Multifokal-Linse - OP verschoben

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EineBlauäugige
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Multifokal-Linse - OP verschoben

Beitrag von EineBlauäugige » 10.05.19, 21:29

Hallo und einen guten Abend zusammen,

ich bin neu hier und habe in den letzten Tagen sehr viel Nützliches gelesen. Trotzdem hätte ich noch ein paar Fragen und erhoffe mir Infos von Euch. Hier meine Vorgeschichte:

Ich bin 48 Jahre, weiblich und gehöre mit knapp -10 Dioptrien plus Astigmatismus eher zur Maulwurffraktion. Brauche seit 40 Jahren eine Brille und trage seit 30 Jahren harte Kontaktlinsen, mit denen ich sehr gut zurechtkomme - Gott sei Dank, da mich die Brille in ziemlich allen Lebenslagen massiv stört.

Mir war immer klar, dass Lasern bei meiner Stärke nicht infrage kommt. Seit einiger Zeit merke ich aber, dass die Linsen mittlerweile für bestimmte Dinge nicht mehr ausreichen und ich dafür noch eine Lesebrille brauchen könnte (leihe ich mir manchmal von meinem Mann ;-). Auch habe ich mal spaßeshalber die Brille meines Mannes fürs Autofahren aufgesetzt, und auch da hatte ich das Gefühl, besser zu sehen. Aber Linse plus Brille - das ist ziemlich deprimierend für mich.

Deswegen war ich ziemlich euphorisch, als ich vor gut einem halben Jahr entdeckt habe, dass Star-OPs mittlerweile auch für Fehlsichtige ohne Star gemacht werden. Von mehreren Star-Patienten hatte ich schon gehört, dass sie damit sehr gute Erfahrungen gemacht haben, und danach nur noch manchmal eine Lesebrille brauchten. Damit könnte ich sehr gut leben.

Über Internet habe ich eine Augenklinik ausgesucht und mich zu einer Voruntersuchung vorgestellt. Diese wurde von einer Optikerin gemacht und mir beim Beratungsgespräch ein refraktiver Linsentausch empfohlen. Mir wäre zwar eine phake Linse sympatischer gewesen, vor allem, da sie reversibel ist. Davon wurde mir jedoch abgeraten, da ich schon Anzeichen von Altersfehlsichtigkeit habe. Ab einem Alter von 45 Jahren wäre ein Linsentausch angesagt.

14 Tage vor dem genauen Ausmessen der Linse durfte ich keine Kontaktlinsen tragen, was für mich der absolute Horror war. Ich hasse es, den ganzen Tag Brille tragen zu müssen. Das habe ich auch dem Arzt gesagt, der mich dann nach der Untersuchung beraten hat. Ebenso, dass ich sehr viel am PC arbeite. Er hat auch gefragt, ob ich öfter nachts autofahre, was ich verneint habe. Dass ich im Winter fast täglich im Dunkeln zur Arbeit fahre habe ich in dem Moment nicht bedacht.

Ziemlich schnell hat er mir zur Multifokal-Linse geraten, Halos angesprochen und dass das Gehirn lernt, mit den verschiedenen Schärfen umzugehen. Davon hatte ich auch schon im Internet gelesen. Monofokale Linsen wurden nicht angesprochen. Auch war geplant, beide Augen gleichzeitig in Vollnarkose zu operieren. Zum zweiten Kontrolltermin am 3. Tag nach der OP könnte ich voraussichtlich schon wieder selber Auto fahren. Ich habe zugestimmt. Soweit ich mich erinnere, sollte ich eine Linse "Lena" bekommen. Kann aber, im Gegensatz zur "Lisa", davon nichts im Internet finden. Die Vermerke des Arztes zum Aufklärungsgespräch sind volkommen unleserlich geschrieben.

Bei der OP-Vorbereitung eine Woche vor dem Termin ergaben sich Auffälligkeiten, die ich noch nie hatte und erst mal abgeklärt werden mussten (und sich später als harmlos herausgestellt hatten), so dass ich den OP-Termin verschieben musste. Einen Tag vor dem zweiten OP-Termin bekam ich eine starke Erkältung (die erste wieder seit Jahren), so dass auch dieser Termin nicht zustandekam. Das hat mich ziemlich verunsichert, da ich eigentlich nicht an Zufälle glaube.

Ich hatte absichtlich nach meiner Entscheidung zur OP nichts mehr gegoogelt, um mich nicht verrückt zu machen. Das habe ich dann allerdings nachgeholt, und bin unter anderem hier gelandet. Außerdem habe ich mich bei einer anderen Augenklinik zu einer Beratung zum Linsentausch angemeldet, um mir eine zweite Meinung zu holen. Nach einer kurzen Untersuchung hatte ich ein ausführliches Gespräch mit einem Arzt. Welch ein Unterschied! Dieser Arzt hatte mir zu einer phaken Linse geraten, da meine eigene Linse noch völlig klar ist und kaum Anzeichen von Alterssichtigkeit hat. Solche Linsen nimmt er ungern raus. Einen refraktiven Linsentausch könnte ich immer noch machen, wenn wirklich ein Star vorhanden ist. Von einer Multifokal-Linse hat er mir abgeraten, da seiner Erfahrung nach 50% !!! der Patienten unzufrieden sind (wie ich dann auch hier in diesem Forum gelesen habe). Welch eine Aussage!

