Bauchaortenaneurysma

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Vitalikum
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Bauchaortenaneurysma

Beitrag von Vitalikum » 11.02.09, 21:23

Hallo zusammen!

Ich habe mich noch nie an Foren dieser Art gewendet und falls ich jetzt ein falsches Forum erwischt und/oder die Mediquette nicht einhalten, entschuldige ich mich dafür schon jetzt.

Mein Vater 53 ist vergangene Woche ins Krankenhaus gekommen, mit der Diagnose "Bauchaortenaneurysma - 8cm Durchmesser". Es wurde zufällig bei einer Routineuntersuchung beim Kardiologen ( er leidet unter Bluthochdruck ) entdeckt, nachdem dieser sagte : "Ihr Herz ist in einem Topzustand, sie können stolz auf sich sein!". Nur durch einen dummen Zufall hat er noch einmal die Bauchdecke untersucht und das herausgefunden. Nachdem mein Vater dann am gleichen Tag noch bei einem Radiologen war, wurde der Befund bestätigt. Man sagte ihm, er solle noch diese Woche ins Krankenhaus fahren ( es war an einem Dienstag ). Als er im Krankenhaus anrief, reservierte man ihm ein Zimmer für den Folgetag. Dort angekommen wurden einige weitere Untersuchungen gemacht ( inkl. Röntgen des Thorax etc. ) und ein Operationstermin für Montag vereinbart. Am nächsten Tag ( Donnerstag ), wurde ihm dann gesagt, eine Operation sei ausgefallen und er könnte schon am Freitag operiert werden.

Das war sein zweites großes Glück.

Der Chirurg meinte nach der 5stündigen Operation, dass als sie die Bauchdecke eröffnet haben, bereits das Aneurysma geplatzt sei. Sie hatten gerade die Klemmen angesetzt und konnten die Aorta rechtzeitig verschliessen. Er hat eine Rohrprotese eingesetzt bekommen und der Darm wurde ebenfalls behandelt, weil er "bereits verwachsen" gewesen sei. Man konnte wohl auf all den Ultraschall -und Röntgenuntersuchungen nicht erkennen, wie schwach das Gewebe nur noch war und das er bis Montag ( der eigentliche OP-Termin ) wohl nicht mehr überlebt hätte.

Als er nach weniger als einem Tag von der Intensiv kam, konnte man ihn sofort ansprechen und alle haben von seinem knappen Tod berichtet, Schwestern, Ärzte, Pfleger ( und das alles haben sie ihm auch erzählt ). Man sagte ihm "Das war ein Tanz auf dem Vulkan" und "Das hätten andere Chirurgen nicht geschafft". Nach nur einem Tag ging es ihm schlechter. Er hatte ständig Schluckauf und starkes Sodbrennen. Die Ärzte sagten, ist in Ordnung. Er müsse erstmal Stuhl haben und dann würde die Luft aus dem Bauch auch weichen und man könnte mit der festen Nahrungsaufnahme beginnen... der Schluckauf und das Sodbrennen würde obendrein auch noch verschwinden.

Allerdings wurde es immer schlimmer und so hatte er gestern beispielsweise den ganzen Tag, ununterbrochen Schluckauf und Sodbrennen und hat sich dazu noch übergeben. Grün, mit kaffeesatzartigen Beimenungen. Die Ärzte sagen, ist die Galle. Ist in Ordnung. Abgehorcht, keine Darmgeräusche. Er muss sich bewegen, er muss Stuhlgang bekommen. Problem ist. Er schläft tagsüber alle 30 minuten für maximal 10 Minuten ein und ist die ganze Nacht wach, trotz starker Schlafmittel. Heute Nacht dann der ersehnte Stuhl. Allerdings heute morgen wieder übergeben. Hellbraun. Der Arzt sagte, ist normal, kommt vom Tee. Er muss sich bewegen. Er hat aber gar keinen Tee getrunken.

