Wie ist eine MRSA-Fahrt bei euch üblich?

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LineofFire
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Wie ist eine MRSA-Fahrt bei euch üblich?

Beitrag von LineofFire » 23.05.07, 22:33

Mich würde mal intressieren, was im Rahmen einer MRSA-Fahrt bei euch so üblich ist an Eigenschutzmaßnahmen. Dabei bitte auch angeben, ob

1) bei euch der normale Krankentransport MRSA-Fahrten macht oder ob ihr extra Infektionstransporte habt
2) ob ihr einen Unterschied MRSA-Rachen/Wunde macht


Anlass ist das zugegeben schon arg unterschiedliche Verhalten meiner Kollegen: Manche sagen sich "aach, das is unter der Wunde, da brauch ich nix" oder "ach, der Patient kriegt nen Mundschutz, dann passt dad", andere ziehen sich den (sehr stylischen... :roll: ) Vollanzug an ;)

Und wenns geht eure "Entscheidung" bitte auch begründen

mbela
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Beitrag von mbela » 24.05.07, 09:39

Hallo LineofFire,

bei uns wie folgt gehandhabt:

Sofern keine medizinische Notwendigkeit für RTW wird mit KTW transportiert (putzt sich leichter^^).

Bei MRSA in Wundbereichen (verbundene Wunde) hat das Personal Einmalhandschuhe zu tragen, nach Transport Wischdesinfektion aller Touchflächen (womit der Patient oder das Personal Kontakt hatte) und Trage.

Bei MRSA in den Atemwegen bekommt der Patient sofern möglich (O2-Gabe/Absaugung/Toleranz) einen Mundschutz, das Personal darf sich in den schicken, modisch immer aktuellen Anzug werfen und trägt ebenfalls Mundschutz. Nach Transport Wischdesinfektion gesamter KTW, verwerfen der Einmalartikel, duschen, neue Dienstkleidung.

So mal zumindest das soll, ob jedesmal geduscht wird/werden kann möchte ich mal im Raum stehen lassen. Als ich noch in der Dialyse gearbeitet hab wurde mal beim Personal ein Nasenabstrich gemacht, 84% waren mäßig bis massenhaft besiedelt, ich denke das wird nun im RD nicht anders sein, also sind wir wohl bei ungenügenden persönlichen Hygienemassnahmen und unsauberer Arbeitsweise eine potentielle Gefährdung für die uns anvertrauten bzw. sich anvertrauenden Patienten.

Wie immer sehen wir weder uns noch dem Patienten an, ob er/sie/ich/wir besiedelt ist/sind :) Ich arbeite wie folgt: Wenn bekannt, dann alle möglichen Massnahmen wie oben beschrieben, ansonsten immer die üblichen persönlichen und fahrzeugbezogenen Hygienemassnahmen.

Gruß,

Markus
Lehrrettungsassistent / ILS-Disponent / QMB
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thrstnbecker
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Beitrag von thrstnbecker » 24.05.07, 18:44

Bei uns im Saarland sieht es genau so aus wie mbela beschrieben hat.
Becker Thorsten
Krankenpfleger (Herzkatheterlabor)
Rettungssanitäter (Ehrenamtlich)

Erik Eichhorn
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Beitrag von Erik Eichhorn » 24.05.07, 19:48

Hallo liebe Leser und Nutzer,

das Thema MRSA ist brisant, das zeigt zuletzt ein Artikel der "Rettungsdienst" aus dem SK-Verlag. Fakt ist, dass MRSA durch inkonsequente Hygiene sich weiter verbreitet. Notwendige Präventions- und Desinfektionsmassnahmen werden häufig nicht nach festgelegten Standards sondern eher nach "Gutdünken" umgesetzt.
Ich gebe hier mal einen Auszug aus den aktuellen Empfehlungen des Robert-Koch Instituts wieder. Der Volltext ist hier erhältlich.

Maßnahmen beim Transport durch den Rettungsdienst
Die Festlegung von Hygienemaßnahmen und deren Überwachung im Rettungsdienst obliegt den Bundesländern.

In Anbetracht auch unerkannter MRSA-Träger ist die konsequente Einhaltung von Standardhygienemaßnahmen beim Transport und der Behandlung von Patienten von hervorragender Bedeutung (z.B. Abdecken offener Wunden mit einem Verband, korrekte Durchführung der Händedesinfektion nach Kontakt zum Patienten, Schutzkittel bei engem Kontakt oder Kontaminationsgefahr mit Sekreten/Exkreten, Wischdesinfektion der Patientenkontaktflächen nach Transport) und sollte generelle Anwendung finden. Auch das Begleitpersonal muss eine hygienische Händedesinfektion durchführen.

