Intraossäre Medikamentenverabreichung

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Ben Thal
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Intraossäre Medikamentenverabreichung

Beitrag von Ben Thal » 31.01.07, 16:46

Hat jemand von Euch schon mal präklinisch Medikamente intraossär verabreicht? zB während der Reanimation?

Vielen Dank für Eure Antwort oder Kommentare!

Ben
(www.emergencycare.at)

mbela
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Beitrag von mbela » 01.02.07, 06:42

Komme gerade aus der Nachtschicht. So gegen 2 Uhr bei der Rea eines ca. 140 kg Patienten gestaltete sich der Zugang etwas schwierig, auch mittels B.I.G. (Bone Injection Gun) war aufgrund der Adiposität und den massiven Wassereinlagerungen ein Zugang leider nicht möglich.

Trotzdem eine wirklich gute Alternative die bei uns als letztes Mittel in 2 größen auf RTW und NEF vorgehalten wird.

Gruß,
Markus
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Land-Ei
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Beitrag von Land-Ei » 01.02.07, 13:48

Hallo,

Bisher habe ich zweimal bei Baby-Reanimationen intraossär Medikamente gegeben.
Vom Handling und der Dosierung wiebei der i.v.- Gabe

Warum fragen Sie?

Land-Ei

Ben Thal
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Beitrag von Ben Thal » 01.02.07, 17:02

Ich versuche ein paar Erfahrungsberichte einzuholen - für einen Vortrag zu genanntem Thema. Da das ERC in den Guidelines die intraossäre Applikation sogar vor die endobronchiale Verabreichung setzt, interessierte es mich, ob die Verabreichung über den Knochen beim Erwachsenen während einer Reanimation schon auf irgendeiner Wache Praxis ist!

Vielen Dank für Ihre Antwort einstweilen!

Gruss, Ben

rathomas
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Beitrag von rathomas » 07.02.07, 00:04

Hallo,
habe am Wochenende auch erste Erfahrungen mit der B.I.G gesammelt, ältere Patientin im Altenheim mit Lungenödem. Nachdem kein iv Zugang möglich war hat der NA einen i.o. Zugang gelegt. Medikamentenaplikation war wie i.v. möglich.

Gruß
Thomas

mbela
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Beitrag von mbela » 07.02.07, 04:48

Wie hats die Pat den toleriert, dass ihr eine doch große Nadel ins Mark geschossen wird?
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rathomas
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Beitrag von rathomas » 07.02.07, 14:28

mbela hat geschrieben:Wie hats die Pat den toleriert, dass ihr eine doch große Nadel ins Mark geschossen wird?


Naja Pat war wohl schon seit etwas längerer Zeit in diesem Zustand, Beine waren schon marmoriet, Pat nicht ansprechbar, RR 70/ n.m. Pat hat es also toleriert.

Uwe Hecker
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Beitrag von Uwe Hecker » 11.02.07, 18:19

Hallo,

ich selbst habe in der Praxis noch nie einen i.o. Zugang gelegt, was weniger mit Überwindung, als viel mehr mit der spärlichen Ausstattung unserer RTW´s zu tun hat. Ich konnte das Verfahren aber mal während einer INTEC - Fortbildung erlernen (in der Patho) und muß sagen ich würde diese Maßnahme sofort anwenden wenn´s Not tut. Gerade bei Rea´s oder Kindernotfällen.

Grüße

Uwe
Gesundheits- und Krankenpfleger für Intensivpflege und Anästhesie / Rettungsassistent

Ben Thal
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Beitrag von Ben Thal » 12.02.07, 11:52

In den neuen ERC-Guidelines ist die intraossäre Verabreichung der endobronchialen in einer Reanimationssituation vorzuziehen! Aber wirklich durchsetzten wird sich die Massnahme erst, wenn mal ein paar damit anfangen...

