Narkoseprotokoll

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Elfriede
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Narkoseprotokoll

Beitrag von Elfriede » 22.09.13, 16:07

Hallo,

ich hab mal eine Frage. Ich bin vor drei Jahren am Bein operiert worden (Schienbeinbruch). Die OP verlief gut, das Bein ist wieder völlig in Ordnung. Im Aufwachraum aber ging es mir gar nicht gut, ich war etwas verwirrt, hatte Sehstörungen, Übelkeit, Schwindel, Kopfschmerzen. Erst 20 Stunden nach der OP war ich wieder völlig wach. Ich hatte immer noch Kopfschmerzen und schwindlig war mir auch noch. Schwindel und Kopfschmerzen hielten mehrere Woche lang an.
Ich wollte gern eine Kopie vom Narkoseprotokoll haben, die wollte ich natürlich auch bezahlen, aber man sagte mir, Patienten haben kein Anrecht darauf. Die verstehen das alles sowieso nicht und ängstigen sich nur.
Mein Hausarzt hat dann ein Protokoll angefordert, und da hieß es, es existiert gar kein Protokoll.
Jetzt muss ich im selben Krankenhaus wieder operiert werden, auch wieder mit Vollnarkose. Nun möchte ich natürlich gern wissen, was damals bei der Narkose passiert ist, welche Narkosemittel ich bekommen habe usw. Bei meiner ersten Vollnarkose in einem anderen Krankenhaus war ich sofort wach und hatte keine Probleme.
Wie kann es sein, dass es gar kein Narkoseprotokoll gibt und wie kann ich erfahren, was vor drei Jahren schiefgelaufen ist?

Danke im voraus.
Elfriede

Muppet
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Re: Narkoseprotokoll

Beitrag von Muppet » 22.09.13, 17:09

Hallo,
es muss einer Narkosebericht geben - Dokumentationspflicht. Es gibt auch 10 Jahren Aufbewahrungspflicht. Am besten einfach direkt den Archiv kontaktieren und es dort anfordern. Verloren gehen darf es eigentlich nicht.
Alles Gute
Muppet

Elfriede
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Re: Narkoseprotokoll

Beitrag von Elfriede » 22.09.13, 18:46

Hallo, Muppet,

danke für den Tipp. Wo finde ich das Archiv? Kann ich im Krankenhaus einfach nach dem Archiv fragen?
Aber wenn das Krankenhaus etwas vertuschen will? Das kommt doch oft vor, wenn etwas bei der Narkose oder der OP nicht in Ordnung war. Dann kommt man doch nie an das Protokoll oder es wird neu geschrieben, mit dem Datum der OP natürlich, und dann nützt es ja auch nichts.
Vor einigen Jahren war hier mal ein Leserbrief in der Zeitung über ein verschwundenes OP-Protokoll und daraufhin gab es ganz viele Leserbriefe, die dasselbe beklagten. Viele schrieben, dass das Narkose- oder OP-Protokoll zunächst weg war und dann plötzlich auftauchte mit vielen handschriftlichen Veränderungen. Wie das ursprüngliche Protokoll war, kann man im Nachhinein oft gar nicht feststellen. Ist so ein Protokoll eigentlich rechtlich in Ordnung, wenn ganz viel mit Bleistift oder Kugelschreiber verändert wurde?

Grüße, Elfriede

Anästhesieschwester
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Re: Narkoseprotokoll

Beitrag von Anästhesieschwester » 22.09.13, 20:26

Guten Abend,

Nun denken Sie mal nicht gleich das schlimmste!
Nach Entlassung des Patienten gehen die Akten auf einen längeren Weg durchs Krankenhaus: Oberarzt, klinische Kodierung, ggf. Controlling, Archiv. Das kann schon mal Monate dauern... :roll:

