Die Bürgerversicherung - ein Witz

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dora
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Re: Die Bürgerversicherung - ein Witz

Beitrag von dora » 10.12.17, 21:33

Das Ganze hat 25 Jahre lang funktioniert dank meiner Hauptsponsorin. Die war Landesbeamtin mit zuletzt A 16 und hat die meiste Zeit so viel mit nach hause gebracht wie ich. Dies sind Fakten, die mein Steuermensch immer mal wieder erstaunt zur Kenntnis nehmen durfte.
zwei mal in etwa A 16, kann man da noch jammer ??

:christmas :christmas

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Immer wieder erfrischend, Barnie,

Beitrag von PR » 10.12.17, 22:02

von Ihnen 25 Jahre Betriebswirtschaft vorgerechnet zu kriegen. Jede Menge Ahnung von nix.

Im Vergleich zu den Schweizer Kollegen tät ich mich so verorten: meine Preise liegen entsprechend der jeweils staatlichen Gebührenordnungen (GOÄ / TARMED) ein Drittel bis eine Hälfte unter denen der Schweizer Kollegen. Und meine Mengen liegen da, wo sie ausschließlich medizinisch zu begründen und mit der Patientin abgesprochen sind. Sag ich mal so, um eidgenössische Kollegenschlipse nicht allzu heftig zu betreten. Dennoch protegieren Schweizer Versicherungen Schweizer Ärzte, auch in der Schweiz lebende Deutsche brauchen spezielle Versicherungsverträge, um deutsche Arztrechnungen erstattet zu bekommen.

Am Verrücktesten sind die SVA-Verträge insbesondere der AOK. Die hat die zahllosen Versicherungsmaklerbüros für deutsche Grenzgänger in die Schweiz dazu gebracht, die früher verkauften deutschen Privatversicherungsverträge zu beenden, und den Grenzgängern Schweizer Versicherungsverträge zu verkaufen, am liebsten mit Vivao Sympany, früher ÖKK Basel. Und die dann ins Sozialversicherungs-abkommen zu übernehmen. Dann kommt die Patientin zu mir mit AOK-Schippkart und fühlt sich "privat", ich rechne mit der KV budgetiertes AOK-Honorar ab und hab jedes Regreßrisiko, und die AOK holt sich sodann bei Vivao Basel Schweizer TARMED-Beträge.

Fronkreisch hat vor zwei Jahren alle Privaten in die Einheizversicherung gezwungen, auch die dort lebenden Deutschen dürfen sich nur im Land behandeln lassen, oder zahlen die ausländische Rechnung komplett allein.
Nur wer einen 'schländischen Arbeitgeber und damit eine 'schländische Schippkart hat, darf kostenlos zum 'schländischen Arzt. Sowas kann sich Paris nur leisten, weil das System komplett nach Paris zentralisiert ist, es gibt gar keine regionalen Ansprechpartner, und bis Paris dringen lokale Proteste einfach nie vor.

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Also manchmal glaub ich ja, hier ist ein Phantom

Beitrag von PR » 10.12.17, 22:04

im Raum.

Von wem schreiben Sie, o dora odorata ?

Ich schrieb jedenfalls:
Das Ganze hat 25 Jahre lang funktioniert
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Humungus
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Re: Die Bürgerversicherung - ein Witz

Beitrag von Humungus » 11.12.17, 00:09

Barnie, ganz so einfach ist es nicht. 2,3-fach GOÄ heißt nicht 2,3-fach Kassenumsatz. Das hängt beispielsweise damit zusammen, dass es im EBM eine Grundpauschale für den Erstkontakt im Quartal gibt, in der GOÄ nicht. Es gibt auch Privatpatienten, deren Versicherung zahlt nur 1,8-fach ("Standardtarif"). Und Bedürftige (beispielsweise Insolvente oder Hartzer) landen im Basistarif - 0,9-1,2-fach GOÄ. Natürlich kann man bei privaten Leistungen "kreativ" sein und Leistungen und damit Honorar maximieren, das ist aber keinesfalls jedermanns Sache. Einer der Gründe, warum Hausärzte nicht unbedingt Wert auf eine hohe GOÄ legen. Sie können mir glauben: mein Privatanteil bei 10 Prozent Privatpatienten ist 20 Prozent. Bei einem Erlöschen der GOÄ und der Überführung in den EBM gehe ich somit von 10 Prozent Umsatzverlust aus. Und bitte: hoffen Sie nicht, dass der EBM nach der Einführung der Bürgerversicherung um 10 Prozent erhöht wird.