Problem ist und das macht uns alle seelisch mehr als nur fertig: heute hatte er zwar 4x Stuhl aber er ist alle 5 Minuten eingeschlafen, hat gesprochen wie ein Trunkener und war schwächer als NACH der OP. Er hat zwar nicht mehr so oft Schluckauf, aber das Sodbrennen ist geblieben. Sie haben die Nahrungsmittel via Infusion wieder eingestellt und geben ihm jetzt wieder nur noch NaCl und ein Antibiotika per Infusion. Zur Beseitigung des Schluckaufs haben sie es gestern mit "Haldol" probiert. Einmal 5 Tropfen, später 10. Der Schluckauf ging nur für 5 Minuten weg.

Meine Frage: ist das im Rahmen des Normalen? Ist er nun so weggetreten und kann seine verordneten Laufübungen nur unter maximalen Kraftaufwand bestreiten und schläft alle 5 Minuten ein und hat noch immer Schluckauf und Sodbrennen, weil sein Körper nicht genug Nahrung bekommt und die Tabletten ihn extrem schwächen? ODER kann etwas anderes der Grund sein?

Ich würde mich so riesig über eine Antwort freuen. Ich bin total am Verzweifeln. Ich habe im April mein Examen, habe aber jeden zweiten Tag Durchfall, Magenschmerzen, Übelkeit und kann nicht mehr klar denken und meine Mutter steht kurz vor einem Infarkt. Die Schwestern sagen immer nur "Das wird, das wird.. obwohl es schon merkwürdig ist" und die Ärzte sagen: "er muss sich bewegen, bewegen, bewegen".

Es grüßt ein verzweifelter Sohn

PS: mein Vater hatte sein Leben lang keine Probleme. Nur diesen Bluthochdruck, der aber seit Jahren behandelt wird. Sein Cholesterin ist immer Top, wie auch sonst alle Blutwerte.

Coza
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Beitrag von Coza » 11.02.09, 22:16

Hallo Vitalikum!

Wichtig wären noch ein paar Hinweise bezüglich Infektionszeichen (Fieber, Entzündungsparameter). Weiterhin können Blutarmut oder Elektrolytstörungen eine Rolle für die aktuellen Probleme spielen. Magenschutz wird er sicher bekommen.

Eine Störung des Schlaf-Wach-Rhythmus ist bei solchen schweren Krankheitsbildern keine Seltenheit, die starken Schlafmittel würde ich eher weglassen, wenn er derart adynamisch wie beschrieben ist.

Leider läßt sich online aufgrund der nur auf Symptomen beruhenden Informationen wenig sagen, worin nun wirklich das Problem liegt, vielleicht gelingt es Ihnen, mal ein paar Laborwerte zu erfragen.

Viele Grüße

Coza

Vitalikum
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Beitrag von Vitalikum » 11.02.09, 23:35

Hallo Coza...

...und vielen Dank für die schnelle Antwort!

Also speziellere Laborwerte könnte ich sicher anfragen, was ich allerdings weiß: es wurde ein Test gemacht, ob das durch die Blutkonserven verabreichte Eigenblut ( und davon brauchte er wohl viel ) gut im Körper aufgenommen wurde. Ich denke dabei handelte es sich um Blutarmut, oder? Dieser Test sei überaus positiv ausgefallen und sein Körper hat somit das Blut bestens aufgenommen. Nur die Frage ist: was ist mit Magenschutz gemeint?

Er war heute auch bei einem Test ( Name ist mir entfallen ), wo getestet wurde, ob das Blut durch die Beine fliesst und auch im Rest des Körpers sich frei entfalten kann. Test war positiv. Alles in Ordnung. Lediglich seine linke Hand war in den ersten Tagen stark geschwollen. Aber das war für die Ärzte nicht beunruhigend. Man sagte uns, dass so lange die Beine nicht dick werden, alles in Ordnung ist.

Fieber hatte er am dritten postoperativen Tag (38,3). Die Krankenschwester meinte aber, das käme vom Zigarettenentzug und sei ein klassisches Symptom der Patienten.

