Private 1.Hilfe als Arzt -> Abrechnung mit GKV möglich?

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d-i-n
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Private 1.Hilfe als Arzt -> Abrechnung mit GKV möglich?

Beitrag von d-i-n » 27.12.07, 09:40

Hallo Forum,

ich hab heute eine Frage vornehmlich an die Ärzte hier, die manchem vielleicht geschmacklos oder geldgierig vorkommen mag:

Ist es möglich, meine bei privater Erster Hilfe erbrachten, ärztlichen Leistungen der Krankenkasse eines Patienten in Rechnung zu stellen? Wenn ja, wie mache ich das (habe keine Kassenzulassung)?

Hintergund der Frage ist ein Umstand, den sicher auch viele RDler kennen, nämlich daß wir einfach überdurchschnittlich häufig 1.Hilfe leisten (müssen). So halte ich natürlich auch bei Unfällen oder Notfällen an, bei denen schonLaien-Ersthelfer tätig sind oder melde mich freiwillig, wenn per Lautsprecher in Einkaufszentren/ Zügen nach einem Arzt gefragt wird. Dadurch verbringe ich mehrmals im Jahr einige Freizeit damit, unentgeltlich anderen zu helfen, immer natürlich auch mit der haftungsrechtlichen Konsequenz eines ärztlichen Fehlers im Nacken.
Erst gestern hab ich wieder (nach 48-h-Dienst) eine Stunde lang auf der Straße verbracht, um einen Besoffenen, der mich durch Vorfahrtnahme fast von der Straße schoß und dann mit seinem Auto leichtverletzt im Graben landete, davon abzuhalten, mit seinem besoffenen Kopf davonzutorkeln und in die Autos auf der Landstraße zu rennen. Vor 6 Wochen eine Unterschenkelfraktur nach Fahrradunfall versorgt, im Oktober einen Motorradunfall in Italien... diverse Kreislaufkollapse in Einkaufszentren und öff. Verkehrsmitteln... ich helf ja gerne, aber scheinbar zieh ich das Unglück an und langsam hab ich genug davon, unentgeltlich und unter Materialverbrauch aus meinem privaten Notfallkoffer (muß ich selber kaufen die Sachen) qualifizierte 1.Hilfe zu leisten, die jeder Hausarzt abrechnen könnte. Irgendwo ist bei mir jetzt eine Grenze erreicht, wo die ethische Verpflichtung mir nicht mehr reicht. Gerade hier auf dem Lande halte ich es auch für ein politisch bzw. durch die Krankenkassen selbstgemachtes Problem mit dem Hintergrund, Geld zu sparen. Durch die aus finanziellen Gründen sehr geringe Dichte von Rettungs- und Polizeiwachen entstehen ewig lange Anfahrtszeiten dieser professionellen Helfer. Die private 1.Hilfe durch "Profis" wird meiner Meinung nach ausgenutzt, um ein zu dünnes und dadurch billiges Rettungs-System gratis zu unterstützen und aufrecht zu erhalten. Ausgetragen wird das Ganze auf dem Rücken von Patienten, die quasi Glück oder Pech haben können, ob gerade nur totale Laien oder medizinisch ausgebildete Hlfer vorbeikommen und 1.Hilfe leisten.

Wäre toll, wenn jemand da mehr zu wüßte, gerne auch mit Berichten zu eigenen Erfahrungen, was die Häufigkeit von 1.Hilfe und Eure Meinung dazu betrifft!

Danke und Gruß von doc-in-not

SAN_FW
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Re: Private 1.Hilfe als Arzt -> Abrechnung mit GKV möglic

Beitrag von SAN_FW » 31.12.07, 00:17

Hallo!

doc-in-not hat geschrieben:So halte ich natürlich auch bei Unfällen oder Notfällen an, bei denen schonLaien-Ersthelfer tätig sind oder melde mich freiwillig, wenn per Lautsprecher in Einkaufszentren/ Zügen nach einem Arzt gefragt wird.