Gruß
Die Anästhesieschwester

Muppet
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Re: Narkoseprotokoll

Beitrag von Muppet » 22.09.13, 21:17

Hallo,
denke nicht, dass sie was zu vertuschen haben - kann sein, dass es einfach ein anderen Mittel war, den Sie nicht so gut vertragen - ist ja keinen Schaden entstanden.
Im Archiv geht es immer am schnellsten - denen ist auch egal was in die Akte steht. Sie sind nur zuständig dafür sie zu lagen. Nach 3 Jahren einen Arzt danach zu fragen bringt nichts - auf Station und im Ärztezimmer herrscht Platzmangel. Sofort der Entlassungsbrief geschrieben ist, wandern Akten ins Archiv, sonst wird man von Akten regelrecht erschlagen.... :-)
Langanhaltenden Kopfschmerzen und Schwindel kann auch von der HWS entstehen. Bei längeren OPs liegt man ja komplett still in einen Stellung. Wenn man intubiert wird liegt den Kopf etwas zurück in eine etwas unnatürlichen Stellung. Nach einen 8-stündigen OP fühlte ich mich als wäre ich Marathon gelaufen und hatte beim Umzug geholfen.
ich war etwas verwirrt, hatte Sehstörungen, Übelkeit, Schwindel, Kopfschmerzen
,
Piritramid o.ä. danach gekriegt???
Gruß
Muppet

Elfriede
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Re: Narkoseprotokoll

Beitrag von Elfriede » 23.09.13, 08:41

Hallo, Muppet,

ich habe leider nichts gegen meine Beschwerden bekommen.

Ich werde mich mal ans Archiv wenden.

Grüße,
Elfriede

Elfriede
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Re: Narkoseprotokoll

Beitrag von Elfriede » 26.09.13, 22:48

Hallo,

so, nun hab ich mein Narkoseprotokoll endlich erhalten!!
Vielleicht könnt ihr mir ja dazu einige Fragen beantworten.

1. Als ich durch die Schleuse kam direkt vor der OP, trat ein Arzt in Grün und mit Mundschutz auf mich zu und sagte: 'Ich bin Dr. X, ich bin Ihr Narkosearzt'. Gut, dachte ich, Dr. X ist ja der Chefarzt der Anästhesie und ich habe eine Krankenversicherung mit Chefarztbehandlung.
Auf dem Narkoseprotokoll ist aber als alleiniger Anästhesist Herr Y vermerkt. Im Sekretariat der Anästhesie erfuhr ich, dass Herr Y nur ganze drei Wochen in dem Krankenhaus tätig war. Er ist auf der Liste der Krankenhausmitarbeiter nicht als Arzt aufgeführt, auch nicht als Assistenzarzt, auch nicht als Pfleger etc., sondern unter 'weitere Mitarbeiter'.
Eine Anästhesieschwester ist im Protokoll nicht aufgeführt.
Darf ein wie auch immer gearteter 'Mitarbeiter', der definitiv kein Arzt ist, allein eine Narkose durchführen??? Die Sekretärin sagte nur: 'Oh, das ist ja'n Ding'.

2. Die Anästhesie wurde um 8.30 Uhr eingeleitet, aber eine Anästhesiepräsenz ist erst ab 9.00 Uhr angegeben. Um 8.15 Uhr wurde ich von der Station abgeholt, ohne irgendein Gerät, aber eingetragen sind EKG-Werte ab 7.00 Uhr. Wie ist das möglich?

3. Das EKG verzeichnet einen Blutdruck, der ständig rauf und runter schwankt: systolisch 186, 113, 96, 178, 87, 107, 192; diastolisch: 102, 109, 58, 104, 78, 62, 98.
Außerdem steht da: Arrhythmie intraoperativ.
Ist das alles normal bei einer Narkose?

4. Ich hatte ja erhebliche Probleme beim und nach dem Aufwachen, und das wurde auch im Aufwachraum deutlich. Ich war verwirrt, hatte Sehstörungen, Übelkeit, Schwindel, Kopfschmerzen. Erst 20 Stunden nach der OP war ich wieder völlig wach.
Dass ich aus dem Aufwachraum auf die Station gebracht wurde habe ich überhaupt nicht mitbekommen.
Im Protokoll aber steht: unauffälliger Verlauf im Aufwachraum, Bewusstsein: wach, Kreislauf: stabil
Darf man das so verfälschen?