Ein weiterer Vorteil des Privatpatienten - keine Budgetbindung und damit Honorar für Leistung - fiele auch weg. Die zusätzlichen "neuen" Kassenpatienten würden eher die Gefahr erhöhen, dass das Budget überschritten wird. Die Folge: besonders die Ärzte, die sich auf das IGeLn konzentrieren, würden noch weniger EBM-Patienten behandeln.

Warum Karl Lauterbach das bei seiner Forderung nach der Bürgerversicherung nicht erwähnt? Na, weil der Rhön-Konzern stationär behandelt. Und da werden Zusatzversicherungen weiter gelten.
Augenarzt? Flatrate. Für nur 18 Euro all you can (tr)eat, ein ganzes Quartal lang! DAS ist heutige Gesundheitspolitik.

Barnie Geröllheimer
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Re: Die Bürgerversicherung - ein Witz

Beitrag von Barnie Geröllheimer » 11.12.17, 10:12

Humungus hat geschrieben:Barnie, ganz so einfach ist es nicht. 2,3-fach GOÄ heißt nicht 2,3-fach Kassenumsatz.
Oh ja, das weiß ich nur zu gut. Jedesmal, wenn ich eine Bangerterfolie brauche, werde ich mit Zaunlatten darauf hingewiesen. Der Festbetrag dafür liegt nämlich unter meinem EK. Auch dürfte es in einer Beamtenstadt wie KA prozentual viel mehr PKVler geben als irgendwo in der Pampa.
Es war nicht mehr als eine grobe Einschätzung der Umsatzanteile durch PKVler zu GKVler. Aber ich versuche mal im Web Informationen dazu zu finden.
PR hat geschrieben:Immer wieder erfrischend, Barnie, von Ihnen 25 Jahre Betriebswirtschaft vorgerechnet zu kriegen. Jede Menge Ahnung von nix.
Ich habe Ihnen garnix "vorgerechnet", sondern nach evtl. möglichen Gründen gesucht, warum sich niemand "da unten" niederlassen möchte. Ich habe bislang noch keinen elsässischen Frauenarzt benötigt und weiß nicht, was da verlangt wird. Ich sehe nur, dass ich elsässische Ärzte mit sehr deutsch klingenden Namen in Ihrer Ecke angezeigt bekomme, wenn ich Guuuglmäps bemühe.
Was liegt also näher, als zu vermuten, dass sich am Speckgürtel der deutschen Grenze Ärzte niederlassen, wie sich deutsche Ärzte auch in Pattaya oder deutsche Optiker an der Costa Blanca schier auf die Füße treten.

Mir fällt dann aber auch nix mehr ein, warum sich kein Frauenarzt Ihre Praxis antun will..., höchstens noch ein vorbelasteter Ruf oder zu hoher Investitionsbedarf wegen einer Uralt-Ausstattung und/oder eines zu hohen Arztsitzpreises.
btw.: wieviel wird denn von der KV dafür verlangt?

Wie attraktiv Elsässer Ärzte für Deutsche sind, lässt sich aber klären.., ich habe treue (in D selbständige) Kundschaft, die schon lange im Elsass lebt.
Da kann ich ja mal nachhaken.

Christianes Herz
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Solidarität frisst die Idee der Bürgerversicherung wie Butte

Beitrag von Christianes Herz » 11.12.17, 10:37

PR hat geschrieben:dass kranke Kasse WANZ zahlt und zwanzig Stunden Sprechstunde pro Woche, und sonst nix,
dann springt hier erst mal ein schwäbischer Augenoptikermeister im Viereck, kriegts am End noch am Herz, oder einen manischen Schub.

Und schmeißen sofort kranke Kassen am schon lange nicht mehr rechtsfähigen Ende ihrer Körperschaft, das sich dann gemeinhin "Wissenschaftliches Institut" nennt, (zB. das WIdO), ihre Computer an, und füttern sie mit "Routinedaten", die sie dank Schmulla Schmidt straflos aus Arztpraxen gestohlen haben und weiterhin stehlen. Mit dem schon vorher bekannten Ergebnis, dass WANZ eben WANZ ist, und sonst nichts.

Sie sehen, Christiane, das Schweineystem funktioniert, ah, oh, kaka.

