Gas im Rettungsdienst

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tricolor
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Lachgas

Beitrag von tricolor » 27.08.06, 14:37

Zur Lachgasverwendung sollte man das Verhalten von Lachgas kennen und die Nebenwirkungen.
Unten an, ist ein Skript zu Lachgas von meiner Mediprüfung, ich hoffe es hilft.



Lachgas Blut/Gas/VK = 0.47%

Lachgas ist ein anorganisches, farb-,geruch- und geschmackloses Gas, der Siedepunkt ist kleiner Raumtemperatur. Liegt als farblose Flüssigkeit in Stahlzylindern vor, Kennfarbe grau. Druck in den Stahlzylindern beträgt 51 atm, welcher sich solange kostant verhält, wie sich noch flüssiges Gas in den Stahlzylindern befindet. Druck fällt ab, wenn das flüssige Lachgas verdampft ist, hernach steht auch nur noch eine geringe Menge an Gas in der Flasche selbst zur Verfügung.

Verwendung: Zur Kombinationsnarkose mit anderen volatilen Inhalationsanästhetika, oder in Kombination mit Opioiden, Muskelrelaxantien und Sedativa
Kombinationsnarkosen mit Lachgas senken die Nebenwirkungen auf Kreislauf, Herz und Bronchialsystem, der anderen verwendeten Medeikamente

Wichtig zu Wissen beim Verwenden
Second/Gas/Effekt:
In Kombination mit volatilen Inhalationsanästhetika macht man sich den Second/Gas/Effekt vom Lachgas zu Nutzen. Die Aufnahme von Lachgas führt in der Lunge zu einem Volumenverlust, die Konzentration der in der Lunge anwesenden volatilen Inhallationsanästhetika steigt aufgrund des verbleibenden kleineren Volumens.
Daraus ergibt sich, dass das Partialdruckgefälle der volatilen Inhalationsanästhetika zwischen Alveolen und Blut steigt. Diffusion wird somit beschleunigt, die Einleitung verläuft rascher.

Lachgasdiffusionshypoxie Verabreichung von 100% Sauerstoff in den ersten Minuten bei/nach Ausleitung wegen bestehender Gefahr der Lachgasdiffusionshypoxie.
Nach Unterbrechen der Lachgaszufuhr strömt das Gas in grossen Mengen in die Alveolen zurück, verdünnt den dort vorhandenen Sauerstoff. Atmet der Patient in dieser Zeit nur Raumluft ein, besteht die Gefahr von zu wenig Sauerstoff in den Alveolen und somit die Gefahr einer Hypoxie. Diese Gefahr besteht in den ersten 5- 10 min nach Unterbrechung der Lachgaszufuhr, da Lachgas sehr schnell abflutet und die Gefahr mit abnehmender Lachgaskonzentration in den Alveolen auch abnimmt.

Wirkung/Nebenwirkungen von Lachgas

Herz:
negativ inotrop, d.h. HZV, Myokardkontraktilität und Schlagvolumen nehmen ab.

ZNS : Stimulation von Sympathikuszentren im ZNS
Durch diese sympathikusstimulierende Wirkung können bei
Kombinationsnarkosen, z.b. mit Halothan, MAP, HZV und peripherer
Widerstand gesteigert werden.
Lachgas erhöht den intrakraniellen Druck

Respiratorische Wirkung

Keine oder leichte Atemdepression. Atemdepressive Wirkung erst bei
Kombinationsnarkosen


Anderes Lachgas beeinflusst die Leber-, Nieren -, und Darmtätigkeit nicht.
Keine relaxierende Wirkung auf Skelettmuskel und Uterus
Gute analgetische Komponente
Bei langer Zufuhr von Lachgas kommt es durch Reaktion/Oxidation mit
Vit.B12 zu einer Knochenmarksdepression. Bildung von Ec und Lc wird
beeinträchtigt.