5. Als SpO2(%) ist zu Beginn angegeben 95, dann 93, 91, 88,5, 78, 69, 67 und am Ende 61.
Sind die letzte Werte nicht VIEL zu niedrig? Bei 69 hätte man doch schon engreifen müssen, oder? Kein Wunder, dass ich nicht wach wurde und mir schwindelig und schlecht war.

6. Als postoperative Empfehlung steht: Internistisches Konzil zwecks RR-Einstellung (was ist das?). Ein internistisches Konzil hat aber nie stattgefunden. Warum nicht? Es kam kein anderer Arzt an mein Krankenbett als der Stationsarzt und zweimal der Operateur.

Vielen Dank für Antworten.
Grüße,
Elfriede

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Re: Narkoseprotokoll

Beitrag von Muppet » 27.09.13, 07:13

Hallo,
RR Einstellung -> Blutdruckeinstellung.
Manchmal sind Ärzte auch als "wissenschaftliche Mitarbeiter" aufgeführt. Sind aber trotzdem Ärzte.
Gruß
Muppet

Elfriede
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Re: Narkoseprotokoll

Beitrag von Elfriede » 27.09.13, 16:27

Hallo, Muppet,

danke für deine Auskunft.

Selbst wenn der Herr Y ein Arzt war, warum war er nur 3 Wochen in dem Krankenhaus? Darf mich der Narkosearzt Dr. X eigentlich so anlügen? Er hat mir eine saftige Rechnung geschrieben (ich bin Privatpatientin), für die ca. 45 Minuten Narkose hat er über 4.000 Euro berechnet. Das ist auf jeden Fall viel, viel mehr als was ein 'Mitarbeiter' verlangen dürfte, denke ich.

Kann mir vielleicht jemand die anderen Fragen auch noch beantworten?

Danke im Voraus.

Grüße,
Elfriede

Phileas Fogg
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Re: Narkoseprotokoll