Löblich! Aber warum machst du das? Du könntest das ja auch einfach ignorieren. Die Wahrscheinlichkeit, erkannt zu werden ist sehr gering...

doc-in-not hat geschrieben:Dadurch verbringe ich mehrmals im Jahr einige Freizeit damit, unentgeltlich anderen zu helfen

Ich bin ehrenamtlich in der freiwilligen Feuerwehr tätig. Ich verbringe mehrere hundert Stunden im Jahr für Dienste, Ausbildungen, Vorbereitung von Ausbildungen, private Fortbildung und Einsätze. Ich bekomme keinen einzigen Cent dafür... Warum mache ich das? Weil es mir Spaß macht und ich anderen Leuten helfen kann. Ich halte ebenfalls an, wenn bei Unfällen schon Ersthelfer vor Ort sind.

doc-in-not hat geschrieben:ich helf ja gerne, aber scheinbar zieh ich das Unglück an und langsam hab ich genug davon, unentgeltlich und unter Materialverbrauch aus meinem privaten Notfallkoffer (muß ich selber kaufen die Sachen) qualifizierte 1.Hilfe zu leisten

Als Ersthelfer bist du gesetzlich unfallversichert. Darüberhinaus werden dir die dabei entstandene Kosten bzw. Schäden ersetzt. Wende dich beim nächsten Mal an die in diesem Bundeland zuständige Unfallkasse o.ä. Die ersetzen dir deinen Schaden.

Darauf sollte man als RD-Mitarbeiter, Feuerwehrler oder Polizist Ersthelfer an der E-Stelle übrigens hinweisen. Das wissen die meistens nicht.

doc-in-not hat geschrieben:Irgendwo ist bei mir jetzt eine Grenze erreicht, wo die ethische Verpflichtung mir nicht mehr reicht.

Niemand zwingt dich, einen privaten Notfallkoffer vorzuhalten. Muss auch nicht wirklich sein. Du kannst auch gerne, wenn du zufällig privat zu einem Notfall kommst, daran vorbeilaufen.

doc-in-not hat geschrieben:Gerade hier auf dem Lande halte ich es auch für ein politisch bzw. durch die Krankenkassen selbstgemachtes Problem mit dem Hintergrund, Geld zu sparen. Durch die aus finanziellen Gründen sehr geringe Dichte von Rettungs- und Polizeiwachen entstehen ewig lange Anfahrtszeiten dieser professionellen Helfer. Die private 1.Hilfe durch "Profis" wird meiner Meinung nach ausgenutzt, um ein zu dünnes und dadurch billiges Rettungs-System gratis zu unterstützen und aufrecht zu erhalten. Ausgetragen wird das Ganze auf dem Rücken von Patienten, die quasi Glück oder Pech haben können, ob gerade nur totale Laien oder medizinisch ausgebildete Hlfer vorbeikommen und 1.Hilfe leisten
Das ist doch totaler Quatsch! Niemand berücksichtigt bei der Planung des Rettungsdienstes, wieviele professionelle Ersthelfer zufällig vor Ort sein könnten. Auf dem Land ist nicht die gleiche RD-Dichte finanzierbar. Es stirbt sich dort halt eher, das muss man wissen, wenn man dort wohnt. Genauso ist der Weg zum Kino, Schwimmbad, Einkaufzentrum u.U. länger als in der Stadt. Wer damit nicht klar kommt, muss in die Stadt ziehen. Dafür ist auf dem Land die Landschaft schöner, bessere Luft, es ist ruhiger usw. Jedem seine Entscheidung...

doc-in-not hat geschrieben:immer natürlich auch mit der haftungsrechtlichen Konsequenz eines ärztlichen Fehlers im Nacken.

Da würde ich mir nach dem Fall mit dem Arzt, der das Kleinkind nach Ertrinkungsunfall für tot erklärte (es wurde später durch den RD reanimiert und lebt mit entsprechenden Hypoxieschäden noch) und ungestraft davon kam, keine Sorgen machen.

doc-in-not hat geschrieben:Eure Meinung

Ganz ehrlich: Kopfschütteln!

