Die Bürgerversicherung - ein Witz

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Humungus
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Re: Die Bürgerversicherung - ein Witz

Beitrag von Humungus » 12.12.17, 11:54

Barnie Geröllheimer hat geschrieben:Glauben die im Ernst, dass man eine Selbständigkeit (ob Arzt oder Bäcker) mit demselben Arbeitsaufwand und denselben Konditionen ausüben kann wie als Angestellter?
Eben. Und weil die früheren Vorteile der Selbständigkeit (freies Planen und Arbeiten, "eigener Chef", mehr Verdienst) gegenüber den Nachteilen zurückfallen, will niemand mehr.
Der Patient kann nichts dafür, dass Ihnen die Kassen noch zum Arbeitsende hin einen Praxisumbau aufs Auge gedrückt haben.
Der Patient kann auch sonst nichts für die Misswirtschaft von Politik und KrankerKassen, er ist nur die Manövriermasse. Kreuzchen machen und es den Abgeordneten vorher sagen. Nur: wo???
Es sind mit Sicherheit schlicht die Gehälter, die in einer Klinik winken. Aber das wird nicht so bleiben, dafür verwette ich meinen Hintern.
Gewöhnen Sie sich daran ohne Ihren Hintern auszukommen. Es gibt immer weniger Ärzte und immer mehr Bedarf, der auch durch ausländische Ärzte nicht zufriedenstellend gedeckt werden kann. Schon jetzt klagen Patienten und Oberärzte über Assistenten, die eigentlich kein Deutsch reden. Was das für den Alltag und besonders für den Notfall heißt, kann man sich vorstellen.

Und es geht keinesfalls nur um das Gehalt. Es geht auch darum, nicht selber den Kopf hinhalten zu müssen. Nicht selber organisieren, Urlaub und Krankheit nicht selber zahlen müssen. Teilzeit als Selbständiger? Das geht nur, wenn man auf Umsatz verzichtet oder auf Gewinn, wenn man jemanden einstellt. Im Krankenhaus? Kein Problem, die sind froh wenn sie überhaupt jemanden haben.

Das geht noch ein paar Jahre "gut", dann kehrt sich das wieder um in Zustände, wie sie noch meine Vorzeigeärztin erlebt hat, nämlich während der Facharztausbildung der Putzlappen für den Herrn Oberarzt oder Frau Oberärztin zu sein.
Hab ich auch so erlebt, da war man erst ab Facharzt ein Mensch. Damals gab es aber ein deutliches Überangebot an Ärzten. Können Se vajessen.
Augenarzt? Flatrate. Für nur 18 Euro all you can (tr)eat, ein ganzes Quartal lang! DAS ist heutige Gesundheitspolitik.

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Re: Die Bürgerversicherung - ein Witz

Beitrag von Barnie Geröllheimer » 12.12.17, 12:14

Der Krug geht so lange zum Brunnen bis er bricht.

Haben Sie meinen Nachtrag gelesen?
87,8 Mrd haben die Kliniken in D gekostet und in 2017 werden die Kosten nicht gefallen sein. Und noch sind nicht alle (Arzt- und Pflege-)Stellen besetzt!

Wo soll denn das bei den derzeitigen Gehältern noch hinführen? Oder genauer gefragt: Wer soll denn das noch bezahlen in einem Land, in dem sich eine überalterte Bevölkerung und Altersarmut breit macht?

Es war stets so, dass bei Fässern ohne Boden irgendwann plötzlich ein knallharter Aufschlag kam. Ich wünsche es niemandem, aber rechnen wir mal lieber damit...!

