PM: Ärzte sollten Budgetgrenzen nicht überschreiten

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Welche Leistungen werden denn „nicht bezahlt“?

Beitrag von PR » 11.07.18, 15:17

Alle, die in einer Arbeitszeit erbracht werden, die über 20 Wochenstunden hinausgeht.
Das ist die durchschnittliche Anzahl "Sprechstunden", die die kranken Kassen bei allen Kassenärzten zusammen einkaufen.

Andersrum: diese Zahl kommt zustande, indem die Formel angewendet wird, die ich hier mehrfach zitiert hab, und macht sie sinnfällig: (Fach-)Arztlohn plus Amortisierung aller Anschaffungen plus alle Laufkosten plus ein kleiner Investorlohn zusammen - wie viele Arbeitsstunden am Patienten sind damit betriebswirtschaftlich sinnvoll ? Das sind die zwanzig Stunden pro Wochen.

Da kann die Pfeiffentante sich auf den Kopf stellen und mit den Füßen wackeln...

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Timmie2
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Re: PM: Ärzte sollten Budgetgrenzen nicht überschreiten

Beitrag von Timmie2 » 11.07.18, 15:50

PR hat geschrieben:Welche Leistungen werden denn "nicht bezahlt"?
Alle, die in einer Arbeitszeit erbracht werden, die über 20 Wochenstunden hinausgeht.
Das ist die durchschnittliche Anzahl "Sprechstunden", die die kranken Kassen bei allen Kassenärzten zusammen einkaufen
Was hat die Präsenzpflicht denn mit dem Budget zu tun? 20 Stunden wöchentlich hat ein Vertragsarzt mit vollem Versorgungsauftrag mindestens für Sprechstunden zur Verfügung zu stehen.

Das Budget (RLV) dagegen richtet sich nicht nach der Sprechzeit sondern nach der Anzahl der RLV-relevanten Fälle im Vorjahresquartal.
Idividuelles RLV = Fallzahl des Arztes x Fallwert der Arztgruppe x Altersfaktor

Barnie Geröllheimer
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Re: PM: Ärzte sollten Budgetgrenzen nicht überschreiten

Beitrag von Barnie Geröllheimer » 11.07.18, 15:51

PR hat geschrieben:Wer soll da drin sitzen ?
Nebst Optiker, Hebammen, Zahntechnikern, Physiotherapeuten, Krankenfahrern etc.pp sitzt da mal vor allem der niedergelassene Arzt mit seinen Patienten.
Der Arzt fühlt sich von den Kassen gef!ckt, also f!ckt er den Patienten.

Das nenne ich ein gemeinsames Boot.
PR hat geschrieben:Alle, die in einer Arbeitszeit erbracht werden, die über 20 Wochenstunden hinausgeht.
Jeder darf seinen Laden gern geöffnet lassen, so lange er möchte, aber eine "Sicherstellung" ärztlicher Versorgung ist das nicht, wenn mit 20 Std. Ladenöffnung eine VOLLZEIT-Planstelle besetzt ist.
Möchte jemand - aus welchen Gründen auch immer (Familienplanung, Unzufriedenheit mit der Gesamtsituation) - halt nur noch 20 Std. am Kassenpatienten arbeiten, muss das sofort weitere (Teilzeit-)Planstellen erzeugen.
Dafür stehen uns die Kassen und die Selbstverwaltung gerade!

jaeckel
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Re: PM: Ärzte sollten Budgetgrenzen nicht überschreiten

Beitrag von jaeckel » 11.07.18, 17:16

Barnie Geröllheimer hat geschrieben:Dafür stehen uns die Kassen und die Selbstverwaltung gerade!
:lol: Der Trick bei der Selbstverwaltung ist doch gerade, dass Verantwortlichkeiten so verteilt werden, dass niemand und nichts im System für das angerichtete Trümmerfeld Verantwortung übernehmen muss.
Alles Gute!

Herzlichen Gruss
Ihr

Dr. med. Achim Jäckel
Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie und Nephrologie
Intensivmedizin, Notfallmedizin, Hypertensiologe (DHL)

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„Was hat die Präsenzpflicht denn mit dem Budget zu tun ?“

Beitrag von PR » 11.07.18, 19:50

Hatt ich versucht, Ihnen nahezubringen timmiezwoo. Lässt sich das Eine (die 20 Kassensprechstunden pro Woche) unter Anwendung betriebswirtschaftlicher Vernunft aus dem Anderen (Budget = zwischen zwei Behörden „verhandelte“ Gesamtvergütung der kranken Kassen) durch schlichte Division errechnen, timmiezwooo

Das Eine trifft mit dem Anderen in den Praxen der „selbständigen“ Kassenärzte regelhaft zusammen. Könnse zwarnich wissen, drum sagsichihnen.

