Kolloidalen Lösungen bei Verbrennungen ?

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Peter Schneider
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Kolloidalen Lösungen bei Verbrennungen ?

Beitrag von Peter Schneider » 08.11.07, 21:39

Hallo Rett-Med User!

es geht um die Gabe von rein kolloidalen Lösungen (z.B.Haes) zur Therapie bei Verbrennungen.
Gerade in letzter Zeit gab es im klinischen Bereich zahlreiche Diskussionen um die
standardisierte Therapie von Verbrenungen.

Für mich wichtig :

Welcher Rettungsdienstbereich arbeitet mit einem Verbrennungszentrum zusammen,das eine absolute Therapie mit kolloidalen Lösungen ab Einsatzort befürwortet und einsetzt !?

Diese Klinik führt dann dieses Therapieschema genau so weiter,denn nur dann ist die
Therapie auch erfolgreich.In den USA wird dieses Verfahren schon seit längerer Zeit so gehandhabt.

Um " unnötige" Verwirrung zu schaffen :

Deutschland - Einsatz von kristallinen Lösungen !!!

Die Kombination von beiden ist contraindiziert !!

bei kreislaufinstabilen Patienten nur Kristalline nachfahren bzw.niedrig dosierte Katecholamine.

Ich schließe mich der Meinung der deutschen Verbrennungsexperten an!!!

Mein beitrag soll keine neue Diskusion anfachen, meine Frage ist :

Gibt es im Rettungsdienst-Deutschland Behandlungsansätze mit kolloidalen Lösungen ?

Danke für hoffentlich viele Antworten auf meine Frage.

Gruß Peter Schneider

VK-Retter
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Beitrag von VK-Retter » 18.11.07, 23:59

Also mir wurde immer erklärt kolloidale Lösungen seien bei Verbrennungen immer kontraindiziert, da sie den kolloidosmotischen Druck im Gewebe noch weiter erhöhen und dadurch die Ödembildung weiter beschleunigen und so dem Körper verstärkt Flüssigkeit entziehen (Rebound Effekt).
Ist Pathophysiologisch ja auch gut nachvollziehbar..
Stichwort wäre hier auch das bekannte capillary leak.
Wie kommen die Amis den darauf diese allgemein anerkannte Lehrmeinung über den Haufen zu schmeißen? Wir haben ja viele Vorurteile, aber die Akademiker werden sich ja sicher etwas (sinnvolles) dabei denken..
kann mir einer erklären was?
Quid pro quo?

Uwe Hecker
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Beitrag von Uwe Hecker » 19.11.07, 10:26

Hallo,

also ich hätte auch gedacht das Verbrennungspatienten nur kristalloide bekommen, schwierig wird´s aber bei Patienten die sowohl Trauma als auch Verbrennungen haben. Aber ich dachte gerade die Amis, sind so gegen Kolloidale und verwenden eher Kirstalloide Lösungen...

Grüße

Uwe
Gesundheits- und Krankenpfleger für Intensivpflege und Anästhesie / Rettungsassistent

nebel
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Beitrag von nebel » 09.12.07, 16:51

Hallo,
Habe zwei Fragen, die leider nicht ganz zu dem Thema "Kolloidalen Lösungen bei Verbrennungen ?" passen und möchte auch nicht die Diskussion zu diesem Thema ins stocken bringen, aber im Suchmodus habe ich kein passenderes Thema gefunden, also bitte verzeiht.
Nun die beiden kurzen Fragen:
1) Die kolloidale Infusionslsg. Hyper Haes sollte laut aktueller Literatur mittels Druckinfusionsmanchette in maximal 5 Minuten infundiert sein.
Mal abgesehen von der Tatsache, dass bei der Entscheidung zur Gabe von Hyper Haes, der Patient auf eine schnelle Zufuhr von Flüssigkeit angewiesen sein wird, stelle ich mir die Frage, ob es da noch einen weiteren Grund gibt?

...die zweite Frage stelle ich sobald die erste beantwortet ist, um kein Chaos zu erzeugen :wink:

Vielen Dank

Land-Ei
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Beitrag von Land-Ei » 10.12.07, 11:50

nebel hat geschrieben:Hallo,
Habe zwei Fragen, die leider nicht ganz zu dem Thema "Kolloidalen Lösungen bei Verbrennungen ?" passen und möchte auch nicht die Diskussion zu diesem Thema ins stocken bringen, aber im Suchmodus habe ich kein passenderes Thema gefunden, also bitte verzeiht.
Nun die beiden kurzen Fragen:
1) Die kolloidale Infusionslsg. Hyper Haes sollte laut aktueller Literatur mittels Druckinfusionsmanchette in maximal 5 Minuten infundiert sein.
Mal abgesehen von der Tatsache, dass bei der Entscheidung zur Gabe von Hyper Haes, der Patient auf eine schnelle Zufuhr von Flüssigkeit angewiesen sein wird, stelle ich mir die Frage, ob es da noch einen weiteren Grund gibt?

...die zweite Frage stelle ich sobald die erste beantwortet ist, um kein Chaos zu erzeugen :wink:

Vielen Dank

Hallo Nebel,
Das hängt mit der Wirkweise des Hyperhes zusammen. Es ist ja eine hyperosmolare Lösung, die - weil hochkonzentriert - Flüssigkeit aus den Zellen in den Gefäßraum rekrutieren soll. Dieses Prinzip funktioniert aber nur, wenn die Konzentration in der Infusionslösung um ein vielfaches höher ist als im Blutgefäß. Wenn ich Hyperhaes langsam infundiere, wird es durch das zirkulierende Blut "verdünnt" - ist also keine extrem hyperosmolare Lösung mehr. Somit passiert dieser "Rekrutierungseffekt" nicht.
Grüße vom
Land-Ei

nebel
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Beitrag von nebel » 11.12.07, 16:26

Hallo Land-Ei,
vielen Dank für Ihre Antwort. Auf der einen Seite klingt es einleuchtend, aber auf der anderen Seite nicht. Wenn ich zum Beispiel in mehreren Bäckereien wenige Brötchen kaufe, dann habe ich am ende ja genauso viele, wie wenn ich in einer Bäckerei viele kaufe.:?
Denke aber, dass diese Tatsache einfach so ist und die Erklärung sehr kompliziert sein muss und für den Rettungsdienst nur die Tatsache zählt, dass man HyperHes innerhalb 5 Minuten infundieren sollte, um den erwünschten Effekt zu erzielen.

Nun zur zweiten Frage:
Warum sollte man bei einer Reanimation keine glukosehaltigen Infusion applizieren?

Wünsche allen einen schönen Abend

Land-Ei
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Beitrag von Land-Ei » 11.12.07, 20:41

Hallo Nebel,
nochmal zu Frage 1 und den Semmeln... :wink:
Es kommt nicht auf den "Endgrad" der Verdünnung an, sondern wenn ich einen Korb Semmeln auf einmal ausschütte, ist der Effekt um ein vielfaches größer, als wenn der Korb Semmeln über den ganzen Tag verteilt wird. Der Effekt ist nicht linear, sondern eher exponentiell.

zu Frage 2:
fällt mir nur spontan ein, daß das neurologische Outcome mit Hyperglykämie nach/bei Reanimation deutlich schlechter ist. Aber warum :?: muß ich mal nachforschen
Schönen Abend noch,

Land-Ei

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