Ein System ist am Ende

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Ein System ist am Ende

Beitrag von PR » 16.05.18, 13:15

Ein System ist am Ende. Ein Schweinesystem, genauer gesagt. Es stammt aus den Zeiten der Hitlerei, und hat seine Vorteile für Regierende dank treudeutscher Funktionäre bis heut erhalten.

https://www.zi.de/presse/2018/16-mai-2018/

Das mit den Vorteilen wird bald anders, bloß sagt das noch keiner laut genug.

Laut gesagt wird: die Tante Emma Praxis hat endlich ausgedient ! Der Einzelkämpfer ist tot ! Schließen Sie sich zusammen ! Gründen Sie Emmvauzetts ! Nutzen Sie Synergien !

Und, was ist ? Fakt ist: wo immer Freiberufler Angestellten gewichen sind, rechnet sich die Schoose nicht. Aufm Land nicht, in der Stadt nicht, im Allgemeinen nicht, und gleichermaßen im Spezialfach auch nicht.

Und, was macht die Politik ? Was macht das ach so coole Spähnchen, und seine Scheffin macht mit ?

Richtig ! Da weiter wo sämtliche Sozis längst gescheitert sind: Planwirtschaft, Entmutigung jeglicher Eigeninitiative, Förderung der Sklavenmentalität.

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Barnie Geröllheimer
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Re: Ein System ist am Ende

Beitrag von Barnie Geröllheimer » 16.05.18, 13:59

Juckt Sie ´s noch?

Normalerweise würde ich mir ja eher die Finger abbeißen, als ein weiteres Mal auf das ewige Gejammer zu antworten, aber der nachfolgende Passus aus dem verlinkten Text wäre bei erbrachtem Nachweis ein Klopper hoch 3:
„Die Unterschiede lassen vermuten, dass die Fachabteilungsstruktur in den nicht-vertragsärztlichen MVZ möglicherweise auf die zugehörige Klinik ausgerichtet ist. Hierfür nehmen die Krankenhausträger offenbar auch Verluste der von ihnen gegründeten ambulanten Einrichtungen in Kauf“,...
Wenn das dahingehend zu verstehen ist, dass die Ambulanzen mit womöglich vorgeschobenen oder dramatisierten Diagnosen für die Auslastung der Betten in den Kliniken sorgen sollen/wollen und dafür honoriert werden, dann wäre das ein Skandal der besonderen Sorte.

Nur hat das nicht viel mit dem "Ende des Systems" zu tun, das Gemauschel gab es wahrscheinlich schon immer. Mit den MVZen wäre es aber eine nie dagewesene Dimension.

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Oha, Sie haben sich mit der Materie

Beitrag von PR » 16.05.18, 15:16

offenbar mittlerweile näher beschäftigt.

Ja klar. Die Kliniken benutzen ihre Emmvauzetts immer intensiver und gezielter als Staubsauger und Zuweisungsautomaten. Muss ja schließlich mehr Wettbewerb ins Gesundheizwesen, oder ?

Und selbst die peenuts, die sie für Ambulantes kriegen (oder draufzahlen), werden selbstredend den Zerfall der wirtschaftlichen Selbständigkeit von Einzelärzten enorm beschleunigen. Die Generation Chefärzte, die das noch nicht so gemacht hat, dankt ja soeben auch ab (war eben beim 65. eines zweiten fachrelevanten Chefarztes im Landkreis gewesen).

Mich juckt das tatsächlich nicht mehr. Erstens sowieso nicht, und zweitens bin ich (schon immer für nicht wenig Geld) als Patient tatsächlich versichert.

Das System: "Versicherung" versprechen und das Versprechen andere halten lassen i s t am Ende.

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Re: Ein System ist am Ende

Beitrag von jaeckel » 17.05.18, 05:48

Barnie Geröllheimer hat geschrieben:Mit den MVZen wäre es aber eine nie dagewesene Dimension.
Das "wäre" kann man getrost mit "ist" ersetzen. Na da gibt es doch einen Konsens in der Sache. Danke PR, dass Sie hier vielen Mitlesern die Augen öffnen!
Alles Gute!

Herzlichen Gruss
Ihr

Dr. med. Achim Jäckel
Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie und Nephrologie
Intensivmedizin, Notfallmedizin, Hypertensiologe (DHL)

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Re: Ein System ist am Ende

Beitrag von Barnie Geröllheimer » 17.05.18, 09:37

Die Medien haben afaik noch nie darüber berichtet.
Vielleicht sollte man das Thema mal für Recherchen empfehlen! :evil:

Was ich nicht verstehe: Wie geht das mit den permanent sinkenden Bettenzahlen und der sinkenden Verweildauer einher? In Anbetracht mangelnden Personals müssten höhere Fallzahlen doch auch mehr und längere Bettenbelegungen bedeuten?!