PR
Ja, ich weiß das, aber merken tuns nur die, die krankheitsfolglich die gesetzlichen Kassen in Anspruch nehmen (müssen). Da merken sie aber nur die Wartezeiten. Die sind schlimm genug und oft auch für den Verlauf der Krankheit verantwortlich, aber die Qualität der Medikamente/Therapien sind erst dann ein Thema, wenn ihnen explizite gesagt wird: „Deine Kasse leistet nicht das, was den Privatversicherten zur Verfügung steht.“
Darf ein Arzt das nicht sagen? Wenn nicht bzw. wenn es dort keinen Ungehorsam gibt, wie sollen Patienten dann je merken, dass die angestrebte Bürgerversicherung für die Qualität ihrer Behandlungen schädlich ist.
Nachfrage entsteht erst dann, wenn ich weiß, dass es etwas gibt, das ich nachfragen kann.

Das sind so meine Gedanken. Damit der Herr Lauterbach mit seinem Bürgerversicherungsgerechtigkeitsgemaunze wieder auf den Teppich kommt, weil ihm die gesetzlich verordnete Solidarität das mit der Gerechtigkeit eben nicht abnimmt. Wo kann man im übrigen nachhaken/nachschauen, dass die stationären Leistungen ausgenommen bleiben? Die Frage muss sich (ohne Humungus wäre ich gar nicht auf die Idee gekommen) Herr Lauterbach doch stellen lassen. Zwingend, m. E.

Grüße und allen eine schöne Woche
Christiane

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Re: Die Bürgerversicherung - ein Witz

Beitrag von Barnie Geröllheimer » 11.12.17, 10:42

dora hat geschrieben: zwei mal in etwa A 16, kann man da noch jammer ??
Da muss ich ausnahmsweise PR in Schutz nehmen. Rechne bitte mal nach, was da netto herauskommt. Wenn PR nach privaten Steuern nach einer 50-60Std. Woche WIRKLICH (auch) nicht mehr in der Tasche hatte, ist das kein der Verantwortung angemessener Stundenlohn.

Wenn er natürlich nach 20 Std. den Schlüssel 'rumdreht ("mehr hat die Kasse nicht gekauft"), dann sieht die Sache wieder anders aus.

Hinzu kommt,wenn man als Arzt oder Optiker essen geht, geht man ja nicht in die Pommesbude. Es wird einfach erwartet, dass man mal im Theater oder beim Escargot-Essen gesehen wird.., da hat man dann auch etwas mehr als eine 20 Euro-Rechnung.
Nichts ist tödlicher als Getuschel unter den Leuten. Das birgt eine Eigendynamik und jeder kennt ein noch größeres "Skandälchen" über den Herr Doktor oder den Optiker als der andere.
Christianes Herz hat geschrieben:Darf ein Arzt das nicht sagen? Wenn nicht bzw. wenn es dort keinen Ungehorsam gibt, wie sollen Patienten dann je merken, dass die angestrebte Bürgerversicherung für die Qualität ihrer Behandlungen schädlich ist.
Ich würde sagen, dass es von der Ausgestaltung dieser BV abhängt, OB sie etwas für den Bürger bringt oder nicht. Mehr Einzahler allein bringen nix, im Gegentum

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Die SPD braucht die Bürgerversicherung,

Beitrag von PR » 11.12.17, 11:38

weil der Staat seine Beihilfe-Verpflichtungen los sein will. Das ist alles. Und alles Andere ist Politikerlüge.

Von dem Hohnorar , das der Kassenarzt nach hause trägt, gehen insbesondere seine Investitionen / Schuldentilgungen ab, aber das ist hier ja schon öfter mal nicht begriffen worden.

Die KV kriegt nichts (nix, null €) für einen Kassensitz, und mein Verkaufspreis wäre - nach der Ärztekammer-Methode gerechnet - auch null gewesen.

Meine Praxis ist die etwa zehnte im Landkreis, die ohne Nachfolger bleibt, weil sie auch geschenkt niemand haben will.

Da gibts schon lange nichts mehr über Ursachen zu grübeln.

