Fremdkörper....

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Land-Ei
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Fremdkörper....

Beitrag von Land-Ei » 27.12.07, 14:52

hallo Forum,

ein echter Fall von vorgestern:

Notfallmeldung: "Kind mit LED Taschenlampe im Darm"

Vorgeschichte:
Kind, knappe über 4 Jahre hat am Vortag eine kleine ca 5 cm lange, ca 0,5 cm im Durchmesser messende LED Taschenlampe geschenkt bekommen, das ältere Geschwisterkind ebenfalls.
Damit wurde unbeobachtet im Wohnzimmer gespielt. Plötzlich hört die Mutter einen Aufschrei, anschließend steht ein brüllendes Kind auf dem Sofa und will sich nicht mehr hinsetzen, trotz vielem Suchen findet man nur noch eine Taschenlampe.

Nun wird der Rettungsdienst alarmiert...

Erik Eichhorn
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Beitrag von Erik Eichhorn » 28.12.07, 19:22

Hallo Land-Ei,

scheinbar traut sich keiner, ist aber auch wirklich kurios :-D

Was ich tun würde: Nochmalige Anamnese, vielleicht lässt s der Verbleib doch noch klären? Kurze orientierende Untersuchung, Vitalzeichenkontrolle. Auf eine rektale Untersuchung würde ich keinen Wert legen, aber vielleicht leuchtet der kleine Popo ja :-)

Da ich davon ausgehe, dass eine kleine LED-Taschenlampe im Rektum das Kind nicht unbedingt in Lebensgefahr bringt (es sei denn die Vitalzeichen sagen etwas anderes) geordneter Rückzug in eine Klinik mit Kinderchirurgie.

Bin gespannt.
Erik Eichhorn
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Beitrag von Dr. A. Flaccus » 28.12.07, 19:36

Moin, moin!

Ich würde es ähnlich handhaben, wie Erik. Sofern nicht irgendwo etwas stark blutet - äußere rektale Inspektion und Transport in die Klinik.

Vorher würde ich aber das ältere Kind nochmal eindringlich befragen. ob die Taschenlampe nicht nur versteckt wurde und das Kind aus Wut schreit... :wink:

So viel Zeit muß noch sein.

Gruß

A. Flaccus
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Beitrag von Dr. Ch. Erbschwendtner » 30.12.07, 10:50

Guten Morgen !

Also gleiche Meinung wie die Kollegen, und sicher kritischer Blick auf alles, falls es später Fragen wegen Ungereimtheiten gibt.

Bin mal gespannt, wie es weiter geht.

Noch ein schönes Silvesterwochenende

mfG

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Land-Ei
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Beitrag von Land-Ei » 02.01.08, 18:22

Das Kind schien auf den ersten Blick nicht vital bedroht, nur auf alle Annäherungsversuche reagierte es mit Gebrüll. Dazu die leicht panische Mutter :roll:

Nächste Kinderklinik / Kinderchirurgie 60 km entfernt, nächstes Krankenhaus 10 km.

Brüllende Kinder alleine mit dem RA fahren zu lassen, mach ich nicht so gerne...

Also:
Dem Kind einen venösen Zugang legen? Das wWar mir fast zu viel Traumatisierung für das ohnehin brüllende Kind.
Brüllen lassen? Ungern...

Außerdem wollte ich das Kind ein wenig untersuchen...

Auf die Ferne hin schaut das Kind rosig aus, nirgendwo ein Blutstropfen zu sehen, warme Hände.

...

:?:

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Beitrag von Dr. A. Flaccus » 03.01.08, 09:16

Moin!

Also gut, schreiten wir zum äußersten und untersuchen das Kind.

Trotz Schreien würde ich sagen. Kein Zugang, aber Hose runter und Seitenlage, notfalls mit sanfter Gewalt (es muß ja mal vorangehen...). Viel Reden und debattieren nutzt jetzt ohnehin nichts mehr.

Inspektion des Anus - was gibt´s zu sehen ?

Gruß

A. Flaccus
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Beitrag von Land-Ei » 03.01.08, 13:03

Ich schritt auch zum äußersten :wink: und untersuchte das Kind.
Vorher wurde es mit Dormicum 2,5 mg oral (+ 5 ml Glucose 40% wegen des guten Geschmacks...) etwas ruhiger. Ich ließ dem Kind die Wahl zwischen: Trinken oder Spritze und das Mädel kooperierte plötzlich....

Die Mutter zog die Jogginghose herunter: Am Anus nichts zu sehen, auch der Scheideneingang völlig blande.
In Rückenlage ließ sich der Bauch untersuchen: auch ohne Befund, periumbilikal wurden Schmerzen angegeben, Sitzen wollte das Mädchen nicht.