Mich beunruhigt nur dieses Sodbrennen. In seinen wachen Momenten sagt er auch immer wieder: "wenn dieses Sodbrennen weg wäre, ginge es mir viel besser". Die ersten zwei Tage waren auch besser. Er hat wieder Scherze gemacht etc, aber die letzten 2 Tage ist er mehr als adynamisch. Fast wie Dauertrunken.

Schmerzmittel ( mittlerweile bekommt er Tabletten ) nimmt er schon seit dem zweiten postoperativen Tag nicht mehr und lässt diese regelmäßig in der Schublade verschwinden. Wenn man ihn fragt, ob er gar keine Schmerzen hätte, antwortet er: "nein". Das verstehe ich auch nicht, zumal sein Bauch dermaßen aufgebläht ist, dass er steinhart ist. Die Ärzte sagen, das kommt von der Luft im Bauch, die erst verschwindet, wenn er regelmäßig Stuhl hat und windet. Nur wieso hat er dann keine Schmerzen von der frischvernähten Wunde??

Fragen über Fragen... :-(

Lieben Gruß

PS: ich habe auf manchen Seiten im Netz gelesen, dass die Lebenserwartung von Aneurysmapatienten nach 5 Jahren noch so und so viel Prozent waren. Besteht jetzt ein drastisches Risiko, dass mein Vater innerhalb von 5 Jahren sterben wird???

[ Edit um 6:13 Uhr ] mein Vater hat die ganze Nacht meine Mutter angerufen und wollte das sie vorbeikommt. er hat dabei immer ganz wirr gesprochen, wie weggetreten. "ein ganzes zimmerteil ist umgeflogen" meinte er u.a.

Kann das ein postoperatives Trauma sein? Als er die ersten Tage noch "fitter" war, hat er die ganze Zeit gemurmelt "das muss man sich mal vorstellen. Da wäre ich mit 53 fast gestorben!"

Stefan von Sommoggy
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Beitrag von Stefan von Sommoggy » 12.02.09, 08:07

Ein Internetforum kann ihnen da nicht weiterhelfen: Das wäre unseriös. Ihr Herr Vater hat eine schwere Operation hinter sich und braucht eine längere Erholungsphase. Es nützt nichts, wenn man irgendwelche Spekulationen anstellt. Sie haben ja offenbar ständigen Kontakt zu den behandelnden Ärzten. Wieso glauben sie deren Aussagen nicht oder stellen ihnen die Fragen wie im Forum? auf konkrete Fragen sollten sie auch konkrete Antworten bekommen!
Verwirrtheitszustände sind nach schweren Operationen und unter Schmerz- und Beruhigungsmittel oft normal und müssen nichts Schlimmes bedeuten.
Alles Gute weiterhin und machen sie sich nicht verrückt bei aller berechtigten Sorge um ihren Vater, die ich natürlich verstehe.
Viele Grüße,
Prof. Dr. Stefan von Sommoggy

Nach § 7 (3) der Berufsordnung für Ärzte ersetzt meine Stellungnahme nicht die persönliche Beratung, Untersuchung und Behandlung durch Ihren Arzt.

Vitalikum
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Beitrag von Vitalikum » 12.02.09, 16:47

Sehr geehrter Herr von Sommoggy,

es ist richtig, dass wir erhöhten Kontakt zu den Ärzten haben, aber auch nur aus dem Grund, dass es meinem Vater jeden Tag schlechter ging. Ich habe den Ärzten auch die gleichen Fragen gestellt, wie hier im Forum, aber die Antwort war immer: "Alles in Ordnung, der Darm muss nur in Bewegung kommen, dann wird alles besser". Was würden sie jetzt also tun, wenn ein Familienmitglied mit gleichen Beschwerden im Krankenhaus liegen würde, die Ärzte ( da sie nicht in diesem Krankenhaus behandeln ) ihnen täglich sagen alles sei in Ordnung und sie dann drei Tage später, ohne angeordneten Ultraschall oder Röntgen, die Schwester rufen müssen, weil ihr Familienmitglied plötzlich nur noch schwer Luft bekommt und einen Blutdruck von 90/60 hat? Kurz darauf dann erst zum Röntgen kommt und jetzt mit Verdacht auf Darmverschluss auf den Intensivstation liegt. Würden sie dich dann nicht auch Fragen, ob Antworten wie: "Alles in Ordnung" nicht hätten besser überdacht werden müssen?