Noch eine Frage: Welchen Geldbetrag sollte der Laie, der als Ersthelfer tätig wird, für seine Maßnahmen bekommen? Oder ist diese Erste Hilfe im Vergleich zu deiner, zu bezahlenden Ersten Hilfe, nichts wert?

Unabhängig davon wünsche ich trotzdem einen guten Rutsch ins neue Jahr!

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Beitrag von FLindi » 31.12.07, 00:39

Moin,

einmal ist es vorgekommen, dass ich (RS) bei einer Hilfeleistung beim VU auf der Autobahn von den anwesenden Polizeibeamten nach meinen Auslagen gefragt wurde. Die leicht verletzte Patientin lehnte einen RTW - Transport ab (Polizeibeamter war Zeuge). Da ich nur ein wenig Pflaster- & Verbandmaterial verbraucht hatte und den Hinweis gab, dass die nächste Klinik nur ca. 6 Kilometer entfern ist, habe ich nichts geltend gemacht. Dennoch haben sich die Beamten an unsere Leitstelle gewendet, mit der Bitte sich noch mal bei mir zu melden, falls ich doch noch etwas zum einreichen hätte. Bei anderen Hilfeleistungen habe ich mein verbrauchtes Material von den Kollegen der hinterher eingetroffenen RTW wieder erhalten.

Bis denne
Frank

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Beitrag von VK-Retter » 04.01.08, 23:43

Also ich meine schon gehört zu haben (von einem NA), dass man als Arzt da abrechnen kann (was auch immer genau) - ob man da eine Kassenzulassung benötigt oder nicht, keine Ahnung.
Werde zu dem Thema mal die mir bekannten Ärzte befragen.

Was den privaten Nofallkoffer angehrt würde ich es auch über den kurzen Dienstweg versuchen und den RTW um Ersatz bitten (ist ja schließlich auch nur das was die verbraucht hätten)..
ansonsten ist wie richtigerweise schon erwähnt die GUV zu Ersatz verpflichtet.

Übrigens: Finde die Frage gar nicht so geschmacklos...
schließlich ist Ehrenamt eine völlig andere Sache und im Normalfall bekommt man als Profi ja auch sein Geld für die geleistete Arbeit.
(Und "Leidtragende" sind schließlich die Krankenkassen und nicht der Patient)
Quid pro quo?

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Beitrag von Dr. A. Flaccus » 19.01.08, 01:00

Guten Morgen...

geschmacklos finde ich die Frage auch nicht, aber sie irritiert mich doch!

Ich habe keinen Koffer dabei (wohl auch, weil ich meistens mit dem Fahrrad unterwegs bin).

Wann immer ich auf eine Situation stoße, bei der ärztliche Hilfe nötig sein könnte, drängle ich mich vor und gucke, ob ich helfen kann. (Helfersyndrom ? Neugier ? Sensationsgier ?)

Noch nie bin ich auf den Gedanken gekommen, dafür Geld zu nehmen oder Schadenersatz zu fordern.

Ich bin Arzt, sogar "Notarzt". Ich muß nicht helfen, ich will helfen. Weil ich es kann - und weil ich es für selbstverständlich halte.

Der "normale" Ersthelfer macht stabile Seitenlage, ich bringe eben meinen ärztlichen Sachverstand ein und assistiere ggfs. dem RTW-Personal. Das ist "Erste Hilfe" auf meinem Niveau. Und das ist für mich eine Selbstverständlichkeit.

Überspitzt gesagt: :ironie: Das ist das letzte bißchen Ethik, das wir Ärzte noch unterbringen können, in dieser immer mehr "leistungs- und profitorientierten" Medizinwelt... {Ironie aus}

Das mag jetzt arg nach Selbstbeweihräucherung klingen, soll aber bewußt einen Kontrapunkt zum Eingangsbeitrag setzen.

Gruß

A. Flaccus
Arzt

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