Einen weiteren OP-Termin habe ich bis jetzt noch nicht vereinbart und weiß auch nicht, ob ich das Wagnis mit der Multifokal-Linse überhaupt eingehen soll. Ich tendiere immer mehr dazu, die OP komplett abzusagen. Auch ist mein Vertrauen in die OP-Klinik so gut wie nicht mehr vorhanden, ich fühle mich hier vollkommen unzureichend beraten.

So, lange Rede, kurzer Sinn, ich wollte eigentlich zwei Fragen stellen, vielleicht hat hier jemand Erfahrung damit:

1. Bin ich regresspflichtig, wenn ich die OP endgültig absage? Immerhin sind die Linsen schon geliefert. Ich habe mich per Unterschrift bereit erklärt, die anfallenden Kosten zu übernehmen. (Das wäre für mich aber kein Grund, die OP durchführen zu lassen, sondern ein Grund, einen Rechtsanwalt zu nehmen ;-)

2. Würde es Sinn machen, mal multifokale Kontaktlinsen auszuprobieren?

Vielen Dank für die Geduld beim Lesen...
und fürs Antworten.

Eine Blauäugige

Humungus
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Re: Multifokal-Linse - OP verschoben

Beitrag von Humungus » 11.05.19, 05:12

Die erste Frage kann und sollte man nur mit einem kräftigen "man weiß es nicht" beantworten. Sie gehört in die Hände eines Medizinrechtlers und nicht in die von Laien in einem Forum. Einerseits kann ein Patient jederzeit seine Meinung ändern und eine einmal getätigte Einverständnis zu einer Operation zurückziehen, andererseits hat er mit der Einverständnis der OP-Firma (vielleicht sollte man die erste Klinik so nennen) einen Aufwand verursacht, der auch zum Schaden werden kann. Gut möglich, dass die bestellten Linsen nicht mehr an den Hersteller zurückgegeben oder anderweitig verwertet werden können. Die Höhe des Schadens ist aber durchaus diskutabel, es muss keineswegs der "Verkaufspreis" der Linse an den Patienten sein. Wenn Sie zu dieser Sache also genauere Informationen wollen, wenden Sie sich an einen Rechtsanwalt - spätestens dann, wenn Sie die OP abblasen und eine Forderung der Firma kommt. Ein mögliches Argument Ihrerseits wäre eine mangelhafte Aufklärung, denn es gibt auch phake MIOL, also Multifokallinsen, die auf die gesunde eigene Linse gesetzt werden. Dies wäre bei klarer Linse eine mögliche Alternative, und dazu reversibel.

Bei der zweiten Frage kommt mir als erstes der Gedanke: darüber hätten Sie sich vielleicht informieren sollen, BEVOR das ganze Brimborium mit Operation begann. Natürlich ist ein Versuch mit multifokalen Kontaktlinsen sinnvoll - auch, wenn meine Praxis irgendwann einmal die Anpassung aufgegeben hat. Es hängt vom Geschick, von der Erfahrung des Anpassers ab und von der Gewöhnungswillig- und -Fähigkeit des Patienten ab. Sie sind jung und eine Frau, das sind schon einmal zwei Vorteile (ist kein Sexismus oder Schleimerei, sondern Erfahrung).
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EineBlauäugige
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Re: Multifokal-Linse - OP verschoben

Beitrag von EineBlauäugige » 11.05.19, 17:00

Lieber Humungus,

vielen Dank für Ihre ehrliche Antwort! Keine Angst, Sexismus oder Schleimerei hätte ich Ihnen nicht vorgeworfen. Ich gehöre nicht zu denen, die glauben, dass sich Unterschiede zwischen den Geschlechtern nur durch äußere Merkmale oder Erziehung äußern :wink:

Dass ich hier keine Rechtsberatung bekommen kann, war mir klar. Ich hatte (und habe immer noch) die Hoffnung, ob es hier in diesem Forum jemand gibt, der schon mal eine OP endgültig abgesagt hat, und mir sagen kann, wie es danach gelaufen ist.

Zur zweiten Frage: Ja, das muss ich mir vorwerfen, dass ich in meiner Euphorie, keine oder nur noch selten Brille oder Linsen zu brauchen, ziemlich blauäugig gehandelt habe (der Name ist Programm). Nachdem ich aber hier im Forum von einigen gelesen habe "hätte ich doch ...", "das hat mir niemand gesagt ...", bin ich eben sehr ins Grübeln gekommen. Es ist halt immer die Frage, zu welchen 50% bei den Multifokallinsen man danach gehört. Dass es auch Multifokal-Kontaktlinsen gibt, hatte ich bis vor kurzem nicht gewusst. Ich hatte offenbar das Glück, immer an gute Anpasser zu kommen, da ich selten Probleme mit den Linsen hatte. Es war bei mir niemals nötig, verschiedenartige Linsen auszuprobieren.

Vor dem Herbst kann ich die OP sowieso nicht mehr vornehmen lassen. Das ist arbeits- und urlaubstechnisch nicht mehr möglich. Bis dahin bin ich mir dann hoffentlich im Klaren, wie es weitergeht und könnte evtl. auch noch multifokale Kontaktlinsen ausprobieren ...

Vielen Dank und noch einen schönen Abend
EineBlauäugige

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