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Re: TVSG

Verfasst: 09.11.18, 09:16
von Humungus
Der letzte wirkliche Planer der Weltrevolution machte im Exil in Mexiko Bekanntschaft mit einem Eispickel, der ihm ausgerechnet von einem Realkommunisten gesandt wurde. Sie kennen ja die Steigerung Feind, Todfeind, Parteifreund. Im Moment ist das besonders in der CDU und bei den Linken zu beobachten, und auch die SPD wird - in den letzten Zuckungen liegend - noch Köpfe rollen lassen. Ruhe ist ausgerechnet bei den Grünen. Der Dunst der Macht scheint auch Fundis ruhigzustellen. Und die FDP als 1,5-man-Show muss fürchten, dass der Zug an ihr vorbeifährt, was ich seit 2009 und besonders aktuell sehr begrüßen würde. Aufhebung der Feinstaubgrenzen in den Städten? Tsts...SO industriehörig, das wird eine Bruchlandung.

Aber mal wieder zum Thema: angedacht ist ja die zwingende Einführung einer elektronischen Patientenakte, und auch die Terminvergabe soll extern durch die Servicestellen geschehen dürfen. Dass da Leute sitzen, die von Tuten und Blasen keine Ahnung haben - who cares? Hauptsache dem Doktor eine reinwürgen und nebenbei Dateneinsicht erreichen. Dass damit die Versorgung nur schlechter wird - who cares?

PS: spätestens, wenn mir jemand einen Patienten als Termin einträgt und dieser nicht erscheint, werde ich den Klageweg beschreiten und Schadenersatz einfordern. Es reicht jetzt. Zu befürchten ist allerdings, dass die Klage die KV als KDöR-Büttel treffen wird. Und dann zahlen - die Ärzte, die Idioten der Politik.

TSVG

Verfasst: 12.02.19, 15:36
von Christianes Herz
Eine Mitmachaktion
https://www.niedergelassene-protestiere ... formation/

Frdl. Grüße
Christiane

So, das TSVG ist durch.

Verfasst: 14.03.19, 16:18
von PR
Im Fachärzteforum kündigen die Kollegen massenhaft wörtliche Umsetzung an und reduzieren ihre Kassensprechstunden von 40 oder mehr auf 25 pro Woche. Davon gehen dann auch noch die Notdienststunden ab. Hey, wird das die "Zweiklassenmedizin" abschaffen !

PR

Re: TVSG

Verfasst: 15.03.19, 07:07
von Barnie Geröllheimer
Das sind genau die Reaktionen, die mir verbieten, mich auf die Seite der Ärzte zu schlagen, für die ich ja doch weitgehend Verständnis aufbringen könnte.
Aber wieder einmal wird der Patient als Geisel vereinnahmt. So wird das nix mit einem Zusammenhalt und Schulterschluss Arzt/Patient.

Wer, wie durchaus problemlos in der Landschaft zu finden, eine Planstelle willkürlich mit einer Mindestsprechzeit besetzt ("Mehr hat die Krankenkasse nicht gekauft") und damit einem ambitionierterem Kollegen den Platz versperrt, hat nichts in der freiberuflichen, ärztlichen Versorgung verloren.

Vielleicht sollte man die Arztsitze nach angebotener Sprechzeit versteigern

Re: TVSG

Verfasst: 15.03.19, 07:43
von Humungus
Barnie Geröllheimer hat geschrieben:Aber wieder einmal wird der Patient als Geisel vereinnahmt.
Mit diesem Satz zeigen Sie Ihr Unverständnis der Sache und versuchen emotionalen Druck aufzubauen.

Unsere Praxis bietet aktuell 53 Stunden pro Woche Sprechstunde, ab April sind 60 Stunden geplant. Mit zwei (ZWEI) Ärzten. Wir arbeiten nicht am, sondern über dem Anschlag, denn wenn man zu viele Patienten behandelt, wird man abgestaffelt, das heißt: weniger Geld pro Patient.

