch am Rand der Hornhaut sitzt, ist eine Corneatopographie empfehlenswert.
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Euphemia
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Re: Fragen zum Pterygium

Beitrag von Euphemia »

Ein herzliches Dankeschön für Ihre detaillierten Ausführungen, Humungus. :thanksalot

5-FU hört sich fies an, weil ich es nur im Zusammenhang mit palliativer Chemo kenne, aber ich verstehe natürlich, dass es hierbei nichts mit dieser Thematik zu tun hat, sondern Mitoseinhibitoren bei einem Pterygium hilfreich sein können.

Humungus hat geschrieben: 24.03.24, 08:29 Die Gefahr ist allerdings den geeigneten OP-Zeitpunkt zu verpassen.
Vor allem auch vielen Dank für den Hinweis darauf, dass man den geeigneten OP-Zeitpunkt verpassen kann. Dann werde ich mal schauen, dass ich in den nächsten Monaten irgendwo einen Termin zu einer Corneatopograhpie bekomme.

Meine konservativ tätige Augenärztin hat ein solches Gerät meines Wissens nicht. Aber sie sieht ja auch keine Veranlassung dazu. („Ein Pterygium ist völlig harmlos. Wächst sehr langsam. OP so spät wie möglich.“) Und einen Zusammenhang zu meinen (Pseudo-)Doppelbildern bei Dunkelheit sieht sie auch nicht.

Da man eine Corneatopographie selbst bezahlt, hoffe ich, dass ich ohne Überweisung einen Termin erhalte.
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