Vakuummatratze

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stefkoch
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Vakuummatratze

Beitrag von stefkoch » 25.10.07, 13:32

Hallo zusammen.
WIe siehts bei euch mit dem Thema "der Chirurg und seine Vakuummatratze" aus?
Habe gestern im NA-Dienst wieder die Erfahrung gemacht, dass Patienten die von uns wegen V.a. WS-Verletzung, bzw. Beckenfraktur (die sich letzendlich dann auch rausgestellt hat) auf der Vakuummatratze gelagert werden und dann nach chirurgischer Untersuchung zum Röntgen ohne Vakuummatratze auf den Tisch gezogen werden.
Wie läuft das bei euch?
Kennt jmd. Studien die Aussagen bzgl. Sensitivität und Spezifität der Diagnose mit/ohne Vakuummatratze treffen.
VG
stefkoch

Erik Eichhorn
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Beitrag von Erik Eichhorn » 25.10.07, 16:48

Hallo,

on Haus zu Haus unterscheiden sich hier die Modalitäten doch erheblich. Grundsätzlich sind natürlich all unsere Immobilisationsgeräte röntgendurchlässig. In der Regel lässt sich somit jede Fraktur hinreichend beurteilen. Bei kleinen Absplitterungen kann allerdings durchaus mal eine Falte der Vakuummatratze die Bildgebung beinträchtigen.

Ich kenne sowohl, die von Ihnen geschilderte Variante,aber auch Häuser in denen Stiffneck und Co erst im OP entfernt werden. Ich denke, dass beides okay ist, wenn mit der notwendigen Sorgfalt gearbeitet und gelagert wird. Präklinisch müssen wir unseren Patienten während der Fahrt vor Erschütterung und starken Beschleunigungen schützen. Wenn ein Patient ruhig auf dem Rö-Tisch liegt und immer passiv und achsengerecht umgelagert wird, sollte eigentlich in der Klinik nix mehr passieren.

Gruß,
Zuletzt geändert von Erik Eichhorn am 25.10.07, 23:03, insgesamt 2-mal geändert.
Erik Eichhorn
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Dr. Ch. Erbschwendtner
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Beitrag von Dr. Ch. Erbschwendtner » 25.10.07, 19:35

Hallo !

Prinzipiell gebe ich Erik recht, allerdings hängt auch viel vom Auftreten und der Übergabe des NA ab.

Da ich viel unterschiedliche KH's sowohl primär als auch sekundär "beliefere", bin immer wieder erstaunt, was da ab geht.
Highlight war ein Sekundärer, bei dem ich den Pat. mit instabiler LWK Fraktur ohne Neurologie transferierte, vor Eintreffen des OA wollte das Rest-Team den Pat aus der Vakuum heben.

Ei striktes Niet meinerseits, warten auf den OA. Kurze Übergabe, mit Schaufeltrage auf entsprechende Unterlage umgelagert und ab in den OP. Dort mit Schaufeltrage auf den Tisch. Der Rettung sei Dank, das KH hat keine.

Ähnliches ist mir auch bei primären Einsätzen passiert. Bin ich nicht überzeugt, dass der Pat wirklich was hat und trete daher nicht entsprechend auf, wird er in der Klinik auch weniger ernst genommen und schon ist der Schlendrian drinnen. Trete ich entsprechend auf, dann werde ich und damit in weiterer Folge der Patient ernst genommen und entsprechend behandelt.

Wer's nicht glaubt, kann sich ja eine typische Samstag nacht vorstellen, mit der 6 oder 7. gestürzten Alk-"Leiche" in der Ambulanz, den der NA nach Sturz über (Böschung z.B.) bringt. Nicht das erste ICH, welches wegen 0,5 %o verkannt wurde.

mfG

Erbschwendtner
Dr.Ch. Erbschwendtner
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nebel
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Beitrag von nebel » 28.10.07, 20:38

Hallo,
gebe natürlich meinen Vorrednern recht und schließe mich auch vollkommen an.

Möchte nur noch schnell und kurz berichten, wie es bei uns so ist.
Wenn wir mit dem RTW oder dem KTW einen mit Stif-neck oder Vakuummatratze versorgten Patienten dem Krankenhauspersonal übergeben, dann bleibt der Stif-neck oder die Vakuummatratze solange dran bis der diensthabende Krankenhausarzt sagt, dass wir das Zeug nicht brauchen. Leider streuben sich einige Röntgenassistenten(-innen) davor durch die Matratze zu schießen, wodurch oft kleinere Streitigkeiten auftreten (nicht vor dem Patienten). Außerdem notieren wir die Aussage des aufnehmenden Krankenhausarzt auf unserem Rettungsdienstprotokoll.

So, nun wünsche ich noch allen eine gute Nacht
Man hat nicht verloren, wenn man zu Boden geht...man hat erst verloren, wenn man nicht wieder aufsteht !!

detzwen
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Beitrag von detzwen » 05.02.08, 16:57

Aus Sicht eines RettAss ergibt sich hier folgende Problematik.

. Ich finde es dann immer superärgerlich, wenn man sich, nicht ohne Grund, eine Riesenarbeit gemacht hat und man dann den Patienten aus der Matratze oder vom Spineboard gerissen bekommt.

Grundsätzlich sind alle unsere Matratzen röntgenfähig, was auch schon einmal die ein oder andere "Diskussion" zwischen externen Notärzten und Röntgenteam/aufnehmender Arzt heraufbeschwört hat. Angeblich gibt es sogar einen RTH welcher den Patienten einen Zettel übergibt, auf dem steht: Sie befinden sich nun in der XY Klinik, wir haben sie bisher wegen einer WS Verletzung bestmöglich stabilisiert und sind der Meinung, dass sie weiterhin so behandelt werden sollten. Was von nun an geschieht liegt nicht mehr in unserem Verantwortungsbereich" wenn sie vom Team aus der MAtrte gerissen werden.
Oft sind in den Krh ja keine Ärzte in den Chir. Ambulanzen weil sie im OP oder sonstwo sind. In solchen Fällen bleibt der Patient in der Vakuummatratze, oder das Pflegepersonal welches ja keine Vakuummatratze will (und bis heute nicht weiß, was ein Spineboard ist)
hebt ihn alleine über. Dies wird zum einen Dokumentiert, zum anderen dem Patienten auch von uns mitgeteilt.

Grüße

detzwen

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