Baby -Notfall

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borderline
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Baby -Notfall

Beitrag von borderline » 19.05.06, 17:45

Hallo,

hatte gestern einen Baby-Notfall und war sehr erstaunt über meine Reaktion. Nun fahre ich nur als 3. auf´m RTW mit und trotzdem war es für mich eine situatuion die ich, ich sage mal "innerlich nicht beherrschen konnte". Dabei hatte ich in meinem Pädiatrieeinsatz während der Sr. Ausbildung auch Notfälle aber irgendwie war es da was anderes.

Situationsbericht:

7:30 Uhr Melder gingen auf, es ging zum Kinderarzt dort ein Kind mit "Fieberkrampf", mit SoSi zum Kinderdoc und dann standen wir vor einem 7 Tage altem Säugling der Krampfte.
Der Kidoc versuchte Braunülen zu legen nach dem 4 Versuch lag sie gut. Ich merkte da schon das ich eigendlich lieber Sachen aus dem Auto holte und mir zeitlies, die ja eigendlich nicht da war :( . Ich sah das Kind und wusste nichts mehr. Irgendwann platze der Knoten und ich kam drauf das es wohl mal angebracht wäre den RTW vorzuheitzen. In der Zwischenzeit bekam das Baby 50 mg Phenhydan und nen Perfusor mit Jonosteril, dadurch hörte das Kind für paar minuten auf zu Krampfen. Wir packten das Kind samt Mutter in den RTW und führen mit SoSi in die Uni. Während des Transportes fing das Kind wieder an zu Krampfen, wir sind kaum los fefahren, unser NA gab Midazolam. Es dauerte nicht lange und das Kind war total zyanotisch und mit dem pO2 bei 83%, er entschiet sich für eine Intubation. Nun konnte ich nicht mehr ans Auto fliehen um es nicht zu sehen, ich konnte mich nicht aus der Affere ziehen und nun stand ich auch noch so das ich anreichen musste. Es ging sogar erstaunlich gut. Dann ging es weiter in die Klinik Kind und Mutter ´kamen den Umständen entsprechend gut an.
Die Mutter wirkte sehr ruhig und auf alles gefasst.

Für mich war es der Horroreinsatz
Ich fühlte mich Hilflos nichts Wissend
Ich kann es nicht erklären und nun mache ich mir Vorwürfe das ich hätte alles besser machen können was ich getan habe. :cry:

Wie geht ihr mit sowas um??? Wie geht ihr mit den Eltern um???

Danke für eure Antworten

Gruß bordy

Thomas H.
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Beitrag von Thomas H. » 20.05.06, 11:18

Hallo Bory

ich denke jeder von uns war schon in Situationen (bzw. wird sicher mal in solche kommen) in denen er/sie sich überfordert fühlte. Das ist normal und wenn man einen so anspruchsvollen Beruf ausübt wie wir dann ist das auch zu erwarten.

Trotzdem ist natürlich eine solche Situation für uns alle kritisch und hochgradig unangenehm. Letztendlich kann ich dir nur den einen Tipp geben:

Solltest du nach 2-3 Tagen immer noch Probleme damit haben, sprich: Schlaf- und Konzentrationsprobleme (zumindest äusserte es sich bei mir so) solltest du mit einem Kollegen deines Vertrauens sprechen, und/oder mit dem am Einsatz beteiligten Kollegen.

Solltest du das nicht wollen/können rate ich dir unbedingt professionelle Hilfe in Anspruch nehmen. Ein pädiatrischer Notfall ist für uns alle nicht angenehm und bringt auch mich (und sicher viele unserer Kollegen) an unsere fachlichen und emotionalen Grenzen, daher ist es sicher keine Schwäche sich seine Probleme einzugestehen. Hier ein ganz klares "Respekt" an deine Offenheit.

Hoffe dir ein bisschen geholfen zu haben.