Diffusion von Lachgas


Lachgas diffundiert in luftgefüllte Hohlräume.
Betroffen sind vor allem: luftgefüllte Darmschlingen bei Ileus
Pneumothorax
Pneumoperitoneum
Pneumozephalus
Mittelohr
Tubusmanschette
wichtig auch Gebiete von Luftembolien

Bei der Lachgasdiffusion gilt; Lachgas diffundiert solange zwischen Blut
und Hohlraum, bis eine Partialdruckgleichheit auf beiden Seiten besteht.


Wichtig Je nach Dehnbarkeit des betroffenen Raumes kommt es immer zu
einer Volumenzunahme.

Darmschlingen:Bei länger dauernder Lachgaszufuhr bei Ileus,
kann auf grund der Volumenzunahme luftgefüllter Darmschlingen der
operative Eingriff erschwert werden. Postoperativ kann die Atmung
vom Patienten behindert werden/sein.

Pneumothorax: Innert 10 min kann ein Pneumothorax durch
Lachgaszufuhr derartig an Volumen zunehmen, dass die Herz- und
Kreislauffunktion lebensbedrohlich beeinträchtigt werden kann.

Deshalb: Nie Lachgasverwendung beim undrainierten
Pneumothorax.


Tubusmanschette: Auf Grund der Diffusion von Lachgas in die
Tubusmanschette mehrfache Cuffkontrolle notwendig, ggf. neu
blocken.
Füllen des Cuffs mit Lachgas kann eine Volumenzunahme vom Cuff
verhindern.

Mittelohr: Trommelfellvorwölbung duch Lachgasverwendung
Vor Trommelfellverschluss sollte die Lachgaszufuhr schon einige
Zeit vorher unterbrochen werden.




Abbau von Lachgas

Keine Metabolisierung in der Leber,
Lachgas wird fast zu 100% über die Lungen abgeatmet, verbleibender Rest wird über die Haut abgebaut, ein kleiner Teil geht während der OP über eröffnete Körperhöhlen verloren.

Kontraindikationen für Lachgas

undrainierter Pneumothorax
Mediastinalemphysem
Verdacht auf Luftembolie
Ileus
Pneumozephalon
Pneumoperikard
Herzfehler mit Rechts/Links Shunt; Wegen Widerstandszunahme im pulmonalen Gefässbett kommt es zu einer Shuntzunahme und somit kommt es auch zu einer Verschlimmerung/ Zunahme einer/ der Hypoxie.


Vorteile Lachgas


Gute analgetische Komponente
In Kombination senkt Lachgas den bedarf an anderen Anästhetika und somit auch deren Nebenwirkungen
Rasches An- und Abfluten
Ausgesprochen niedrige Löslichkeit und niedrige Verteilungskoeffizienten
Keine Metabolisierung in der Leber
Keine nephrotoxischen Eigenschaften

Nachteile Lachgas

geringe sedierende Potenz
Monoanästhesie mit Lachgas nicht möglich
Diffusion in luftgefüllte Hohlräume
negativ inotrope Wirkung bei Herzkranken





So, das liest sich vielleicht mega viel, aber ich finde schon, dass wenn ein RettSani Lachgas verwenden möchte, sollte er mindestens dreiviertel der oben beschriebenen Wirkung kennen.


VG
tricolor[/u]

Uwe Hecker
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Beitrag von Uwe Hecker » 27.08.06, 15:40

Hallo tricolor,

zunächst vielen Dank für den sehr interessanten Beitrag. In voller Übereinstimmung mit Dir kann nur bestätigen, wer dieses Gas anwenden will muß es kennen. Das gilt, denke ich, aber nicht nur für die Verabreichung von Lachgas, sondern generell für alle Medikamente, die zukünftig in die Hände von Rettungsassistenten fallen. So wird mir bei manchen Sprüchen von Kollegen (hier sind es komischer weise immer die Männer) und zum Teil auch aus den Empfehlungen zur "Notkompetenz" Angst und Bange :roll: , wenn es um die zukünftige "Regelkompetenz :?:" geht. Über die Vor- und Nachteile muß man nun ja nicht mehr viel sagen, Dein Beitrag denke ich erfasst alles wesentliche. Blos bin ich nach wie vor der Meinung: Sollen Rettungsassisitenten zukünftig per irgendeinem Regelwerk mehr Kompetenzen bekommen, so muß man gerade in der anwendung von Pharmaka, zunächst mit den hamloseren Stoffen beginnen, bevor man die Hammer verteilt. Und da denke ich wäre z.B. Enotnox wirklich eine grundlegende Überlegung wert, bevor man gar über Medikamente wie Fentanyl etc. nachdenkt.

