Kombitubus

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redmedic
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Kombitubus

Beitrag von redmedic » 17.04.07, 13:12

hallo,

ich wollte euch mal fragen, wie eure erfahrungen mit dem kombitubus aussehen?
(ich weiss nicht, ob es schon einen beitrag dazu gibt...bitte sagen falls es so ist)

ich habe mit diesem speziellen tubus überhaupt keine erfahrungen.
habt ihr die überhaupt auf euren rettungsfahrzeugen?
wie oft versucht ihr es mit einem normalen tubus vorher oder welche indikationen sind gegeben, damit der kombitubus zum einsatz kommt?

theoretisch ist bei einer lage im ösophagus die beatmung wahrscheinlich schwieriger, der aspirationsschutz aber ähnlich gut.
ist es bei einer lage in der trachea möglich, dass mageninhalt in den tubus eindringt?

was denkt ihr über den kombitubus?

Ben Thal
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Re: Kombitubus

Beitrag von Ben Thal » 17.04.07, 13:36

Hallo redmedic,

redmedic hat geschrieben: ich habe mit diesem speziellen tubus überhaupt keine erfahrungen.
habt ihr die überhaupt auf euren rettungsfahrzeugen?


Der Kombitutus gehört zu den alternativen Atemwegsmitteln und kommt dann zum Einsatz, wenn eine Intubation aus irgendwelchen Gründen (zB schwieriger Atemweg) nicht möglich ist! Es gibt eine Reihe von "alternativen" Atemwegshilfsmitteln, die als Alternative zur endotrachealen Intubation in Betracht kommen. Dazu gehören bspw. auch die Larynxmaske oder als eher neuartiges Produkt der Kombitubus (welcher in einigen Studien als sehr gute Alternative zur Intubation hervorgeht). Zumindest eine alternative Atemwegshilfe auf einem notarztbesetzten Rettungsmittel vorzuhalten ist unerlässlich.

redmedic hat geschrieben: wie oft versucht ihr es mit einem normalen tubus vorher oder welche indikationen sind gegeben, damit der kombitubus zum einsatz kommt?


Das muss unter Abwägung der Gesamtsituation im Ermessen des Notarztes liegen! Einmal mehr der Grundsatz: Der Patient stirbt am fehlenden Sauerstoff nicht am fehlenden Tubus! Generell wird in der Präklinik zu häufig intubiert und die Indikation zur Intubation und Beatmung zu eng gestellt.

redmedic hat geschrieben:theoretisch ist bei einer lage im ösophagus die beatmung wahrscheinlich schwieriger, der aspirationsschutz aber ähnlich gut.
ist es bei einer lage in der trachea möglich, dass mageninhalt in den tubus eindringt?


Prinzipiell nur, wenn der Cuff zu wenig stark aufgeblasen ist. Doch der Goldstandard der Atemwegssicherung mit dem höchsten Aspirationsschutz ist immernoch die endotracheale Intubation.

redmedic hat geschrieben:was denkt ihr über den kombitubus?


Ich halte den Kombitubus für eine nützliche wenn auch sehr teure Atemwegshilfe. Eine klare Wertung der einzelnen Hilfsmittel ist nicht möglich, da keine ausreichende Datenlage vorliegt.

Gruß aus Wien,
Ben Thal
ERC ALS Instructor / Notfallsanitäter ÖRK

Uwe Hecker
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Beitrag von Uwe Hecker » 17.04.07, 18:56

Hallo an alle,

wieder einmal kann ich mich meinem Vorredner nur anschließen. "Die Alternative" schlechthin gibt es eh´nicht, was den Bereich der Hilfsmittel beim schwierigen, bspw. erweiterten Atemwegsmanagement angeht. Deshalb ist es unerlässlich sich neben der Intubation, auf einige wenige Alternativen zu konzentrieren und diese auch regelmäßig zu trainieren.

