Muskelschwäche seit Narkose

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LaLunaX
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Muskelschwäche seit Narkose

Beitrag von LaLunaX »

Ich hatte vor genau einem Jahr eine dreistündige Operation für eine Nasenscheidewand Korrektur und leide seit dem unter starken neurologischen Beschwerden. Ich frage mich was dabei schief gegangen sein kann. Als ich aus der Narkose erwachte, fühlte ich mich so, wie wenn ich Fieber hätte. Kurze Zeit darauf wollte ich aufstehen, aber es ging nicht, ich hatte absolut keine Kraft in den Beinen. Ich konnte zwar meine Glieder bewegen aber hatte keine Kraft mich zu tragen. Mit viel Mühe habe ich es später auf die Beine geschafft. Nur leide ich seit dieser Narkose unter einer Muskelschwäche am gesamten Körper und bin seit dem nicht Arbeitsfähig. Mein Physiotherapeut hat mir auch bestätigt, dass mein Muskeltonus zu niedrig ist vor allem in den Beinen, wo ich die Starke Schwäche fühle. Zudem haben ich einen Laktat TeSt unter Belastung gemacht, der viel zu hoch war, weswegen ich eine Muskelbiopsie machen werde, um eine Mitochondriopathie auszuschließen. Ich frage, mich noch immer was während der Narkose passiert sein kann. Auffallend ist für mich der niedrige Blutdruck von 80/40 während der Narkose nicht invasiv gemessen, zudem habe ich in der Mitte der Narkose das Mittel Catapresan bekommen gegen shivering. Ich hatte eine TIVA mit Propofol und Remifentanyl sowie Cortison und Antibiotika und noch Schmerzmittel.
Könnte ich ev. Ein unbemerktes Propofolinfusionssyndrom bekommen haben, welches Nachwirkungen hat, denn mein Lactat ist seit dem zu hoch bei Belastung? Oder eine Sauerstoffunterversorgung durch den niedrigen Blutdruck, ich habe seit der Narkose zudem eine Kontrastsehschwäche und mein Denken ist auch etwas verlangsamt. Ich war vor der Operation komplett gesund. Hat jemand schon mal sowas erlebt? Ich bin dankbar für jeden Tip.
oibaf_fabio_
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Re: Muskelschwäche seit Narkose

Beitrag von oibaf_fabio_ »

Hi LaLunaX,

auch wenn ich neu und kein Arzt bin, werde ich es mal mit (m)einer ersten Antwort versuchen :).

Prinzipiell sind Ferndiagnosen o.ä. hier zurecht verboten bzw. gelten ja generell als eher unseriös.
Gerade in Ihrem Fall ist es natürlich etwas schwer Diagnostik und Information differenziert zu erklären.
Dann fange ich mal an:


Bezüglich der neurologischen Beschwerden:

Gerade bei neurologischen Beschwerden ist es natürlich immer wichtig vorher abzuklären ob dies wirklich neurologische Beschwerden sind oder andere (z.B. tatsächlich einfach eine Muskelschwäche).
Hierbei würde ich, an Ihrer Stelle, zunächst zu meinem Hausarzt gehen und diesem meine Symptome schildern. In der Regel sind die Jungs oder Mädchen :) ja fachlich gut aufgestellt und können Ihnen sicherlich helfen bzw. weitervermitteln.

Sollten Sie schon bei Ihrem Hausarzt gewesen sein (wovon ich ausgehe), könnten Sie sich ggf. mal eine weitere Meinung einholen bzw. mit Ihrem Hausarzt sprechen, ob er weitere Anlaufstellen empfehlen kann (z.B. einen anderen Arzt oder gar eine Uni-Klinik) - ich spreche da aus Erfahrung


Bezüglich des Propofolinfusionssyndrom (PRIS):

Auch wenn Ihr Blutdruck während der OP gering war, würde ich dies nicht unbedingt als Indikator für ein PRIS sehen - trotzdem ist dies natürlich nicht ausgeschlossen. Meines Wissens nach gehört i.d.R. zu einem PRIS auch eine niedrige Herzfrequenz. Soweit ich weis, weißen Patienten/innen bei einer arteriellen Hypotonie (sprich: niedriger Blutdruck) oft ein erhöhten Herzschlag auf.

Natürlich ist bei einem PRIS auch immer die Frage, ob bei der TIVA die Dosis manuell titriert wurde oder mittels Target-Controlled-Infusion https://de.wikipedia.org/wiki/Target_Co ... d_Infusion - anbei ein Wikipedia-Artikel hierzu/ sollten Sie Fragen haben können Sie mich gerne anschreiben - ich schrieb den Artikel zu einem Großteil.



Vielleicht könnte man auch die Blutwerte bestimmen:

1. Creatinkinase
2. Lactatdeyhdrogenase (wenn ich mich nicht irre, haben Sie dies bereits getan)
3. Kreatinin
4. Serumosmolalität
5. Elektrolyte
6. Myoglobin (Blut sowie Urin)



Am Ende möchte ich jedoch nochmal betonen, dass ich kein Arzt bin und die Entscheidungsgewalt bei Ihrem Arzt liegt und dieser natürlich auch mehr Durchblick hat als ich. Trotzdem begrüßen Ärzte mitdenkende Patienten/innen (i.d.R.) und von daher würde ich meinem Arzt diese Möglichkeit einfach mal vorschlagen.


VG
Fabio


P.S. Sollte ich gegen eine Forenregel verstoßen haben, wäre es super wenn ein Admin meinen Beitrag löschen (o.ä.) könnte oder mich drauf hinweist - dann ändere bzw. kürze ich meinen Beitrag gerne.
LaLunaX
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Re: Muskelschwäche seit Narkose

Beitrag von LaLunaX »

Hallo oibaf_fabio,
Vielen Dank erstmal für deine ausführliche Antwort, sehr lieb, dass du dir dafür die Zeit genommen hast.
Danke für deine Tips, genau beim Hausarzt war ich schon und auch bei zahlreichen Neurologen, aber ich dachte mir, ev. hat hier jemand ja etwa Ähnliches erlebt. Mein Anästhesist sagte mir damals, dass er sowas noch nicht erlebt hat, wobei ich das nicht so glaube, daher wollte ich mich mal hier im Forum austauschen. Also der neurologische Status ist unauffällig und auch sämtliche Blutwerte, bis auf das Laktat, weswegen ich eine Muskelbiopsie bezüglich Mitochondriopathie machen lassen werde. Auffällig ist für aber das Propofol Mitochondrien toxisch ist, und mein Blutwert auch auf eine Dysfunktion hindeutet.
Bezüglich des PRIS ich hatte tatsächlich einen niedrige Herzfrequenz, wobei ich nicht genau weiß, was tatsächlich niedrig ist. Also meine war so um die 50 Schläge pro Minute. Ob ich ein unbemerktes PRIS hatte ist schwer zusagen.
Wie die TIVA gegeben wurde kann ich nicht sagen, aber danke für den Artikel von Wikipedia werde ich mir dann ansehen.
Die meisten Blutwerte habe ich schon bestimmen lassen, dabei ist nicht wirklich was rausgekommen. Ich danke dir für dein Bemühen, ich werde mir noch den Wikipedia Artikel ansehen. Danke
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