Spekulanten als Praxisbetreiber

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Barnie Geröllheimer
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Spekulanten als Praxisbetreiber

Beitrag von Barnie Geröllheimer »

Wie neulich durch die Medien ging, kaufen schon seit Jahren Spekulanten wie Sanoptis Arztsitze auf, wodurch die Preise für die Übernahme einer Praxis "explodieren" würden. Offenbar legitimiert sich der Betreiber etlicher Augenarztpraxen mit einer Schlaflabor-/Lungenklinik!
Und was mich dann doch überrascht: Offensichtlich lassen sich entgegen anderslautender Behauptungen doch viele junge Mediziner lieber anstellen, als das Risiko einer Selbständigkeit einzugehen. Freilich sollen die angestellten Ärzte für Rendite sorgen, was wieder dazu führen dürfte, dass der Druck, Selbstzahlerleistungen zu generieren, enorm steigt. Aber es scheint ein Erfolgsmodell zu sein, Praxen, die noch vor 10 Jahren kein Schwein haben wollte, nun für ordentlich Geld zu übernehmen.

Hätte PR diese Möglichkeit nicht genutzt, wenn sie ihm bekannt gewesen wäre? Er hat ja immer gejammert, weil es keinen Nachfolger gäbe. Humungus wusste zu berichten, dass Arztsitze mehr oder weniger verschenkt worden wären.

Was macht diese Entwicklung mit der Qualität der Versorgung beim Patienten?
Ich glaube, manchmal gibt es im Leben nicht genug Steine
Forrest Gump
Christianes Herz
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Re: Spekulanten als Praxisbetreiber

Beitrag von Christianes Herz »

Kapier ich nicht. Lt. SGB V ist doch geregelt, dass die MVZ in rein ärztlicher Hand zu bleiben haben.
https://www.buzer.de/95_SGB_V.htm
Wer hat uns denn da verzockt und wann?

Frdl. Grüße
Christiane
Barnie Geröllheimer
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Re: Spekulanten als Praxisbetreiber

Beitrag von Barnie Geröllheimer »

Ich glaube, manchmal gibt es im Leben nicht genug Steine
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Humungus
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Re: Spekulanten als Praxisbetreiber

Beitrag von Humungus »

Läuft doch schon längst im Bereich Augenheilkunde. Dank Ullalla Schmidt und Karl Lauterbach zu seiner Zeit als Berater und Paid-Vorstandmitglied von Rhön ist die Niederlassungmit voller Absicht unattraktiv geworden ("Die Ideologie der Freiberuflichkeit muss beendet werden"). Also lassen sich junge Ärzt.innen am liebsten anstellen. Geregelter lohn, bezahlte Krankheitstage, attraktive Vergütung, kein Ärger mit Bürokratie oder Fortbildung außerhalb der Arbeitszeit. Man arbeitet von 8-5 und lässt dann den Löffel fallen. Der Nachwuchs arbeitet am liebsten eine 4-Tage-Woche, mit Nachwuchs natürlich gerne auch weniger.

Warum sich auch belasten mit Krediten, Risiken und 60-Stunden-Woche? Heutzutage zählt die work-life-Balance, dafür lässte man gerne etwas Geld. Eine gute Bekannte von mir ist als Psychotherapeutin niedergelassen, die hat nach allen Unkosten und Abzügen gerade 500€ im Monat mehr als als Angestellte, dafür aber auch Arbeit bis über die Ohren. Obs das lohnt?

Und so werden Sitze von Großzentren geschluckt und mit Knechten besetzt. Ziel: lukrative Operationen generieren, die dann ins Zentrums-OP überwiesen werden. Dafür gibts (weil illegal) Prämie um die Ecken. Unattraktive Patienten dürfen gerne woanders hin, beispielsweise in Uni-Kliniken.

So macht man es, das war der Wille der Politik. Das haben PR und ich schon vor Jahren angeprangert und beschrieben wie es besser zu machen ginge. Will aber keiner wissen! Die Berichte, die jetzt durch die Medien gehen, werden bald schon wieder verstummen, weil keiner dran rühren will. Mittlerweile sind solche Großzentren auch dermaßen mächtig, dass sie schönen Lobbyismus betreiben können.

Gut gemacht, Politik! Die Reichen reicher gemacht, den Ärzten die Verantwortung zugeschoben, die Patienten an der Versorgungsschwelle jongliert.

Ach ja, die Sache mit der ärztlichen Hand bei einem MVZ: kann man erstens locker umgehen, und zweitens sind auch Ärzte geldgeil. Dann setzt man eben einen Arzt als Strohmann voran oder ein ärztliches Konsortium. Ich melde mich gerne...
Augenarzt? Flatrate. Für nur 18 Euro all you can (tr)eat, ein ganzes Quartal lang! DAS ist heutige Gesundheitspolitik.
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