Suizidversuche - Selbstverletzung

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Mandalakind
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Suizidversuche - Selbstverletzung

Beitrag von Mandalakind » 17.07.10, 20:01

Liebes Forum,

habe ein wenig rumgelesen, und fand diese beiden Themen sehr interessant - und daher schade, dass sie geschlossen wurden.
Darum dachte ich, eröffne ich einen neuen.
Ich bin soweit "Betroffene" von dem Thema, weil ich sowohl das eine, als auch das andere Problemverhalten habe. (Also bin jetzt schon einige Zeit "clean" :) )
Ich hatte schon oft "Kontakt" mit Sanitätern, NA etc. und fand es nun sehr ... interessant!? mal die andere Seite zu lesen. Vor allem vom Gast, paramedic!!
Bisher hatte ich Glück, und ich hatte nicht solche schlimmen Erlebnisse wie die Userin Borderline.
Ich hab mich auch jedes Mal wahnsinnig dafür geschämt!
Also, mit Intoxikationen in nicht-suizidaler Absicht.
Vor allem im Krankenhaus, wo ich in einer schlechten Phase letztes Jahr in 4 Wochen 4 Mal wegen einer Tablettenvergiftung im Krankenhaus lag.
Aber ich hab da nie wen mit reingezogen, sondern hab meist noch selbst angerufen, so von wegen appelativ.
Das wars nicht...
Aber aggressiv war ich nie, im Gegenteil, stand auch immer in diesen Briefen "kooperativ".

Aber mit Suizid ist es definitiv nicht so, dass man es schafft, wenn man unbedingt will!
Durch Kliniken habe ich auch Freunde, die auch die selbe Diagnose haben wie ich, und schon ziemlich schlimme Suizidversuche überlebt haben.
Und laut einer Statistik, werden ca. 80% aller Suizide angekündigt – direkt oder versteckt!
Hmm... ich kann das sehr gut nachvollziehen, mit appelativen Suizidversuchen und Aggressionen.
Was mich interessieren würde @A.Flaccus - hat der Patient mit den 25 Messerstichen (was ich total schlimm finde), selbst Alarm geschlagen, oder Angehörige?
Und, habt ihr mehr Aggressionen, wenn die aufgelösten Angehörigen anrufen, oder der Patient selbst?
Wie benehmen "die" sich in der Regel, oder wie habt ihr das erlebt?
So vom Anruf bis zum Eintreffen von euch, bis zum abgeben im Krankenhaus?

Ganz liebe Grüße,
Mandalakind

Mandalakind
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Beitrag von Mandalakind » 29.08.10, 11:05

Mag denn keiner von Ihnen was schreiben? ;)

Naja, schade ;)

Liebe Grüße,
Mandalakind

Volli480
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Beitrag von Volli480 » 31.08.10, 11:52

Hallo Mandalakind,
es ist ein ziemlich kompliziertes Thema. Die wenigsten Mitarbeiter im Rettungsdienst sind psychologisch geschult. Ich versuch mal meine Sicht zu erklären. Auf dem Weg zum Einsatz weiß man nur wenig. In erster Linie versucht man sich auf den Einsatz vorzubereiten und mögliche "Szenarien" durchzuspielen.- Vor Ortr ist man durchaus von Unverständnis befallen. Oft habe ich schon den Spruch gehört: [[color=brown][/color]"Warum rufen sie uns denn an wenn sie sich umbringen wollen?". Leider fehlt dem Normalo das Verständnis für psychische Erkrankungen. Mir im übrigen auch. :roll:
Hilfe bekommt man eigentlich nur von den Profis und mit dem Unverständnis mußt DU wohl leben.
LG A. [/i]
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Mandalakind
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Beitrag von Mandalakind » 01.09.10, 21:11

Hallo, A.

schön, dass Du antwortest ;)
Hmm, ich bin noch nicht wirklich auf Unverständnis gestoßen. Hatte das Glück, meist mit "neutralen - nicht wertenden" Menschen zu tun zu haben.
Vielleicht auch, weil ich aus einer Stadt komme, wo das andauernd vorkommt...
Hmm, sagen die Leute dann, dass sie sich umbringen wollten? *überleg*
Ich hab nämlich immer betont, dass es keine suizidale Absicht war, aber im Arztbrief stand dann dennoch jedesmal "In suizidaler Absicht".
Naja, darum frag ich ja, wie das für "normalos" ist ;)
Weil mich die Sicht interessiert.
Hast du dann öfter die selben?
Also, falls Du die Fragen beantworten möchtest!!
Mich interessiert die "andere Seite" einfach sehr. Und ihr könnt mich auch alles fragen ;)

