Oedeme/ Krampfadern: Schmerzen stillen?

Moderator: DMF-Team

Antworten
Frederica
Topicstarter
noch neu hier
Beiträge: 1
Registriert: 12.04.12, 00:14

Oedeme/ Krampfadern: Schmerzen stillen?

Beitrag von Frederica » 12.04.12, 00:42

Hallo,
ich habe ein etwas ungewöhnliches Problem.
Es geht um meinen Bruder, der das Downsyndrom hat.
Vielleicht deshalb hatte er schon oft Probleme, eine vernünftige Diagnose zu bekommen - oder sie kam sehr spät.

Ich selbst bin nie mit ihm beim Arzt, das macht meine Mutter.
Entweder nehmen die Ärzte ihn nicht ernst, oder sie wissen nicht, was sie untersuchen sollen, weil er sich nicht genau genug ausdrücke kann.

Er ist von Kindheit an stark übergewichtig, das wurde immer mal wieder angegangen, aber sein Gewicht pendelt als Erwachsener zwischen 130 (extrem), 120 ("normal"), 110 (etwas abgenommen) und minimal ca. 100 kg (dann hat er gerade strike Diät gehalten...).
Vor ein paar Jahren hat er sich "den Fuß verknackst" und konnte seitdem sehr schlecht laufen, phasenweise saß er im Rollstuhl, ging am Rollator, ging an Krücken, schob den Rollstuhl :wink: oder stütze sich stark auf jemanden, oder ging sehr wackelig.
Am Ende lief er so, wie andere Menschen es mit einem Gipsbein tun würden.
Über die Zeit wurde er phasenweise von uns (Familie) ernst genommen, mit der Zeit aber immer weniger und es wurde ihm unterstellt, er simuliere, dramatisiere, lüge.
Zahlreiche Arztbesuche, die immer wieder stattfanden, bescheinigten ihm meist kein medizinisches Problem, einmal wurde eine kleine Schwellung (irgendwo :wink: ) verantwortlich gemacht, der Tenor war, "der kann eigentlich laufen!".


Nun wurde als Ursache Oedme und Krampfadern gefunden, die ihm Schmerzen im Bein verursachen.

Die Krampfadern hat er schon lange,sie sind m.E. extrem ausgeprägt und man kann aufgrund des Übergewichts nichts machen.

Okay, jetzt komme ich zum Punkt:

Er ist seit 2 Wochen krank und hat Bronchitis.
Dagegen bekam er starke Antibiotika.
Zusätzlich bekam er (k.A. warum) Iboprofen, 1 bis 3 mal am Tag.
Schlagartig LÄUFT er
- gerne, viel, schnell, hüpft sogar und joggt kurze Strecken (ein paar Meter).
Keine Spur von dem Kampf und dem Unwillen, irgendwo hin zu laufen, er lehnte freiwillig ab, in einem Großmarkt den bereitgestellten Rollator (den man sich ausleihen kann) zu benutzen, was er vorher NIE gemacht hätte.
Er braucht keine Pausen.
Er jammert nicht.
Vor allem: Er läuft normal, der "Gipsbeineffekt" ist weg, die Angst vor Strecken länger als 10 Meter ist weg ("Uuuuhhhh, das schaffe ich nicht!" hätte er früher gesagt und wäre stehen geblieben oder erst nach langer Diskussion gegangen - gehumpfelt.)

Nun die Frage:
Wie kann man diesen Effekt halten?

Offenbar hat er große Schmerzen beim Laufen aufgrund der Oedeme/ Krampfadern.

OP etc. ist ausgeschlossen.
Ibuprofen langfristig, d.h. chronisch wohl auch!
Welche Alternativen gäbe es?
Gibt es mildere Schmerzmittel?
Soll er so lange Ibuprofen bekommen, bis er automatisch normal läuft,also die Angst und das Humpeln vergessen hat (Vorschlag meiner Mutter :? )?
Gibt es irgendeine Alternativbehandlung?

Er hat jetzt auch eine (Fachbegriff vergessen) - so eine enge Strumpfhose. :P
Diese ist wohl zur Zeit ziemlich schwierig anzuziehen; meine Mutter muss das machen und es dauert eine halbe Sttunde; er darf sie nachts nicht anlassen und muss um 6 h los zur Arbeit/ Werkstatt.
Daher weiß ich nicht, ob die nun jeden Tag angelegt wird/ werden können wird.

Meine Mutter verwendet zur Zeit halb ironisch den Begriff "auf Droge" für seinen Zustand, soll heißen, er läuft gut,und es geht ihm gut - solange das Ibuprofen wirkt...
Das kann es langfristig nicht sein - oder doch?

Man muss dazu sagen, er hat Herzprobleme und Sauerstoffmangel im Blut und nimmt daher seit Jahren täglich zahlreiche Medis; also jedes weitere versuchen wir EIGENTLICH zu vermeiden.

Es wäre aber gerade für seine psychische Gesundheit extrem wichtig, dass er wieder alleine laufen kann und sich das auch zutraut (er ist erst Ende Zwanzig).


Über Lösungsvorschläge und Fragen, die man dem Arzt stellen könnte oder Behandlungsideen würde ich mich sehr freuen.
Meines Wissens hat der Hausarzt zumindest ihn als jemand, der eben nicht laufen kann, "abgestempelt", oder auch als jemanden, der evtl. simuliert...

LG
Frederica

Stefan von Sommoggy
DMF-Mitglied
DMF-Mitglied
Beiträge: 419
Registriert: 15.09.04, 15:23

Re: Oedeme/ Krampfadern: Schmerzen stillen?

Beitrag von Stefan von Sommoggy » 12.04.12, 14:01

Das ist natürlich aus der Ferne schwer zu beurteilen, trotzdem versuche ich eine Antwort:
Ich halte die Beschwerden bedingt durch das Übergewicht und die damit verbundene Überlastung von Knochen und Gelenken!

Krampfadern und auch Ödeme, zumal offenbar eine Kompressionsstrumpfhose Klasse II getragen wird, machen nicht solche ausgeprägten Gehbeschwerden und werden auch von Ibuprofen nicht so günstig beeinflusst. Orthopädische Beschwerden (siehe vorher) allerdings schon!

Es ist sicher unumgänglich, das Übergewicht drastisch zu reduzieren, zumal diätätische Maßnahmen (Einschränkung der Nahrungszufuhr) wohl keinen dauerhaften Effekt erbringen.
Es ist an bariatrische Chirurgie zu denken, also z.B. eine Magenverkleinerung oder ein "Banding".
Ich bin mir bewusst, wie schwierig eine solche Entscheidung ist. Bitte besprechen Sie es mit ihrem Arzt! Aber ansonsten sehe ich den Patienten auf Operationen mit künstlichem Gelenkersatz (Hüftgelenke, Kniegelenke) zu steuern.

Diese Ausführung mache ich natürlich in aller Vorsicht und unter dem Vorbehalt, daß man so schwierige medizinische Fragen nicht über das Internet klären kann!

Viele Grüße!
Prof. Dr. Stefan von Sommoggy

Nach § 7 (3) der Berufsordnung für Ärzte ersetzt meine Stellungnahme nicht die persönliche Beratung, Untersuchung und Behandlung durch Ihren Arzt.

Antworten