Viele Grüße


Uwe
Gesundheits- und Krankenpfleger für Intensivpflege und Anästhesie / Rettungsassistent

redmedic
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Beitrag von redmedic » 19.04.07, 16:27

danke erstmal für die antworten.

ich habe mir aber eher persönliche erfahrungsberichte erhofft, keine allgemeinen aussagen, die in der praxis nie 100% gültigkeit haben und mir wenig weiterhelfen.

ist nicht bös gemeint oder so :wink:
ich würde mich nur über spezifische persönliche erfahrungesberichte mit dem kombitubus freuen.

(bin übrigens ra i.p.)

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Beitrag von Dr. Ch. Erbschwendtner » 19.04.07, 18:55

Diskussion über Alternative Airways

Schwieriges Airwaymanagement

Critical Airway Management

Hallo redmedic!

In den letzten Jahren wurden auf rett-med drei Diskussionen zu dem Thema geführt, ich habe Dir die Links oben hinterlegt, über die Suchen Funktion, wären sie sicher auch leicht zu finden gewesen.

Warum so entäuscht über die wenigen Erfahrungsberichte, man kann das auch von der guten Seite sehen, die meisten sind doch konventionell zu intubieren. Ich überschaue für mich jetzt bereits 22 Jahre im Rettungsdient (vom KTW bis zum Hubi) und kann mich nur an ganz wenige Einsätze (zum Glück) mit der Notwendigkeit eines alternativen Airwaymanagement erinnern.

mfG

Erbschwendtner
Dr.Ch. Erbschwendtner
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redmedic
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Beitrag von redmedic » 19.04.07, 23:09

vielen dank für die links...
ich hab zwar etwas im forum gestöbert, aber das hab ich nicht gefunden.
suchfunktion benutzen is ein guter tip, danke.

sicher ist die endotracheale standard-intubation meistens möglich und sicher ist es auch erfreulich, wenn diese möglich ist.
ich möchte nur auf alle eventualitäten vorbereitet sein.

ich denke, dass erfahrungsaustausch auch bei unwahrscheinlichen situationen und gerade dann sehr hilfreich ist.
dieses forum halte ich für sehr gut und wichtig gerade für den informationsaustausch zwischen fachkräften.(großes kompliment auch an die admins)

natürlich ist es erfreulich, dass die meisten pat konventionell zu intubieren sind, aber dann könnte man auch sagen, dass es erfreulich ist, wenn ich in meinem praktikum keinen einzigen schwerverletzten patienten zu versorgen habe.
besser für die möglichen patienten wäre das mit sicherheit, da sie gar nicht erst in eine situation kommen in der sie die hilfe des rettungsdienstes benötigen.
für meine beruflichen fähigkeiten wäre das jedoch sehr schlecht, da ich dann keine erfahrungen sammeln kann und so meine fähigkeiten auch nicht verbessern kann.
ich hoffe ihr versteht ansatzweise, was ich damit sagen will.

zurück zum thema.
an unserer wache wird momentan überlegt, ob kombituben standardmäßig auf den beiden rtws vorgehalten werden sollten.
von daher würde ich mich selbst über einige wenige erfahrungsberichte zu dem thema kombitubus sehr freuen.
und ja ich weiss, ich bin sehr hartnäckig!

Dr. Ch. Erbschwendtner
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Beitrag von Dr. Ch. Erbschwendtner » 20.04.07, 07:39

ich hoffe ihr versteht ansatzweise, was ich damit sagen will.


Hallo !

Verstehe ich voll und ganz, die Motavation dazu ist auch toll!

Ich wollte damit aber auch zum Ausdruck bringen, daß es daher nicht so viele Erfahrungsberichte geben wird.