Liebe Grüße

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Beitrag von Volli480 » 03.09.10, 20:08

Hallöchen noch mal, ich habe nicht oft die selben "Kandidaten".
Vielleicht bei Borderlinern aber sonst werden wir oft erst auf jemanden aufmerksam wenn es zu spät ist um der Person zu helfen. Ich bin mir nicht sicher worauf du hinaus willst. Meiner Meinung nach sollte das RD-Personal professionell genug sein um sich aus der Therapie heraus zu halten. Mit falschen Ratschlägen kann man vieles verkehrt machen. Hilfe gibt es zum Glück in Selsthilfegruppen und der Gleichen. Ein "Normalo" kann die Gedankengänge selten nachvollziehen. Ich übrigens auch nicht :wink:
LG A.
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Dr. phil. S. Fontaine
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Beitrag von Dr. phil. S. Fontaine » 13.09.10, 02:08

Hallo Mandalakind

Zunächst mal möchte ich sagen dass ich es super finde dass du dich mit diesem Thema auseinandersetzt und dich auch für die Meinung "der anderen Seite" interessierst.

Das Gebiet der psychologischen Erkrankungen ist sehr umfassend, was mit ein Grund dafür ist dass es in der rettungsdienstlichen Ausbildung sehr kurz kommt. Du kannst davon ausgehen dass eine solche (akute) Situation für jeden von uns genauso ungewöhnlich ist, wie sie es in dem Moment vielleicht auch für dich ist. Viele Mitarbeiter im Rettungsdienst haben sogar Angst davor. Angst etwas Falsches zu tun oder zu sagen. Von daher finde ich es gut und wichtig solche Themen mit Betroffenen besprechen zu können, wir können alle daraus lernen.

Ein guter Freund von mir lebt seit einigen Jahren mit der Diagnose "Borderline". Bei dieser Erkrankung passiert es oft, das der Betroffene zu gewissenen Menschen eine besondere Verbindung aufbaut. Ich habe das Glück, dass ich seit langem einer dieser Menschen bin und daher einen Einblick in diese komplexe Krankheit gewinnen konnte.

Psychische Erkrankungen sind ein weites Feld und gewiss niemand kann von sich behaupten, jedem Individuum gleich gut helfen zu können. Genau das ist für uns ein Problem: Wir arbeiten im Rettungsdienst meist nach definierten Algorythmen, wir sind es nicht gewohnt das ein Krankheitsbild ein dermaßen schillerndes und weitgefächertes Spektrum an Symptomen, Emotionen und ggf. sogar Verletzungen umfassen kann, wir sind damit schlicht überfordert. Was bei einem Patient helfen kann, mag dem anderen massivst schaden. Diese Unsicherheit trägt jeder Mitarbeiter im Rettungsdienst mit sich.

Volli480 sagt ganz richtig, dass man professionell genug sein sollte, sich aus einer Therapie herauszuhalten. Fakt ist aber, dass wir in dem Moment, in dem wir als Rettungsdienstmitarbeiter zu einem Patient kommen, bereits Teil der Therapie sein könnten. An diesem Punkt dürften wir theoretisch nicht einmal mit dem Patient sprechen, denn Gespräche sind ein großer und wichtiger Teil solcher Therapien.
Für uns beginnt damit ein Einsatz, auf den wir schlichtweg nicht vorbereitet sind, weil man sich nicht auf jeden Mensch vorbereiten kann. Wir müssen entscheiden ob und was wir aussprechen, wir müssen kleine Zeichen deuten können und wir dürfen uns unsere eigene Unsicherheit nicht anmerken lassen.

Ich habe mit meinem Freund die Erfahrung gemacht, dass es sowohl hilfreich sein kann, einfach nur zuzuhören aber auch die, dass man deutliche Worte finden und aussprechen muss. Es hängt von vielen Faktoren ab was man tun kann, soll oder muss, was man darf oder nicht darf.