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Dr.med.Holger Fischer
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Re: Die Bürgerversicherung - ein Witz

Beitrag von Dr.med.Holger Fischer » 11.12.17, 12:41

Guten Tag,
ein langer Beitrag von mir ist leider " verloren gegangen"- daher in Kürze:
die Praxis von PR hätte ich sofort mit Kußhand übernommen, warum ?
:arrow: attraktive Region
:arrow: durchaus attraktive Stadt
:arrow: beste Praxislage, eingespieltes Team, apparativ-technisch evtl. ohne große Neuinvestitionen
:arrow: das Ganze auch noch umsonst, ohne den Druck verspüren zu müssen, dass ein Teil der Erlöse direkt zur Tilgung abgeführt werden müssen
:arrow: ein Verdient-bei dieser Größe- von dem man nicht nur die laufenden Kosten ( Miete, Personal etc.) bezahlen kann, sondern auch noch Einiges übrig bleiben dürfte
:arrow: da Frauen in diesem Fach überwiegen, kann man unter diesen Umständen also getrost die Praxis nach den modernen " work-life-balance" Vorstellungen führen. Evtl. wäre die Führung sogar nur als Hobbypraxis möglich?
Persönlich würde ich unter diesen allen Umständen mich vor den Repressalien der Krankenkassen, KV und anderen Konsorten, nicht behindern lassen, diese Praxis zu übernehmen. Es muß doch eine pure Freude sein, in eigener Praxis zu arbeiten ( auch die Klinikärzte jammern ja!), die nicht unter Bankaufsicht steht. Das wäre auch für die medizinischen Versorgung förderlich.
Was für Vorstellungen haben heutzutage die jungen Kollegen? Als ich mich nach 15 Jahren Klinik ( 8 Jahre als Chefvertreter) niederließ, war es kein Zuckerschlecken. 5 Gynäkologen ( nur 1 Frau darunter!) in einer schwäbischen Kleinstadt mit 17.000 Einwohnern. Ebenso fast 15 Jahre Niederlassung gingen vorüber, kaum nennenswerter Urlaub, Einschränkungen- aber es hat gereicht und ich war zufrieden bis auf die letzten 1-2 Jahre, als das System schlimmer wurde.
Noch heute-nach 12 Jahren im Ruhestand- träume ich von meiner Praxis, träume auch von meinem OP-Tag mit Narkosearzt und OP-Schwester. Auch schon damals ( lieber humungus) war eine Veräußerung nicht einfach, konnte sie aber verkaufen mit finanziellen Abstrichen ( da wurde keine KV eingeschaltet, einfach Praxisinventar und good will festgelegt- das war alles. Nebenbei: jetzt liegt ein 30.000 Euro teures OP-Instrumentarium im Praxiskeller und verstaubt, da sich ja ambulantes Operieren nicht " rechnet" ( operiert man nur deshalb oder auch aus Freude?) und nur Basiswissen zur Anwendung gelangt- so geht niedergelassene Medizin heute?
Grüße Dr. Fischer
Unter Bezugnahme auf § 7 (3) der Berufsordnung für Ärzte ist mein Beitrag eine Stellungnahme,die auf den vorliegenden Angaben beruht .Sie ersetzt aber nicht die persönliche Beratung, Untersuchung und Behandlung durch Ihren Arzt.

Barnie Geröllheimer
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Re: Die Bürgerversicherung - ein Witz

Beitrag von Barnie Geröllheimer » 11.12.17, 14:55

@Dr. Fischer

Und warum findet sich Ihrer Meinung nach dann keiner, der bei diesem "Schnäppchen" sofort zuschlägt?

Übrigens..: meine "Vorzeige"ärztin hat für ihren Arztsitz in Altenstadt/Iller eine 5-stellige Summe hingeblättert. Zwar liegen dazwischen einige Jahre, aber die Gemeinden und Rahmenbedingungen sind vergleichbar!
Also stimmt doch irgend etwas nicht im Staate Dänemark.

Dr.med.Holger Fischer
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Re: Die Bürgerversicherung - ein Witz