Unser AW-Managemnet für den Critical Airway besteht zur Zeit aus Layrnxtubus (in mehreren Grössen) und einem fertigen Koniotomieset mit Indikatornadel.
Ersteres hat den CT abgelöst, weniger Widerstand beim Einführen, da der obere Oseophagussphinkter nicht überwunden werden muß, zweiteres bietet weniger Verletzungsgefahr als das Quick Trach Set mit der großen scharfen gebogenen Nadel, außerdem funktioniert es nach dem schonenderen Dilatationsverfahren.

Um das genauer diskutieren zu können verschiebe ich den Beitrag ins geschlossene Fachforum.

mfG

Erbschwendtner
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Wolfgang Ziegler
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Beitrag von Wolfgang Ziegler » 23.04.07, 19:30

Hallo zusammen

eine gute Alternative ist der Larynxtubus.
er verschließt den Oesophagus mit einem Ballon und den Rachen mit einem zweiten Ballon.
Er hat nur ein Lumen im Gegensatz zum Combitubus.
Das Umschlagen des Cuffs, wie bei der Larynxmaske gibt es nicht.
Nach meiner Erfahrung ist er leichter einzuführen als eine LMA.
Mit dem Combitubus habe ich keine praktische Erfahrung am Patienten.
Er erscheint risikoreicher. Verletzungsgefahr! 2 Lumen Verwechslungsgefahr.

Was man nur in Ausnahmefällen (keine Beatmung und keine Intubation möglich) verwendet, sollte einfach und relativ sicher beherrscht werden.

Den Larynxtubus gibt es als Einweg Artikel für ca. 15-20,- €
In den USA soll er bereits den Laien in die Hand gegeben werden.

Erik Eichhorn
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Beitrag von Erik Eichhorn » 23.04.07, 19:51

Hallo ihr lieben Diskutanten :-)

ich will gerne auch noch mein Scherflein beitragen....

Auch wenn ich nicht viel praktische Erfahrung mit dem Larynxtubus nachweisen kann: Genaugenommen ist n=3 , so möchte ich doch eine Lanze für ihn brechen.
Wir haben ihn auch umfangreich in der Simulatorausbildung unter wirklich ekelhaften Bedingungen (quasi null Sicht aufs Gesicht) und Umständen bei unterschiedlich qualifiziertem Personal getestet und konnten bei Erstversuch circa 95% erfolgreiche Ventilation erreichen.
In den real von mir erlebten Einsätzen stieg das auf 100 % bei zuvor mehrfach erfolgloser endotrachealer Intubation.
Beim dritten Einsatz konnte ich beim dritten erfolglosen Intubationsversuch schon beinahe völlig entspannt sagem wir haben ja noch den LT und es hat wieder problemlos geklappt. Es ist einfach auch gut für den eigenen Blutdruck, wenn man einen Joker im Ärmel hat :-)

Gruß,
Erik Eichhorn
Rett-Med
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redmedic
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Beitrag von redmedic » 23.04.07, 20:17

na das ist schon immerhin etwas :wink:

ich muss mich wohl damit zufrieden geben,dass der kombitubus keine wirkliche verbreitung in deutschland genießt.
von daher gibt es wohl keine erfahrungsberichte.

larynxtubus haben wir auch, musste ich persönlich aber noch nie einsetzen.
danke für das positive feedback.

vielleicht mal eine andere frage an die notärzte:
wie sind eure erfahrungen in bezug auf koniotomie?
habt ihr die unter außenbedingungen schoneinmal zu einem erfolgreichen ende gebracht?

danke im vorraus für antworten.

supermattze
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Beitrag von supermattze » 23.04.07, 20:47

erfahrungen mit combitube:
schon mehr ausgewechselt als gebraucht.
dennoch haben diese 2 versuche anstandslos geklappt.
Bei einer Notärztin musste die anwendung noch perfektioniert werden.

Dennoch war durch x-intubationsversuche danach lama etc. die entscheidung für den CT immer sehr als ultima ratio gesetzt. Da versteh ich nicht warum die NÄte nicht gleich nach 2-3 mal intubation sofort dazu greifen.

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