Gruß

Uwe
Gesundheits- und Krankenpfleger für Intensivpflege und Anästhesie / Rettungsassistent

tricolor
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Beitrag von tricolor » 27.08.06, 16:03

Naja, ich würde einem RettSani eher Fentanyl und Dormicum in die Hand drücken, dann kann er wenigstens antagonisieren wenn er seine Patienten wegbeamt.

Aber ich hab sowieso eher eine kritische Einstellung zu den Ausbildungen in Deutschland.
Ich finde, dass wenn jemand in eigener Entscheidung Medikamente benutzt, er zwingend eine Medikamentenprüfung ablegen muss.

Die Frage, oder der Satz weiter vorne stehend, ob in Sevofluran eine Spur ein Teil Lachgas enthalten ist, das ist nicht peinlich , sondern wiederspiegelt ein Teil des deutschen Ausbildungssystems. Und natürlich den eigenen Ehrgeiz sich Wissen selber zu vermitteln.

Ich finde es zum Teil auch erschreckend, wenn ich hier mitlese.

Früher gab es mal eine Ketalardiskussion, ich finde ein RettSani kann alles verwenden, er muss nur top geschult sein und Wissen in Physiologie und Pathophysiologie haben.

Wenn ein HNO Arzt Notdienst fährt und bei einer dekompensierten Herzinsuffizienz ankommt, dann denke ich, brauche ich eher einen guten RettSani......und irgendwie fehlt mir dieses Bewusstsein hier.

Man will möglichst viel machen und super viele Kompetenzen, aber sich hinsetzen und lernen will anscheinend keiner.....

LG
tricolor

PS: Diese Skripte gibt es noch zu den im OP gängigen Opiaten, den gängigsten Anästhesika, Muskelrelaxantien und natürlich zu allen Gasen......inkl. dem nötigen Physikwissen über das Verhalten von Gasen.

Und für DocL, Sevoflurane und Isoflurane sind halogenierte Kohlenwasserstoffe, sie haben beide keine analgetische Komponente

Marc02
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Beitrag von Marc02 » 27.08.06, 18:57

tricolor hat geschrieben:
Die Frage, oder der Satz weiter vorne stehend, ob in Sevofluran eine Spur ein Teil Lachgas enthalten ist, das ist nicht peinlich , sondern wiederspiegelt ein Teil des deutschen Ausbildungssystems. Und natürlich den eigenen Ehrgeiz sich Wissen selber zu vermitteln.

Man will möglichst viel machen und super viele Kompetenzen, aber sich hinsetzen und lernen will anscheinend keiner.....



?? Wozu muß ein handelsüblicher RS wissen wie sich Narkosegase zusammensetzen ?? Ich verweigere mich nicht dem Wissen aber es gibt Dinge, die mich berufsbezogen mehr interessieren und auch wichtiger sind.

Wenn es Gasnarkosen im RD gäbe, sähe das wieder anders aus.......

Ich finde die Ausbildungszeit im RD ist eh viel zu kurz. Aber das ist ein anderes Thema.

tricolor
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Beitrag von tricolor » 27.08.06, 19:07

Hallo Marc

Im Eigentlichen ging es ja um die Verwendung von Lachgas als Analgetika auf dem Rett.Dienst, dass man dieses gerne verwenden möchte. Entonox oder so ähnlich.