JEDE Regelung, die Spwahn beschlossen hat, reduziert in unserer Praxis die Kassenversorgung. Offene Sprechstunden werden dazu führen, dass wir WENIGER Patienten behandeln - oder meinen Sie wir wären so blöd und würden uns noch mehr Patienten einhandeln und noch weniger dafür kriegen? 25 Pflichtsprechstunden pro Woche, da lachen wir nur darüber. Für mich ein Zeichen, dass sowohl Spwahn als auch Lauterbach - natürlich beide hochprivat - zu Schickimickiärzten gehen und nicht zu denen mitten im Geschehen. Terminservicestellen? Wofür? Wir sind eh voll. Heißt: Geldverschwenung ohne die Versorgung zu verbessern.

Ausfallhonorare? Alle quer über die Fachgruppen klagen über ca. 10% Terminausfälle. DA könnte man die Versorgung verbessern, indem man das abstellt, denn 10 Prozent Ausfall heißt: ein ganzer Monat (!!!) könnte für die Versorgung herausgeholt werden.

Alles, was beschlossen wurde, wird die Versorgung verschlechtern. Wirklich alles. Und komme mir niemand mit Hunderten Millionen. Die versickern bei den Profiteuren des Systems.
Vielleicht sollte man die Arztsitze nach angebotener Sprechzeit versteigern
Aufwachen, Barnie!

Niemand will sich mehr niederlassen.

A Propos, da war doch was mit Ihrer Tochter und dass sie sich nicht so als Kassenknecht verdingen will. Ja, die (und ihr Pappa) sind schlauer als die Kassenärzte. Nicht?

Re: TVSG

Verfasst: 15.03.19, 13:44
von Barnie Geröllheimer
Humungus hat geschrieben:
Barnie Geröllheimer hat geschrieben:Aber wieder einmal wird der Patient als Geisel vereinnahmt.
Mit diesem Satz zeigen Sie Ihr Unverständnis der Sache und versuchen emotionalen Druck aufzubauen.
Dieser Satz ist völlig nichtssagend und passte auch unter die Erklärung: Ich bin eher für Zwerge als für Riesen.
Humungus hat geschrieben: Unsere Praxis bietet aktuell 53 Stunden pro Woche Sprechstunde, ab April sind 60 Stunden geplant. Mit zwei (ZWEI) Ärzten. Wir arbeiten nicht am, sondern über dem Anschlag, denn wenn man zu viele Patienten behandelt, wird man abgestaffelt, das heißt: weniger Geld pro Patient.
Glaub ich sofort und so kenn ich das auch von der Mehrzahl der Praxen. Aber es gibt auch die anderen...., speziell bei den Fachärzten. Mit 20 Std. Sprechzeit darf eine Planstelle nicht VOLL besetzt sein, notfalls muss sich jemand einen Kollegen gefallen lassen den es natürlich erst einmal geben muss.
Aber wir alle bekommen unsere Arbeitszeiten vorgegeben, auch wir Selbständigen. Da regelt nämlich der Markt die Arbeitszeiten.
Humungus hat geschrieben: JEDE Regelung, die Spwahn beschlossen hat, reduziert in unserer Praxis die Kassenversorgung. Offene Sprechstunden werden dazu führen, dass wir WENIGER Patienten behandeln - oder meinen Sie wir wären so blöd und würden uns noch mehr Patienten einhandeln und noch weniger dafür kriegen? 25 Pflichtsprechstunden pro Woche, da lachen wir nur darüber. Für mich ein Zeichen, dass sowohl Spwahn als auch Lauterbach - natürlich beide hochprivat - zu Schickimickiärzten gehen und nicht zu denen mitten im Geschehen. Terminservicestellen? Wofür? Wir sind eh voll. Heißt: Geldverschwenung ohne die Versorgung zu verbessern.
Ausfallhonorare? Alle quer über die Fachgruppen klagen über ca. 10% Terminausfälle. DA könnte man die Versorgung verbessern, indem man das abstellt, denn 10 Prozent Ausfall heißt: ein ganzer Monat (!!!) könnte für die Versorgung herausgeholt werden.
Alles, was beschlossen wurde, wird die Versorgung verschlechtern. Wirklich alles. Und komme mir niemand mit Hunderten Millionen. Die versickern bei den Profiteuren des Systems.
Zustimmung! Die eigentlichen Übel werden nicht angegangen.
Humungus hat geschrieben:
Vielleicht sollte man die Arztsitze nach angebotener Sprechzeit versteigern
Aufwachen, Barnie!