Und natürlich mache ich mich dann verrückt und jetzt erst recht, da ich sehnsüchtig den Anruf meiner Mutter erwarte, die gerade mit auf der Intensivstation und bei meinem Vater ist. Der Bauch ist seit drei Tagen steinhart und es werden keine weiteren Untersuchungen angeordnet.. das finde ich merkwürdig. Verständlicherweise..

Und die Fragen im Forum habe ich nicht gestellt, weil ich seriöse Antworten erwarte. Mehr als alles in Ordnung können sie ja vermutlich auch nicht sagen, ohne dabei zu sein. Ich wollte nur auch noch mal von Ihnen hören: alles in Ordnung, damit ich mich besser fühlen kann. Jetzt weiß man ja aber, dass eben nicht ALLES IN ORDNUNG war...

Mit verzweifelten Grüßen...

Coza
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Beitrag von Coza » 12.02.09, 17:34

Hallo Vitalikum!

Wenn der Bauch aktuell bretthart ist und Ihr Vater auf die ITS verlegt wurde, dann stimmt sicher etwas nicht. Das sieht, bei aller Einschränkung einer Onlinebeurteilung, nach einer Peritonitis (Bauchfellentzündung) aus. Hierfür könnte z.B. ein undichter Darm (Anastomoseninsuffizienz) ursächlich sein.
Das ist aber eine Spekulation anhand Ihrer Schilderung, möglicherweise liegt auch etwas ganz anderes vor, z.B. ein Darmverschluß (mechanisch oder paralytisch - beides hat unterschiedliche Konsequenzen).
Auch eine Entscheidung, noch einmal in den Bauch "hineinzuschauen", will in Anbetracht des Zustandes Ihres Vaters reiflich überlegt sein.

Eine postoperative Darmatonie ist ein häufiges und erklärbares Problem bei allen großen abdominalen Eingriffen. Eine Verwechslung zwischen "normaler" postoperativer Darmatonie und beispielsweise einer pathologischen Peritonitis wäre durchaus folgenreich. Nicht nur, wenn man das eine nicht erkennt, sondern auch, wenn man vorschnell reagiert und letztendlich nichts findet.

Deshalb hatte ich ja anfangs nach ein paar objektiven Befunden gefragt, z.B. wäre der Verlauf der Entzündungsparameter nicht uninteressant gewesen. Inzwischen gehe ich davon aus, daß sie angestiegen sind.

Ich nehme an, daß bei brettharten Bauch (schieben Sie mal jemanden mit einem derartigen Bauch und starken Schmerzen durchs CT oder halten sie einen Ultraschallkopf auf den Bauch - der Patient würde sich bedanken) und Atemnot möglicherweise doch ein second look erfolgt, wenn es der Kreislauf zuläßt. Möglicherweise ist danach eine weitere Beatmung erforderlich. Die weitere Verfahrensweise richtet sich dann nach der Ursache.

Bitte erwarten Sie von einem Forum mit einigen ehrenamtlichen Ärzten nicht, daß wir hier Ferndiagnosen stellen, Therapieempfehlungen geben oder gar irgendeinen Einfluß auf irgendetwas nehmen können.
So ein Forum kann nur dazu dienen, einige vorhandene Befunde vielleicht etwas zu verstehen oder bei gängigen Krankheitsbildern mal eine Leitlinie zu zitieren oder allgemeine Ratschläge zu geben.