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Re: Ein System ist am Ende

Beitrag von Timmie2 » 17.05.18, 14:20

Barnie Geröllheimer hat geschrieben:Wenn das dahingehend zu verstehen ist, dass die Ambulanzen mit womöglich vorgeschobenen oder dramatisierten Diagnosen für die Auslastung der Betten in den Kliniken sorgen sollen/wollen und dafür honoriert werden, dann wäre das ein Skandal der besonderen Sorte...
Was ich nicht verstehe: Wie geht das mit den permanent sinkenden Bettenzahlen und der sinkenden Verweildauer einher? In Anbetracht mangelnden Personals müssten höhere Fallzahlen doch auch mehr und längere Bettenbelegungen bedeuten?!
Mit den Fallzahlen stiegen auch die Landesbasisfallwerte und damit die durchschnittlichen Preise pro Krankenhausfall. Das DRG-System schafft zudem finanzielle Anreize einen Fall möglichst kostengünstig abzuwickeln und überflüssige Leistungen lassen sich kostengünstiger erbringen, da die Komplikationsraten deutlich geringer sind. Passt doch.
Finanziell unattraktive und komplikationsträchtige Fälle sind den Krankenhäusern vermutlich genauso lästig wie niedergelassenen Ärzten.

Barnie Geröllheimer
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Re: Ein System ist am Ende

Beitrag von Barnie Geröllheimer » 17.05.18, 14:30

Das wird ja immer besser.. :evil:
Also sind primär diejenigen Patienten "angepassten" Diagnosen ausgeliefert, denen eine Flatulenz quersitzt, wogegen ein multimorbider Bechterew-Patient wie mein Schwager, der nun schon einige Zeit auf seinen Termin in der Klinik wartet, mit dem Ofenrohr ins Gebirge gucken muss!

Was für ein Saustall! :evil:

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Höhere Fallzahlen führen in pauschalisierter Umgebung (DRG)

Beitrag von PR » 17.05.18, 21:44

keineswegs zu längeren Verweildauern. Im Gegenteil zu immer blutigerer Entlassung.

Grund: 1 Tag länger wird nicht bezahlt (einfach gar nicht), wenn nicht durch zusätzliche Diagnosen unterfüttert.

Es gibt lähääängst keinen ökonomischen Grund mehr, jemanden länger da zu behalten.
Aber es gibt jeden Grund, den "Markt" nach neuen Fällen anzugraben.

Wer hat's erfunden ?
Die Sozis. Die Namen dazu: Lauterbach, Knieps. Letzterer firmiert nicht mehr als Sozi.

Das System ist am Ende.

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"mehr Bettenbelegung"

Beitrag von PR » 17.05.18, 22:02

Haben Sie mal einen Bauingenieur gefragt, um wieviel Prozent die technische Traglast einer Brücke ihre Nenn-Traglast übersteigen muss ? (Ich hab, eine meiner Schwiegertöchter ist Bauingenieurin.)

Haben Sie mal einen vom Bunzverbanz der kranken Kassen gefragt, ah oh kaka, um wie viel Prozent, dass er meint, dass die vorgehaltenen Intensiv"betten" deren tatsächliche Auslastung zu übersteigen haben, falls dort noch Humanmedizin betrieben werden soll ? (Ich hab vor Jahren mal in der Zeitung gelesen, wie viele Intensiv-Beatmungsplätze die AOK am Hochrhein für nötig hält.)

Der Unterschied zwischen den beiden Antworten ist zwei Zehnerpotenzen groß, ah oh kaka.

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Re: Ein System ist am Ende

Beitrag von Timmie2 » 17.05.18, 22:33

PR hat geschrieben:Mich juckt das tatsächlich nicht mehr. Erstens sowieso nicht, und zweitens bin ich (schon immer für nicht wenig Geld) als Patient tatsächlich versichert...

Das System: "Versicherung" versprechen und das Versprechen andere halten lassen i s t am Ende.
DRGs (Fallpauschalen) gelten auch für "tatsächlich Versicherte" und die Anreize zur "Überversorgung" im ambulanten Sektor sind bei Privatpatienten sogar noch größer. Nicht das "System" an sich ist das Problem sondern die "Ökonomisierung" in der Medizin.

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So isses. Kommen freilich die Rechnungen

Beitrag von PR » 17.05.18, 23:09

der mehr oder minder beteiligten Chefärzte hinzu. Hab sie gezahlt. Wie viel davon genau erstattet wurde, war mir egal. Die Chefs leiten Abteilungen, die ziemlich gut funktionieren, und sind längstens verpflichtet, ordentlich viel davon denen davon abzugeben, die die Arbeit wirklich gemacht haben.

Das ist bei den kranken Kassen seit längster Zeit nicht mehr der Fall.