Der ärztliche Nachwuchs hat’s aber mittlerweil überwiegend kapiert und fällt daher kaum mehr in derartige Denkfallen.

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Re: PM: Ärzte sollten Budgetgrenzen nicht überschreiten

Beitrag von Barnie Geröllheimer » 11.07.18, 20:00

jaeckel hat geschrieben:
Barnie Geröllheimer hat geschrieben:Dafür stehen uns die Kassen und die Selbstverwaltung gerade!
:lol: Der Trick bei der Selbstverwaltung ist doch gerade, dass Verantwortlichkeiten so verteilt werden, dass niemand und nichts im System für das angerichtete Trümmerfeld Verantwortung übernehmen muss.
Okay, lassen wir mal beiseite, warum man solche "Verwaltungen" nach wie vor seit mehr als 30 Jahren teuer bezahlt....., was hat all das den Patienten zu interessieren, der im Herbst/Winter bei Dr. Dietrich noch eine Therapie benötigt, dort aber abblitzt, weil der Herr Dr. Dietrich befürchtet, sein Budget zu überziehen?

Ja, die Politk muss für die nötigen Rahmenbedingungen sorgen, dass es genügend Mediziner in unserem Lande gibt.
Ja, die Kassen müssen dafür sorgen, dass flächendeckend eine akzeptable medizinische Versorgung gewährleistet ist.
Ja, die KVen haben dafür zu sorgen, das genügend Planstellen geschaffen und auch qualitativ ausreichend besetzt werden
Ja, der Beitragszahler hat all das zu finanzieren, aber keinen Einfluss auf die Verwendung seines Geldes.

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Was liegt näher, barnie,

Beitrag von PR » 11.07.18, 21:31

als dass die Beitragszahler sich mit derlei Fragen an die Beitragsnehmer wenden ?

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Timmie2
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Re: PM: Ärzte sollten Budgetgrenzen nicht überschreiten

Beitrag von Timmie2 » 11.07.18, 21:53

PR hat geschrieben:Hatt ich versucht, Ihnen nahezubringen timmiezwoo. Lässt sich das Eine (die 20 Kassensprechstunden pro Woche) unter Anwendung betriebswirtschaftlicher Vernunft aus dem Anderen (Budget = zwischen zwei Behörden „verhandelte“ Gesamtvergütung der kranken Kassen) durch schlichte Division errechnen, timmiezwooo
Dann rechnen wir doch mal:
Die Einnahmen der Arztpraxen lagen im Jahr 2015 bei durchschnittlich 507.000 Euro je Praxis (Reinertrag 258.000 Euro/Praxis). Mit 70,4 % entfiel der überwiegende Teil der Einnahmen auf Kassenabrechnungen…bei 20 'eingekauften' Wochenstunden...
(Quelle: Stat. Bundesamt)

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Re: PM: Ärzte sollten Budgetgrenzen nicht überschreiten

Beitrag von Barnie Geröllheimer » 12.07.18, 09:02

Timmie2 hat geschrieben:Die Einnahmen der Arztpraxen lagen im Jahr 2015 bei durchschnittlich 507.000 Euro je Praxis (Reinertrag 258.000 Euro/Praxis). Mit 70,4 % entfiel der überwiegende Teil der Einnahmen auf Kassenabrechnungen…bei 20 'eingekauften' Wochenstunden...
Das scheint mir extrem hoch. Wenn für die Ophtalmologen die 280.000€ Durchschnitt stimmen, dann müssen welche 560.000 Umsatz machen und andere keinen Cent. :mrgreen:

Ich schätze, dass die Zahl nicht zwischen Einzelarzt-Praxis und Mehrärzte-Praxis unterscheidet. Fairerweise müsste man den Umsatz pro Arzt kennen und bewerten.

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Re: Was liegt näher, barnie,

Beitrag von Barnie Geröllheimer » 12.07.18, 09:14

PR hat geschrieben:als dass die Beitragszahler sich mit derlei Fragen an die Beitragsnehmer wenden ?PR
Korrekt, wenn Sie damit die GKV meinen. Ich postuliere schon fast so lange wie Sie das Ende des Schweinesystems die dringende Notwendigkeit einer effektiven Kassenaufsicht und des g-BA, am besten durch die Beitragszahler.
Nur ändert das üüüüüberhaupt nix daran, dass Ihnen nach wie vor die Selbstverwaltungsorgane Ihre Salami vom Brötchen holen und Sie mit dem harten Brötchen abspeisen würde, woraufhin Sie womöglich - sofern noch unter der Kassenknute - weiterhin die Beitragszahler schikanieren würden.

