Die arztlose Hausarztpraxis

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Die arztlose Hausarztpraxis

Beitrag von PR »

Eendlich ist im Ländle der Denker und Tüftler ins Werk gesetzt worden, was sich Clever Uli, vormaliger Ärztekammerpräser, so sehnlichst gewünscht hat: die Telesprechstunde ! Und zwar schon im November ! Weil’s im Dorf Spiegelberg, nicht weit von Backnang, halt keinen Doc mehr gibt.

Die Telesprechstunde geht so: da hockt, 5 km weiter im Nachbardorf, anderthalb Tage pro Woche ein Doc vor einer Videoanlage, hat sonst nix zu tun, und wartet, was ihm die erfahrene Helferin 5 km weiter so alles videopräsentiert. Allerhand Reinguck- und Abhorchhilfen sind vorhanden und werden ihre Resultate schon irgendwie auf des Doc’s Videoanlage übertragen kriegen, wenns sein muss mit‘m Hänndi. Der Fortschritt ist eben ein uhuunaufhaltsamer !

Ja, und was macht da jetzt die Dorfbevölkerung von Spiegelberg? Nix macht die, das muss man sich mal vorstellen: die geht da einfach nicht hin ! ! !
www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.fernb ... 6a794.html
Sondern geht 5 km weiter da hin, wo ein Doc sie zur allergrößten Not mal anfassen und untersuchen kann ! Hat man je so viel Undankbares Volk erlebt ?

Der Herr Investor freilich ist wohlgemut, will da gleich noch zwei Handvoll virtuelle Ärzte dazupacken und das Ganze noch ein paar Dörfer weiter kopieren. Schließlich zahlt der Bund zwei Jahre lang Anschubfinanzierung. Und was dann kommt, ach, wer will denn hier den Propheten spielen ?

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Der Link

Beitrag von PR »

hier

https://www.stuttgarter-zeitung.de/inha ... 6a794.html

sollte eigentlich wieder funktionieren.

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Christianes Herz
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Re: Die arztlose Hausarztpraxis

Beitrag von Christianes Herz »

Wir werden uns daran gewöhnen müssen. Es ist nur eine Frage der Zeit, weil (zumindest in Deutschland) muss es erst ganz und gar krachen, damit sich etwas zum Besseren wendet. Die Ärzteschaft ist massiv auf dem Rückzug, die Gründe sind bekannt und nix, aber auch gar nix wird getan, um die eigentlichen Ursachen anzugehen. In der Themapraxis haben die Patienten noch die Möglichkeit, etwas weiter weg die persönliche Betreuung zu suchen.
Ganz gefährlich bzgl. Leib und Leben (weil es ja eine Vorabauswahl sein soll, Notfall oder nicht) nun die Elfeneinsatznummer 116117. Pannen über Pannen und Patient ist wieder schuld. Es rufen angeblich jetzt dort zu viele an.
https://www.mydrg.de/myDRG_archives/it- ... astet.html

Aber Nicht nur in Niedersachsen. Eine meiner Kolleginnen erzählte mir, sie hätte verzweifelt versucht, überhaupt jemanden unter der Nr. zu erreichen (ihr Mann hatte sich beim Werkeln zu Hause einen Metallsplitter ins Auge geraten lassen) und als sie dann endlich weitergeleitet wurde, hörte sie, gar nicht erst vorbeizukommen, es sei eh gleich Feierabend.
Sie sind dann in ein weiter entferntes Krankenhaus gedüst in die Notfallaufnahme.
So ist das ein Murks ohne Ende. Es macht sich neben dem Ärger auch Angst breit.

Auch von mir ein Frohes Neues Jahr.

Frdl. Grüße
Christiane

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Murks ohne Ende aus jedermanns Sicht außer

Beitrag von PR »

der der Gewalttäter im Gesundheitswesen.

Die 24/7/365-Notfallversorgungspläne, von den KVen untertänigst durchgedrückt, werden die Bereinigung des Praxismarkts radikal beschleunigen. Eigentümergeführte Praxen, die ja diese Spahn'schen Phantasien (aus eigener Tasche = aus der Gesamtvergütung der kranken Kassen) finanzieren sollen, lassen sich dann nicht mehr lange halten. Schon deshalb nicht, weil sie kein Personal mehr finden. Zudem wird der Niedergelassene dann ja wesentliche Teile seiner Arbeitszeit diensthabend in der Notfallzentrale verbringen und die eigene Praxis geschlossen halten.

Wenn wesentliche Teile des Patientenaufkommen in der anonymen Notfallzentrale zackzack-einmalabgefertigt werden, funktioniert selbstverständlich auch keine kontinuierliche kohärente "Betreuung" chronisch Kranker. Die, nehm ich mal an, soll dann endlich und vollständig ans Hänndi und die Algorithmen der "künstlichen Intelligenz" delegiert werden, am besten allesauseinerhand, zB von Bertel's Frau. Das nächste Digitale Versorgungs Gesetz dräut ja auch längst.

Was steckt dahinter ? Dahinter steckt die mit allen politischen Tricks und viel gezielter Täuschung durchgesetzte Absicht, Patient und Arzt voneinander zu entfremden und zu entsolidarisieren. Der Arzt soll endlich aufhören, Komplize seines Patienten zu sein. Denn das kostet im kranken Kassensystem das Geld aller Beitragszahler.

Das Geld der Beitragszahler wird aber in diesem kranken Kassensystem in absehbarer Zeit nicht mehr ausreichen, Stichwort Demographieproblem.

Parenthese: mein persönliches Stichwort: darin, dieses Demographieproblem ein bisschen lindern zu wollen durch auch schon mal ungeregelte Zuwanderung hoffnungsvollen Jungvolks, das sogar die Räuberbanden zwischen Sahel und den nördlichen Mittelmeerküsten lebend überstanden hat, liegt ja durchaus eine gewisse staatsfrauische Weisheit.

Jedenfalls: angesichts des (übrigens seit Jahrzehnten beschworenen Problems drohender Unbezahlbarkeit) müssen auch "solidarisch" finanzierte Leistungen kranker Kassen rationiert werden. So die klare Aussage von Gandjour und Lauterbach.

Wie man das aber (politisch) macht, (Rationieren, ohne dass dagegen jemand gegen Politiker rebellieren kann), das steht hier oben.
Die "übergeordnete Verantwortung" (c.f. Gandjour und Lauterbach) ist am Werk und sorgt einfach dafür, dass keiner mehr "für seine Patienten" da ist, da sein will und da sein kann.

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