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PS 1: Hätten Sie mal eben eine aktuelle Definition von ärztlicher Überversorgung parat, timmiezwoo ?
PS 2: Sehen Sie denn nicht, wie Sie sich selbst widersprechen, timmiezwoo ? Auch die echten Versicherungen entlohnen doch die "Überversorgung" seit längster Zeit nicht mehr !
Da wollen doch bloß noch Sozis Sozialneid schüren !
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Re: Ein System ist am Ende

Beitrag von Timmie2 » 18.05.18, 14:33

PR hat geschrieben:Freilich kommen die Rechnungen der mehr oder minder beteiligten Chefärzte hinzu. Hab sie gezahlt. Wie viel davon genau erstattet wurde, war mir egal.
Schön für Sie wo Sie sich doch als finanziell furchtbar gebeutelter Arzt jahrzehntelang von Ihrer „Hauptsponsorin“ finanzieren lassen mussten…
PR hat geschrieben:Hätten Sie mal eben eine aktuelle Definition von ärztlicher Überversorgung parat, timmiezwoo ?
Betriebswirtschaftlich motivierte Verschiebung der Versorgung in lukrative Bereiche?
PR hat geschrieben:Sehen Sie denn nicht, wie Sie sich selbst widersprechen, timmiezwoo ?
Nö, inwiefern?
PR hat geschrieben:Da wollen doch bloß noch Sozis Sozialneid schüren
"Sozialneid ist ein Kampfbegriff der Privilegierten der immer dann eingesetzt wird, wenn Ungerechtigkeit und Privilegien angeprangert werden. Neid klingt nach Missgunst, unsympathisch. Den Neider kann keiner leiden. Neider, so suggeriert das Wort, sind immer die Unterlegenen und Habenichtse, die es zu nichts gebracht haben. Worauf sie neidisch sind, so der im Wort mitschwingende Vorwurf, sind nicht die Privilegien, die ein anderer genießt, sondern es ist in Wirklichkeit dessen Leistung. Neid klingt immer ungerechtfertigt, ja unmoralisch..." (Von echten Nöten und neoliberalen Mythen).

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Wohingegen Funktionäre, die Sozialneid schüren

Beitrag von PR » 18.05.18, 15:56

und zu dem Zweck ungeprüften Unsinn raushauen, moralisch hochstehende Gipsfigüren sind ?

Genau die von Ihnen demonstrierte unerleuchtete uninformierte Polemik ist es, die dafür gesorgt hat, dass eins der besten Gesundheitsfürsorgesysteme eben dabei ist, gegen die Wand zu krachen:
ein Drittel der viel propagierten Emvauzetts arbeitet unrentabel.

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Re: Ein System ist am Ende

Beitrag von Timmie2 » 18.05.18, 22:07

PR hat geschrieben:ein Drittel der viel propagierten Emvauzetts arbeitet unrentabel.
Skandal! Dazu auch noch überwiegend MVZs in Trägerschaft von Kliniken oder Kommunen. Dafür erzielten 74 % der MVZ (überwiegend in städtischen Regionen) satte Gewinne (42 % über 100.000 Euro) und machen Praxisinhabern in Ballungszentren Konkurrenz. Konzentration von Standorten und Leistungen zulasten der Versorgung in der Fläche? Würde passen zur betriebswirtschaftlich motivierten Verschiebung der Versorgung in lukrative Bereiche. Ökonomisierung halt...

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Re: Ein System ist am Ende

Beitrag von Humungus » 19.05.18, 09:41

Timmie2 hat geschrieben:Dafür erzielten 74 % der MVZ (überwiegend in städtischen Regionen) satte Gewinne (42 % über 100.000 Euro)
Timmie, wie ich Sie einschätze erinnern Sie sich noch an die Zahlen von Politik, destatis und KBV, die mal über Ärztegewinne lanciert wurden. Die lagen doch erheblich höher. Oder sind bei den MVZs die Ärztegehälter schon abgezogen?
Konzentration von Standorten und Leistungen zulasten der Versorgung in der Fläche? Würde passen zur betriebswirtschaftlich motivierten Verschiebung der Versorgung in lukrative Bereiche. Ökonomisierung halt...
Selbstverständlich. Diese natürliche unternehmerische Bewegung kann nur durch Steuerung verhindert werden.

Früher, als die KV-Sitze überall begehrt waren, wurde die Gründung von MVZs schon dadurch verhindert, dass Ärzte wegen ihrem berufs- oder persönlichkeitsimmanenten Egoismus einen Zusammenschluss verweigerten (die "Scheidungsrate" von Gemeinschaftspraxen ist sehr hoch). Außerdem war das Aufkaufen durch Konzerne verhindert. Die Politik hats so gewollt, die Politik hats möglich gemacht: unattraktive Sitze auf dem Land verwaisen, und Stadtsitze werden durch Konzerne besetzt. Denen sind die Verluste von MVZs auch egal, weil diese die OP-Fälle ins Krankenhaus saugen und dort Gewinn generieren.
Augenarzt? Flatrate. Für nur 18 Euro all you can (tr)eat, ein ganzes Quartal lang! DAS ist heutige Gesundheitspolitik.

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