Gas im Rettungsdienst

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tricolor
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Beitrag von tricolor » 02.09.06, 20:24

Es gibt keine reinen Lachgasnarkosen, nicht wenn Sie den Begriff Narkose definieren.
Und Lachgas wird im Mix mit Sauerstoff und einem anderen Inhalationsanästhetika gegeben.Lachgas ist einfach zum Mononarkosen fahren ein viel zu schwaches Anästhetikum.
Wenn Sie sonst nichts inhalatives geben, brauchen Sie i.v.Anästhetika dazu.

Gasnarkosen sind gar nicht so selten. Ich z.b. mache eigentlich 95% aller Narkosen hier mit Gas. Das ist zwar Ozon schädigend, aber TIVA, TCI Narkosen sind einfach zu teuer, das kann sich nicht jeder leisten.

Und zu dem regelmässig üben gehört auch dazu, dass man überhaupt erstmal weiss, was man da in der Hand hat. Das sollte eigentlich noch vor dem Üben kommen.


VG
tricolor

Dr. Ch. Erbschwendtner
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Beitrag von Dr. Ch. Erbschwendtner » 03.09.06, 08:31

Und zu dem regelmässig üben gehört auch dazu, dass man überhaupt erstmal weiss, was man da in der Hand hat. Das sollte eigentlich noch vor dem Üben kommen.


volle Zustimmung

Es gibt keine reinen Lachgasnarkosen, .....


Auch das ist klar, jedoch war dies auf den Ausgangspunkt der Diskussion, N2O -"Narkose" / "Ansalgesie" im Rettungsdienst bezogen.

Das Sammeln praktischer Erfahrungen im OP ist ebenfalls Voraussetzung (hohe Fallzahlen, Aufsicht, ...). Jedoch gebe ich zu bedenken, daß durch alternatives Airwaymanagement und Zunahme der TIVAs die Fallzahlen für Intubationsnarkosen und Gasnarkosen rückläufig sind.

mfG

Erbschwendtner
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Uwe Hecker
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Beitrag von Uwe Hecker » 03.09.06, 10:38

Moin moin,

das eine Erweiterung jeglicher Maßnahmen durch RS´s / RA´s eine verbesserte Ausbildung vorausgehen muß, ist klar. Ich denke aber, selbst wenn wir zukünftig über besser qualifiziertes nichtärztliches Personal verfügen, gibt es zumindest in Deutschland, eine weitere Hürde zu nehmen - das BTM Gesetzt. Zwar sind bereits heute in vielen RTW´s die Medikamentenschränke abschließbar, dennoch ist der Zugriff dem RD - Personal zumeist verwehrt. Dies war einer meiner Beweggründe, nachdem ich in einer Zeitschrift den Artikel über Entonox gelesen hatte, diese Diskussion hier zu eröffnen. Die bisher verfügbaren Analgetika, die z.T. auch für RA´s freigegeben wurden z.B. Perfalgan (zumindest lt. Information Landesärztekammer BaWü), sind von ihrem analgetischen Effekt, wohl kaum ausreichend eine suffiziente Schmerztherapie einzuleiten. Gleiches gilt für das Opioid Tramal, welches aufgrund seiner geringen Potenz einzigstes nicht BTM pflichtiges Opiad darstellt. Eine Kombination der Medikamente Novalgin und Dipidolor wäre zwar effektiv zur Behandlung von Notfallpatienten, jedoch ist auch hier der Zugriff verwehrt. Eine Einführung von Entonox könnte meines erachtens da etwas Abhilfe verschaffen und zumindest traumatologischen Patienten, die außer zur Analgesie keiner notärtlichen Behandlung bedürfen, eine bessere Versorgung durch Rettungsassistenten zukommen klassen. Ich denke da an typische Indikationen wie OSG-Frakturen, oder Schenkelhalsfrakturen. Letztere finde ich, ist eh´ die Fraktur der im Rettungsdienst am wenigsten Beachtung geschenkt wird, und die Patienten häufigst absolut unterversorgt in die Klinik kutschiert werden ! Das sich bei abdominellen Beschwerden z.B. Ileus, eine Gabe von Lachgas verbietet denke ich ist bekannt!
So das wars erstmal wieder von mir - allen Beteiligten gilt aber an dieser Stelle mal mein herzlichster Dank für die Diskussionsfreudigkeit. Und weiterhin viel Spaß.

Grüße an alle

Uwe
Gesundheits- und Krankenpfleger für Intensivpflege und Anästhesie / Rettungsassistent

DocL
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Beitrag von DocL » 03.09.06, 17:23

Eine Kombination der Medikamente Novalgin und Dipidolor wäre zwar effektiv zur Behandlung von Notfallpatienten


Dipidolor fände ich für die präklinische Notfallmedizin nicht so gut geeignt, da es eine relativ lange Anschlagzeit bis zur Vollwirkstärke hat.
Reichen denn die momentan im RD gebräuchlichen BTMs , wie z.B. Fenta/Sufenta, Mo und Dolantin nicht aus? Oder habt ihr in Rhein-Neckar Dipidolor auf dem Fzg.? Wird es bei euch häufig eingesetzt?