Gruß

TheHamster
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Beitrag von TheHamster » 24.05.06, 14:39

Also ich kann mich Thomas da nur anschließen. Es ist nunmal so das wir trotz aller Ausbildung ab und an in eine Situation kommen auf die man sich einfach nicht vorbereiten konnte... Seie s nun ein Kindernotfall oder auch im Rahmen einer SEG ein Großschadensereigniss. Aber ich denke auch das grade nach solchen Einsätzen eine entsprechende Nachbereitung nötig ist und wird zumindest bei uns auch sofort gemacht... Man setzt sich einfach mal bei nem Kaffee zusammen und redet über den vergangenen Einsatz. Alleine das hilft oft schon.

Also ich kann dir auch nur den Tip geben einfach mit den Kollegen die schon was erfahrener sind darüber zu reden...

LG Micha

Land-Ei
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Beitrag von Land-Ei » 25.05.06, 17:40

Hallo Bordy,

deine Reaktion ist im Rahmen einer Streß- und Belastungsreaktion zu erklären.
Für den "ersten" kritischen Kindernotfall ist so eine Reaktion -denke ich- noch im normalen Bereich. Du solltest aber mit Kollegen Deines Vertrauens darüber sprechen, auch nochmal -vielleicht mit dem NA?- den Einsatz durchsprechen und dabei vielleicht herausfinden, ab wann Dein "Blackout" anfing, also den Einsatz einfach nachbereiten.

Habt Ihr ein System "SBE" - Streßbewältigung für Einsatzkräfte? Unbedingt in Anspruch nehmen!

Unsicherheit bei Kindernotfällen ist häufig, da Kindernotfälle selten sind und wir gerade bei Kindern unser Bestes geben wollen. Da stehst Du nicht alleine da. Vielleicht kannst Du ein Praktikum auf eine Kinderstation machen, um einfach die Angst vor Kinderpatienten zu verringern?

Viele Grüße,

Land-Ei

Marc02
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Re: Baby -Notfall

Beitrag von Marc02 » 25.05.06, 21:34

borderline hat geschrieben:Wie geht ihr mit sowas um???


So ein extremer Einsatz blieb mir bisher erspart aber wir (ich als 2.) hatten mal einen krampfenden nicht ansprechbaren Jogger. Ich sollte/wollte ein EKG kleben, der Kollege war am Auto (ich glaube er forderte das NEFnach). Es nahm alles sein Lauf....so wie es sollte.

ICH HABE IM AUTO GEMERKT DASS ICH 2 EKG ELEKTRODEN VERWECHSELT HABE !!!

Ich wäre am liebsten vor mir selbst im Boden versunken. Der NA hat`s zum Glück nicht bemerkt (Der Pat, hatte ein Hemd an). Man, was habe ich mich geärgert. Ich habe schon zig EKG`s geklebt aber sowas ist mir noch nie passiert. "Warum fährst du eigentlich RTW" habe ich mich gefragt.

Aber......das passiert ein einziges Mal und danach nie wieder. Ich habe bei einem Fallbeispiel in der Schule mal einen Bedarfshypertonus mit Nitro gesenkt.........das passiert mir auch nie wieder, meinem (lauten) Dozenten sei dank. :D

Was ich dir sagen damit sagen will. Diese Situation und wie du dich gefühlt hast, wird dir wieder einfallen wenn es nochmal so kritisch wird und du wirst dann das richtige tun, z.B. erstmal innerlich runterkühlen und lieber sorgfältig als schnell arbeiten.

Piratte
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Beitrag von Piratte » 29.05.06, 00:48

Darf ich kurz fragen, was ein "Bedarfshypertonus" ist?

