Gesundheitsakte / Patientenakte

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Christianes Herz
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Gesundheitsakte / Patientenakte

Beitrag von Christianes Herz » 29.12.18, 16:01

Gesundheitsakte vs. Patientenakte, wenn die Standards die gleichen sind, macht der Unterschied keinen Sinn in Sachen Sicherheit. Darum geht es im Großen und Ganzen. Vivy und Co.
Mir hustet er zu oft und nur die Fachleute wissen dann warum. Ich nicht. Bin vom Fachmann weit entfernt. Ich höre nur: Kein Unternehmen etc. kann sichere Anwendungen anbieten. Ob klein, ob groß, ob schon lange oder erst seit kurzem vorhanden. Aber alle behaupten, es sei sicherer als Onlinebanking.
Martin Tschirsich auf dem diesjährigen Treffen des Chaos Computer Club in Leipzig mit dem Vortrag „All Your Gesundheitsakten Are Belong To Us“. Es lohnt sich, die knappe Stunde zuzuhören, auch wenn wir Älteren nicht (per Zwang) betroffen sein werden, aber der Druck (und der Hinweis kommt ziemlich am Ende), sich auf die Patienten-/Gesundheitsakten online einzulassen, wird kommen. Entweder durchs Drohen, sonst länger auf Leistungen zu warten oder finanziell gelockt zu werden. Unsere Kinder und Kindeskinder sind die, die damit umgehen müssen. Die grundsätzlichen Fragen, Nutzen für die Arbeitgeber, alle Versicherungsarten, (Vivy ist im übrigen ein Allianzkind, hört man hier), Kreditgeber usw. , die ethischen, wie z. B. „was bleibt von uns überhaupt noch in eigener Hand?“ müssen wir heute stellen.
https://mirror.eu.oneandone.net/project ... xWVqlnq5Jk

Frdl. Grüße
Christiane

PR
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Die IT-Buben lachen

Beitrag von PR » 30.12.18, 01:22

über die verlogenen Sicherheitsversprechen von Politik, kranken Kassen, und neuerdings Versicherungen. Merci für den link.

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jaeckel
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Re: Gesundheitsakte / Patientenakte

Beitrag von jaeckel » 30.12.18, 08:05

Christianes Herz hat geschrieben: Kein Unternehmen etc. kann sichere Anwendungen anbieten.
Yes. So ist es und wird es bleiben. Weil es so gewollt ist. Ich saß in den Gremien, die es sich einstmals zu Ullas Zeiten ausgedacht hatten. Hab zehn Bücher dazu herausgegeben. Sicherheit wäre möglich, ist aber nicht gewollt.
Beispiel: Eine Software steuert in einem Praxis-Netzwerk ein Kartenlesegerät. Die Software ist sogar vom BSI zertifiziert. Das Ganze läuft auf einem Windows-System. Nun ist natürlich mitnichten so, dass das BSI die Software Microsoft zertifizieren würde/könnte. Dieser Quellcode bleibt Firmengeheimnis. Der Effekt ist, dass immer nur die oberflächlichen Strukturen zertifiziert werden und man damit buchstäblich auf Sumpf baut. Im Ergebnis regt sich doch kaum jemand darüber auf, dass sogar das Handy der Kanzlerin abgehört werden und des Bundestags-Netzwerk nicht abgesichert werden kann. Inzwischen werden auf diesem Wege Wahlen beeinflußt, Kriege entschieden und Medien und die öffentliche Meinung beeinflußt.

Mein Fazit als ehemaliger Telemedizin-Pionier: Schützenswerte Daten gehören grundsätzlich nicht in Netzwerke.
Alles Gute!

Herzlichen Gruss
Ihr

Dr. med. Achim Jäckel
Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie und Nephrologie
Intensivmedizin, Notfallmedizin, Hypertensiologe (DHL)

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Re: Gesundheitsakte / Patientenakte

Beitrag von PR » 30.12.18, 16:10

Hab 25 lange Kassenarztjahre lang beide gehabt - die digitale und die papierne Akte, und fand's genial, wie die Crux der einen Methode die Blößen und Schwächen der andern genau bedeckt hat.

Dazu hatt ich zunächst die Karteikarten vom Vorgänger übernommen. Ab dem zweiten Praxisjahr hab ich alle m e i n e Befunde digital als Text dokumentiert. Das ging bald fast so fix wie die Symbolbildbefunde (Stempel mit Organschema in Karteikarte, durch simple Symbole ergänzt) meines vorletzten Klinikscheffs, hatte aber den Vorteil, dass der (für mich durchgehend obligate) Befundbericht an den/die Kollegen bereits vorformuliert war.

Alle e x t e r n e n Befunde hab ich als Papier aufgehoben. Es wird die nächsten zehn Jahre noch die Schlafkoje eines Kinderzimmers im Haus belegen, und dann verschärft entsorgt werden. Alle f ü r m i c h wesentliche Information aller Externbefunde (alles von mir beim Lesen Rotunterstrichene - das sind selbst in mehrseitiger Internistenlyrik nur selten mehr als neun Worte) wurde all die Jahre von einer nicht dummen Helferin in m e i n e d i g i t i t a l e Patientenakte = Karteikarte getippt.

