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Präklinische Hypothermie - wer hat schon Erfahrung ?

Verfasst: 10.10.05, 17:14
von Uwe Hecker
Hallo Zusammen,

in unserem Rettungsdienstbereich wird, in Zusammenarbei mit der Uniklinik,t in kürze die präklinische Hypothermie eingeführt. Wer hat bereits Erfahrung im praktischen Handling, welche Art der Kühlmittel (kalte Infusionen, cool-Packs) kommen zum Einsatz.

Bin gespannt auf Eure Antworten

Uwe

Verfasst: 12.10.05, 15:09
von Meistereder
Hi
die Frage würde mich auch interessieren. Muss mich evtl. demnächst auch (wissenschaftlich) mit dem Thema beschäftigen. Bei uns steht es wohl auch zur Diskussion so etwas einzuführen. Hierzu sind coolpacks+kalte Infusionen geplant.
Wo fährst du denn?

Christian
(RS, cand. med.)

Verfasst: 12.10.05, 17:18
von Dirk Jahnke
Moin,Moin

Wir kühlen innerklinisch!

Das ganze mit kalten Infusionen, nassen Wickeln und Ventilator. Zieltemperatur erreichen wir meist in 2 - 4 Stunden.

Wichtig ist die kalten Infusionen über einen Großlumigen Zugang im Schuss zu geben. Am einfachsten geht das über eine 14 oder 16 G Viggo in der Ellenbeuge. Aus den Erfahrungen hat sich ein Standart entwickelt der auf schnelles infundieren,tiefe Sedation/Relaxierung und frühzeitige Lasixgabe basiert. Ein nur zügiges Infundieren hat sich als nicht so effektiv gezeigt. Gerade bei primär kardial bedingten Stillständen ist die Volumenbelastung ja auch nicht ohne. Wir brauchen so 3-5 l Infusionen um in den Zielbereich zu kommen. Um so schlechter die Zugangssituation um so kleiner sollte die jeweilige Infusionsmenge sein um ein erwärmen zu vermeiden. Wichtig auch für einen ausreichend großen Zugang vor Beginn der Maßnahme zu sorgen. Bei kalten Extremitäten wird es halt schwierig - aber wem sage ich das :)

Euer Vorteil ist sicher das ihr die Umgebungstemperatur nutzen könnt. Bei uns nur noch eingeschränkt möglich - da unsere Geräte das letzten Winter nicht mochten :)

Tschau
Dirk Jahnke
(Fachkrankenpfleger A & I)

Präklinische Hypothermie - wer hat schon Erfahrung ?

Verfasst: 13.10.05, 10:47
von Uwe Hecker
Hallo Zusammen,

wie ich nun weis soll die präklinische Hypothermie (pkH) bei uns auch mit kalten Infusionen und Cool-Packs durchgeführt werden. Wobei außerdem folgendes zu beachten ist:
1.) Wurden früher Pat. möglichst schnell in den "aufgeheitzten RTW" verbracht sollte der RTW nun doch höchsten Normothermiert werden. Natürlich auch nicht so kalt das das Personal Frostbeulen bekommt!
2.) In Abhänigkeit der Jahreszeit bietet uns also bereits die Umgebungsthemperatur schon optimale Bedinungen, d.h. Pat. die bereits kalt sind, werden nicht wie früher möglichst zügig erwärmt, sondern behalten ihre Temperatur bei. Im Winter und im Freien aufgefundene Patienten müssen daher unter Umständen trotzdem bis zur milden Hypothermie erwärmt werden um eine ausreichende wirkung der Katecholamine zu erreichen. (siehe auch Punkt 4, Temperaturmonitoring)
3.) Infusionen werden nicht aus der Thermobox verwendet. Die im RTW unter normalen Bedingungen gelagerten Infusionen sind oft ausreichend kühl, sicher ist im Sommer die zusätzliche Kühlung der Infusionen notwendig, ein Fakt dem auch die Ausbauhersteller der Rettungsfahrzeuge zukünftig gerecht werden müssen.
4.) Temperaturkontrolle. Das Temperaturmonitoring, auf Intensivsttionen längst im Rahmen vieler Krankheitsbilder Standart, gewinnt nun auch im Rettungsdienst einen völlig neuen Stellenwert. Das häufig nur im Kindernotfallkoffer mitgeführte Digitalfieberthermometer ist hier mit Sicherheit nicht ausreichend. Vorstellbar wären also Monitorgeräte die durch den Anschluß einer Temperatursonde, die Nasal oder Rektal einführt wird, eine kontinuierliche Kontrolle erlauben. Ggf. wäre auch eine Kontrolle der Atemgastemperatur über die Kapnometrie möglich, wobei die Lunge eigentlich "warm" bleiben sollte. Ziel sollte sein den Patienten zu kühlen und nicht kalt zu machen. Cave: Katecholamine.
5.) Bei der Verwendung von Cool-Packs besteht immer die Gefahr der Tauwasserbildung. Deshalb sollten sie möglichst in Hals oder Leistennähe angelegt werden, da hier große Arterien ziemlich oberflächlich liegen und zudem der Brustbereich trocken bleibt. Cave: Defibrillation!!