Von unserer Seite wird immer ein beklemmendes Gefühl bleiben, wenn wir eine Einsatzmeldung "Suizidversuch" erhalten. Wir können aber mangels Algorythmen nur eins tun: Menschlich bleiben.



PS: Da dies mein erstes Posting ist, möchte ich die Gelegenheit auch gleich nutzen um mich allen Anwesenden vorzustellen.
Ich heiße Sebastian Fontaine und komme aus dem Saarland.

Mit den Worten "Ich bin der Neue... ich komm' jetzt öfter" verbleibe ich euch


Mit freundlichen Grüßen
Dr. phil. S. Fontaine
Rettungsassistent

Mandalakind
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Beitrag von Mandalakind » 26.09.10, 14:41

Hallo Dr. phil. S. Fontaine,

erstmal freue ich mich, dass Sie mir so ausführlich antworten. :)
Herzlichen Dank !:)

Ja, ich denke, dass dies auch wichtige Schritte in Richtung Normalität und Gesundung sind. ;)
Auch ich habe die Erfahrung gemacht, gerade mit der "Anderen Seite" - egal ob persönlich oder politisch - im sachlichen Dialog zu sein, bringt beide Seiten einander näher, und gibt einander die Gelegenheit, Vorurteile etc. abzubauen. :)

Ich finde es schön, dass Sie das freut, und kann mir vorstellen, dass Ihr Freund das sehr schätzt. Ich habe ein FSJ in einem Kindergarten absolviert, und habe dort auch gespürt, dass ich zu sogenannten "Problemkindern" einen recht guten Draht hatte. Das Gefühl, dass einem ein Kind vertraut, ist unglaublich schön...

Diese Unsicherheit kann ich gut verstehen...
Ich habe mich selbst teilweise überfordert gefühlt, in einem Seniorenheim, wo ich auch mal Praktikantin war. Es ist dann soweit gegangen, dass ich es abbrechen musste, weil es mich zu sehr belastet hat, und somit ja auch den Bedürfnissen der Menschen nicht gerecht werden konnte.
Und das ist ja ein Gebiet, während man als Rettungsassistent nicht einfach sagen kann "Suzidversuch - kann das jemand anderes übernehmen?"
Ich glaube, ich würde versuchen, mich möglichst nur aufs medizinischische zu konzentrieren, und die Umstände von Verletzungen/Zuständen "auszublenden". (Klar, das ist leichter gesagt als getan ;))

Haben Sie es häufiger erlebt oder gehört, dass die Patienten reden wollen?
Nun hab ich noch eine letzte Frage: Was sind Algorythmen?
Also, vermissen Sie eine genauere ... Vorbereitung für diese Fälle?

Liebe Grüße aus Baden Württemberg ins Saarland,
Mandalakind

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Beitrag von Volli480 » 27.09.10, 11:01

Hallo Mandala,

zu erst einmal sind Algorythmen im RD Handlungsabläufe nach dem Motto Patient atmet ja/nein... wenn nein dann beatmen usw. Für psychisch Erkrankte gibt es keine Algos, wahrscheinlich auch auf Grund der komplexen Erkrankungsbilder.
Es wäre ganz toll wenn du uns ein bisschen unter die Arme greifen würdest und erzählen könntest wie man helfen kann und/oder was bloß nicht gemacht werden sollte.
Nur wenn es für dich in Ordnung ist.

LG Andreas
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Mandalakind
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Beitrag von Mandalakind » 30.09.10, 15:52

Hallo Andreas,

sicher, das war ja meine Intention ;)
Eigentlich nicht großartig anders, als alle anderen Patienten auch ;)
Wobei mir aufgefallen ist - und was mir auch häufiger erzählt wurde -, dass das Schlagwort "Borderline" ganz schnell fiel, sobald man meine Arme gesehen hat.
Gut - in meinem Fall stimmt das, aber ganz viele Leute wissen nicht, dass selbstverletzendes Verhalten nicht gleich Borderline ist.
Ich hab einen Arzt in der Chirurgie dann mal aufgeklärt, dass es 9 Kriterien gibt, von denen mindestens 5 erfüllt sein müssen, damit eine solche Störung diagnostiziert werden kann.