Sicher verstehen wir Ihre Verzweiflung und sind wir auch im täglichen beruflichen Leben mit tragischen oder problematischen Krankheitsbildern konfrontiert. Aber die meisten der aufgeworfenen Fragen können wirklich nur vor Ort und nicht in einem Forum geklärt werden.

Viele Grüße

Coza

Vitalikum
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Beitrag von Vitalikum » 12.02.09, 19:49

Hallo Coza!

Besten Dank für deine erneute und umfangreiche Antwort. Inzwischen weiß ich ein ganz klein wenig mehr. Es wurde eine Magensonde gelegt und 3,5 Liter Flüssigkeit abgeführt! Die Intensivmedizinerin meinte dann, dass alles hätte bereits auf seine Organe gedrückt und ihm auch die Luft abgeschnürrt. Seine Beine wurden auch bereits blau, was sie auch damit erklärte. Die Flüssigkeit, die aus seinem Magen kam, soll wohl braun gewesen sein ( ist das Kot?). Im Internet habe ich gelesen, dass wenn die aus einer Magensonde abgeführte Flüssigkeit braun ist, sofort operieren! Die Ärztin meinte aber sie schickt es ins Labor und will erstmal den Flüssigkeitshaushalt ausgleichen, da mein Vater buchstäblich fast verdurstet sei. Es wurden dann noch drei Kanülen Blut genommen und jetzt hoffen sie, dass sein Darm anfängt zu arbeiten. Sie sind aber sehr zuversichtlich, was uns natürlich ein wenig Mut macht. Aber schliesslich hat man auch drei Tage behauptet, er hätte nur Luft im Magen. Bis morgen wird er definitiv auf der ITS bleiben. Wenn der Darm dann nicht arbeitet, überlegen sie zu operieren. Der Bauch ist übrigens um einiges "weicher" geworden und er konnte sich wieder auf die Seite drehen.. was er vorher überhaupt nicht konnte.

Ich hoffe dieser blöde Darm fängt an zu kämpfen und das es keine Peritonitis ist.

Ich halte dich auf dem Laufenden.. vielen Dank noch mal.

Vitalikum
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Beitrag von Vitalikum » 13.02.09, 22:53

Mal wieder ich..

Heute wurden Röntgenaufnahmen angefertigt. Angesetzte Zeitspanne 8 Std. Nach 4 Stunden das Ergebnis: der Darm lässt definitiv _nichts_ durch.

Ich stelle jetzt bewusst eine Frage im Forum und ich erhoffe mir keine Hellsehung oder eine fundierte Antwort, nur eine Mutmaßung; würde mir schon reichen, denn von den Ärzten habe ich keine bekommen...nicht mal eine Mutmaßung.

Er liegt jetzt noch immer auf der ITS. Schläuche, Magensonde, Blasenkatheter, etc. Sie spritzen ihm jetzt Mittel um den Darm wieder anzuregen; sollte letzterer darauf reagieren, würde er Krämpfe bekommen. Bisher keine Krämpfe, aber er hat ständig das Gefühl auf Toilette zu müssen. Meine Frage: was passiert jetzt? Sie wollen ihm jeden Tag Blut abnehmen, um eine Sepsis zu vermeiden. Wie lange wartet man jetzt, bis der Darm wieder funktioniert? Besteht eine realistische Chance, dass der Darm wieder funktioniert? Gibt es da Erfahrungswerte? Was passiert, wenn er nicht mehr reagiert? Wird operiert oder ein künstlicher Darmausgang gelegt? Die Ärzte antworteten dort heute leider nur mit : "Keine Ahnung!"

Über eine Mutmaßung würde ich mich sehr freuen, ich will auch niemanden im nachhinein festnageln. Ich bin mir über den Umfang dieses Forums durchaus bewusst und ich weiß auch, dass es sich hierbei nicht um das Orakel von Delphi handelt.