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Ich mach keinen Wind

Beitrag von PR » 12.12.17, 13:41

um Gynäkologinnen, meine liebsten Patientinnen sind Gynäkologinnen...
;-)
sondern sag: wenn die Medizin weiblich wird, wird sie

1. enorm viel teurer
2. die gleiche Arbeit wird auf deutlich mehr Rücken verteilt
3. das macht den Aufwand, der nötig ist, damit eine weiß, was die andere gemacht hat (den "Übergabe-Aufwand), enorm viel größer
4. wird er nicht betrieben, und das beobacht ich in der Großpraxis im Nachbardorf, sinkt die Qualität der Arbeit gewaltig

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Re: Die Bürgerversicherung - ein Witz

Beitrag von Christianes Herz » 14.12.17, 13:47

Aha. Herr Lauterbach stellt klar: Es soll nicht eine Kasse, sondern 100 geben. Sowohl gesetzliche als auch private. Der Unterschied zum aktuellen System ist, dass jede (egal ob gesetzlich oder privat) jeden Bürger aufnehmen und bedienen muss. So ist der Wettbewerb untereinander (Herrn Lauterbachs Ansicht nach) gewährleistet. Die Bezahlung für die Behandlung soll gleich sein (egal ob im Krankenhaus oder ambulant vollzogen).
http://www.handelsblatt.com/politik/deu ... 03138.html

CDU/CSU können sich vorstellen, die Honorare der Ärzteschaft anzugleichen (EBM an GOÄ bzw. umgekehrt, also EBM vollfett oder GOÄ mager. Welche Version gewählt wird, wird dann die Zustimmung oder die Ablehnung der Ärzte ausmachen, also vorher festgelegt werden sollen/müssen. Da hätte die FDP noch etwas tun können. Aber die ist nun weg als Zünglein an der Waage.

Morgen Abend soll endlich geklärt werden, ob die SPD vielleicht eine Möglichkeit für eine Gesprächsbereitschaft zum unter Umständen Ausloten, ob eine GroKo eine Zukunft sein könnte, sieht? Blickt noch einer von Euch/Ihnen durch, wie der Fahrplan ist?

Frdl. Grüße
Christiane

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Re: Die Bürgerversicherung - ein Witz

Beitrag von Barnie Geröllheimer » 14.12.17, 15:10

:mrgreen: :mrgreen:

Damit ist die Lachplatte komplett!

Was soll denn der Sche!ß, Herr Lauterbach? :mrgreen:

Wie finanzieren sich die "gesetzlichen", wie die "privaten"?
Wie werden die Kassen wohl ihre Rendite zu optimieren versuchen, wenn sie "in Wettbewerb" zueinander stehen, aber Kontrahierungszwang besteht und es keinen RSA mehr gibt?
Welchen Status sollen die Kassen haben, dürfen sie (oder wenigstens die "privaten") z.B. Gewinne erwirtschaften?

Und schon ist die SPD wieder dabei, sich lächerlich zu machen.

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Welchen Status sollen die Kassen haben

Beitrag von PR » 14.12.17, 20:07

Träum ich oder wach ich ?

Da fängt nach all den Jahren einer an, m e i n e Fragen seit Anbeginn hier zu stellen.

Ich hätt da ja noch eine:
http://www.medizin-forum.de/phpbb/viewt ... 0&t=125326

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Re: Die Bürgerversicherung - ein Witz

Beitrag von Christianes Herz » 15.12.17, 13:51

Barnie Geröllheimer hat geschrieben::mrgreen: :mrgreen:

Und schon ist die SPD wieder dabei, sich lächerlich zu machen.
Wenn die Union die Honorare angleicht, macht sie sich nicht lächerlich?

Frdl. Grüße
Christiane

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Re: Die Bürgerversicherung - ein Witz

Beitrag von Barnie Geröllheimer » 15.12.17, 16:09

Christianes Herz hat geschrieben:Wenn die Union die Honorare angleicht, macht sie sich nicht lächerlich?
Darum ging es mir nicht. Abgesehen davon wird ein Arzt auch bei Angleichung des EBM an die GOÄ oder umgekehrt immer noch den Patienten bevorzugen, der ihm weniger Arbeit bereitet und von dem die Rechnung schneller beglichen ist. Das ist i.d.R. NICHT die GKV, auch dann nicht, wenn Abschlagszahlungen geleistet werden oder der Arzt seine Forderungen verkauft hat.