Ansonsten gilt denke ich überall: Je ruhiger man wirkt, desto ruhiger wird auch das Gegenüber.
Ob das nun ein Säugling, Kleinkind, Senior, oder Borderliner ist :wink:
Was auch mal passieren könnte - ist mir zum Glück nicht passiert - ist, dass man anfängt zu lachen.
Mein Vater arbeitet auch im Rettungsdienst, und er meinte, der Ausbilder hätte sie gewarnt, dass es passieren könnte, dass man als Sanitäter nach einer dramatischen Situation einen Lachanfall bekommt. Und ungefähr so läuft das bei mir und anderen öfter ab.
Das man in der absoluten Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit, beziehungsweise Scham!! zu lachen anfängt.
Ich kann mir vorstellen, dass das auf andere tatsächlich so wirkt, als sei man amüsiert. Meine Therapeutin fragt in solchen Momenten dann "Warum lachen Sie jetzt?" und dann ist es auch klar...

Was vermieden werden sollte, sind Vorwürfe, oder Belehrungen.
Wenn ihr irgendwie sauer seid, oder Aggressionen auf einen Patienten spürt, würde ich es gut finden, sich einfach auf die medizinischen Sachen zu konzentrieren, immer sagen, was gemacht wird, fertig ;)
Weil jeder von den Betroffenen ist ja in einer Notsituation.
Jeder.
Auch, wenn es das 7. Mal in einer Woche ist.
Und ich glaube, ich bin nicht die einzigste, die sehr sensibel für das Gegenüber ist. Und dann wachsen die Scham, der Schuldgefühle nochmal stark an.
Und niemand mit einer BL Störung hat ein sonderlich ausgeprägtes Selbstwertgefühl ;)
Oder was auch ganz schlimm ist, sowas wie "Na, wir kennen uns ja schon", da wär ich auch regelmäßig versunken vor Scham.
Oder als meine Freundin mal wieder in die Uni kam meinte die Sanitäterin auch vor ihr "Jaja, die ist da schon bekannt", dass war auch schlimm.

Ich hoffe, ich konnte Dir helfen. :)
Ansonsten einfach laut schreien ;)

Liebe Grüße,
Mandala

Volli480
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Beitrag von Volli480 » 03.10.10, 18:42

JAP,
da hast Du mir/uns schon sehr geholfen. Diese Redensweise "wir kennen uns ja schon" ist ein häufiger Wortlaut bei mir. Allerdings eher so zu verstehen: keine Angst, ich weiß was los ist und kann dir helfen.
LG
RA,QM-B,Ausbilder

Damiana
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Beitrag von Damiana » 03.10.10, 19:35

Hallo,
Volli480 hat geschrieben:keine Angst, ich weiß was los ist und kann dir helfen.
dazu eine Anmerkung: bei vielen psychiatrischen Erkrankungen fühlt sich der Betroffene unverstanden. Er meint das die Umwelt ihn und seine Probleme nicht verstehen kann (und oft versteht er sich selbst nicht). Aus Sicht eines Betroffenen können Sie gar nicht wissen was los ist.
Für die Erkrankung wird es in einer solch akuten Situation keine Lösung geben.

Allgemein: Sicherheit vermitteln - klare Ansagen (auch was Organisation und Kommunikation mit Kollegen angeht), kurze einfache Sätze, ganz klar formulieren wer und was Sie sind (trivial geht aber schnell verloren), eine Person die direkt kommuniziert und alle nicht direkt Beteiligten möglichst weg auch Bezugspersonen/Angehörige können störend wirken weil sich viele Betroffene schämen jetzt (schon wieder) in einer solchen Situation zu sein, lieber nicht versuchen sich in dieser speziellen Situation auch speziell zu Verhalten,

Viele Grüße Damiana

MPH
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Beitrag von MPH » 08.11.10, 21:07

Trifft sicher nicht auf alle Krankenhäuser/Notfallaufnahmen zu, wir haben das Glück in unserem örtlichen Krankenhaus auch die Psychaitrische Abteilung zu haben, so das dort auch Adäquarte Hilfe in dieser Richtung angeboten werden kann.

Eine Bekannte war ziehmlich angepisst als sie wegen Alkoholintoxikation eingeliefert wurde und immer wieder gefragt wurde ob sie psychologische Hilfe wollte, dabei hatte Sie nur ordetlich einen "über den Durst getrunken" kombiniert mit wenig Essen, vorhergegangenen Dehydration und ner schlechten Allgemeinverfassung an dem Tag - Shit happens.