Ich finde, wenn Du das einsetzen möchtest, dann musst Du Pharmakokinetik, Pharmakodynamik ect. kennen. Es langt einfach nicht, zu wissen, dass Lachgas eine analgetische Komponente besitzt.
Du musst wissen, warum Du der eh schon herzinsuffizienten Oma mit Myokardinfarkt eben keine Maske mit Lachgas überstülpst, sondern ihr Fenta oder Mo gibst, was auch immer an Opiaten auf dem RettWagen drauf ist.

LG
tricolor

Marc02
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Beitrag von Marc02 » 28.08.06, 16:35

Natürlich, darüber müssen wir auch nicht unterhalten, das dürfte jeder so sehen, oder ??

Wenn ich (warum auch immer) nicht weiß wozu eine Ringer-Infusion gut ist, kann ich keine verabreichen, eigentlich ganz einfach.

Weil ich von Narkosegasen einfach nicht viel Ahnung habe, würde ich sie auch nicht anwenden.

Aber wenn man die Kompetenzen erweitert, muß auch die Ausbildung erweitert werden. Entweder wird die Ausbildung als Ganzes verlängert und es werden weitere Themen unterrichtet oder die Ausbildung bleibt wie sie ist und man sammelt Scheine. "Analgetika-Schein" / "Narkose-Schein" etc.

Zugegeben es klingt seltsam aber prinzipiell ist`s doch nicht verkehrt, oder ??

tricolor
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Beitrag von tricolor » 28.08.06, 16:45

Was habt Ihr eigentlich alles in so einer RettSani Ausbildung, also wie ist die aufgebaut ? Ich kann mir da so nichts drunter vorstellen.

LG
tricolor

Zu deiner letzten Frage antworte ich die Nacht, ich muss jetzt los!

Marc02
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Beitrag von Marc02 » 28.08.06, 18:26

Das wird in dem FAQ stehen, welches gerade ausgearbeitet wird. :D

Aber ich fände es interessant mal zu lesen was du dir darunter vorstellt. Ich meine das nicht negativ und ich will dich nicht ärgern. Es interessiert mich einfach nur. Wenn du die Nacht mal Zeit hast kannst du`s ja hier posten.

Danke

Marc

Joe01
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Gas im Rettungsdienst

Beitrag von Joe01 » 28.08.06, 23:08

Hallo Tricolor,

Ich denke mal, das du nicht aus dem Bereich des Rettungsdienstes bist ? Jedesfalls kommt mir das so vor, wenn ich deine Beiträge lese. Ist nicht böse gemeint, aber ich denke das einige Komentare daraus resultieren.

Du hast ja recht mit deinen Ausführungen über Lachgas ( keine Medikamentennahmen), aber das Mittel in Australien ist ein wenig anders (wie schon beschrieben) aber egal. Jetzt mal im ernst, welche Nebenwirkungen sind im einem akutem Notfall vor Ort in der Wohnung oder auf der Straße jetzt von entscheidender Bedeutung ? z.B dei Wirkung auf das Herz-Kreislauf-System ist bestimmt wichtig, oder der Pneumothorax aber ob es nun Komplikationen beim Ilius usw macht ist nun in der Notfallrettung wirklich von untergeordneter Wichtigkeit. Und Intubiert wird auch nicht geich jeder.Die Vorteile für uns im Rettungsdienst sind aber auch nicht zu verdenken, wie z.B. das es nicht so Atemdepress. macht. Das heist nicht, das es von mir nur befürwortet wird, aber man sollte, wie wir das tun, sachlich darüber reden. Es geht darum den Patienten möglichst schnell und ohne weitere lebensbedrohliche Komplikationen in das Krankenhaus zu befördern. Und das dauert normalerweise nicht Stunden.

Wie ich schon auf der 1.Seite unten beschrieben habe, ist es unbestritten, das es für den Gesundheitszustand einiger Patienten nicht gerade förderlich ist, wenn der Patient von Eintreffen des RTWs bis zum Eintreffen des NEFs weiter starke Schmerzen hat, oder nicht sediert ist. Außerdem weiß jeder wie schlecht es einem geht mit unerträglichen Schmerzen ( z.B Nierenkoliken). Hier ist sicherlich eine kurze Halbwertszeit des Analgetika wichtig. Der Ärzteschaft ist dies wie bereits gesagt bekannt.