Das Tragen von speziellen Schutzanzügen/Overalls ist beim Transport von MRSA-positiven Personen aus hygienischen Gründen nicht erforderlich und wird in Hinblick auf die von dieser Schutzkleidung ausgehenden unnötigen Verunsicherungen nicht empfohlen.


Fazit:
    -Mundschutz beim Patient, bei Besiedelung des Nasen-/Rachenraumes
    -Schutzkittel-/schürze JA bei engem Patientenkontakt,
    -Overall mit Kapuze o.ä. NEIN (weckt eh nur Verunsicherung seitens der Patienten und der Beobachter
    -Schutzhandschuhe PFLICHT
    -Schlussdesinfektion ALLER potentiellen Kontaktflächen PFLICHT


Ich hoffe sehr etwas zur Aufhellung am Staphylokokkenhorizont beigetragen zu haben :-)

Gruß,
Erik Eichhorn
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redmedic
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Beitrag von redmedic » 27.05.07, 00:11

keine unterschiede und keine speziellen infektionstransporte.

IMMER volle schutzkleidung.

ich möchte für keine infektion von mir oder von patienten verantwortlich sein.

supermattze
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Beitrag von supermattze » 27.05.07, 11:12

d.h. ihr fahrt auch jede ommi, die in der dialyse 3mal pro woche nen abstrich kriegt mit handschuhen, kittel, mundschutz und haube durch die gegend, putzt hinterher das auto?

*knoxville*
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Beitrag von *knoxville* » 28.05.07, 02:44

Hallo,

Maßnahmen bei uns wie von Eric beschrieben nur das wir verpflichtet sind, Overalls anzuziehen.
@ Supermattze:
Meine Tochte wurde im Alter von 4 Monaten operiert, hatte hinterher einen MRSA in der Wunde. Eindeutig weder von meiner Frau (auch Krankenschwester) noch von mir (alle Abstriche neg.) Ich wäre froh jemand hätte den ganzen "Quatsch" wie Hände- und Flächendesi sowie Schutzkleidung ernst genommen und nach jeder "positiven Omi" sich und seinen Arbeitsbereich entsprechend desinfiziert :evil:

Gruss Marc

supermattze
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Beitrag von supermattze » 28.05.07, 10:29

natürlich nehme ich die schutzmaßnahmen ernst, andere länder wie die niederlande z.b. zeigen ja das sie mit deren strikten einhaltung erfolg haben.

mein post war auf redmedic bezogen, der angibt das es bei ihnen keine speziellen i-transport gibt.

LineofFire
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Beitrag von LineofFire » 06.06.07, 18:37

dann will ich die Fragestellung mal erweitern: Tut ihr was, wenn ihr merkt dass Maßnahmen nicht eingehalten werden? Ich spreche von Kollegen sowie auch Klinikum


Letztens hatte ich eine MRSA-Patientin, die zum Röntgen ins Klinikum musste. Da das schnell ging, konnten wir sie auch wieder mit ins Heim nehmen. Allerdings wurde sofort nach der MRSA-Patientin wieder jemand in den Raum geschoben, also gehe ich davon aus dass dort keine spezielle Desinfektion durchgeführt wurde (wurde nicht als MRSA-Patientin angemeldet, dementsprechend gross war eh der Tumult)

Zoidberg
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Beitrag von Zoidberg » 12.06.07, 19:11

Bei uns ist die Vorgehensweise vom Träger des Rettungsdienstes (BF) angeordnet:

Transport wenn irgendwie möglich und verantwortbar im KTW, Personal in Schutzmontur ("Ganzkörperkondom", Handschuhe und FFP3-Maske), wenn der Keim im Nasen-/Rachenraum sitzt bekommt der Patient einen normalen OP-Mundschutz ins Gesicht, sonst kann darauf verzichtet werden. Eine abschließende Händedesinfektion ist natürlich obligat.

Anschließend wird die zentrale Desinfektionsstelle der BF angefahren und eine Kontaktflächendesinfektion durchgeführt.