Auf der anderen Seite kann ich das was in den vorherigen Beiträgen gesagt wurde, als jemand der seit 15 Jahre unter Depressionen leidet nur bestätigen.

Das Gefühl aus dem sich der Suizidgedanke entwickelt ist die Hoffnungslosigkeit die sich aus der Annahme entwickelt, das das persönliche Problem von Außenstehenden eh nicht verstanden wird.

Probelm ist auch, das psychisch erkrankte oft nicht in überschaubaren Zeiträumen professionelle Hilfe bekommen:

Psychotherapeuten haben Wartezeiten von mehreren Monaten, sind persönlich oftmals nicht zu erreichen (alleinige Praxisinhabe ohne Sprechstundenhilfe etc) und sich die Patienten in einer Depression (nur darauf kann ich mich beziehen) schwer tun auf nem AB ne Nachricht zu hinterlassen bzw. die Therapeuten, wenn Sie zurückrufen auch auf ner Mailbox von Patienten keine Nachricht hinterlassen.

Eine Hilfe könnten in einigen Fällen Sozialpsychiatrische Notfalldienste/Notfalltelefone sein, wie sie in immer mehr Kreisen/Kreisfreien Städten eingerichtet werden, allerdings sind diese vielfach unbekannt. Selbst ich als Mitarbeiter einer Kreisverwaltung erfuhr davon erst nach 5 Jahren.

Vielleicht würde es vielen psychisch Kranken helfen, wenn Sie vom Rettungsdienst/Krankenhaus einen Hinweis auf diese Angebote in Form von einem Faltblatt/Visitenkarte bekommen würden, bevor Sie wieder entlassen werden.

Nen Algorithmus für Psychische Erkrankungen macht auch glaub ich auch wenig Sinn, in erster Lienie geht es ja im Rettungsdienst darum Leben zu retten/erhalten, sprich in solchen Fällen Wundversorgung / Stillen von Blutungen / Behandlung von Intoxikationen.

Auch glaube ich, würde RD-Personal selbst Probleme bekommen, würde es sich zu sehr mit psychischen Problemen befassen. Dazu fehlt einerseits die Ausbildung, andererseits die Mechnismen solchen Dilemma zu entgehen (Psychologen nutzen dazu das Instrument der Supervision, schienbar nicht lösbare Problemfälle werden im Team besprochen und nach Lösungen gesucht, schlimmstenfalls ist der Patient noch nicht therapiewillig, aber dem Psychologen/Psychiater trifft keine Verantwortung - ist auch ein Schutzmechanismus)

Mandalakind
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Re: Suizidversuche - Selbstverletzung

Beitrag von Mandalakind » 30.03.11, 15:40

Vielleicht würde es vielen psychisch Kranken helfen, wenn Sie vom Rettungsdienst/Krankenhaus einen Hinweis auf diese Angebote in Form von einem Faltblatt/Visitenkarte bekommen würden, bevor Sie wieder entlassen werden.

Nen Algorithmus für Psychische Erkrankungen macht auch glaub ich auch wenig Sinn, in erster Lienie geht es ja im Rettungsdienst darum Leben zu retten/erhalten, sprich in solchen Fällen Wundversorgung / Stillen von Blutungen / Behandlung von Intoxikationen.

Auch glaube ich, würde RD-Personal selbst Probleme bekommen, würde es sich zu sehr mit psychischen Problemen befassen. Dazu fehlt einerseits die Ausbildung, andererseits die Mechnismen solchen Dilemma zu entgehen (Psychologen nutzen dazu das Instrument der Supervision, schienbar nicht lösbare Problemfälle werden im Team besprochen und nach Lösungen gesucht, schlimmstenfalls ist der Patient noch nicht therapiewillig, aber dem Psychologen/Psychiater trifft keine Verantwortung - ist auch ein Schutzmechanismus)
Das ist wahr. Hmm, mit dem Faltblatt, die Idee hat echt was - auch wenn ich glaube, dass es im Krankenhaus realistischer wäre.
RD Leute müssen eh schon unglaublich viel mitschleppen, von daher...

Ach ja, ich bin seit einem Jahr Intoxfrei 8)

Sylvi1975
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Re: Suizidversuche - Selbstverletzung

Beitrag von Sylvi1975 » 05.06.11, 15:08

Sorry,das ich mich hier mal einmische!

