Was ist es ?

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tricolor
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Was ist es ?

Beitrag von tricolor » 13.08.07, 01:34

In der Notaufnahme, es hätte aber gut den Rettungsdienst draussen treffen können.

Junge Frau ca 20 - 25 Jahre, illegale Asylantin, weder deutsch englisch oder frz sprechend, Übersetzerin spricht mässig gutes deutsch.
Patientin sei zu Hause bewusstlos auf dem Küchenboden gefunden, keiner kann sagen wie lange. Bei Eintritt eine wache aber stark somnolent, verlangsamt reagierende Patientin. Auffallend sind kleine Pupillen, bei Blick aufs Abdomen wird spontan eine Frühe Schwangerschaft vermutet. Die Patientin muss gestützt werden, kann sich aus eigener Kraft nicht mehr fortbewegen.

Vitalzeichen
syst Druck < 100, Patientin ist tachykard um die 130.

Eine Schwangerschaft wird kategorisch verneint.
Abdomen ist bretthart, Patientin hat Schmerzen, trübt zunehmend ein.
Ob die Patientin beim Sturz den Kopf angeschlagen hat konnte niemand sagen, ob Sie auf Grund Ihrer Situation via Medimissbrauch vielleicht eine Intox hatte war auch nicht sicher.

Was ist es und wie schnell würdet ihr wohin fahren?

LG
tricolor

Vor einem Jahr ca. erlebt und ich denke auf sowas könntet ihr locker auch mal treffen.

d-i-n

Beitrag von d-i-n » 13.08.07, 08:25

Blutzucker?

Reflexstatus? Meningismus?

Fieber? -> Sepsis bei intrauterinem Fruchttod?

Fötor?

Atmung? (Kußmaulsche Atmung?)

tricolor
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Beitrag von tricolor » 13.08.07, 08:43

Blutzucker normal,
Schwangerschaft wurde verneint, nicht möglich, Patientin hätte keinen Mann (Afrikanerin, illegal in Frankreich lebend, durch die halbe Schweiz in die Zuercher Gegend gebrcht worden, weil hier eine bekannte der Patientin im Asyl lebt, ärztliche Checks oder Behandlungen gab es in Frankreich nicht) Patientin ist zudem Muslimin.

Kein Meningismus, kein Fieber, kein Fötor.
Patientin ist ansprechbar, nicht verwirrt, trübt einfach zunehmend ein, muss bei jedem Ansprechen geweckt werden, reagiert dann verlangsamt, aber adäquat.
Keine Übelkeit, trotz des gespannten Abdomens und kein Erbrechen.

Ich hab ja zuerst auf Ileus getippt und dass Sie wegen Übelkeit gestürzt ist, den Kopf angeschlagen hat und von dem ein mittleres SHT zusätzlich hat. Aber ich lag falsch.

Blutdrücke kontinuierlich < 100 syst, und tachykarde Patientin.

VG
tricolor

d-i-n

Beitrag von d-i-n » 13.08.07, 09:54

Hmmmmm, ich tipp jetzt mal ganz mutig auf was Exotisches, wegen der Anamnese "Afrikanerin".

Hämolytische Krise bei Sichelzellenanämie. :D

Würde die Bauchsymptomatik erklären, wegen Anämie dann auch Tachykardie und Hypotonie (wie ist die Sättigung?). Bewußtlosigkeit und Somnolenz evtl. dadurch oder durch Urämie bei Nierenversagen. Gibt es eine Vorgeschichte, also früher schon mal solche Zustände? Sklerenikterus? Wie sehen die Nagelbetten und Conjunktiven aus -> sehr blaß?

rathomas
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Beitrag von rathomas » 13.08.07, 14:35

Ultraschall vom Abdomen, freie Flüssigkeit?

d-i-n

Beitrag von d-i-n » 13.08.07, 14:55

rathomas hat geschrieben:Ultraschall vom Abdomen, freie Flüssigkeit?


Im Rettungswagen??? :shock:

:D :wink:

tricolor
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Beitrag von tricolor » 13.08.07, 15:33

Nichts exotisches, sondern im Verlauf eher fortgeschritten wenn man dem so sagen kann.
Das illegal und Afrikanerin ist in sofern wichtig, dass zum Zeitpunkt der "Erstsymptomatik" keine ärztliche Abklärung/Versorgung angstrebt wurde. Und der kulturelle Hintergrund der Frau liess irgendwie ein Zweifeln an dem was die Übersetzerin sagte nicht so richtig zu.
In Europa, mit normalem Aufenthaltsstatus (also wenn man sich nicht verstecken muss) gehe ich mal davon aus, dass man schon bei den ersten Symptomen auf dem OPTisch landen würde.

