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"Digitalisierung" widerspricht der ärztlichen Berufsordnung

Verfasst: 23.11.18, 17:55
von PR
Was die sogenannte „Digitalisierung im Gesundheitswesen“ wirklich will, ist
- neben der Nötigung zum Bruch der ärztlichen Schweigepflicht - das Aushebeln des Urheberrechts für alle ärztliche Dokumentation, also Diebstahl an „geistigem Eigentum“.

Hier
https://de.wikipedia.org/wiki/Urheberre ... schland%29
Abschnitt Sachrecht / Das Urheberrecht / Schutzgegenstand des Urheberrechts: Das Werk

ist dazu Grundsätzliches nachzulesen.

Ich sehe keinen vernünftigen Grund, die dort genannten Kriterien n i c h t auf a l l e ärztliche Dokumentation anzuwenden.

Und bin weiter überzeugt: der Einzige, der überhaupt s e i n e eigenen gesundheitlichen Daten irgendwo legal einspeisen darf, ist der Patient. Wahrscheinlich braucht er dazu keine besondere Erlaubnis des Urhebers Arzt. Genau so wenig darf er aber auch dessen Mitwirkung erwarten, und niemand darf sie verlangen.

Dass der aktuelle Vorsitzer der Arbeitsgemeinschaft der Landesärztekammern versucht, ohne Mandat und Legitimation Druck in Richtung einer solchen „Digitalisierung“ zu machen, anstatt gegenzuhalten, ist im Sinne der Berufsordnung katastrophal. Dieser Herr hat sich weit verstiegen und sich von jedem ärztlichen Selbstverständnis verabschiedet. Er gehört schleunigst aus dieser Funktion entfernt.

PR

Re: "Digitalisierung" widerspricht der ärztlichen Berufsordn

Verfasst: 18.12.18, 22:56
von Euphemia
PR hat geschrieben:...Und bin weiter überzeugt: der Einzige, der überhaupt s e i n e eigenen gesundheitlichen Daten irgendwo legal einspeisen darf, ist der Patient.

Und deshalb hat der Gesetzgeber nun offenbar eine tolle neue Idee! Er will die Möglichkeit einer freiwilligen Datenspende :lol: von Patienten schaffen - selbstverständlich "unter Berücksichtigung des Datenschutzes und der Datensicherheit".

Herr Hecken kriegt hingegen den Hals nicht voll und will eine "verpflichtende Datenspende". Klick: Hecken plädiert für verpflichtende Datenspende

Re: "Digitalisierung" widerspricht der ärztlichen Berufsordn

Verfasst: 18.12.18, 23:08
von Euphemia
Ach ja, noch vergessen: Herr Spahn meldet sich diesbezüglich natürlich auch noch zu Wort:
"Über „viele Millionen ungenutzte Daten“ klagte auch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU). Er wolle diese Daten pseudonymisiert für die Versorgungsforschung-steuerung verfügbar machen oder auch für die Entwicklung neuer Produkte."

Versorgungsforschung schön und gut. Bloß auf dem Gebiet der "Entwicklung neuer Produkte" ist er bestimmt ganz besonders einfallsreich. Da bin ich mal gespannt, mit welchen Lockmitteln die Patienten zum Spenden ihrer Daten animiert werden sollen...

Versorgungsforschung schön und gut

Verfasst: 19.12.18, 09:33
von PR
Irrtum.

Denn die mündet unweigerlich in "Bedarfsplanung".

Von wem möchten Sie denn Ihren Bedarf geplant haben ?

PR

Re: "Digitalisierung" widerspricht der ärztlichen Berufsordn

Verfasst: 19.12.18, 20:30
von Christianes Herz
Zum letzten Thema Daten-Spende möchte ich noch eben einen Beitrag verlinken und insbesondere auf den Leserbrief darunter verweisen, nicht nur, aber auch weil er viel untermauert, was bereits hier von PR und auch teilweise von Humungus geschrieben wurde.
https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/ ... atenspende

Frdl. Grüße
Christiane

Zwischen den Jahren der IT-Brüller

Verfasst: 26.12.18, 00:30
von PR
vom Rheinknie:

die Basler Kantonspolizei hat sieben Teslas bestellt zum Preis von 140.000 SF pro Stück, um damit umweltfreundlich und PS-stark jedwedem Sünder nachstellen zu können. Einer, zwei sind ausgeliefert - und stehen jetzt zwangsweise rum.