Beitrag von Dr.med.Holger Fischer » 11.12.17, 15:31

Hallo Barnie,
"Und warum findet sich Ihrer Meinung nach dann keiner, der bei diesem "Schnäppchen" sofort zuschlägt?"- das verstehe ich auch nicht, kenne zwar seine Praxis nicht bzgl. Inventar u.a, ich gehe aber davon aus, dass die Praxis ebenfalls einen noch 5-stelligen Wert darstellen wird Es hat mich gut 2 Jahre gedauert, eher etwas länger, einen guten Patientenstamm aufzubauen-trotz Bekanntheitsgrades ( habe ja 8 Jahre lang eine große ambulante Sprechstunde am Krankenhaus geführt). Grund: 4 weitere schon gut etablierte Praxen. Entfällt im Fall Lörrach.
In diese ehemalige Praxis hätte ein Nachfolger sofort beginnen können, ohne eine längere Durststrecke überwinden zu müssen. Evtl. mit ein Grund die Angst vor der Niederlassung? Dann gebe ich mich nicht als potentiellen Bewerber aus. Angst vor dem Sprung ins kalte Wasser bzw. in eine finanziell unsichere Angelegenheit? Entfällt in diesem Fall aber auch. Auch gehe ich davon aus bzw. entnehme ich den Angaben von PR, dass seine Praxis auf jeden Fall einen gewissen Gewinn erwirtschaftete, dass es nicht an seiner Praxis selbst lag. PR wird sich denken, was wissen die schon über meine Praxis, spielt aber keine relevante Rolle, da ja auch andere Praxen-wie er schreibt- keinen Nachfolger finden konnten. Ich glaube, dass es auch an der Mentalität der jungen Kollegen liegt, die eben nicht mehr bereit sind, eine gewisse Einbuße in Bezug auf die Lebensqualität hinzunehmen. Beruf, Familie, Freizeit ( ich habe bewußt diese Reihenfolge erwähnt, galt bei allem Respekt während meiner Berufszeit nur für mich) unter einen Hut zu bringen ist nicht so einfach, ich denke aber, in diesem Fall hätte so etwas durchaus funktionieren können. Das ist lediglich die Ansicht eines 72 jährigen, der schon seit 2005 sich von der Niederlassung verabschiedet hat.
Grüße Dr. Fischer
Unter Bezugnahme auf § 7 (3) der Berufsordnung für Ärzte ist mein Beitrag eine Stellungnahme,die auf den vorliegenden Angaben beruht .Sie ersetzt aber nicht die persönliche Beratung, Untersuchung und Behandlung durch Ihren Arzt.

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als das System schlimmer wurde

Beitrag von PR » 11.12.17, 17:30

Sie sagen es selber, lieber Kollege Fischer. Das isses. Das System wird immer verrückter.

Von den 10 Interessentinnen arbeiten zwei angestellt Teilzeit in der Schweiz, eine im Kanti, eine in einem mehrdisziplinären Emmvauzett. Beide würden mit einer 'schländischen Kassenpraxis viel mehr arbeiten müssen und viel Gehalt verlieren. Nicht attraktiv. Fünfe arbeiten in einer Großpraxis angestellt klein gestückelte Teilzeit, die meisten haben Kinder und einen anderen Hauptverdiener in der Familie. Es herrschen dort für Patientinnen die Bedingungen, wie sie in Großeinrichtungen zu erwarten und üblich sind, mehr sag ich dazu nicht. Einzelpraxis nicht attraktiv. Zweie sind angestellt in der Klinik und im Mutterschutz. Sowas gibts in freier Wildbahn nicht. Nicht attraktiv. Eine arbeitet zusammen mit dem einzigen männlichen Bewerber mit je einer halben Zulassung in einer alteingeführten Praxis neben der Klinik, das waren die einzig ernsthaften Bewerber, die Zulassung hätte dazu 5,5 km Luftlinie nach Osten wandern müssen, und das hat der Kassenfuzzy im ZulaAusschuss nicht genehmigt. Hab ich wen vergessen ?

Operieren ? O jesses. Unser Altsax 2 ist nebenan Chirurg. Er macht keine Knochen, aber die BG drückt ihm jetzt Überdruckbelüftung und laminar air flow aufs Auge. Kosten hoch fünfstellig. Mir hat man auf die letzten Meter einen Praxisumbau aufs Auge gedrückt, wahlweise Instrumentenspülmaschine, Kosten mit allen Zuarbeiten fünfstellig. Demnächst soll die Konnektorpflicht kommen, Kosten vierstellig. Vom VSDM ganz zu schweigen. Die ehrlichen unter den viel zu wenigen Testpraxen sagen: Katastrophe ! Seit Oktober hagelt es sachlich-rechnerische Abrechnungs-Richtigstellungen über drei Jahre zurück. Am liebsten bei Schwangerenbetreuung, die Großpraxis im Nachbardorf hat nie Vertreterscheine geschrieben, wenn sie in meinen Urlauben einen Schwangerschaftstest geIGeLt hat, sondern immer gleich die Quartalspauschale abgerechnet. Die gut gepflegte schnelle hauseigene Arzneimitteldatenbank können Sie vergessen, die (Rabatt- und andere) Konditionen ändern sich mehrfach wöchentlich, Sie müssen auch das älteste Ihnen bekannte Medi jedesmal aus der 30 GB Datenbank rauskitzeln. Es ist zum Normalfall geworden, dass Sie bei jedem Rezept zwei, drei popups wegklicken müssen, bevor Sie es drucken können.


