Vollnarkose und Vergesslichkeit

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mandysu
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Vollnarkose und Vergesslichkeit

Beitrag von mandysu »

HAllo, ich bin seit einer Vollnarkose, die ca. 30 Minuten gedauert hat, vergesslich geworden.
Es hält immer noch an, obwohl die OP ungefähr 11 Monate her ist.

Demnächst steht wieder eine OP an. Habe jetzt Angst, das es wieder schlimmer wird.

Das Gespräch beim Anästhesisten steht noch aus.

Gibt es eine Alternative zu einer Vollnarkose bei einer Schulter OP?
CooleElfe
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Re: Vollnarkose und Vergesslichkeit

Beitrag von CooleElfe »

Guten Tag,
das ist eine sehr interessante Frage, deren Antwort mich auch interessiert. Bevor ich darüber gelesen habe, hätte ich spontan "Ja natürlich, eine Vollnarkose ist doch sehr riskant und sollte, wann immer möglich, vermieden werden" gesagt. Die Realität sieht scheinbar anders aus. Es gibt die Möglichkeit der Skalenusblockade, aber die Technik wird nicht von jedem Anästhesisten beherrscht und die Blockade soll wohl auch nicht bei jedem zu völliger Schmerzfreiheit führen. Das stört den Praxis-/Klinikablauf. Gibt es überhaupt einen Chirurgen im Bundesgebiet, der die Schulter ohne Vollnarkose operiert und nicht privat abrechnet?
Dr. A. Flaccus
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Re: Vollnarkose und Vergesslichkeit

Beitrag von Dr. A. Flaccus »

Guten Abend,

es ist durchaus möglich, dass es nach einer Operation zu Symptomen wie Vergesslichkeit, Konzentrationsstörungen o.ä. kommt.
Zusammengefasst wird das unter dem Begriff "Postoperatives kognitives Defizit" (POCD).
Diese Symptome können nur wenige Stunden dauern, aber auch Tage, Wochen, Monate oder aber (sehr selten!) dauerhaft anhalten.

Die genaue Ursache ist ungeklärt. Eine wesentliche Rolle spielen aber:
- Größe der Operation
- Dauer der OP
- Alter des Patienten
- Vorerkrankungen des Patienten
- Möglichkeit der schnellen Mobilisierung

Regionalanästhesie kann vor dem Auftreten eines POCD schützen, aber dafür gibt es keine Garantie. Wie oben erwähnt spielt u.a. auch die Größe der OP eine Rolle. Es wird z.B. diskutiert, dass auch sogenannte Mediatoren, die bei Heilungsprozessen freigesetzt werden, ein Rolle spielen können. Auch schlecht behandelte Schmerzen können einen Faktor darstellen.

Operationen an der Schulter in reiner Lokalanästhesie sind die Ausnahme. Auch bei guter Anästhesie der Nerven ist es oft nicht möglich, alle Nerven komplett auszuschalten. Es ist wichtig, das auch die komplette Schultermuskulatur - also nicht nur die schmerzleitenden Fasern - von der Narkose miterfasst werden. Diese muskelversorgenden Nerven erfasst man unter Umständen nicht komplett, je nachdem welche Operation erforderlich ist. Außerdem ist die Lagerung für Schulteroperationen oft sehr komplex und kann schon nach kurzer Zeit als sehr unbequem empfunden werden (sitzend, Kopf in einer Schale fixiert und etwas zu Gegenseite gedreht, Bewegungen des Kopfes sind nicht erwünscht).

Das alles sollte man mit seinem Operateur ausführlich besprechen.

In der Regel ist die Kombination aus guter Lokalanästhesie (Skalenusblock, supraclaviculäre Blockade) und einer "leichten" Allgemeinanästhesie das Verfahren der Wahl.
Spezielle Risiken sollte man dann mit dem Narkosearzt besprechen.

Alfred Flaccus
Dr. A. Flaccus
Facharzt für Anästhesie
- Notfallmedizin -
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