Ich hoffe dadurch noch etwas mehr Klarheit herbeigeführt zu haben.

MfG

Uwe

Kühlung

Verfasst: 17.10.05, 09:43
von Dr. Martin Nadler
Hallo zusammen,

ich habe von einem aktuellen Fall erfahren. Reanimation bei einem 18-jährigen (!), Ursache wohl ein Asthmaanfall. BLS von Ersthelfern wurde nach Erbrechen abgebrochen und nach Eintreffen RD fortgeführt. ROSC nach wenigen Minuten. Dann Beginn Kühlung mit "Arme-Leute-Methoden".

Das können alle im Rettungsdienst!

Wie schon gesagt: kein Wärmeerhalt. Organisieren von Eiswürfeln und Mülltüten (sorgt für eine ausreichende Anzahl auf den Autos, am besten sogar im Koffer) sowie von feuchten Tüchern. dafür eingesetzte Ersthelfer haben im aktuellen Fall den Kollegen zuerst "Icepacks" und nach etwa 5 Minuten eimerweise Eiswürfel gebracht. Normale feucht gemachte Handtücher wurden auf den weitgehend entkleideten Körper gelegt, also kein direkter Kontakt Eiswürfel-Haut. Etwa 10 - 15 % der Hautoberfläche wurden bedeckt, bevorzugt Axillae, Leisten, Bauch/Thorax und die Oberschenkelinnenseiten. Die Infusionsleitungen der leider teilweise angewärmten Infusionen...

Einwurf: Bitte mindestens 3-4 Beutel aus dem Wärmefach anderswohin umlagern!

...wurden durch die Eispakete geführt und dadurch sicher ordentlich abgekühlt. Insgesamt liefen etwa 1,5 Liter ein.

Abgabe des Patienten 1 Stunde nach Eintreffen, nach weiteren 15 Minuten (anfangs sogar kurze Unterbechung der Kühlung) lag die Kerntemperatur bei 34°C, also an der Oberkante des Zielbereichs.

Zur Ergänzung der "brain therapy" haben der betreffenden Kollegen noch einen individuellen Heilversuch mit Hyperhaes unternommen (2 ml/kg). Wie´s ausgeht ist noch offen.

Viele Grüße!
Martin Nadler

Hypothermie nach CPR - Präklinisch

Verfasst: 22.10.05, 17:08
von ringo
Nach meinen Kenntnissen soll nach den Guidelines des ILCOR ein präklinisches Aufwärmen des Patienten nach erfolgreicher Reanimation verhindert und nach der Aufnahme in der Klinik eine milde Hypothermie angestrebt werden. Die Maßnahme der milden Hypothermie gilt bisher nur für die Postreanimationsphase von Patienten mit Ventrikulärem Flimmern.
Ringelstein

Verfasst: 01.02.06, 12:38
von Emcools
ERC hat die milde Hypothermie in die guidlines aufgenommen.
Kühlen so früh als möglich.

Nur womit? Präklinisch schwierig - bisher zumindest.

Bitte sehen Sie unter www.emcools.com nach. da finden Sie eine neue Medthode

mobil einsetzbar
nicht invasiv
rasche Kühlung

Erste klinische Studien mit dem AKH MedUni Wien haben die erwarteten Ergebnisse gebracht. Anfang April beginnt die Prä-Klinische Studie mit der Wiener Rettung - annähernd zeitgleich eine internationale Multicenter Studie. Die Serienproduktion beginnt in den nächsten Tagen.