Das alles und noch viel mehr hat unser Nachwuchs mittlerweile kapiert, will sich das alles einfach nicht mehr antun, und braucht es auch nicht. Die wollen neben der Familie her ein bisschen Medizin machen in einem komfortablen qualitätsgesicherten Umfeld, in dem einfach alles dafür da ist, einschließlich Helferinnen für allen Dokumentationsaufwand einschließlich DMP, Diagnosencodierung, Abrechnung und IGeL-Verkaufe.

Ich weiß, was das für die Qualität der so erbrachten Arbeit bedeutet. Warn drum seit 25 Jahren die verantwortlichen Politiker davor, sowas mithilfe sogenannter "Gesundheitsreformen" herbeizuführen. Mit bekannt sichtbarem Mißerfolg.

Ich seh's ja schon wieder in der Tageszeitung, das Wichtigste ist denen längst die eigene Anschlußverwertung. Beispiel gefällig ? Vielleicht mal die Suchfunktion hier betätigen und Autor "gesundbrunnen" eingeben, gell, gesundbrunnen ?

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Zuletzt geändert von PR am 11.12.17, 19:23, insgesamt 1-mal geändert.
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nicht unter Bankaufsicht

Beitrag von PR » 11.12.17, 18:21

Danke für das Stichwort. Bis vor drei Jahren war ich unter Bankaufsicht: Investitionen bloß über den Hauptkapitalgeber. Weitere Investitionen (Ankauf der Praxisräume) bloß über den Hauptsponsor (zwischen A14 und A16). Regelmäßige Übergabe der E/Ü-Rechnung.

Erst, seitdem meine Kinder definitiv selber laufen konnten, blieb mir so viel übrig, dass ich rasch tilgen konnte. So rasch halt, wie das in der "freien" Wirtschaft üblich ist. Gut gepasst hat, dass ich im Gegensatz zum Rat meiner geliebten Zwangskörperschaft meine Kapitallebensversicherung (aus 15 Jahren Klinik) eben nicht gekündigt hatte sondern weiter aufgezahlt. "Sie haben jetzt 20 Jahre lang bescheiden gelebt", hat mir mein Steuermensch vor ein paar Jahren gesagt, und "wann wollen Sie denn endlich wirklich leben" ? Weil er ein Schwob ist wie ich, hat er keine Antwort erwartet.

Hätte ich zu irgend einem Zeitpunkt davor mein "Kassenprivileg" abgegeben, wären sofort alle laufenden Kredite fällig und ich insolvent gewesen.

Das braucht sich doch unser Nachwuchs alles nicht mehr anzutun !

Die Medizin wird weiblich, hurra ! Ärzte sind nicht mehr die Komplizen ihrer Patienten, hurra ! Das Ding 'schländisches Gesundheizwesen nehmen jetzt endlich die richtig großen Investoren in die Hand, hurra !

Wer hat's herbeigesetzgebert ? Franz Knieps, Karl Lauterbach, Schmulla Schmidt, gesundbrunnen -
zu der Zeit Amts- und Mandatsträger der SPD (2+3+4)
und Langzeitagent des AOK-Bundesverbandes (1)

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Re: Die Bürgerversicherung - ein Witz