Aber der komplette Sinn einer BV wird in geradezu schwachsinniger Form ad absurdum geführt, wenn man jetzt wieder versucht, mit allen bis hin zur "tollen" CSU lieb Kind zu sein und dabei das eigentliche Anliegen unterläuft und nur Augenwischerei betreibt.

Die GroKo naht..! Fast könnte man amüsiert sein, wenn man nicht ahnte, dass es wieder solche Vorschläge sind, die der AfD die Anhänger zutreiben.

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das eigentliche Anliegen

Beitrag von PR » 18.12.17, 14:07

das Kalli Klabauterbach mit seiner B.V. verfolgt, ist die "Entlastung" des Staats von grundlegenden Pflichten gegenüber seinen Beamten, hier: Beihilfe im Krankheitsfall. Man kann spekulieren, was dieser Langzeitagent des Großkapitals damit weiter bezwecken will.

Davon ist natürlich in keiner der Nachfolgeverlautbarungen weiterer SPD-Chargen die Rede. Dafür machen die tausendundeine Versprechung, dergestalt, dass es eigentlich kein relevantes gesundheizpolitisches Ziel mehr gäbe, existierte denn endlich "die" B.V.

Von der natürlich nach wie vor keiner von ihnen sagen kann, mit welch konkretem Eingriff ins Geschehen, und mit welcher Gesetzesinitiativen sie denn jemals herbeizuführen wäre. Auch Fliegenkalli nicht.

Die B.V. ist und bleibt ein Witz. Leid tun mir dabei bloß die einfachen SPD-Mitglieder. Angesichts derartiger Figuren in hohen Ämtern kann man ihnen aber eigentlich bloß noch viele weitere Wahlverluste wünschen.

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Re: das eigentliche Anliegen

Beitrag von Humungus » 18.12.17, 14:37

PR hat geschrieben:...dass es eigentlich kein relevantes gesundheizpolitisches Ziel mehr gäbe, existierte denn endlich "die" B.V.
Das ist doch völlig richtig. Der Untergang der ambulanten Medizin ist nachhaltig eingeläutet, die Konzerngefolgschaft saturiert.
Angesichts derartiger Figuren in hohen Ämtern kann man ihnen aber eigentlich bloß noch viele weitere Wahlverluste wünschen.
Die Bürgerversicherung als weiterer Linksruck einer groKo wird weitere Gruppen zu der AfD treiben.
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Re: Die Bürgerversicherung - ein Witz

Beitrag von Barnie Geröllheimer » 19.12.17, 11:38

PR hat geschrieben:das Kalli Klabauterbach mit seiner B.V. verfolgt, ist die "Entlastung" des Staats von grundlegenden Pflichten gegenüber seinen Beamten, hier: Beihilfe im Krankheitsfall. Man kann spekulieren, was dieser Langzeitagent des Großkapitals damit weiter bezwecken will.
Sie könnten damit Recht haben...., stellt sich nur die Frage, weshalb dann die CXU GEGEN die BV ist!?

Leider findet man nirgends mal eine klare Aussage Lauterbachs, in der er seine Vorstellung eine BV en detail erklärt. Ich denke, dass es diese Detailantworten noch nicht gibt.
Ich muss aber konstatieren, dass er auf seiner Webseite schon vor mind. 4 Jahren davon sprach, eine Bürgerversicherung bei Erhalt eines Kassenpluralismus einführen zu wollen.
Das habe ich soooo nie wahrgenommen, halte aber Lauterbach für clever genug, sich Gedanken gemacht zu haben.
Diese würden mich aber brennend interessieren.
Humungus hat geschrieben:Die Bürgerversicherung als weiterer Linksruck einer groKo wird weitere Gruppen zu der AfD treiben.
Eine GroKo ja, die BV glaub ich eher nicht. Aber nehmen wir eine AfD mit 40% Wählerstimmen an.., was macht sie dann Ihrer Meinung nach für das Gesundheitswesen?