GRTX
DocL

tricolor
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Beitrag von tricolor » 04.09.06, 02:02

Dann nehmt Euch aber noch "Akrinor" mit....um den BD Abfall nach Novalgin zu korrigieren.

VG
tricolor

Marc02
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Beitrag von Marc02 » 06.09.06, 18:39

tricolor hat geschrieben:Was habt Ihr eigentlich alles in so einer RettSani Ausbildung, also wie ist die aufgebaut ? Ich kann mir da so nichts drunter vorstellen.

LG
tricolor

Zu deiner letzten Frage antworte ich die Nacht, ich muss jetzt los!


Dem FAQ fehlt noch der Feinschliff aber der Rest steht. Aber da ich nicht weiß wann es online geht beantworte ich dir die Frage nun in Kurzform.

Ich kenne deinen bisherigen Wissensstand nicht, deshabl fange ich ganz vorne an.

Es gibt RettSan (3Monate Ausbildung) und RettAss (2 Jahre bzw. 9 Monate Ausbildung). Ein krasser Unterschied ist z.B. RettSan nicht in ACLS und EKG-Interpretation ausgebildet werden. Themen wie "Einsatztaktik", "Fachterminologie", "Führen im Rettungsdienst" und "Retten unter erschwerten Bedingungen" bekommen RettSan auch nicht zu Gesicht. Aber ansonsten bekommen beide das Gleiche beigebracht, in der RettAss Ausbildung geht man jedoch DEUTLICH tiefer in die Materie. Dort fängt man bei der Zelle an.

Uwe Hecker
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Beitrag von Uwe Hecker » 30.09.06, 14:18

Hallo DocL,

ja bei uns ist Dipidolor fest auf dem NEF. (Heidelberg). Der ein oder andere NA benutzt es immer mal wieder, mit guten bis sehr guten Ergebnissen. Ich selbst habe den Einsatz schon bei Kindern erlebt, die nach einem Trauma eine Schmerztherapie erfuhren, und man auf Ketamin bewust verzichten wollte.

Eine genaue Bestückung findest du übrigens auf der offiziellen Klinik Homepage:
http://www.klinikum.uni-heidelberg.de/Notaerztliche-Taetigkeit.8240.0.html

Grüße

Uwe
Gesundheits- und Krankenpfleger für Intensivpflege und Anästhesie / Rettungsassistent

frequenzkatastrophe
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Beitrag von frequenzkatastrophe » 12.11.06, 05:28

Ich halte von der Idee N2O im RettDienst zu verwenden nicht all zu viel, da man jeden RTW mit einem Kreisteil ausstatten müßte, dies würde Kosten verusachen, die meiner Meinung nach in keiner Relation zum Nutzen stehen.
Dieses Narkosekreisteil wäre dann vermutlich fest im Fahrzeug installiert und stünde, bei einem VU -> eingeklemmter Pat., im 3. Stock, oder bei auf einem Sportplatz etc. nicht zur Verfügung. erst müsste der Pat in den RTW verbtracht werden, was gerade mit einer OS Fraktur, ohne Analgesie sehr unangenehm ist.

Wie sind die Kreisteile in Australien? Fest installiert oder transportabel?
Jedes Ding ist Gift, allein die Dosis macht, das ein Ding kein Gift ist.

BurnF
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Beitrag von BurnF » 05.11.07, 18:05

als kleiner Anstoß zu dem Thema passend
http://www.aerzteblatt.de/v4/archiv/artikel.asp?id=7449

hier die aktuelle Entwicklung

Dr. A. Flaccus
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Beitrag von Dr. A. Flaccus » 05.11.07, 22:42

:?:

Der Artikel ist von 1997 - und was soll uns der Artikel jetzt sagen :?:

Gruß

A. Flaccus
Dr. A. Flaccus
Facharzt für Anästhesie
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BurnF
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Beitrag von BurnF » 06.11.07, 16:46

uups... manchmal sollt man sich sowas wohl vorher richtig durchlesen.
Naja immerhin lernen wir daraus, das viele Probleme oft früh und noch rechzeitig erkannt werden, dann aufgrund bestimmter Widerstände, doch nicht gelöst werden.
Auch zehn Jahre später noch nicht

c.kosian
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Beitrag von c.kosian » 07.11.07, 09:46

frequenzkatastrophe hat geschrieben:Ich halte von der Idee N2O im RettDienst zu verwenden nicht all zu viel, da man jeden RTW mit einem Kreisteil ausstatten müßte, dies würde Kosten verusachen, die meiner Meinung nach in keiner Relation zum Nutzen stehen.

Wie sind die Kreisteile in Australien? Fest installiert oder transportabel?


Hallo,

ich glaube es entsteht ein falsche Eindruck über die Applikation des Narkosegases.
Ich hoffe ich verstoße jetzt nicht zu sehr gegen die Regeln dieses Forums wenn ich jetzt diesen Link veröffentliche. Aber hier sieht man ein Beispiel wie das Gas mit Hilfe einer 'Pfeife' inhaliert wird: http://www.medicaldev.com/medical_products.php
Das Produkt steht natürlich stellvertretend für alle inhalativen Analgetika, z.B. wie ENTONOX.
Von den Vereinigten Arabischen Emiraten gibt es ebenfalls positiven Anwenderberichte.

Gruß

Christoph

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