Bezahlung NA-Dienste

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stefkoch
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Bezahlung NA-Dienste

Beitrag von stefkoch » 12.08.08, 21:22

Hallo NA-Kollegen,
wollte mal eine kleine Diskussionsrunde bzgl. der Bezahlung unserer NA-Dienste starten. Bin nämlich momentan in Verhandlungen mit unserem Kfm.Direktor.
@ Erik: Sollte das für euch kein öffentliches Thema sein, dann bitte kurze info hier und dann die antworten als pm, ok?
vg
stefkoch

Dr. A. Flaccus
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Beitrag von Dr. A. Flaccus » 12.08.08, 21:30

Moin,

bei uns: Dienstaufgabe.

8 Std. Regelarbeit mit Tätigkeiten wie Schmerzvisite oder Prämedikation -> danach (un d am WE 24 Std.) Stufe c (75%) mit Freizeit am Folgetag und eine Pauschale von 20 Euro/Einsatz zusätzlich.

Gruß
A. Flaccus
Dr. A. Flaccus
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Land-Ei
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Beitrag von Land-Ei » 12.08.08, 22:48

in Bayern:
zwischen 4-5,4 € pro Stunde tags Bereitschaft,
um 8 € nachts pro Stunde Bereitschaft,
pro Einsatz pauschal Kassenpatient 91€ zwischen 7:00 und 22:00 Uhr, 111,5 € nachts/feiertags
zusätzlich bei BG- oder Privatpatienten eigenes Privatliquidationsrecht/BG-Liquidationsrecht
Abrechnung der kassenpatienten quartalsweise über die Kassenärztliche Vereinigung, also vom Honorar nochmal um 3% Abzug.
Volles freiberufliches Risiko, also alles noch zu versteuern/versichern+eigene Haftpflicht.

Da taucht die Frage auf: Was kostet ein Klempner-Besuch nachts, was ist es "wert", wenn der Notarzt ein Polytrauma oder einen Infarkt-Patienten versorgt.

Grüße vom
Land-Ei

DocL
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Beitrag von DocL » 14.08.08, 21:37

Bei uns ist von Mo-Fr das NEFvon uns (Anästhesie) als Dienstaufgabe besetzt (7h-16h). Pro Einsatz gibt es 20 €. In der einsatzfreien prämedizieren wir mit.
Von 16-20h unter der Woche und 8h-19h WE/Feriertags wird das NEF im täglichen Wechsel von Chi/Inn/Anä besetzt als Bereitschaftsdienst plus 20 Euro Einsatzpauschale.
Falls die Klinik einen Dienst nicht besetzen kann und ein Externer-NA fährt wird analog dem Nachtdienst bezahlt (s.u.)
Nachts haben wir ein spezielles System. Die Dienste werden frei vergeben und jeder arbeitet in die eigene Tasche (natürlich mit selber versichern, Steuernabzüge etc.)
Für den ersten Einsatz gibts 120 €, für den 2.Einsatz 80€, jeder weitere Einsatz dann 100€. Die "Fehlbeträge" wandern in einen Pool, aus dem ein NA, der keinen Einsatz eine Pasuschale für einen Einsatz erhält (...was für eine Solidargemeinschaft :) ).
Liquidiert werden kann nur eine Leichenschau mit Todesursachenbescheinigung. Auch davon fliesst wieder ein wenig in deinen Pool, aus dem dann Kaffee, Milch und Kaltgetränke für die NEF-Wachefinanziert werden zur Erhaltung der Einsatzbereitschaft und Motivation.
Tagsüber werden ca. 4-5 Einsätze gefahren, Nachts im Schnitt um drei Einsätze.

Grtx
Lutz

Tom01
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Beitrag von Tom01 » 15.08.08, 11:44

Land-Ei hat geschrieben:Da taucht die Frage auf: Was kostet ein Klempner-Besuch nachts, was ist es "wert", wenn der Notarzt ein Polytrauma oder einen Infarkt-Patienten versorgt.

Grüße vom
Land-Ei


Hallo Land-Ei

Da bin ich genau deiner Meinung, trotzdem denke ich, dass man auf Standorten mit vielen Einsätzen auch gut verdienen kann. Und nicht jeder Patient ist ein Polytrauma oder ein Infarkt. Manchmal gibt es die 90 Euro auch dafür, dem Patienten eine Nadel zu legen und ins KH fahren zu lassen.
Bei uns gibt es NEF´s, die in 24 Stunden auch mal 12-15 Einsätze fahren.
Die Bezahlung auf Standorten mit niedrigem Einsatzaufkommen ist m.E. eher das Problem.