Beitrag von Phileas Fogg » 27.09.13, 18:28

Darf ein wie auch immer gearteter 'Mitarbeiter', der definitiv kein Arzt ist, allein eine Narkose durchführen??? Die Sekretärin sagte nur: 'Oh, das ist ja'n Ding'.
Wieso ist er definitiv kein Arzt? Weil er auf der Homepage unter weitere Mitarbeiter geführt wird? Wie Muppet schrieb, das bedeutet nichts. Anwesenheit von Pflegepersonal bei Ein- und Ausleitung der Narkose ist meiner Meinung nach Pflicht und ich habe auch noch nie erlebt, dass das anders gehandhabt wird. Da war sicherlich noch jemand dabei, auch wenn kein Name auf dem Protokoll steht.
2. Die Anästhesie wurde um 8.30 Uhr eingeleitet, aber eine Anästhesiepräsenz ist erst ab 9.00 Uhr angegeben. Um 8.15 Uhr wurde ich von der Station abgeholt, ohne irgendein Gerät, aber eingetragen sind EKG-Werte ab 7.00 Uhr. Wie ist das möglich?
Entweder trügt ihre Erinnerung oder das Protokoll ist nicht korrekt ausgefüllt worden.
3. Das EKG verzeichnet einen Blutdruck, der ständig rauf und runter schwankt: systolisch 186, 113, 96, 178, 87, 107, 192; diastolisch: 102, 109, 58, 104, 78, 62, 98.
Ist das alles normal bei einer Narkose?
Manipulationen am Knochen können einen sehr starken Schmerzreiz darstellen. Als normale Reaktion auf diesen Stress reagiert man bspw. mit Anstieg der Herzfrequenz oder des Blutdruckes. Je tiefer die Narkose ist, umso weniger stark fallen diese Reaktionen aus. Die Narkose jedoch auf konstant optimalem Niveau zu halten, kann schwierig sein, da jeder Mensch unterschiedlich stark auf die Medikamente reagiert, bzw. diese unterschiedlich schnell verstoffwechseln kann. Ein Schwanken des Blutdrucks kann also vollkommen normal sein. Interessant wäre, ob unmittelbar nach den Blutdruckspitzen Medikamente verabreicht wurden, um die Narkose zu vertiefen.
4. Ich hatte ja erhebliche Probleme beim und nach dem Aufwachen, und das wurde auch im Aufwachraum deutlich. Ich war verwirrt, hatte Sehstörungen, Übelkeit, Schwindel, Kopfschmerzen. Erst 20 Stunden nach der OP war ich wieder völlig wach.
Dass ich aus dem Aufwachraum auf die Station gebracht wurde habe ich überhaupt nicht mitbekommen.
Im Protokoll aber steht: unauffälliger Verlauf im Aufwachraum, Bewusstsein: wach, Kreislauf: stabil
Darf man das so verfälschen?
Wie genau sahen denn die Sehstörungen aus? gestörtes Farbensehen? Schwindel kann nach einer Narkose durchaus normal sein und auch, dass es etwas dauert, bis man vollends wach wird. Das bedeutet ja nicht, dass Sie nicht erweckbar waren. Im Protokoll steht ja auch nicht "völlig wach", sondern "wach". Übelkeit und Kopfschmerzen sollte man meiner Meinung nach durchaus erwähnen, weil dies für weitere Operationen wichtig ist.
5. Als SpO2(%) ist zu Beginn angegeben 95, dann 93, 91, 88,5, 78, 69, 67 und am Ende 61.
Sind die letzte Werte nicht VIEL zu niedrig? Bei 69 hätte man doch schon engreifen müssen, oder? Kein Wunder, dass ich nicht wach wurde und mir schwindelig und schlecht war.
Wenn die Werte stimmen, kam es wohl zu einem raschen Abfall der Sättigung. Wann genau war das? Während der Intubation? Wenn diese sich als schwieriger als gedacht herausstellt oder zu lange dauert, kommt es zu solchen Abfällen, weil der Patient währenddessen nicht selbst atmet (vollkommen normal) und auch noch nicht beatmet wird (deshalb intubiert man, also führt einen Beatmungsschlauch ein). Allerdings wurde das Problem anscheinend gelöst und normalerweise (also bei nicht schwer vorgeschädigten Organen) verursacht so etwas keine Probleme.
6. Als postoperative Empfehlung steht: Internistisches Konzil zwecks RR-Einstellung (was ist das?). Ein internistisches Konzil hat aber nie stattgefunden. Warum nicht? Es kam kein anderer Arzt an mein Krankenbett als der Stationsarzt und zweimal der Operateur.
Wenn die aufgefallenen Blutdruckwerte nicht dramatisch waren, gibt es prinzipiell keinen Grund, den Blutdruck unter stationären Bedingungen einzustellen. Dies kann normalerweise problemlos vom Hausarzt erledigt werden. Aber hier kann man nur spekulieren. Vielleicht war der Blutdruck im stationären Verlauf auch wieder normal oder der Stationsarzt hat sich selbst darum gekümmert, obwohl er Chirurg ist. :shock:
Selbst wenn der Herr Y ein Arzt war, warum war er nur 3 Wochen in dem Krankenhaus? Darf mich der Narkosearzt Dr. X eigentlich so anlügen? Er hat mir eine saftige Rechnung geschrieben (ich bin Privatpatientin), für die ca. 45 Minuten Narkose hat er über 4.000 Euro berechnet. Das ist auf jeden Fall viel, viel mehr als was ein 'Mitarbeiter' verlangen dürfte, denke ich.
Woher soll man denn wissen, weshalb Arzt Y nur kurz dort gearbeitet hat? Vielleicht bekam er eine Zusage für eine Stelle, die er lieber wollte.
Wo hat Dr. X Sie genau angelogen? Er hat doch nie behauptet, dass er während der OP nicht von Ihrer Seite weichen würde, oder?
Es lohnt sich einmal genau in die bei Aufnahme unterschriebenen Unterlagen zu schauen. Häufig findet man dort aufgeführt, dass Sie auch mit einem Stellvertreter von Dr. X einverstanden sind, falls dieser verhindert ist oder woanders dringender gebraucht wird. Es ist in der Anästhesie vollkommen üblich, dass der Chefarzt bei den Privatpatienten zu Beginn dabei ist und den Saal verlässt, sobald die OP beginnt (oder der Patient schläft), genauso wie Privatpatienten häufig von leitenden Oberärzten operiert werden und der Chefarzt zwischendrin dazustößt, um mit auf dem OP-Protokoll zu stehen.
Mit ein Grund, warum sich viele Ärzte die Chefarztbehandlung sparen.

