Schmerzen ohne Kompressionsstrümpfe, aber keine weitere OP ?

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jedenfalls
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Schmerzen ohne Kompressionsstrümpfe, aber keine weitere OP ?

Beitrag von jedenfalls » 08.06.09, 20:26

Hallo Prof. v. Sommoggy,

im folgenden ein etwas längeres Anliegen:

Derzeit 35 Jahre alt. Ich habe bereits zwei Operationen je Bein hinter mir (Krampfadern). Die letzte war vor 4 Jahren. Am linken Knöchel wurden Varizen nicht entfernt, dort haben sich auch schon neue gebildet und es vermehren sich die Besenreißer.

Ich trage seitdem konsequent Kompressionsstrümpfe Kl 2 bis Knie. Nur selten trage ich abends keine, ich merke dann immer sofort, dass die Beine zu schmerzen anfangen.

Anfang des Jahres war ich bei einem Gefäßchirurgen (mit gutem Ruf), der nach Untersuchungen sagte, der Venenfluss wäre in Ordnung und eine OP würde meine Beschwerden nicht lindern... und eine OP wäre auch nicht nötig. Ich hatte damals aus persönlichen Gründen nicht näher weitergefragt (Stress, neu in der Stadt) und auch den Befund nicht angefordert.

Ein Gefäßchirurg in meiner ehemaligen Stadt war allerdings der Ansicht, man müsste bei Krampfadern ALLES wegoperieren, damit man ein gesundes System hat ("Kariesprinzip"). Und dann wären auch die Schmerzen weg. Seine Diagnose damals war:

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Rezdivvarikosis bds (I83.9B) mit

Rechtes Bein: CVI Grad I bei Leitvenenatonie Grad II (I87.2R), Crossenrezidiv und Stamminsuffizienz der VSM im Unterschenkelbereich und der VSP Stad. III (bes. im prox. i. distalen Drittel, Seitenastvarikosis u. Giacomini-Kreislauf und insuffiziente Perforansvenen in Höhe Dodd, Boyd, hintere CIII, May

Linkes Bein: Leitvenenatonie Grad II (I87.2L), Kleines Crossenrezediv iund Stamminsuffizienz der VSM vom Kniekehlenbereich bis zum Innenknöchel, Seitenastvarikosis und insuffiziente Perforansvenen in Höhe Boyd, C III.

Retikulär- und Besenreiservarikosis beidseits.
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Wegen Umzug habe ich mich bei diesem Arzt nicht mehr operieren lassen.

Was meinen Sie was für ein medizinisches Problem hier vorliegen könnte? Oder andersrum, welche Fragen kann ich dem neuen Arzt nachträglich stellen, um zu erfahren, was da los ist mit den Beinen? Oder sollte ich mir lieber einen anderen suchen?

Vielen Dank im Voraus!

Viele Grüße,
Alexander Brand

Stefan von Sommoggy
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Beitrag von Stefan von Sommoggy » 09.06.09, 06:56

Also: Nach dem schriftlichen Befund Ihres ersten Gefäßchirurgen haben sie eine eindeutige Rezidivvarikosis beidseits, die nach diesen Befunden durchaus operationswürdig ist.
Allerdings: Schmerzen verursacht das normalerweise nicht, nur Beschwerden im Sinne von müden, "schweren" Beinen.
Kariesprinzip: Also da kann ich nicht zustimmen. Es gibt durchaus Varizen (Z. B. Seitenastvarizen, retikuläre Varizen und Besenreiservarizen), die keinen Stau machen und deshalb eher ein Schönheitproblem sind.
Die Funktion des tiefen Venesystem kann man durchaus untersuchen (Farb-Duplex, Lichtreflexionsrheografie LRR, Venenverschlußplethysmografie VVP).
Zusammenfassend: Ihr 2. Gefäßchirurg war vielleicht etwas zu sorglos, bei ihrem 1. Gefäßchirurgen gefällt mir das "Kariesprinzip" nicht, allerdings hat er einen exakten Befund erhoben.
Mein Rat: Fragen sie einen Dritten, vielleicht einen erfahrenen Phlebologen.
Es gibt leider auch Ärzte, die aus Geldgier alles operieren, sogar Gesunde!
Viele Grüße,
Stefan Sommoggy
Prof. Dr. Stefan von Sommoggy

Nach § 7 (3) der Berufsordnung für Ärzte ersetzt meine Stellungnahme nicht die persönliche Beratung, Untersuchung und Behandlung durch Ihren Arzt.

jedenfalls
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Beitrag von jedenfalls » 09.06.09, 09:52

Hallo Prof. v. Sommoggy,

vielen Dank für Ihre informative Antwort!

Die Schmerzen, von denen ich schrieb, sind eher diffus und verteilt, ich denke "müde und schwer" könnte auch passen, vereinfacht gesagt tut es eben weh, im Knöchelbereich am linken Bein habe ich ein unagnehmes Druckgefühl. Ein Tag ohne Kompressionsstrümpfe ist undenkbar.

Dem Befund zufolge, den ich dem "2. Gefäßchrirugen" übrigens auch vorgelegt hatte, hätte ebendieser also ein OP vorschlagen sollen? (ch denke ich sollte den Befund des 2. Gefäßchriurgen (der auch Phlebologe ist) nachfordern. )

Denn ich würde gerne mal wieder ohne schwere Beine, Schmerzen und Kompressionsstrümpfe leben. Und wenn ich Sie richtig verstanden habe, würde eine OP bei der Diagnose Abhilfe schaffen?

Viele Grüße,
Alexander Brand

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