Auf die Nägel habe ich ehrlich gesagt nicht grad geschaut, und ich weiss auch nicht, ob man bei Schwarzfarbigen da irgendwas sieht. Ich hatte ziemlich Mühe eine Leitung in die Frau zu bringen, das stimmt.
Der hinzukommende leitende Chirurg hat einen Ultraschall angefordert.... freie Flüssigkeit ist zu sehen. Aber erklärt freie Flüssigkeit im Abdomen dass die Patientin zunehmend schläfriger wurde ?

VG
tricolor

Land-Ei
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Beitrag von Land-Ei » 13.08.07, 16:35

Drogenkurier :?:
Also einfach rupturierte Opiatbeutelchen mit nun Resorption??
Naloxon probehalber?
Grüße vom
Land-Ei

rathomas
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Beitrag von rathomas » 13.08.07, 17:44

doc-in-not hat geschrieben:
rathomas hat geschrieben:Ultraschall vom Abdomen, freie Flüssigkeit?


Im Rettungswagen??? :shock:

:D :wink:


solls ja auf einigen arztbesetzten Rettungsmitteln geben :wink: aber war jetzt schon auf die Klinik bezogen :D

was und wann war denn die "Erstsymptomatik"?

zum schläfriger werden: vielleicht aufgrund des Flüssigkeitsverlusts und beginnendem Schock, oder wie von Ihnen schon vermutet SHT durch Sturz.

Vielleicht hat die Patientin auch aufgrund ihrer starken Schmerzen, die sie ja anscheinend schon länger hat, eigenmächtig zu Medikamenten/ Drogen gegriffen, welche die Schläfrigkeit erklären würden?
Zuletzt geändert von rathomas am 13.08.07, 20:42, insgesamt 1-mal geändert.

d-i-n

Beitrag von d-i-n » 13.08.07, 18:23

Also irgendwie passt es alles schlecht zusammen... die engen Pupillen könnten auf Opiateinnahme hindeuten... wenn sie deswegen aber bereits somnolent ist, also eine recht hohe Dosis intus hat, würde sie m.E. durch die analgetische Wirkung der Opiate nicht so starke Schmerzen haben können... :?

Freie Flüssigkeit kann natürlich unzählige Ursachen haben... hat sie Beinödeme?

Fötor hat sie keinen, oder? Sonst würde ich noch ein beg. Leberausfallskoma in Betracht ziehen. Aber nachdem wir ja in der Klinik sind :wink: , schauen wir doch mal die Laborwerte an! :D

tricolor
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Beitrag von tricolor » 13.08.07, 20:23

Erstsymptomatik ist nicht erruierbar, da die Patientin weder deutsch, frz, italienisch oder englisch spricht und die Übersetzerin nur über mässige Deutschkenntnisse verfügt.
Hb und Hk waren lausig, das Restlabor wurde im Verlauf nicht abgewartet, es kam im Verlauf zur OP (ich denke ca. 45min ab Eintritt war Schnittzeit, grob geschätzt). Wir sind kein Haus der Maximalversorgung, es war Wochenende, und das Blut wird bei uns extern kontrolliert, inclusive getestet.

Ich hab auch die ganze Zeit so an Medintox unabsichtlich, Einnahme wegen Abdomenschmerzen und dann den Kopf eben hefig angeschlagen...geglaubt.Ich hatte schon meinen Anästhesisten anvisiert, damit wir Intubationsverhältnisse vorher klären. Aber das war es nicht.

Ein hier routinemässig bei allen Frauen im Gebärfähigem Alter durchgeführter SST bevor man sie ins RX oder CT schickt war positiv, wir hatten ein GyniProblem......eine rupturierte EUG....mit wie sich im OP rausstellte ca. 3lt Blut im Bauchraum....


VG
tricolor

d-i-n

Beitrag von d-i-n » 13.08.07, 23:08

Sprachprobleme sind wirklich eine ganz erhebliche Einschränkung, wenn man auf anamnestische Angaben angewiesen ist! :(

Was mir jetzt aber nicht ganz klar ist... wodurch wird nun eigentlich die zunehmende Somnolenz erklärt? Bei einem RR von 100 syst. kann das doch eigentlich noch nicht durch cerebrale Minderdurchblutung entstehen? Und wenn die Anämie bereits über cerebralen O2-Mangel zur Somnolenz führt, würde ich eigentlich auch Dyspnoe erwarten?

Die sehr engen Pupillen kann ich irgendwie auch nicht einordnen :? , bei Volumenmangelschock müßten die Pupillen durch den Sympatikotonus doch eigentlich weit werden?

Ich spekuliere bei den obigen Fragen jetzt eher mit meinem "Lehrbuchwissen" (hatte zum Glück noch nie "in echt" eine Tubenruptur mit Blutung") und bin durch die Diskrepanz verwundert, daß die Klinik so anders aussehen kann -lasse mich aber gerne von den Praktikern eines Besseren belehren! :D

Naja,wahrscheinlich ist halt die Realität nicht immer wie im Lehrbuch und der Fall war sehr interessant -danke für die Mühe!

Gruß von doc-in-not :wink:

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