Dass Ihnen nach der OP übel war, sollten Sie wissen und in Zukunft bei OPs angeben, damit man mit Medikamenten dagegenarbeiten kann. Dabei handelt es sich aber nicht um einen Behandlungsfehler. Ansonsten verstehe ich nicht ganz, weshalb Sie so angestrengt nach Fehlern suchen?

Elfriede
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Re: Narkoseprotokoll

Beitrag von Elfriede » 27.09.13, 19:44

Hallo, Phileas Fogg,

vielen herzlichen Dank, dass Sie mir so ausführlich geantwortet haben. Sie sind sicher Arzt.

Ich suche eigentlich nicht nach Fehlern, aber ich wurde misstrauisch, weil mir die Einsicht in ein Narkoseprotokoll kategorisch verwehrt wurde, meinem Hausarzt gesagt wurde, es gäbe gar kein Protokoll und ich jetzt erst, nach mehrmaligem Anfragen, eins bekam.
Ich soll ja bald, wie ich oben schrieb, in diesem selben Krankenhaus mich einer weiteren Operation mit Vollnarkose unterziehen, und ich möchte nicht wieder solche Probleme nach der OP haben wie vor 3 Jahren. Starke Übelkeit und Kopfschmerzen dauerten immerhin Wochen an.

Die Werte für die Sauerstoffsättigung sind die während der gesamten Operationszeit. Sie gehen also ständig nach unten. Mit einem Wert von 61 kam ich in den Aufwachraum.

Ich weiß, dass der Chefarzt nicht die ganze Zeit dabei sein muss, aber weil er mir sagte, 'Ich bin Ihr Narkosearzt' hätte ich doch gedacht, dass er zumindest die Narkose einleiten würde. Er war aber keine Sekunde im OP-Raum anwesend, also war er auch nicht mein Narkosearzt.

Meine Sehstörungen waren in erster Linie Doppeltsehen. Ich konnte auch 12 Stunden nach der OP überhaupt nichts fokussieren. Erst nach mehr als 20 Stunden konnte ich wieder erkennen, wer vor mir stand. Dann setzte auch erst das Farbsehen ein. Vorher war alles nur grau. Lesen konnte ich erst nach zwei Tagen wieder.
Ich glaube nicht, dass das normal ist. Ich finde, das hätte im Narkoseprotokoll oder im Abschlussbericht für meinen Hausarzt erwähnt werden müssen.

Ich hab einfach Angst, dass ich nach einer erneuten Vollnarkose vielleicht überhaupt nicht mehr klar sehen kann und wieder wochenlang Schwindel, Übelkeit und starke Kopfschmerzen haben werde. Diese Probleme dauerten länger an als die Heilung meines gebrochenen Beines.

Nochmals vielen Dank.

Grüße,
Elfriede

Anästhesieschwester
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Re: Narkoseprotokoll

Beitrag von Anästhesieschwester » 27.09.13, 23:37

Guten Abend,

da wurden sicherlich die Zeilen für Sauerstoffsättigung und Herzfrequenz verwechselt. Sollte nicht sein, kann aber mal vorkommen (habe das selbst schon auf Narkoseprotokollen gesehen).

Elfriede
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Re: Narkoseprotokoll

Beitrag von Elfriede » 28.09.13, 14:27

Hallo, Anästhesieschwester,

das wäre ja noch schlimmer. :shock:

Die Werte für die Herzfrequenz waren:

66, 62, 77, 85, 88, 64, 61, 54, 39, 42, 49

Grüße,
Elfriede

aristel
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Re: Narkoseprotokoll

Beitrag von aristel » 30.09.13, 20:50

Guten Abend,

ich entnehme Ihren Angaben zum Narkoseprotokoll, dass die jeweils letztgenannten Werte die waren, die bei der letzten Messung im OP-Raum festgestellt wurden.
Danach hat man Sie mit einer Sauerstoffsättigung von 61, einem Puls von 49 und einem Blutdruck von 192/98 in den Aufwachraum gebracht, wo sie erhebliche Probleme hatten, wach zu werden und noch lange Zeit mit Schwindel, Übelkeit und Sehstörungen zu kämpfen hatten.