Beitrag von Dr.med.Holger Fischer » 12.12.17, 09:55

Hallo lieber PR,
da hatten Sie sehr viele Interessenten, haben jedem die Bilanzen vorweisen müssen, am Wochenende Praxisbesichtigung usw, jedes mal Hoffnung gehabt, diesmal wird der Verkauf klappen- nichts ist daraus geworden. Bemerkenswert ist aber der Umstand, dass die Bewerber alle bereits eine Anstellung hatten, quasi sich in einem sicheren Hafen befanden, da ist es schwer, die Schwelle zum Einzelkämpfer zu überschreiten. Der Einzelkämpfer ist ein Auslaufmodel und man muß zugeben, dass eine Gemeinschaftspraxis bzw. ein MVZ durchaus Vorteile einem Niedergelassenen/Niederlassungswilligen bietet.
Ich habe 2004 großes Glück gehabt, ist mir durchaus bewußt. Zwei Kollegen, die einige Jahre nach mir die Praxis aufgaben, haben 2 Jahre lang gesucht, bis sie Nachfolgerinnen gefunden haben.
Meine Nachfolgerin kam aus der Klinik, hatte es satt, dort weiterhin zu arbeiten. Ihr Mann ( Betriebswirt) hat alle Unterlagen quasi seziert, mich kräftig im Preis gedrückt ( die Bank würde nur so und soviel an Kredit gewähren) und dann war der Kaufvertrag fertig.
Aber für zwei Bewerber, die aus Ihrer Praxis eine Gemeinschaftspraxis machen, wäre es doch ideal gewesen. Meines Wissens nach waren da auch zwei Interessenten diesbezüglich vorhanden.
Grüße Dr. Fischer
Unter Bezugnahme auf § 7 (3) der Berufsordnung für Ärzte ist mein Beitrag eine Stellungnahme,die auf den vorliegenden Angaben beruht .Sie ersetzt aber nicht die persönliche Beratung, Untersuchung und Behandlung durch Ihren Arzt.

Barnie Geröllheimer
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Re: als das System schlimmer wurde

Beitrag von Barnie Geröllheimer » 12.12.17, 10:36

PR hat geschrieben: Von den 10 Interessentinnen arbeiten zwei angestellt Teilzeit in der Schweiz, eine im Kanti, eine in einem mehrdisziplinären Emmvauzett. Beide würden mit einer 'schländischen Kassenpraxis viel mehr arbeiten müssen und viel Gehalt verlieren.... Fünfe arbeiten in einer Großpraxis angestellt klein gestückelte Teilzeit, die meisten haben Kinder und einen anderen Hauptverdiener in der Familie... Zweie sind angestellt in der Klinik und im Mutterschutz...Eine arbeitet zusammen mit dem einzigen männlichen Bewerber mit je einer halben Zulassung in einer alteingeführten Praxis neben der Klinik, das waren die einzig ernsthaften Bewerber, ..
Die sind doch nicht ganz sauber im Oberstübchen!! Glauben die im Ernst, dass man eine Selbständigkeit (ob Arzt oder Bäcker) mit demselben Arbeitsaufwand und denselben Konditionen ausüben kann wie als Angestellter? Was interessieren die sich für eine Praxis??
Und sowas hat ein Medizinstudium geschafft?!
PR hat geschrieben: Unser Altsax 2 ist nebenan Chirurg. Er macht keine Knochen, aber die BG drückt ihm jetzt Überdruckbelüftung und laminar air flow aufs Auge. Kosten hoch fünfstellig. Mir hat man auf die letzten Meter einen Praxisumbau aufs Auge gedrückt, wahlweise Instrumentenspülmaschine, Kosten mit allen Zuarbeiten fünfstellig. Demnächst soll die Konnektorpflicht kommen, Kosten vierstellig. Vom VSDM ganz zu schweigen. Die ehrlichen unter den viel zu wenigen Testpraxen sagen: Katastrophe ! Seit Oktober hagelt es sachlich-rechnerische Abrechnungs-Richtigstellungen über drei Jahre zurück. Am liebsten bei Schwangerenbetreuung, die Großpraxis im Nachbardorf hat nie Vertreterscheine geschrieben, wenn sie in meinen Urlauben einen Schwangerschaftstest geIGeLt hat, sondern immer gleich die Quartalspauschale abgerechnet. Die gut gepflegte schnelle hauseigene Arzneimitteldatenbank können Sie vergessen, die (Rabatt- und andere) Konditionen ändern sich mehrfach wöchentlich, Sie müssen auch das älteste Ihnen bekannte Medi jedesmal aus der 30 GB Datenbank rauskitzeln. Es ist zum Normalfall geworden, dass Sie bei jedem Rezept zwei, drei popups wegklicken müssen, bevor Sie es drucken können.
Selten kann ich einem Beitrag von Ihnen so sehr beipflichten wie dem obigen.
Was sich die Krankenkassen herausnehmen, empfinde ich auch als eine Unverschämtheit und wir - also die Geröllheimers - werden darauf angemessen reagieren. Nämlich mit Ausstieg aus dem Irrsinn.
Und Sie hätten wahrscheinlich auch rechtzeitig die Kurve kriegen können, vor allem, wenn Ihre Frau als Beamtin oder Angestellte im ÖD gut verdient...Da hätten Sie sogar noch was für Ihre Praxis gekriegt.