Es ist natürlich wichtig und unabdingbar das der Rettungsassistent weiß was er da macht. Dazu muss man aber wissen, dass die Rettungsassistentenausbildung schon ein wenig weiter geht als die Rettungssanitäterausbildung. Dort wird auch z.B. unter anderem Pharmakologie unterrichtet. Dies reicht meiner Meinung nach aber noch nicht aus. Solange jeder, entschuldigt, jeder Hans und Franz und auch schwehr vermittelbare Arbeitslose,wie auf der1.Seite unten beschrieben,ohne Einstellungstest den RA machen können und irgenwie durch die Prüfung kommen sollten wir vorsichtig sein. Sicherlich gibt es bei denen auch einige, die gut sein können, aber der Wille sich weiterzubilden sollte verhanden sein. Deshalb find ich den Vorschlag Medikamentenscheine zu machen gar nicht so schlecht. Dort kann man beweisen ob man dazu fähig ist.

Ich denke, nein ich bin überzeugt, das wir uns sowieso irgendwann dem Ausland anpassen und das Notarztsystem allmählich abschaffen werden. Wer jetzt denkt OH Gott das ist ja eine Katastrophe muss ich zu bedenken geben, das es in vielen Ländern ( fast alle ) noch nie ein Notarztsystem gegeben hat. Und wenn man mal Australien nimmt, wo ich mitgefahren bin, ist das Rettungssystem genauso gut wie bei uns. Das ist eine bewiesene Tatsache. Also wir müssen uns weiterentwickeln und lasst uns nicht Dumm sterben.


Gruß Joe

tricolor
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Beitrag von tricolor » 29.08.06, 03:38

Hallo Joe

Also, grad zu Anfang......Medikamentennamen sind erlaubt, da sich dieser Thread mittlerweile im geschlossenen Forum befindet.

Dann, meinem Skript zum Lachgas fehlt etwas. Lachgas kann man nicht zu 100% alleine, als Monogas geben, es ist immer ein Mix mit Sauerstoff. Und für den Mix gilt, je höher die alveoläre Lachgaskonzentration ist, desto schneller diffundiert es in luftgefüllte und geschlossene Hohlräume. Die obere MaxDosierung ist ein Mix von 70% Lachgas plus 30% Sauerstoff. (mit zunehmender Konzentration erhöht sich auch die Hypoxiegefahr)

Du schreibst Du hast in Australien was anderes verwendet.
Dein Mittel in Australien ist nichts anderes als ein Mix von 50% Lachgas mit 50% Sauerstoff und hat den Markennamen Entonox.
Du hast nicht mal gewusst, was Du da verwendest ? Das ist eine in meinen Augen absolut unprofessionelle und gefährliche Schaffensweise. Und mit so einer Art des Arbeitens, mit dem Verantwortungsbewusstsein plädierst Du dafür die Notärzte abzuschaffen ? Irgendwie staune ich hier immer wieder beim Lesen.

Mal so aus der PatientenSicht, wenn Du ein Medikament verwendest, dann erwarte ich, dass Du weisst was da drin ist und wie sich das Zeugs verhält. Weisst Du es nicht, dann lass die Finger davon.

Es ist durchaus nicht so, dass Entonox keine Nebenwirkungen hat, es ist Lachgas in einer Dosierung von 50% und hat somit auch Wirkung und Nebenwirkungen vom Lachgas.

Es ist einiges in deinen Beiträgen, wo ich sagen würde, entweder fehlt dir der Blickwinkel für die Gesamtheit oder du bist einer der wild gewordenen sanis, welche sich überschätzen.