So ein Ding ist eine digitale Patientenakte und hat den enormen praktischen Vorteil, rauf oder runter sortier- bzw. selektierbar u n d deshalb mit wenig Aufwand lesbar zu sein, da frei von aller Redundanz und immergleich strukturiert nach d e r Logik und Systematik, die zu m i r passt. Darüberhinaus druckbar, faxbar, selbst mailbar wenn denn unbedingt gewünscht.

So, und genau da hat so ein System seine natürliche Grenze. Jeder Andere würde das zumindest in Nuancen anders machen. Und da hat so ein System auch seine rein technische Sicherheitsgrenze und muss sie behalten.

Mein Fazit wär: „Digitalisierung“ – von mir aus gern und schon immer !

Kollegiales Miteinander: immer ! Der Datenverkehr dazu: Punkt-zu-Punkt, eingleisig, standardisiert, verschlüsselbar. Ausgerechnet das vielgeschmähte FAX ist dafür ideal, denn übertragen wird damit bis heut eine so gut wie nicht fälschbare Punktmatrix. Leider inzwischen unbemerkbar umleitbar, das ist die Sauerei bei der mutwilligen Aufgabe des ISDN-Standards durch die Post.

Jedoch: omnilaterale Vernetzung (Verknüpfen, Transportieren und Bereithalten digital codierter Daten in einem alles übergreifenden Rechnernetzwerk) – im Leben nicht !
Auch nicht wenn da ein Spähnchen kopfsteht und mit den Füßen wackelt.

Rote Karte ! Da geh ich mit meinem Lieblingsschlagzeuger vollständig konform !

PR, Basser
Zuletzt geändert von PR am 30.12.18, 22:23, insgesamt 3-mal geändert.
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Pull & Push

Beitrag von PR » 30.12.18, 22:05

Man sollte die Ärzte selber fragen, auf welche Weise die sich am liebsten austauschen täten über ihre Patientinnenundpatientenindiesemunseremlande, las ich neulich irgendwo.

Ha no.

Soll doch jeder bei sich bereithalten,
was er zu jedem Fall zu berichten und sagen hätt,
falls dazu wer nachfrüg,

und dem das dann gezielt rüberschieben. Ausschließlich.

PR
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Christianes Herz
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Re: Gesundheitsakte / Patientenakte

Beitrag von Christianes Herz » 31.12.18, 15:30

Die Rote Karte als eine Aktion gegen die Datenautobahn ist noch aktiv
http://www.rote-karte-fuer-die-ti.de/

Frdl. Grüße und meine guten Wünschen für ein ebenso gutes Neues Jahr :wink:
Christiane

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Re: ein weiteres Mal vieelen Dank für den link !

Beitrag von PR » 01.01.19, 01:54

Ich kann und kann und kann mir Politiker nicht vorstellen, die das dort Demonstrierte einfach bloß ignorieren.

Außer eben komplett ignorante, indoktrinierte, bestochene...

Alles Gute zum Neuen !

PR
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Christianes Herz
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"... außer eben ..."

Beitrag von Christianes Herz » 01.01.19, 14:45

Der Sumpf, von dem Dr. Jäckel unter anderem sprach, wird als sichere Basis einfach vorausgesetzt. Jetzt werden Technologien aufgesetzt, deren Sinnhaftigkeit dem Gesundheitsminister nicht recht bekannt ist, aber was solls? Irgendwas wird sich finden lassen. Der nächste Schritt ist Trial and Error? https://de.wikipedia.org/wiki/Versuch_und_Irrtum

Und es kommt doch noch arger als man denkt.

https://www.handelsblatt.com/politik/de ... 1546348178

Grüße
Christiane

PS: Gehts dem allerjüngsten Familienmitglied gut?

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Jugend forscht,

Beitrag von PR » 01.01.19, 16:49

und wer dazu selber zu doof ist, aber halt grad Gesundheizmister, der l ä s s t halt forschen.

Das Vorgehen ist ja schon bemerkenswert ! Da wird um's Verrecken im Gesundheitswesen nach einem Problem gesucht, das von einer Technologie zu lösen wäre, die bisher ausschließlich Pleiten produziert hat. Wär ja ein Thema für den Steuerzahlerbund und tät ich doch glatt Veruntreuung nennen.

Die aberwitzige Idee, irgendwelche Daten auf so viele weltweit stehende Rechner zu verteilen wie nur irgend möglich, wird à la longue am eigenen Stromverbrauch zugrunde gehen.

Dem Marcus gehts wieder gut. Jetzt hoffen wir halt mal, dass Dr. Wiki nicht recht hat und nix zurückbleibt.