Niemand will sich mehr niederlassen.

A Propos, da war doch was mit Ihrer Tochter und dass sie sich nicht so als Kassenknecht verdingen will. Ja, die (und ihr Pappa) sind schlauer als die Kassenärzte. Nicht?
Sie hat sich noch nicht festgelegt. Jetzt absolviert sie erst mal ihr PJ.
Ist man schlauer, wenn man erst gar keinen Vertrag mit den Kassen eingeht?
Vielleicht!
Hier in der Gegend, in der ich jetzt lebe, scheinen die Leute Kohle ohne Ende zu haben. Uns sie geben sie auch aus. Hier brauchen offenbar nur die wenigstens einen Kassenknecht.

Re: TVSG

Verfasst: 15.03.19, 13:46
von Christianes Herz
Es ist im Gesetz m. E. auch ein ganz dickes Osterei mit drin:

"Mehr Digitalisierung in der Versorgung
Patientinnen und Patienten wollen einfach, sicher und schnell auf ihre Behandlungsdaten zugreifen können. Dafür muss die elektronische Patientenakte Alltag werden. Sie verbessert auch die medizinische Versorgung. Deshalb verpflichten wir die Krankenkassen, bis spätestens 2021 ihren Versicherten solche Akten anzubieten. Wer möchte, soll auch ohne den Einsatz der elektronischen Gesundheitskarte mit Smartphone oder Tablet auf medizinische Daten zugreifen können."

Diese Art der Freiwilligkeit bedeutet doch notgedrungen, dass alle Versicherten-/Patientendaten in einer "sicheren" Cloud abgestellt werden. Ob sie davon per App bedient werden wollen oder eben nicht. Also mehr oder weniger eine einzige Veralberung in Sachen Datensicherheitswunsch.
Auch, dass alle 2 Jahre ein Alt- wieder zum Neupatienten werden kann, schreit nach einer App. Eine Erinnerungsapp für beide Seiten. Für die Seite Patient evtl. garniert mit einem freundlichen Angebot einer günstigen Zusatzbehandlungsservice - App.

Spwahnsinn. In der Tat. Und abgenickt von den Volksvertretern, die zum Großteil privatversichert sind.

https://www.bundesgesundheitsministeriu ... WX5jMfjuDM

Frdl. Grüße und ein gutes Wochenende.
Christiane

Wie die Fachärzte auf das TSVG reagieren werden:

Verfasst: 15.03.19, 13:54
von PR
Die Rezepte kursieren bereits. Eben gefunden:

1. Mehrere Stunden Stunden pro Tag für Neu-Patienten reservieren, da diese extrabudgetäres Honorar auslösen. Lücken werden mit Büroarbeit überbrückt
2. Die Hausärzte werden gebeten, Termine für bekannte Patienten selbst mit dem FA zu vereinbaren, sie bekommen dafür 10 €, beim FA lösen diese Fälle extrabudgetäres Honorar aus
3. Kassenpatienten bekommen von der Praxis gar keine Termine mehr genannt, sie sollen sich an die TSS halten. Auch diese Fälle sorgen für extrabudgetäres Honorar.
4. Auch Notfälle, die früher rasch eingeschoben wurden, bekommen einen eiligen Termin nur noch über die TTS, das löst einen Zuschlag für sofortige Behandlung aus, sowie extrabudgetäres Honorar
5. Die Sprechzeit für Kassenpatienten wird streng auf genau 25 Stunden beschränkt


Ein Gesundheitswirtschaftler, der nicht Lauterbach heisst, sieht voraus: staatliche Wartelisten, Ticketsysteme und eine medizinische Fließbandversorgung in der ambulanten Medizin, nur noch rationierte und priorisierte Kassen-Sprechstunden und eine schlechtere Versorgung

Danke, SPD !