Vor nicht allzulanger Zeit wurden die Vorschriften der Feuerwehr etwas gelockert, mittlerweile ist es auch möglich, die Transporte in der ganz normalen Einsatzkleidung durchzuführen, welche dann allerdings an der Desinfektionswache gegen Leihwäsche gewechselt werden muss. Der Vorteil daran erschließt sich mir persönlich nicht, dadurch fährt man einmal mehr unnötig durch die halbe Stadt, um die Tauschklamotten abzugeben und die eigenen wieder zu erhalten. Ist für meine HiOrg allerdings auch nicht relevant, wir wurden dazu angehalten, uns weiterhin vollständig einzukleiden.

PS: Extra Infektionstransport gibt es nicht, zumindest wäre mir sowas nicht bekannt, das wird alles ganz normal im Regeldienst abgearbeitet. Sollte sich hinterher rausstellen, dass man einen MRSA-Patienten gefahren hat, ohne davon zu wissen, heißt es Status 6 und zum Desinfektor, Kontaktflächendesi und Klamotten tauschen.

nebel
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Beitrag von nebel » 21.06.07, 20:37

Hallo,
bei uns gibt es auch keine extra Fahrzeuge für infektiöse Patienten. Die Fahrzeugwahl KTW / RTW wird rein nach der medizinischer Notwendigkeit entschieden (...wie bei jedem Patienten).

MRSA in Wunde: Wunde gut verbinden, Einmalkittel, Einmalhandschuhe, normaler Mundschutz für Personal. nachher: gründliche Händedesinfektion, Desinfektion aller Flächen, wo der Patient oder Personal dran gekommen sein könnte.

MRSA in Mund / Rachenraum: Mundschutz Patient + Personal, Einmalkittel, Einmalhandschuhe.
nachher: gründliche Händedesinfektion, Desinfektion aller Flächen, wo der Patient oder Personal dran gekommen sein könnte.

Nach der Desinfektion im Fahrzeug bleibt das Fahrzeug außerdem für eine Stunde auf 6. Ist das bei euch allen auch so? Ist das so lange notwendig?

Noch ein Satz am Rande: In einem Artikel aus der Rettungsdienst vom sk Verlag konnte man lesen, dass die Hygienemaßnahme in Deutschland gegenüber anderen Ländern mindestens auf einem gleichen Level sind. Die Verbreitung von MRSA basiert in Deutschland vorwiegend auf einen anderen Umgang mit MRSA Patienten oder mit V.a. MRSA PAtienten. In den Niederlanden, Dänemark und in skandinavischen Ländern beträgt der Anteil an MRSA Patienten gerade einmal 1 - 2%.

Grund: jeder Patient bei dem…

…MRSA bekannt ist,
einmal nachgewiesen worden war,
der mit einem MRSA – Patienten auf einem Zimmer lag oder
im Ausland klinisch behandelt wurde…

…muss sich einer gründlichen Untersuchung unterziehen und bei positivem Testergebnis wird er sofort isoliert.

Und natürlich das wichitgste (Stand glaub ich auch genauso im Artikel):

In diesen Ländern wird der Antibiotika – Verbrauch begrenzt.
!! Ohne Antibiotika entsteht auch keine Antibiotika – Resistenz !!

Interessieren würde mich allerdings mal, ob man jeden MRSA Patienten (also Lokalisation egal), der keine medizinische Indikation für ein Krankenhausaufenthalt aufweist, nach Hause entlassen kann?? Welche Schutzmaßnahmen müssen Angehörige denn genau treffen?

Allen eine schönen gute Nacht

detzwen
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Beitrag von detzwen » 05.02.08, 17:11

Bei uns ist der Umgang mit MRSA Patienten genau definert und im Hygieneplan (QM) hinterlegt. Meines Wissens nach gilt dieser Plan nicht nur für unsere Firma, sondern auch für die anderen Anbieter in den betreffenden Kreisen.

MRSA MundNasen Rachenraum:
OP Mundschutz für Patienten,
für die Besatzung: Kittel, Handschuhe und evtl. Mundschutz FFP2
Desinfektion des gesamten Fahrzeugs mit entsprechendem Des.Mittel

MRSA lokal (Wunde):
Kittel, Handschuhe f. Personal
Desinfektion der Kontaktstellen Patient und Personal mit entsp. Des.Mittel

Transport erfolgt ganz normal aus der Regelrettung mit RTW(MZF)

Grüße

detzwen

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