Das ist kein Wunder, denn mit SpO2(%) 61 hätten Sie meiner Meinung nach nicht ohne Sauerstoffgabe in den Aufwachraum gebracht werden dürfen, und bei einem so hohen Blutdruck mit gleichzeitig sehr niedrigem Puls hätte man Sie medikamentös besser einstellen müssen. Das wurde ja auch im Narkoseprotokoll als Folgemaßname gefordert, ist aber, wie Sie schreiben, nicht erfolgt.

Ich kann sehr gut verstehen, dass Sie in diesem Krankenhaus nicht so gern wieder operiert werden möchten. Gibt es kein anderes Krankenhaus, in dem der Eingriff vorgenommen werden kann? Auf jeden Fall sollten Sie darum bitten, dass man Ihnen sagt, wer die Narkose machen wird und wer der Stellvertreter des Narkosearztes ist, falls der Narkosearzt verhindert ist.

Ich bin ebenfalls Privatpatientin und habe Ähnliches erlebt. Der Chefarzt war an meinem Operationstag gar nicht im Haus, (er war zu Hochzeit seiner Tochter), sagte mir aber einen Tag später, er habe mich operiert.
Operiert hat in Wirklichkeit ein Assistent, der die Operation zum ersten Mal machte, ohne jegliche Überwachung eines Oberarztes. Deswegen ist bei der OP auch so sehr viel schiefgelaufen.
Die Rechnung aber schrieb der Chefarzt. Sie war so exorbitant hoch, dass meine Kasse sich weigerte, sie zu bezahlen. Abgerechnet wurde eine OP mit Herz-Lungen-Maschine, an die ich aber nie angeschlossen war. Da war völlig aus der Luft gegriffen. Ich musste erst klagen, bevor die Rechnung revidiert wurde.

Ich habe meinen OP-Bericht erst bekommen, als mein Hausarzt nach fünfmaliger Anforderung mit dem Rechtsanwalt drohte.
Wenn man den OP-Bericht und/oder das Narkoseprotokoll auf Anfrage nicht bekommt, sollte man misstrauisch sein.

Viele Grüße, Aristel

Phileas Fogg
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Re: Narkoseprotokoll

Beitrag von Phileas Fogg » 30.09.13, 21:12

aristel hat geschrieben: ich entnehme Ihren Angaben zum Narkoseprotokoll, dass die jeweils letztgenannten Werte die waren, die bei der letzten Messung im OP-Raum festgestellt wurden.
Danach hat man Sie mit einer Sauerstoffsättigung von 61, einem Puls von 49 und einem Blutdruck von 192/98 in den Aufwachraum gebracht, wo sie erhebliche Probleme hatten, wach zu werden und noch lange Zeit mit Schwindel, Übelkeit und Sehstörungen zu kämpfen hatten.

Das ist kein Wunder, denn mit SpO2(%) 61 hätten Sie meiner Meinung nach nicht ohne Sauerstoffgabe in den Aufwachraum gebracht werden dürfen, und bei einem so hohen Blutdruck mit gleichzeitig sehr niedrigem Puls hätte man Sie medikamentös besser einstellen müssen. Das wurde ja auch im Narkoseprotokoll als Folgemaßname gefordert, ist aber, wie Sie schreiben, nicht erfolgt.
Das ist lediglich eine Vermutung, die keineswegs der Realität entspricht. Ich glaube nicht an die angegebenen Sauerstoffwerte, da muss ein Fehler vorliegen.
Blutdruckspitzen am Ende von Operationen können durchaus vorkommen, sei es schmerzbedingt (schnell behoben) oder durch den Stress am Ende der Narkose (ebenfalls).

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