Aber hier geht es um eine Bürgerversicherung als (erste) Maßnahme zugunsten einer besseren ärztlichen Versorgung. Dabei spielt aber Ihr und auch mein K(r)ampf mit den Kassen überhaupt keine Rolle. Der Patient kann nichts dafür, dass Ihnen die Kassen noch zum Arbeitsende hin einen Praxisumbau aufs Auge gedrückt haben. Ich kann auch meine Kunden nicht dafür verantwortlich machen, dass ich maschinenlesbar und damit aufwändig und kostenintensiv Rezepte abrechnen muss und die ganzen anderen Schikanen, die uns alle in der Gesundheitsbranche treffen.
PR hat geschrieben: Das alles und noch viel mehr hat unser Nachwuchs mittlerweile kapiert, will sich das alles einfach nicht mehr antun, und braucht es auch nicht. Die wollen neben der Familie her ein bisschen Medizin machen in einem komfortablen qualitätsgesicherten Umfeld, in dem einfach alles dafür da ist, einschließlich Helferinnen für allen Dokumentationsaufwand einschließlich DMP, Diagnosencodierung, Abrechnung und IGeL-Verkaufe.
Nie im Leben! Wer so naiv ist zu glauben, er könne sich in einer Selbständigkeit Mutterschutz - und Erziehungszeiten herausnehmen, der weiß auch nix von den Schikanen der Kassen (woher auch?), es sei denn, Mami oder Papi haben bereits eine Praxis.

Es sind mit Sicherheit schlicht die Gehälter, die in einer Klinik winken. Aber das wird nicht so bleiben, dafür verwette ich meinen Hintern. Einmal wird die Nachfrage nach solchen Anstellungen steigen und zum anderen sind die derzeitigen Gehälter überhaupt nicht mehr zu bezahlen. Was kosten die Kliniken im Jahr? 70 oder schon 80 Milliarden? [Nachtrag: Es waren in 2016 sage und schreibe 87,8 Mrd Euro!!!!!!)
Und das, obwohl es zuwenig Pflegekräfte, zu schlecht bezahlte Pflegekräfte und eben viele offene Stellenangebote für Ärzte gibt.
Das geht noch ein paar Jahre "gut", dann kehrt sich das wieder um in Zustände, wie sie noch meine Vorzeigeärztin erlebt hat, nämlich während der Facharztausbildung der Putzlappen für den Herrn Oberarzt oder Frau Oberärztin zu sein.
PR hat geschrieben:Hätte ich zu irgend einem Zeitpunkt davor mein "Kassenprivileg" abgegeben, wären sofort alle laufenden Kredite fällig und ich insolvent gewesen.
Sehen Sie, genau so einen Kontrakt wird meine Tochter nicht unterschreiben! Jedenfalls nicht, wenn ich es verhindern kann. Was geht es diese Drecksbanken an, ob Sie einen Kassenvertrag eingehen, der Sie letztendlich mehr knebelt und Geld kostet als Geld bringt (jedenfalls bei Ihnen als Gyn)
Bei mir haben diese Drecksbanken eine Finanzierung abgelehnt, WEIL ich durch einen Franchisevertrag geknebelt wäre! Und bei Ihnen macht man' s zur Bedingung! :evil: :evil:
PR hat geschrieben: Das braucht sich doch unser Nachwuchs alles nicht mehr anzutun !
Abwarten! Das Schlaraffenland Klinikanstellung wird nicht ewig existieren.
PR hat geschrieben: Die Medizin wird weiblich, hurra !
Ja und? Okay, ich gehe lieber zu Zahnärzten als Zahnärztinnen, lieber zu Urologen als zu Urologinnen und meine Frau lieber zu Gynäkologen als zu Gynäkologinnen, aber soooo riesig ist der Unterschied nicht, als dass man da Wind drum machen müsste.
Und wenn eine Ärztin Mutterschutz oder Erziehungszeiten einfordert, muss ihre Sprechstunden halt jemand anders abhalten oder es muss eine weitere Niederlassung geben....., das ist alles eine Frage der Vertragsbedingungen und nicht des Geschlechts.

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