Uwe Hecker
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Beitrag von Uwe Hecker » 12.02.07, 13:15

Hallo Locomino,

damit hast Du sicher Recht. Auch wenn man ins benachbarte europ. Ausland schaut, stellt man fest, das die e.b. Gabe doch eher ein Mist ist der auf deutschem Boden gebraut wird. Zumal es gerde bei der Reanimation gute Gründe gibt das nicht zu tun. 1 Wissen wir seltenst was genau die Ursache der Reanimation ist. Ein kard. Lungenödem mit noch mehr Volumen in der Lunge zu bereichen macht sicher keinen Sinn. Die effektive Aufnahme des Medikamentes kann bei Störungen der Zellmembran, wie sie bei vielen pulmonalen Erkrankungen der Fall ist, dtl. vermindert sein.
2. Ich kenne, weder aus Erfahrung noch aus Literaturquellen keinen einzigen Fall, in dem ein Patient, nach der e.b. Gabe von Adrenalin erfolgreich reanimiert wurde. Dies liegt wohl an den bereits genannten Problemen. Ferner wurde im Tierversuch nachgewiesen, das relevante Plasmakonzentrationen erst ab einer 10fach erhöhten Menge gegenüber der i.v. Gabe erreicht werden.
3. Bei der e.b. Gabe von Atropin wird die 3 fach höherkonzentrierte Dosis gegenüber der i.v. Applikation (3mg) empfohlen. Da in vielen RD-Bereichen aber nur 0,5mg Ampullen bevorratet werden würde dies heisen man benötigt 18 !! Ampullen Atropin. Dies ist in der Realität wohl leider nicht durchführbar.

Ich denke, es ist an der Zeit, die e.b. zugunsten der i.o. Verabreichung zu verlassen.

Grüße

Uwe
Gesundheits- und Krankenpfleger für Intensivpflege und Anästhesie / Rettungsassistent

mbela
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Beitrag von mbela » 12.02.07, 16:10

Das sollte nach Umsetzung der neuen Richtlinien wohl für alle zutreffen, bohrt doch mal bei LRA / RDL / ÄLRD nach. Wir müssen die Dinger schon nachbestellen :roll:
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wwalla
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Beitrag von wwalla » 31.03.07, 13:02

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Zuletzt geändert von wwalla am 17.07.07, 09:57, insgesamt 2-mal geändert.

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Beitrag von wwalla » 16.07.07, 19:36

gelöscht !
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Dr. Ch. Erbschwendtner
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Beitrag von Dr. Ch. Erbschwendtner » 16.07.07, 20:42

Lieber Herr Walla !

Ich weiß ja, daß Sie ein überzeuhter Vertreter dieses Systems sind, trotzdem bitte ich zu respektieren, daß im offenem Forum keine Produktnamen genannt werden dürfen. Daher habe ich den Beitrag in das geschlossene Fachforum verschoben.

Es würde mich jedoch brennend interessieren, ob hier ein Interessenskonflikt bestehen könnte und Sie mit der Vertreiberfirma in irgend einer Form liiert sind ?

mit freundlichen Grüßen

Erbschwendtner
Dr.Ch. Erbschwendtner
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Franko
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Beitrag von Franko » 19.07.07, 10:52

Lieber Uwe,
bin leider erst heute auf dieses Thema gestoßen.
Du hast geschrieben:

3. Bei der e.b. Gabe von Atropin wird die 3 fach höherkonzentrierte Dosis gegenüber der i.v. Applikation (3mg) empfohlen. Da in vielen RD-Bereichen aber nur 0,5mg Ampullen bevorratet werden würde dies heisen man benötigt 18 !! Ampullen Atropin. Dies ist in der Realität wohl leider nicht durchführbar.

Meines Kenntnisstandes nach ist beim Atropin die e.b. Dosis identisch mit der i.v. Dosis, also bei Rea max 3mg. Es sind aber trotzdem noch 6 Ampullen. Kennt jemand von euch eine andere Packungseinheit?

Ich denke aber, das auf Grund der Punktionsautomaten das Legen von i.o.-Zugängen bei bestehender Indikation zunehmen wird. Gerade wenn der Goldstandard i.v.-Zugang nicht gelegt werden kann, ist es sicherlich sinnvoll, an i.o. zu denken. Eine vernünftig vorbereitete Punktionsstelle auch unter präklinischen Bedingungen sollte das Infektionsrisiko beherrschbar machen. Aus diesem Grund haben wir mittlerweile neben dem Punktionsautomaten auch noch sterile Einmallochtücher dabei.

Liebe Grüße
Frank

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