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Beitrag von borderline » 29.05.06, 08:26

vielen dank für eure vielen antworten und tipps damit um zu gehen.

wir haben das ganze noch einmal im team besprochen. letzednlich waren meine fehler durch den blackout "nur" kleinigkeiten aber es ärgert einen halt doch.

zum pranktikum auf einer pädiatrie muss ich sagen das ich in meiner sr. ausbildung da schon gewesen bin und es mir dort nichts ausmachte. während dieses einsatzes war ich unteranderem auch mal für 3 wochen auf der frühgeborenenintensiv, der pädiatrie einsatz war insgesammt 6 wochen.

so ein sbe ist mir bei uns nicht bekannt. wir haben ra´s die einen kit lehrgang mitgemacht haben und auch bei größeren unfällen als kit alarmierd werden.
eiiner von den 3 ra´s soll immer bei so gesprächen dabei sein und das war er auch.

joar also muss sagen das ich an dem tag wo ich das hier gepostet habe noch ziehmlich aufgeregt war, denn ich habe dinge vergessen zu sagen, denn das schlimmste für mich im nachhinein war meine standposition. ich stand dirket an der schublade wo das intubations material drin war klar habe ich nach dem zeug gegriffen und dem dock angereicht nur musste ich dann diesen bescheuerten spatel vom laryngoskop verkanten und ihn net abbekommen um den 0ér spatel drauf zu machen. das ist das was mich am meisten ärgert.....!!!!!!!!!!

kind ist wieder wohlauf ist auf normalstation. :D

und für mich war es eine herausvorderung!!!!!

und vielen vielen dank euch noch mal

Marc02
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Beitrag von Marc02 » 29.05.06, 18:25

Piratte hat geschrieben:Darf ich kurz fragen, was ein "Bedarfshypertonus" ist?


Klar, warum nicht ?? Ich fasse mich aber kurz und stelle es vereinfacht dar.

Ich erkläre das mal am Beispiel des Apoplektischen Insults (so heißt es in den Büchern) also einem Schlaganfall.

Was ist ein Schlaganfall ?? Eine Durchblutungsstörung im Gehirn. Entweder durch einen Gefäßverschluss oder eine Gefäßverengung. Das hat zur Folge, dass im Gehin weniger Blut ankommt als benötigt wird. Dem entsprechend erhöht der Körper den Blutdruck, um diesen Zustand zu kompensieren.

Hypertonus = Bluthockdruck Und weil der Körper in dieser Situation dem hohen RR bedarf spricht man von einem "Bedarfshypertonus".

Ist deine Frage damit ausreichend beantwortet ?? :)

Spricht man eigentlich nur von einem Apoplex wenn sich das Ganze im Gehirn abspielt oder auch schon wenn die Carotiden verengt oder verschlossen sind ?? Können die überhaupt verengt werden ??

Erik Eichhorn
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Beitrag von Erik Eichhorn » 29.05.06, 20:01

Marc02 hat geschrieben:Spricht man eigentlich nur von einem Apoplex wenn sich das Ganze im Gehirn abspielt oder auch schon wenn die Carotiden verengt oder verschlossen sind ?? Können die überhaupt verengt werden ??


Vom Apoplex spricht man, wenn durch eine dauerhafte Durchblutungsstörung Nervenzellen im ZNS geschädigt werden und zugrunde gehen. Die Ursache / der Ort der Durchblutungstörung spielt dabei erstmal keine Rolle. Das können also Verschlüsse der Hirnarterien sein, aber auch ein Verschluß der Carotiden. Plaques in den Carotiden sind übrigens gerade bei älteren Menschen gar nicht mal so selten, meist machen sich diese dann im Sinne einer temporären Durchblutungsstörung (TIA) bemerkbar. Wenn man die Carotiden auskultiert, kann mann dann ggf. ein ganz typisches "fauchendes" Geräusch über der Stenose hören.
Frage hinreichend geklärt ?

Gruss,
Erik Eichhorn
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Marc02
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Beitrag von Marc02 » 29.05.06, 21:16

Hey, vielen Dank !!! :D

Was bedeutet TIA ausgeschrieben ??

Erik Eichhorn
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Beitrag von Erik Eichhorn » 29.05.06, 21:35

TIA= Transistorisch Ischämische Attacke

Eine Minderperfusion der Nervenzellen im ZNS die nach 24 h per definitionem vollständig ! reversibel ist.
Symptome sind eigentlich identisch mit denen eines Apoplex, aber eben reversibel, das ist wichtig.

Gruss,
Erik Eichhorn
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