Bundesverfassungsgericht hebt Verbot von Sterbehilfe auf

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Christianes Herz
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Re: Bundesverfassungsgericht hebt Verbot von Sterbehilfe auf

Beitrag von Christianes Herz »

Hallo Barnie,
vlt. sollten wir es in den Sterbehilfe-Strang verlegen?
Das StGB ist bzgl.
Strafgesetzbuch (StGB) § 217 Geschäftsmäßige Förderung der Selbsttötung
(1) Wer in der Absicht, die Selbsttötung eines anderen zu fördern, diesem hierzu geschäftsmäßig die Gelegenheit gewährt, verschafft oder vermittelt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.
(2) Als Teilnehmer bleibt straffrei, wer selbst nicht geschäftsmäßig handelt und entweder Angehöriger des in Absatz 1 genannten anderen ist oder diesem nahesteht.

schlichtweg vom Bundesverfassungsgericht für nichtig erklärt worden, weil es insoweit gegen das Grundgesetz verstößt und damit ist das Verbot der „geschäftsmäßigen“ Sterbehilfe wieder aufgehoben und es muss klar gesagt werden, was denn nun hier in Deutschland geschäftsmäßig ist. Dieses Rad muss wieder neu erfunden werden. Herr Voßkuhle (ich habe meine Weisheit lediglich aus der Süddt. Zeitung https://www.sueddeutsche.de/politik/ste ... -1.4821296
sagte, es gibt keinen Anspruch auf Sterbehilfe, aber die rechtliche Möglichkeit hierzu muss gegeben sein.

Letztendlich werden wir alle warten müssen, was uns nun aus dieser Rechtsprechung erwächst. Vorab hat mich diese Art Lockerung/Sicherheit aber erst einmal positiv gestimmt.

Frdl. Grüße
Christiane

Barnie Geröllheimer
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Re: Bundesverfassungsgericht hebt Verbot von Sterbehilfe auf

Beitrag von Barnie Geröllheimer »

Man muss sicher noch konkretisieren, was die "Geschäftsmäßigkeit" angeht, aber ich denke, die Phalanx gegen ärztliche Sterbehilfe beginnt zu bröckeln, da mehr Rechtssicherheit geschaffen werden wird.
Bedauerlich finde ich persönlich im Hinblick auf den Mangel an Transplantaten, dass der Sterbewunsch nicht an eine unheilbare Krankheit geknüpft sein muss.

PR
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Da wird keine Rechtssicherheit geschaffen, Barnie, für niemanden !

Beitrag von PR »

Denn da sind Politiker am Werk, denen am Wichtigsten ist, dass niemand sie jemals am Wickel nehmen kann.

Die erste Hürde hat sich schon gemeldet, das ist der derzeitige Scheff der Bundesärztekammer, ein Herr mit Einstecktüchlein. Obwohl der rechtlich gesehen nullkommagarnix zu melden hat, wird der, wie ich den kenn, "seine" Landesärztekammern (KdöR=Behörde) ohne Weiteres davon abhalten können, die jeden Arzt rechtlich bindenden Berufsordnungen zu ändern.

Will Ihnen ja nix verderben, aber ich tät den Jubel schleunigst absagen.

PR
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Christianes Herz
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Es jubelt niemand (zumind. hier nicht) ...

Beitrag von Christianes Herz »

… aber die Reflexe all derer, die den § 217 damals verteidigt haben, weil ohne ihn die Gefahr der äußeren Druckausübung auf die Betroffenen da wäre, fangen nun an, denselben § zu relativieren. Meine Güte, wenn es so wäre, würde doch keiner dagegen geklagt haben. Schon gar kein Arzt. Und immer wieder dieselben Sprüche, heute wie damals: Mehr palliative Hilfe, mehr Plätze in Hospizen, mehr Ansprache usw. usw. macht wütend und nachfolgend ängstlich (mich persönlich).

Grüße
Christiane

Barnie Geröllheimer
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Re: Bundesverfassungsgericht hebt Verbot von Sterbehilfe auf

Beitrag von Barnie Geröllheimer »

Christianes Herz hat geschrieben:
27.02.20, 11:20
… aber die Reflexe all derer, die den § 217 damals verteidigt haben, weil ohne ihn die Gefahr der äußeren Druckausübung auf die Betroffenen da wäre, fangen nun an, denselben § zu relativieren. Meine Güte, wenn es so wäre, würde doch keiner dagegen geklagt haben. Schon gar kein Arzt. Und immer wieder dieselben Sprüche, heute wie damals: Mehr palliative Hilfe, mehr Plätze in Hospizen, mehr Ansprache usw. usw. macht wütend und nachfolgend ängstlich (mich persönlich).
So ist es.
Was mich geradezu zum K0tzen bringt, ist der ernst gemeinte Vorschlag eines Verfechters des §217 gestern im TV, man könne sich als Sterbewilliger ja alternativ zum "palliativen Fasten" entschließen, was erlaubt und damit rechtlich unbedenklich wäre.
Diese euphemistische Ungeheuerlichkeit bedeutet (auch mit palliativer Begleitung) nichts anderes als dass man den unheilbar kranken Patienten verhungern und verdursten lässt.

Wer seine ärztliche Ethik vorschiebt, den 217 zu verteidigen, kann doch auch diesem "Fasten" nicht zustimmen! Ein betroffener ALS-Patient hat darauf treffend geantwortet, dass das Ergebnis ja wohl dasselbe sei, als wenn man ihm kurz und höchstwahrscheinlich schmerzfrei Pentobarbital verabreicht. Aber dieses Ansinnen - schriftlich beantragt - "hat keine Aussicht auf Erfolg" , ...das BMG hat' s verboten :evil:

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