Besten Dank und viele Grüße

PS: da nur meine Mutter auf die ITS darf, hat sie mir etwas von einem Wert erzählt, der normal wohl bei "13/14" liegen darf und bei meinem vater gestern 16 war.heute morgen waren es wohl schon wieder 13. keine ahnung welcher Wert das war... aber von einer Peritonitis haben sie bisher nicht gesprochen. hätten sie doch machen müssen, oder?

tricolor
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Beitrag von tricolor » 13.02.09, 23:11

Mutmassung:

Es gibt zwei verschiedene Formen von Darmverschluss, einemal der mechanische, d.h. etwas behindert den Transport durch den Darm, Vernarbungen, Stenosen ect......
und dann den paralytischen, d.h. es liegt eine Art "Darmlähmung" vor, der Darm schafft nicht mehr, keine Eigenperistaltik. Die Ursache kann toxisch, also durch Gifte, medikamentös, traumatisch oder eben ideopatisch sein.

So wie Sie schreiben versucht man ja den Darm medikamentös anzutreiben, sowas würde man bei einem mechanischem Ileus/Darmverschluss nicht versuchen, da es zur Ruptur kommen kann. Also mutmasse ich mal einen paralytischen Ileus.

Inwieweit sowas reversibel ist, kann man nicht vorher sagen.Manchmal beginnt der Darm wieder, manchmal nicht. Und bei jeder Form des Darmverschlusses kommt es zu einer Elekrolytverschiebung, Natrium, Kalium und die ganzen Sachen, es werden neben toxischen Stoffen welche meist sekundär eine Peritonitis zur Folge haben , gefässaktive Substanzen ausgeschüttet, es kommt zu einem Flüssigkeitsverlust...also alles in allem ein schwieriges Krankheitsbild.

Ich hab mal gelernt, einen paralytischen Ileus/Darmverschluss operiert man nicht. Ob das heute noch gilt in Anbetracht des Verlaufes und der Komplikationen weiss ich nicht.


tricolor

PS: Wieso darf nur Ihre Mutter auf die ITS ? Das verstehe ich irgendwie nicht.

Vitalikum
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Beitrag von Vitalikum » 13.02.09, 23:33

Hallo Tricolor!

Vielen Dank für die schnelle Antwort. Also von einer toxischen Ursache gehe ich nicht aus, da ihm viel Blut abgenommen wurde und falls dabei etwas derartiges herausgekommen wäre, hätten sie das bestimmt gesagt. Und zu einer "Elekrolytverschiebung, Natrium, Kalium" etc. kam es bereits, da sie ihn gestern Nacht auf eine noch besser überwachte Station der ITS gebracht haben, mit eben jener Begründung. Er ist aber bei Bewusstsein und wieder bei Verstand. Er darf jetzt aber nur alle 8 Stunden ein Glas Wasser trinken, also 3 Gläser pro ganzen Tag und hat so schrecklichen Durst. Sein ganzer Mund ist trocken.

Ich hoffe nur sein Darm beginnt wieder zu arbeiten; sonst müsste man einen künstlichen Darmausgang legen, oder? Damit müsste und könnte er auch den Rest seines Lebens verbringen, oder?

Und meine Mutter "darf" nur auf die ITS, weil immer nur einer rauf darf. Mein Vater hätte lieber seine Frau bei sich, weil er uns nicht zeigen will, wie er leidet. Ich habe mich da vielleicht im Vorfeld falsch ausgedrückt.

Sieht alles nicht so gut aus.. ich hoffe nur das wird wieder. Wie lange kann man eigentlich mit einer Magensonde arbeiten? Muss die nicht irgendwann entfernt werden?

tricolor
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Beitrag von tricolor » 13.02.09, 23:47

Solange der Darm nicht arbeitet wird die Magensonde nicht entfernt werden, allenfalls wird sie aus druckstellen prophylaktischen Gründen umplatziert.

Ihr Vater hat einen riesen GefässOp's hinter sich, mit einer sekundär schwierigen Komplikation. Das braucht Zeit, und dieses auf und ab ist durchaus keine Prognose dafür, dass "alles nicht so gut aussieht".