Wohin mit dem Kind?

Wire bereits erwähnt, die nächste Kinderklinik / Kinderchirurgie ist 60 km entfernt, das nächste Krankenhaus 10 km (Röntgen, Sono etc alles da, nur halt "Erwachsenenmediziner", kinderchirurgisch wird so ziemlich alles ab 2-8 Jahre ambulant mögliche erledigt, Appendektomie, Commotio-Überwachung oder kleinere traumatologische Dinge, die nur 1-2 Tage stationär dauern)

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Beitrag von Erik Eichhorn » 03.01.08, 13:08

Nebenfrage: 2,5 mg Dormicum oral? Ist das nicht Homöopathie? Ich glaube mal etwas von einer mind. 3fachen Dosierung bei oraler Gabe gehört zu haben. Man möge mich eines Besseren belehren :-)
Erik Eichhorn
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Beitrag von Land-Ei » 03.01.08, 13:54

Antwort zur Nebenfrage:
das Mädel sollte diesen "leckeren Saft" recht lange im Mund behalten, da ich so auf eine schnellere Resorption durch die Mundschleimhaut hoffte und annahm, diese Dosierung reicht aus

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Beitrag von Dr. A. Flaccus » 03.01.08, 14:31

Respekt !

Dormicum oral - sehr elegant...

Die Frage aller Fragen: Schafft es eine LED-Lampe in so kurzer Zeit nach "periumbilical", sprich: wandert sie ohne äußere Spuren zu hinrerlassen so weit ?

Ich würde den kurzen Weg wählen, um es abklären zu lassen. Wenn es ein echter Notfall ist, kann auch das "kleine Haus" intervenieren - da wären 60 km auch etwas weit. Und wenn´s kein Notfall ist, kann man in Ruhe (mit Zugang und ggfs. Sedierung) weiterbehandeln und verlegen, oder aber:

Ohne Befund wieder heimschicken. :wink:

5 x 0,5 cm könnten ja bei schlanken Kindern evtl. sogar tastbar sein - war da was ?

Gruß
A. Flaccus
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Beitrag von Land-Ei » 03.01.08, 16:47

es war weder etwas zu tasten noch ein Lichtschein aus der Bauchdecke zu sehen...

und 60 km waren mir zu viel.
Die LED-Taschenlampe hat ein Metallgehäuse, also müßte es im Röntegn sichtbar sein...

Wir packten Kind und Mama ein und fuhren ins 10 km entfernte Kreiskrankenhaus...

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Beitrag von Dr. Ch. Erbschwendtner » 03.01.08, 21:03

also jetzt wird es spannend ...

@Erik: Mit der Dosis habe ich gute Erfahrungen gemacht, je nach Alter / Gewicht, vor kleine Wundversorgungen oder Untersuchungen prämediziert mit 2,5 - 5 mg Midazolam.

@Landei: Das mit der G 40 % ist eine tolle Idee, muss ich mir merken :D

bin auf die Auflösung schon gespannt.

mfG

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Beitrag von Erik Eichhorn » 03.01.08, 21:16

So hat halt jeder seine Erfahrungen. Wir arbeiten bei ambulanten Narkosen mit 10-15mg je nach Alter und Gewicht. Ich wollte das mal morgens fertig machen, weil Chefin noch nicht da war und hatte die Becher mit Midazolam und Glucose (den Tip kannte ich schon :-D) auch mit 2mg bestückt. Daraufhin bekam ich nur ein müdes Lächeln geschenkt *g*.

Auf die Auflösung freu ich mich aber auch schon.
Erik Eichhorn
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Beitrag von Land-Ei » 03.01.08, 21:40

Nun ja, das Kind haben wir in der Ambulanz abgegeben.

Dort wollte der Oberarzt vor einem Rö-Abdomen erst mal sonografieren.

Dann ging unser Piepser.

Als wir ca. eine Stunde später mit dem nächsten Patienten "anrollten", meinte der Assistenzarzt, sie hätten nicht herausgefunden, wo die LED-Taschenlampe war, sondern der gynäkologische Kollege...

(Ich erhöhe mal die Spannung und löse erst im nächsten Posting auf...)

@Kollege Erbschwendtner:
Schnuller in besagtes Dormicum und G40%-Gemisch tunken und Säuglinge nuckeln lassen ist auch echt effektiv aber wohl ziemlich "off-label-usig"...

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Beitrag von Erik Eichhorn » 03.01.08, 21:46

@ Land-Ei

da wir hier im geschlossenen Forum sind, meine persönliche Meinung: Off-Label rulez :-)

der Erfolg gibt einem Recht...

und jetzt bitte die Auflösung....immerhin scheint die Lampe inkorporiert zu sein ?!?!
Erik Eichhorn
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