PR

Eine Körperschaft erwacht

Verfasst: 21.03.19, 14:25
von PR

Das TSVG wirkt schon

Verfasst: 05.04.19, 16:43
von PR
Hab eben noch Restbestände aus der 1A-Lagen-Immobilie meiner Hauptsponsorin geholt, die ja mal meine Praxis gewesen war und nun zu Wohnung umgebaut werden soll. Noch arbeiten an der Adresse vier Ärzte unterschiedlicher Fächer und ein Physiotherapeut.
Ich trau Augen und Ohren nicht: Freitag 13.30 h - alle Parkplätze am Haus leer, im Haus Totenstille.

Wahrscheinlich sind die alle längst mit ihren 25 wöchentlichen Sprechstunden fertig.

PR

Re: TVSG

Verfasst: 05.04.19, 19:10
von Barnie Geröllheimer
Nun ja, was wollen uns diese Worte sagen?
Auch der altruistischste Arzt hätte die Parkplätze wohl nicht belebt.

Heut morgen hätte ich 4 Hände gebraucht, heut nachmittag..: Toteste Hose! Im Gelenkbus mit 72 Sitzplätzen heut abend war ich der einzige Fahrgast (16 Haltestellen).
Das Phänomen tritt also auch noch 570 km nördlich von Weil am Rhein/Lörrach gelegentlich auf.

Heinzelmännchen aus Köln

Verfasst: 05.04.19, 19:30
von Christianes Herz
In Sachsen werden scheints Fakten geschaffen: (Heu)-schrecken Kammer/Vereinigung auf: Öffnungszeiten 8 - 18 h, 5 Tage, ohne Pause. Hausarzt und Augenarzt.
Augenarzt hier bei uns nimmt schon gar keine Neupatienten bislang mehr auf bzw. Termine erst im November (so berichten mir Kollegen, die erstmals einen Augenarzt brauchen).
Der Winterschlaf ist vorbei. Der Artikel liest sich, nett gesagt, ungut. M. E.

https://www.aerztezeitung.de/politik_ge ... chsen.html

Grüße und ein schönes Wochenende
Christiane

Ah, Barnie, ich sollte vielleicht dazusagen:

Verfasst: 05.04.19, 20:48
von PR
die 12 Parkplätze am Haus sind für die Ärzte, die dafür einen Haufen Geld gezahlt haben.
Die Praxen waren alle zu. Das wollen auch Ihnen diese Worte sagen.

PR

Ja klar kommen die Heuschrecken-Emmvauzetts

Verfasst: 05.04.19, 21:02
von PR
@Christiane

und damit alles, was ich in anderen Zusammenhängen an klaren medizinischen und ärztlichen Nachteilen dieser "Versorgungsform" beschrieben hab. Natürlich haben die keinen Sicherstellungsauftrag. Natürlich gehen die nur in gute Lagen, natürlich sind die nicht auf mindestens eine Lebensarbeitszeit hin ausgelegt, natürlich sind die ruckzuck wieder weg, wenn die Rentabilität abnimmt (oder die Anschubfinanzierung alle ist), natürlich sitzt da jedesmal ein andrer Doc, und natürlich biegen die sich mit der Zeit die KVen zurecht.

No, wenigstens haben die Sachsen mit sowas Erfahrung aus der Zeit Walters des Bärtigen.

Und um die KVen ist's nicht schad, wenn die dabei mal überflüssig werden.

PR