Emcools ist auch am ERC in Stavanger vertreten.

Wenn Sie mehr wissen wollen - d.zeiner@emcools.com

Liebe Grüße

Verfasst: 03.05.07, 23:04
von Erik Eichhorn
Update: Exklusivvertrieb für Emcools in Deutschland erfolgt ab sofort durch die Firma Hestomed -> www.hestomed.de

Anprechpartner: Dirk Rothschild

Bitte mit freundlichen Grüßen von Rett-Med.de :-)

Therapeutische Hypothermie, Präklinik

Verfasst: 03.10.07, 16:52
von DUKE
Hallo,
bei der diskutierten therapeutischen Hypothermie handelt es sich zweifellos um einen Standard gemäß aktuellen Empfehlungen. Aber das Grundproblem ist präklinisch bisher noch nicht zufriedenstellend gelöst: Wann ist die sogenannte Zieltemperatur erreicht? Die bekannten Messverfahren sind allesamt untauglich zur exakten Bestimmung der aktuellen KKT. Dabei ist der sogenannte physiologische Nachlauf noch nicht einmal berücksichtigt! Meine Empfehlung lautet: Z. Zt. Therapeutische Hypothermie ausschließlich in einer geeigneten Klinik mit geeigneten intensivtherapeutischen Mitteln!!! Präklinisch sollten wir lieber größeren Wert auf die Verkürzung der Versorgungszeiten und klinisch auf die Verkürzung der "Door-to-needle-time" legen. Abgesehen davon gibt es weitaus mehr präklinische Diagnosen, die einen Wärmeerhalt fordern! Das wird allerdings oft vergessen. Warme Infusionen für Notfallpatienten sind leider die Stiefmutter!

Gruß
DUKE :idea:

Verfasst: 04.10.07, 08:39
von Uwe Hecker
Hallo, hallo,

Die bekannten Messverfahren sind allesamt untauglich zur exakten Bestimmung der aktuellen KKT


Interessante Bemerkung, was ist denn Deiner Meinung nach eine exakte KKT-Messung?
Würde mich wirklich interessieren, weil ich die Erfahrung gemacht habe, das das Problem nicht in der präklinischen Möglichkeit liegt, sondern im präklinischen Wollen, durch das Personal im RD, bspw. denjenigen die Geräte einkaufen. Es gibt nämlich Thermperaturmessgeräte und "Fieber"thermometer...

Abgesehen davon gibt es weitaus mehr präklinische Diagnosen, die einen Wärmeerhalt fordern! Das wird allerdings oft vergessen. Warme Infusionen für Notfallpatienten sind leider die Stiefmutter!


Nur mal zum Verständniss, wiederspricht Du dir hier nicht selbst ? Wärmeerhalt und Wärmezufuhr sind doch zweierlei Paar Stiefel - oder ? Gerade bei letzterem sollte man aber schon Vorsicht walten lassen.

Ich freue mich auf eine weitere spannende sachliche Diskussion.

Schöne Grüße aus dem verregneten Wiesloch

Uwe

Verfasst: 06.10.07, 13:54
von FLindi
Die therapeutische Hypothermie war auch ein Thema auf dem Notfallsymposium in Bremen. Ich habe leider nur sehr wenig davon mit bekommen, da ich in einem anderem Themen - Block war. Emmcools - Produkte wurden dort auch vorgestellt. Nach dem Referat habe ich den Referenten gefragt, ob ihmauch die ursprünglich aus dem Reitsport kommenden Kühlwesten bekannt sind. Waren sie nicht, aber er wollte sich mal schlau machen. Wer sich dafür interessiert: http://www.coolmedics.de

Verfasst: 06.10.07, 14:29
von Land-Ei
Solange die Hypothermie nach Reanimation im Krankenhaus nicht weitergeführt wird, ist die Diskussion auch bei uns recht ergebnislos.

Mit "Armeleutekühlung" würde man die Temperaturt präklinisch schon senken können, und zur Temperaturüberwachung hätten wir die Möglichkeit, an das LP 12 eine Temperaturmeßsonde zur kontinuierlichen Messung z.B. der Ösophagustemperatur anzuschließen.
Aber wie bereits gesagt, es scheitert an der Aufnahmeklinik :evil:
frustrierte Grüße,
Land-Ei