Es langt nicht einen Medikamentenschein zu machen, Dosierung , Anschlagszeit und Dauer zu kennen. Grad bei Opiaten und Sedativa, Anästhesika reagieren die Patienten verschieden. Sie reagieren als Ganzes, also mit all ihren Nebenerkrankungen und der aktuellen Situation. Und Du musst das Ganze dann auch im Griff haben.....und da zählt bei Opiaten nicht nur die Eigenatmung dazu, also mal so als Beispiel. Und dann gehen ja Medis noch Interaktionen ein.

Du stellst Dir das alles etwas einfach vor. Um einen Notarzt zu ersetzen musst Du recht gutes Pathowissen haben. Kreislauftherapeutisch isses schon ein Unterschied ob Du mit einer Hirnblutung oder einem CVI im Wagen hockst.

Auf der Rett zu arbeiten ist kein privater Doktorspielplatz !!!

VG
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Beitrag von tricolor » 29.08.06, 05:20

Hallo Marc

Die Antwort wird sich noch um Stunden verschieben, meine Zeit wird zu knapp und ich bin zu müde.
Aber irgendwie stelle ich mir das schon anders vor, als das was ich bisher hier lese.

VG
tricolor

Marc02
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Beitrag von Marc02 » 29.08.06, 07:03

Kein Problem........ :)

Zu meinen "Medi-Scheinen". Ich habe ja nicht gesagt, wie die Ausbildungen dafür aussehen sollen. Dass man an einem lockeren Wochenende bei Kaffee und Kuchen nicht beigebracht kommt, wie man mit BTM umgeht, ist mir klar.

Mir ist auch bewußt, dass Nichtärzte keine Analgetika geben dürfen um sie zu schikanieren o.ä.. Eben wegen den Nebenwirkungen bzw. den Wechselwirkungen.

was gebe ich, wann gebe ich es, wie gebe ich es, wieviel gebe ich, was kann passieren, was mache ich wenn es passiert, warum ist passiert, was passiert ist ?? Damit kann man ja beliebig in die Tiefe gehen.

tricolor
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Beitrag von tricolor » 29.08.06, 07:36

Hallo Marc

Für mich noch fast wichtiger, wem gebe ich es und wem gebe ich es warum nicht, obwohl es indiziert wäre !

Ich versuch es kommende Nacht mal etwas praktischer zu erklären. Ich muss jetzt erst mal schlafen.

VG
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Joe01
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Gas im Rettungsdienst

Beitrag von Joe01 » 29.08.06, 10:21

Hallo Tricolor,

erst einmal wollen wir doch hier vernünftig diskutieren. In so einem Forum merke ich schon, das man dies sehr schwehr kann.

Erst einmal weis ich um die Nebenwirkungen und 2. bin ich in Australien als Hospitant mitgefahren, um mal zu sehen wie andere das so machen ( hat einen Grund, dazu später). Ich habe sicherlich nicht dort die Ausbildung zum dortigem Paramedic gemacht. So viel Zeit hat man dann nun wirklich nicht.

Dann hast du noch was falsch verstanden. Ich weiß nicht ob du sauer bist, aber dann verseht man schon mal was falsch. Ich plädiere nicht für die Aufgabe des Notarztsystems, sondern ich habe eine Feststellung gemacht was sicherlich kommen wird. Nach vielen Geprächen mit unseren Leitenden Notärzten und wenn man die Entwicklung im Rettungsdienst die letzten 10-15 Jahre beobachtet sollte man mal überlegen was noch kommen mag.

Wenn wir uns schon über die Qualifikation der Rettunsdienste unterhalten, kann ich Dir,wenn du es schon bei mir machst ( auch wenn du mich nicht kennst ), vorwerfen, daß Du dich nicht vorher über die Ausbildung zum RA informiert hast. Der Rettungssanitäter ist was anderes.