PR
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Parasympathikus
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Re: Gesundheitsakte / Patientenakte

Beitrag von Parasympathikus » 04.01.19, 12:44

Hallo,
PR hat geschrieben: Ausgerechnet das vielgeschmähte FAX ist dafür ideal, denn übertragen wird damit bis heut eine so gut wie nicht fälschbare Punktmatrix. Leider inzwischen unbemerkbar umleitbar, das ist die Sauerei bei der mutwilligen Aufgabe des ISDN-Standards durch die Post.
Wobei auch schon zu ISDN-Zeiten spektakuläre "Faxploits" vielen Multifunktionsgeräten samt deren Daten den digitalen Garaus machten. Und die technisch oft unlösbare Inkompatibilität mancher Faxgeräte untereinander schon immer ein Grauen derer waren, die in solchen Fällen zu Rate gezogen wurden. Wenngleich Sie völlig Recht haben, es war im Vergleich zu "moderneren" Kommunikationswegen noch relativ sicher und vor allem einfach im Handling.

Seitdem die Telekom allerdings das Faxsignal auf das IP-Protokoll umsetzt und über das offene Internet transportiert, erhält auch diese Technik die Sicherheitsstufe von Web-Portalen, E-Mail und Co.: Keine. Selbst der Erfinder des WorldWideWeb, Tim Berners-Lee, stellt nach knapp 30 Jahren mittlerweile ernüchternd fest:
Die zunehmende Zentralisierung des Webs hat zu einem gigantischen Phänomen geführt, das anti-menschlich ist."
Und plädiert für einen kompletten Rückbau.

Ich denke nicht, dass dampfplaudernde Politiker wie Spahn und Co. dem WWW mehr Vertrauen einhauchen können als die, die es persönlich entwickelt haben. Und damit ist es nicht mehr weit her:
All kinds of things have gone wrong. We have problems with privacy, abuse of personal data, people can be profiled in a way that they can be manipulated by clever ads… [they can be] taken to sites where they can come across fake communities of fake people with fake ideas and fake truths. There are lots of issues with the web.
Quelle: https://www.businessinsider.com.au/tim- ... up-2018-11

Die Datenhoheit ist ein fortwährendes Katz und Maus-Spiel, wie auch die tagaktuellen, sehr erfolgreichen Hacker-Angriffe auf diverse Politiker zeigen. Daher teile ich, als einst begeisterter Befürworter von Web-Lösungen, vollkommen Ihre Ansicht:
omnilaterale Vernetzung (Verknüpfen, Transportieren und Bereithalten digital codierter Daten in einem alles übergreifenden Rechnernetzwerk) – im Leben nicht !
Viele Grüße,

Parasympathikus

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Ach Du kriegst die Tür nicht zu !

Beitrag von PR » 04.01.19, 18:32

http://www.badische-zeitung.de/nachrich ... -nicht-x1x

Na, wenn's dafür nicht allerhöchste Zeit war !

PR
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Re: Gesundheitsakte / Patientenakte

Beitrag von Christianes Herz » 21.05.19, 08:44

Die geöffnete Tür zur "Benutzung der Patientenakte auf eigene Gefahr". Da ist sie. Lange geahnt, hier wird es endlich öffentlich beschrieben. So geht Politik im deutschen Bananenland. Machen jetzt, Fragen stellen irgendwann später, Risiko bei den Nutzern. Wurschteln mit Servern, die nach Gusto von Herrn Trump …, äh, nein wir nehmen ja nur die deutschen Server, weil die sicher und im Land sind. Ein Arzt wird (noch) denen, die künftig eine Patientenakte für sich aufbauen wollen, den Vogel zeigen.

"Bei Spahns Patientenakte wird Datenschutz erst nachgeliefert"
https://www.sueddeutsche.de/politik/pat ... -1.4454860

Frdl. Grüße
Christiane

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Nicht nur bei Spahns' und nicht nur für die Patientenakte

Beitrag von PR » 21.05.19, 10:05

Vielmehr gibt es bis heute für die gesamte "IT im Gesundheitswesen" k e i n e Datenschutz-Folgenabschätzung im Sinne der EU-DSGVO.

Einige Ärzte haben das im BMG angemahnt und k e i n e Antwort bekommen, siehe Beiträge Enger im Fachärzteforum.

Was es aus dem BMG gibt, ist: Täuschen, Tricksen und Tarnen. Hat da eine lange Tradition.

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Humungus
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Re: Gesundheitsakte / Patientenakte

Beitrag von Humungus » 21.05.19, 12:02

Was mich dabei am meisten erstaunt und erschrickt ist das beredte Schweigen von Medien und Politik. Die Datenschützer sind still, eigentlich alle sind still.

Es wird - von Vertretern ALLER Medien und ALLER Parteien, hingenommen, wenn nicht gewünscht.
Augenarzt? Flatrate. Für nur 18 Euro all you can (tr)eat, ein ganzes Quartal lang! DAS ist heutige Gesundheitspolitik.

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