Ist denn die Magensonde abgeklemmt wenn Ihr Vater Wasser trinkt ? Wenn ja, dann würde dies ja heissen, dass sich irgendetwas am Darm tut. Übrigens ist es normal, dass Ihr Vater so extremen Durst hat. Der Flüssigkeitsverlust beim Darmverschluss ist recht hoch, auch wenn nix nach draussen geht. In der Medizin nennt man das Flüssigkeitsverlust in den dritten Raum. Deshalb bekommt er viel Infusionen und diese tgl Blutkontrolle, da verschiebt sich nämlich städig irgendwas und man muss staendig an irgendwas rum korrigieren.

VG
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Beitrag von Vitalikum » 14.02.09, 00:29

Hallo nochmal..

..tut gut mit jemanden der sich in der materie auskennt zu sprechen. besser als dieses ständige "wird schon wieder" von freunden zu hören. auch wenn die es natürlich nur nett meinen..

ob die sonde abgeklemmt wird, weiß ich nicht. was ich weiß, ist, dass er flüssigen stuhlgang hat und die ärztin erst heute morgen meinte, es sind darmgeräusche zu hören. zumindest leichte. allerdings ging diese röntgenflüssigkeit _nicht_ durch den darm. ich habe auch von diesen komplikationen nach "bauch-ops" gehört und ich weiß das er einen sehr schwierigen eingriff hatte, zumal ja schon darmgewebe verwachsen und während der op gelöst werden musste. die ärzte haben hinreichend von der schwere berichtet und das leider auch immer wieder meinem vater unter die nase gerieben. eine schwester meinte gestern, bevor er auf die ITS kam: " was machen sie denn noch hier? dachte sie wären längst raus!" nicht gut für die Psyche, wenn Sie mich fragen..

Warum muss ein Darm solch ein komplexes Instrument sein und warum gibt es so kaputte Dinge wie Reizdarmsyndrome. Es sollte einen Psychologen für den Darm geben.. ganz ehrlich. Bisweilen soll sich auch Akkupunktur bewährt haben in Kombination mit Medikamenten.. vielleicht bringt das den Darm wieder auf Touren..bin echt total verzweifelt.

Mit anderen Worten: die ITS ist dazu da schlimmeres abzuwenden, die Unregelmäßigkeiten im Körperhaushalt auszugleichen und zu warten, bis der Darm sich entscheidet wieder richtig zu arbeiten, ja?

PS: Es wäre nicht schlecht, wenn der Admin die Sessionlänge im ACP erhöhen könnte. Ich muss mich ständig neu einloggen; wäre auch gerne dazu bereit das zu übernehmen. Habe sehr lange mit phpBB gearbeitet. Nur mal so als angebotene Hilfe meinerseits.. denn medizinisch bin ich eine Niete! ;-)

PPS: Danke für Alles!

[EDIT: 11:50 Uhr ] Meine Mutter kommt gerade von der ITS. Der behandelne Arzt hatte es sehr eilig ( verständlich auf einer ITS ) und meinte nur: "In einem Satz gesprochen: es geht ihm besser!" als meine Mutter meinen Vater dann fragte, ob sich etwas verändert hätte, meinte dieser nur, er hätte heute Nacht Krämpfe im Darm bekommen und hätte auch drei Mal unkontrolliert Stuhl verloren. Die Nachtschwester hat dann die Dosierung ( von was auch immer ) runtergesetzt und die Krämpfe haben wieder nachgelassen. Er hat auch wieder ein Rohr gesetzt bekommen, damit der Stuhl ablaufen kann.

Zum Verständnis: sind Krämpfe gut? Bedeutet das der Darm reagiert, oder hat das noch nichts zu sagen?

Vitalikum
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Beitrag von Vitalikum » 16.02.09, 18:51

...Rückmeldung von der Front.