Ich selbst bin betroffen-habe mehrere Suiversuche (unangekündigt) hinter mir-
und es hätte einige male fast geklappt-
und mein Wille war immer derselbe......dazu!

Ich habs auch schon erlebt,das mich Sanitäter im Kr.wagen ausgelacht haben.
Eine Freundin wollte es mal tun,ich rief NA udn Polizei an,weil sie mit Messer unterwegs war-
udn selbst die Polizei traute sich nicht ran an die Person,wegen dem Messer!
Wäre ein Passant nicht geistensgegenwärtig in den Busch udn hätte sie beruhigt-
dann weiß ich nicht,wie die Situation ausgegangen wäre!?

Klar ist sowas sicher oft unverständlich-
aber trotzdem sollte man doch dem Menschen helfen,egal,ob normalo oder psychich kranker......
Tiere sind die besseren Menschen.

deletet
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Re: Suizidversuche - Selbstverletzung

Beitrag von deletet » 11.06.11, 10:08

Also selbst hatte ich bisher nur einmal mit einem "Suizid-Versuch" zu tun. Also in einem Einsatz.
Aber schon "häufiger" durch meinen bekanntenkreis.

Da wo ich als externe Person hingefahren bin, saß ein junges Mädel auf einer Außenfensterbank im 5ten Stock und wollte springen.
Der Retter hatte sich dann mit ihr beschäftigt, und irgendwann sagte sie dann, das sie aber springen muss, weil sie sonst ärger mit den Eltern bekommen würde. Weil ja Rettungsdienst und so da war. Ob sie gesprungen wäre oder nicht kann man jetzt nicht genau sagen, weil sich der RA im gespräch so weit nähern konnte, das er sie von hinten packen konnte und rein ziehen konnte. Was mir das beispiel eigentlich Zeigt, ist die große Angst, mit den Angehörigen konfrontiert zu werden.

Was ich aus meinem bekanntenkreis halt weiß ist, das einfach ganz viel zuwendung wichtig ist. Wenn verletzungen nicht wirklich akut sind, meiner Meinung nach mehr als die Medizinische behandlung. Der Patient muss in erster Linie mal beruhigt werden. So aus meiner Erfahrung ist da nicht schlecht als erstes mal die RD-Jacke weg zu legen. So ein Leuchtfeuer ist glaube ich nicht so gut. Auch mit Horn und dick Blaulicht zu kommen ist nicht so gelungen glaube ich. Damals wurde ich mitten in der Nacht privat angerufen, ob ich mal vorbeikommen kann, einen Verband drum machen, weil ich ja bald Sanitäter bin. Bin dann auch mal hin gefahren. Da saß er dann auch ganz ruhig im Flur und hielt ein Handtuch auf eine Wunde. War dann auch am Bluten, aber nicht sooo schlimm. Hab ihm dann vorgeschlagen den RD zu holen, die könnten das mal sauber machen und dann besser beurteilen ob das vllt genäht werden muss oder so. Da sagte er dann nur: Auf keinen fall, die Nachbarn kriegen das ja alle mit, das geht auf keinen fall.
Auch da sieht man mal wieder, wie sehr den Patienten wichtig ist dass das keiner mit bekommt. Und das Horn hört man hier schon wenn die an der Wache losfahren. Das kurz vorher auszumachen bringt nicht so viel. Auch so ein Wagen ist ja kaum zu übersehen <- Woran wie ja jetzt wenig machen können.

Das jetzt zu verallgemeinern wäre sicher Falsch, aber ein neutrales Auto und RD-Personal in neutraler Kleidung (die natürlich dennoch schützen muss), wäre denke ich nicht verkehrt. Ist der Patient nicht akut lebensbedroht ist denke ich auch beruhigung sehr wichtig. Ich weiß auch nicht welche möglichkeiten da ein Notfallseelsorger bieten könnte. Bin was aktiven Rettungsdienst angeht da einfach noch was unerfahren. Vllt habt ihr ja noch ideen wenn ihr die zwei beschriebenen Situationen lest.

Ich bin ja noch kein RA, gehe also noch auf eine solche Schule. Im letzten Praktikum hat sich einer mit medics aus dem Krankenhaus das leben genommen. Der ging dann als Prüfungsverweigerer durch. So eine einstellung auf einer RD schule ist ja auch nicht grade wünschenswert...

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