Wenn du meine Berichte aufmerksam gelesen hättest, hättest du auch festgestellt, das ich positive wie negative Aspekte anspreche. Pro und Contra eben. Also nicht uneingeschränkt dafür oder dagegen. Entscheiden tun das andere. Außerdem habe ich in meinen Kommentaren auch gesagt, daß die RA- Ausbildung nicht ausreicht und außerdem ist mit Medikamentenscheinen auch eine weitere Ausbildung gemeint. Auch als RA hat man schon Medikamentenkunde. Es geht ja nicht unbedingt nur um Lachgas sondern es ist schon allgemeiner gemeint ( auch z.B Morphin, Dormi).

Ich bin nun schon seit gut 9 Jahren im Rettungsdienst in der Notfallrettung und gebe zum Teil auch Forbildungskurse und ich denke, das man da schon weiß, was im Rettungsdienst abgeht.

Was machst du denn ? Man kann sicherlich unterschiedlicher Meinung sein, aber nur auf einer vernünftigen Grundlage.

Ich will nicht mit Dir streiten, also laß uns das auch nicht tun und sachlich weiterdiskutieren. Wenn du meine Kommentare alle gelesen hast, auch die auf der 1.Seite wirst du sicherlich feststellen, das ich nicht dem Rettungsrambotum angehöre, aber man muß auch erkennen das die Zeiten anders werden. Z.B ist im Ausland die Ausbildung zur Krankenschwester nicht mit der in Deutschland zu vergleichen. Dort hat man erkannt, das man nicht für alles den Dr. machen muß. Dort ist die Ausbildung viel eingehender und die Schwestern und Pfleger dürfen so manches, was hier undenkbar scheint. Die Ärzte haben dadurch mehr Zeit für das Wesentliche. Warum denken einige immer noch, das hier in Deutschland alles das non plus ultra ist. Man muß ja nicht alles übernehmen, aber lehrnen von anderen kann doch nicht schlecht sein oder ? Auch wenn ich nicht unbedingt immer für Veränderungen bin, bin ich offen für Neues und man sollte darüber reden. So wie ich denken übrigens auch einige leitende Ärzte mit denen ich gesprochen habe und ich bin gerade dabei was auszuarbeiten was ich dann mit einigen Notärzten vortragen werde.
Nicht das du schon wieder denkst, ich bin für alles was uns zu Rettungsrambos macht, aber es geht erst einmal darum darüber zu diskutieren.
Genug gelabert. Das war mein letzter Beitrag.

Sei nicht sauer oder verärgert, wir sitzen doch alle in einem Boot.

Gruß Joe

PS: Die Patienten nehmen, so wie ich gesehen habe, nur einige Atemzüge des Mittels.

Dr. Ch. Erbschwendtner
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Beitrag von Dr. Ch. Erbschwendtner » 01.09.06, 20:35

In so einem Forum merke ich schon, das man dies sehr schwehr kann.


Hallo Leute !

Man kann in diesem Forum sehr gut, sachlich und kollegial miteinander diskutieren. Das Beachten der Mediquette ist allerdings Vorassetzung, ansonsten müssen Erik oder ich eingreifen.

Bleibt also beim sachlichen Argumentieren.

Wir möchten mit euch schließlich die interessanten Themen diskutieren und nicht mit erhoben Zeigefinger durch die Beiträge ziehen müssen.

Zum fachlichen Aspekt der Diskussion gebe ich u bedenken, man soll/muß die Dinge, die man in delegierter Kompetenz (ob Not - oder Regel- oder wie auch immer Kompetenz) durchführt, auch regelmäßig, wenn möglich unter Aufsicht, üben soll.

Reine Gasnarkosen sind wesentlich seltener geworden, insbesondere reine N2O / O2 Narkosen. Damit besteht fadt keine Möglichkeit dafür ausreichend praktische Erfahrungen zu sammeln. Wenn Ausbildung und Zertifizierung/Rezertifizierung klar definiert sind, ist die verfügbare i.v. Medikation sicher ausreichend für die Präklinik und vom Handling her besser geeignet.

mfG

Erbschwendtner
Dr.Ch. Erbschwendtner
Internist, LNA
Rett-Med
DMF-Moderator im Forum Rettungsdienst und präklinische Notfallmedizin

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