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Re: Die Bürgerversicherung - ein Witz

Beitrag von Christianes Herz » 19.12.17, 12:23

Ein Informationspapier des Herrn Lauterbach hat ein User auf FB zur Verfügung gestellt:
https://lookaside.fbsbx.com/file/Karl%2 ... vujdZAqxxg

So stellt er sich das vor, aber die Kanzlerin hat doch bereits abgewunken :roll:

Frdl. Grüße
Christiane

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Re: Die Bürgerversicherung - ein Witz

Beitrag von Barnie Geröllheimer » 19.12.17, 12:36

Vielen Dank, Christiane, muss mal sehen, ob ich meine uralten FB-Zugangsdaten noch iwo finde...

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Desinformationspapier typisch Lauterbach'scher Machart

Beitrag von PR » 19.12.17, 12:59

Es enthält nichts Handhabbares, nichts Greifbares, es ist eine nichtssagende Liste von unrealistischen Versprechungen und Forderungen. Niemand im Bundestag kann sowas in Gesetze gießen.

Die fachärztliche Versorgung für Kassenmitglieder werde besser von der B.V., verspricht er, und das Ende einer wieauchimmer-"Zweiklassenmedizin". Das wird der SPD voll in die Hose gehen. Die Reaktion der Kassenärzte wird sein, dass sie die von K.L. geleugnete Quersubvention ihrer Kassenpraxis durch die Privatpraxis tatsächlich KORREKTUR: nicht mehr realisieren, sondern so vorgehen, wie das ja in allen verstaateten Gesundheizwesen auf der ganzen Welt seit Langem Usus ist: vormittags karge WANZ-Praxis, bis das Budget aufgebraucht ist. Nachmittags organisatorisch, personell, apparativ und fiskalisch vollkommen davon abgetrennt die Sprechstunde für richtige Medizin.

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Zuletzt geändert von PR am 19.12.17, 16:46, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Die Bürgerversicherung - ein Witz

Beitrag von Barnie Geröllheimer » 19.12.17, 15:07

Meine Zugangsdaten hab ich jetzt, aber wenn ich den Link anklicke, bekomme ich nur eine Fehlermeldung "Da ist wohl was schiefgelaufen" zu sehen. Ich entnehme aber dem Kommentar von PR, dass es sich wohl um denselben Text handelt, der auch auf Lauterbachs Webseite steht.
vormittags karge WANZ-Praxis, bis das Budget aufgebraucht ist. Nachmittags organisatorisch, personell, apparativ und fiskalisch vollkommen davon abgetrennt die Sprechstunde für richtige Medizin.
...versteckt hinter einem Beerdigungsinstitut, was? Das brächte Ihnen aber wahrscheinlich einen Spitznamen ein... sowas wie "Gamasche" o.ä. :lachen:

Sie würden versuchen, "Gleichere" unter den Gleichen zu bedienen. Ich bin mir nicht sicher, ob man das offiziell zuließe.

Was glauben Sie? Würde Sie die Rechtsprechung decken? Würde Sie jemand versichern? Gäbe Ihnen jemand eine Anschubfinanzierung?

Außerdem müssten Sie die Ausstattung Ihrer "richtigen" Praxis von ein paar Hanseln finanziert bekommen, die sich einen Arzt mit "richtiger Medizin" noch leisten können und auch noch die Miesen aus der WANZ-Praxis ausgleichen.

Viel Glück dabei :christmas

Gerade hat Humungus in einem anderen Strang betont, dass sich seine Behandlung eines Selbstzahlers von der eines Kassenpatienten nicht unterscheidet, abgesehen von "etwas" mehr Zeit und einem schnelleren Termin.

Das ist aber alles Spekulation. Wir wissen alle noch nicht, was kommt.

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