Grüße
Tom

Dr. A. Flaccus
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Beitrag von Dr. A. Flaccus » 15.08.08, 14:32

Moin!

Manchmal gibt es die 90 Euro auch dafür, dem Patienten eine Nadel zu legen und ins KH fahren zu lassen.


Ja und ? Der Schlüsseldienst zieht mir für 30 sec. "Öffnen" nachts um drei auch 300 Euro aus der Tasche!

Nicht vergessen: Medizinisches Personal (nicht nur Ärzte!) ist rund um die Uhr einsatzbereit und bringt seine hochqualifizierte Leistung im Bedarfsfall innerhalb weniger Minuten.
Auch Vorhaltekosten dürfen nicht vergessen werden und die Tatsache, das regelmäßig 24 Std. am Stück und ebenso regelmäßig am Wochenende gearbeitet wird. Das hat seinen Preis - und der ist mit 90 Euro noch recht gering.

Gruß
A. Flaccus
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Thomas H.
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Beitrag von Thomas H. » 17.08.08, 16:05

Hallo,

eine interessante Frage, und noch viel mehr interessante Antworten.

Ich finde es bedenklich, wenn NA-Dienste per Einsatz bezahlt werden,
da hierbei unter Umständen die Qualität leiden kann.

Ebenso ist ein Stundenlohn von 8 oder 9 EUR die Stunde sicher nicht an-
gemessen. In Anbetracht unserer Proffesionalisierungsbestrebungen (was
für ein Wort...) im Rettungsdienst halte ich eine Bezahlung nur dann für
angemessen, solange diese auf Stundenbasis abgerechnet wird.

Eine Liquidation von Einzelmaßnahmen halte ich ebenfalls für fragwürdig,
da her u. U. auch mal etwas mehr als notwendig gemacht werden könnte.

Es muss das bestreben der RD-Träger sein, NAs genaus wie das RD-Personal-
angemessen zu vergüten. Eine Leistungsgerechte Vergütung ist OK, sollte
sich aber eher an Qualifikationen und Fortbildungen orientieren als an Stückzahlen,
denn wir sind keine Akkordarbeiter.

Gruß

Tom01
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Beitrag von Tom01 » 05.09.08, 11:08

Dr. A. Flaccus hat geschrieben:Moin!

Manchmal gibt es die 90 Euro auch dafür, dem Patienten eine Nadel zu legen und ins KH fahren zu lassen.


Ja und ? Der Schlüsseldienst zieht mir für 30 sec. "Öffnen" nachts um drei auch 300 Euro aus der Tasche!

Nicht vergessen: Medizinisches Personal (nicht nur Ärzte!) ist rund um die Uhr einsatzbereit und bringt seine hochqualifizierte Leistung im Bedarfsfall innerhalb weniger Minuten.

Gruß
A. Flaccus


Den Schlüsseldienst-Vergleich kennen wir ja alle. Es gibt noch unzählig mehr Beispiele, welche die Unverhältnismäßigkeit unserer Bezahlung belegen. Ich finde es auch nicht in Ordnung, dass ich für meine Nachtdienste auf Intensiv nur 1.28 Euro Aufschlag pro Stunde bekomme, obwohl ich sicherlich einen stressigeren und verantwortlungsvolleren Job als den eines Schlüsseldienstes wahrnehme.
Was hast du dir denn vorgestellt als angemessene NA-Bezahlung? auch 300 Euro die Stunde? das würde bei 12 Einsätzen in 24 Stunden der ganze Monatlohn eines ärztlichen Berufsanfängers sein.
Im Grunde sind wir uns schon einig, trotzdem sollten wir differenzieren zwischen den Standorten. Der Hinweis von Thomas H. geht in die richtige Richtung. Der RD wird auch nicht nach Anzahl der Einsätze sondern stundenweise vergütet.
Noch eine provozierende Bemerkung: Wenn die Bezahlung eines Notarztes generell so schlecht sein soll, wundere ich mich, dass es auf Wachen mit vielen Einsätzen (s.o.)Wartelisten von mehreren Jahren gibt...

Gruß
Tom

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