Heute erneute Röntgenaufnahmen. Flüssigkeit läuft durch, Darm scheint sich zu erholen. Mein Vater darf jetzt schon etwas mehr trinken und fühlt sich auch wieder etwas bestärkter. Gestern Nacht hat er beispielsweise noch seine ganzen Kabel und die Magensonde aus dem Mund gerissen - weshalb weiß niemand. Der Arzt meinte dann heute original: "Das mit dem Stuhlgang scheint ja einigermaßen zu klappen ( heute schon 4 x ), jetzt kümmern wir uns um seine Psyche. Erstmal bleibt er noch auf der ITS".

Leicht ist das auch alles nicht. Ich meine, wenn man auf der ITS liegt um auf Stuhlgang zu warten und neben einem im Zimmer eine 96jährige liegt, die ebenfalls ein Bauchaortenaneurysma hatte und heute Abend Besuch von ihren Angehörigen bekommt, weil sie noch heute Nacht sterben wird und man die vergangenen Nächte jeweils 2 Wiederbelebungsversuche hautnah mitbekommen hat ... nun, da würde ich auch durchdrehen.

Jetzt hoffe ich der Darm arbeitet weiter und setzt nicht heute Nacht wieder aus, oder so und mein Vater kann endlich von der ITS und nach 12 Tagen langsam mal wieder mit Kostaufbau anfangen.

Ich melde mich noch mal, wenn das Thema durch ist. Vorab aber schon mal Danke an alle, die sich die Mühe in diesem Forum machen, anderen zu helfen und das unentgeldlich!!! Ihr seid super! Tricolor und Coza, ihr Beiden werdet noch viel Gutes tun, da bin ich mir sicher!

Viele Grüße
Vita

Coza
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Beitrag von Coza » 16.02.09, 21:10

Hallo Vita!

Geduld zu haben ist manchmal sehr schwierig.

Ich freue mich aber für Deinen Vater, daß es konservativ geklappt und er um eine erneute Operation herumgekommen ist, was sicher im gegebenen Fall den Verlauf weiter verkompliziert hätte. Es war also demzufolge kein mechanischer Ileus.

Auch das mit dem sogenannten "Durchgangssyndrom" wird sich wieder geben.

Viele Grüße

Coza

Vitalikum
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Beitrag von Vitalikum » 09.03.09, 13:11

Hallo zusammen!

Ich bins mal wieder. Wollte nur kurz den weiteren Verlauf nach der Entlassung berichten und habe eine weitere Frage.

Als mein Vater aus dem KH kam, musste ich etwa eine Woche später den Notdienst rufen, da er zwei Symptome eines Schlaganfalls hatte. Er kam daraufhin auf eine Stroke-Unit und wurde zunächst überwacht, dann untersucht. Es wurden keine Anzeichen für einen Schlaganfall und auch keine Vorboten eines solchen diagnostiziert. Eine Woche später wurde er entlassen, mit dem Verdacht einer vorübergehenden Durchblutungsstörung einer Hirnarterie. Der Kardiologe meines Vaters glaubt nicht daran, dass es an mangelnder Bewegung Postoperativ gelegen haben soll, sondern vielmehr wegen der Medikamentierung. Diese wurde im Verlauf 3x von unterschiedlichen Ärzten geändert. KH 2x und einmal Hausarzt.

Jetzt zu meiner Frage: In seinem Entlassungsbericht ( Stroke Unit ), steht ein Satz den versteht niemand hier und im KH hat man ihm dazu nichts gesagt. Unsere Hausärztin ( Internist ) kannte den Begriff nicht, vermutet aber nicht schlimmes dahinter. Im Bericht stand sinngemäß:
Nicht auffälliges im CT, bis auf eine "Leukenzephalopathie, vermutlich vaskulärer Genese". Was bedeutet das? Was ist eine Leukenzephalopathie vaskulärer Genese?

Würde mich sehr freuen, wenn mir das jemand beantworten könnte.

Beste Grüße und abermals vielen Dank,
Vita

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