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Ihre Durchschnitt-Spielchen, timmiezwoo,

Beitrag von PR » 12.07.18, 09:21

die sind sowas von abgedroschen, und richtiger werden sie vom Wiederkäuen halt auch nicht.

Ich schikanier kein Kassenmitglied mehr, mich schikanieren die kranken Kassen noch zwei drei Jahre Quartal für Quartal mit Negativhonorar, und gut is.

Dafür gabs halt auch keine Nachfolger und fehlt jetzt einer am Ort.

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Re: PM: Ärzte sollten Budgetgrenzen nicht überschreiten

Beitrag von Barnie Geröllheimer » 12.07.18, 10:10

PR hat geschrieben:Ich schikanier kein Kassenmitglied mehr, mich schikanieren die kranken Kassen noch zwei drei Jahre Quartal für Quartal mit Negativhonorar, und gut is.
Ich will damit nur sagen, dass wir "da draußen" nichts für den Geldfluss zwischen Ihnen und der KV tun können. Mir scheint aber das einer der gewichtigsten Kritikpunkte am System zu sein, der zur "Misshandlung" der Patienten führt.

An dieses Schlachtfeld müssten die Ärzte selbst 'ran...

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Re: Für dermaßen naiv halt ich Sie jetzt aber nicht,

Beitrag von Parasympathikus » 12.07.18, 10:17

... auch noch selber glauben.
Vielleicht ist Naivität das Kostrastprogramm zu launischen, vorlauten und sich irgendwie immer für überlegen haltenden Fachärzten, die es für alle Zeit für unmöglich halten, dass eines Tages patientenfreundlichere Lösungen geben könnte.
Fakt ist : niemand droht wemauchimmer mit Geiselhaft
. Da sollten SIE mal Ihre Naivität ablegen oder einen Perspektivwechsel machen. Wenn jemand allen Ernstes Patienten mit einer Rechnungsstellung für Kassenleistungen droht, um am Patienten stellvertretend seine Zwistigkeiten mit dem System auszutragen, dann ist das schon nicht mehr nur Geiselhaft, sondern ein Fall für den Staatsanwalt.
Merke: das Schweinesystem ist am Ende.
Gut möglich. Jedenfalls muss sich die Politik nicht vorwerfen lassen, nicht alles dafür getan zu haben :). Solche menschenfeindlichen Dilemmata werden jedenfalls explizit vom System erzeugt, geduldet und gewollt. Wohl dem, der am lautesten schreien kann und der nicht am Ende der Schöpfungskette steht, auf dem alle ihren Müll abladen.
Viele Grüße,

Parasympathikus

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Mein Perspektivwechsel

Beitrag von PR » 12.07.18, 12:26

ist am 01.10.2017 erfolgt. Seitdem brauche ich nach vierzig Jahren keine patientenfreundliche Medizin mehr auf meine Kosten zu machen.

Hab aber freilich diese ganzen Geschichten, die ich seit etlichen Jahren h i e r erzähle, auch den neun jungen Kolleginnen / dem einen jungen Kollegen erzählt, die sich mal kurz überlegt hatten, meine Nachfolge anzutreten und meine Praxis für 0 € zu übernehmen, und ihnen die EÜ-Rechnungen der letzten drei Jahre und die Praxiswertermittlung der KV gezeigt. Danach war das Thema Praxisübernahme vom Tisch. Die bleiben als Angestellte, wo sie sind und haben damit komplett Recht.

Und Sie dürfen sich dann schon mal überlegen, wem Sie künftig Dummsprüche wie den von der Geißelnahme um die Ohren hauen wollen.

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Beitrag von Parasympathikus » 12.07.18, 13:29

PR hat geschrieben: (Perspektivwechsel) ist am 01.10.2017 erfolgt.
Erst, wenn Sie ab jetzt GK-versichert sind und mal ernsthaft auf die Hilfe eines Kollegen angewiesen sind.
Seitdem brauche ich nach vierzig Jahren keine patientenfreundliche Medizin mehr auf meine Kosten zu machen.
Es sei Ihnen nach der Zeit gegönnt. So wirklich losgekommen davon sind Sie mental aber noch nicht.
Und Sie dürfen sich dann schon mal überlegen, wem Sie künftig Dummsprüche ....
Genau das meinte ich mit den "launischen und vorlauten" Kandidaten. Aber ich befürchte, Sie können nach 40 Jahren gar nicht mehr anders.
Viele Grüße,

Parasympathikus

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