Wie das denn ?

Angeblich hat keiner der Besteller das Kleingedruckte gelesen, in dem wohl steht, dass weder das bordeigene Mikrofon noch die Routenverfolgung ausgeschaltet werden sollten und der Hersteller der Fahrzeuge beides laufend mitliest, ansonsten könne es zu ungeahnten Fehlfunktionen kommen.

Der Zwangsstillstand der Fahrzeuge solle so lange andauern, bis dfas Datenschutzproblem gelöst sei, war zu lesen.

Da kommt glatt klammheimliche Freude auf ! Es verhält sich nämlich mit der zwangsweisen Digitalisierung des Gesundheitswesens genauso !

PR

Re: "Digitalisierung" widerspricht der ärztlichen Berufsordn

Verfasst: 26.12.18, 10:52
von jaeckel
Seit Snowden ist klar: Digitalisierung von Patientendaten und Einspeisung in jedwelche Netze widerspricht nicht nur der ärztlichen Berufsordnung sondern dem gesunden Menschenverstand.
Achim Jäckel im Vorwort Telemedizinführer 2009 hat geschrieben:Tatsächlich kann man auch als Fachmann in diesem Gebiet die Gefahren und Risiken nicht bagatellisieren sondern muss die Sorgen der Beteiligten ernst nehmen. Wenn von Ermittlungsbehörden oder vom Bundesminister des Inneren ein unbeschränkter Zugriff auf alle Datenbestände in Netzwerken gefordert wird, dann ist das nicht unbedingt mit dem vereinbar, was Bürger unter Vertrauensbildung und Datenschutz verstehen. Terrorabwehr genießt zu Recht eine hohe Akzeptanz. Aber die vorgelegte Studie des Schweizer Historikers Ganser zu Geheimstrukturen europäischer Staaten belegt eindrucksvoll, dass so mancher Terror auch inszeniert wurde. Daher ist die Frage berechtigt, ob der Datenschutz dem Kampf gegen den Terror geopfert werden muss.
Dr. Achim Jäckel
(Herausgeber des Telemedizinführer Deutschland, letzte Ausgabe 2009 - 4 Jahre vor Snowden)

Danke für das klare Statement, Herr Jäckel.

Verfasst: 26.12.18, 22:15
von PR
Jetzt die nächsten Fragen:
wieviel Substanz hat eigentlich die Politiker- und Kassen-Behauptung,
durchgreifende Digitalisierung und Vernetzung des gesamten Gesundsheitswesens

1. mache alle geleistete medizinische Arbeit besser und sicherer ?
2. ergebe einen unerschöpflichen Wissenspool, der aus sich heraus weitere medizinische Erkenntnis generieren könne ?
3. sei generell für alle Patienten nützlich ?
4. erlaube, seltene Diagnosen rascher aufzuspüren (je höher der Datenstrohhaufen, desto wahrscheinlicher lasse sich dort die berühmte Stecknadel finden)

Ich glaube den Kerlen gut und gern, dass die "Digitalisierung" à la Spähnchen sowas wie "Versorgungsforschung" ermöglicht. Die ist ja nix weiter als die induktive Erfassung der "Epidemiologie der Diagnosen und Therapien". Deren Resultat drückt sich in statistischen Korrelationen aus.
Gleichzeitig beobachte ich, dass diesen Korrelationen zunehmend bereits Beweiskraft für Kausalitäten zugeschrieben wird, infolgedessen die naturwissenschaftliche Deduktion z.B. eines krankmachenden Einflusses, die Aufdeckung von Pathogenese-Wegen, ganz in den Hintergrund gedrängt wird. Beispiel: wir wissen genau, wer mit welchem Sozialstatus und welcher Vita und ... welche Erkrankungen erleben wird. W a r u m das so ist, bleibt jedoch der Phantasie oder der Ideologie überlassen.

PR