In den Klinikambulanzen prügeln sich jetzt schon

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PR
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Nochmal: Ihr Riesenproblem

Beitrag von PR »

sähe vollkommen anders aus, wenn Sie hätten bezahlen müssen, was seine für Sie unbefriedigende Lösung gekostet hat.

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wubbel
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Re: In den Klinikambulanzen prügeln sich jetzt schon

Beitrag von wubbel »

PR hat geschrieben:sähe vollkommen anders aus, wenn Sie hätten bezahlen müssen, was seine für Sie unbefriedigende Lösung gekostet hat.

PR
Die Nichtleistung des "Praktikanten" in meiner Hausarztpraxis hätte ich sicherlich nicht bezahlt!
Die Leistung des Arztes in der Notaufnahme war einwandfrei. Hier bemängele ich nicht diese Leistung sondern das System bzw die Organisation. Mal davon abgesehen, dass ich 1000€ hingeblättert hätte wenn man mich innerhalb 1 h nach meinem Eintreffen behandelt hätte. Warum man uns Kassenpatienten allerdings vorwirft dass wir nicht selbst bezahlen finde ich ziemlich asozial. Ich zahle monatlich knapp 600 € Krankenversicherungsbeitrag (AG-AN-Beitrag). Ich gehe nicht zum Spaß zum Arzt sondern dann wenn es sein muss.

PR
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Altes Missverständnis

Beitrag von PR »

Sie zahlen keinen Krankenversicherungsbeitrag sondern einen Mitgliederbeitrag in eine "solidarische" Ausgleichskasse.

Der Anspruch, den Sie sich damit erwerben, wird im Sozialgesetzbuch mit
W irtschaftlich
A usreichend
N otwendig
Z weckmäßig
benannt.

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Barnie Geröllheimer
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Re: In den Klinikambulanzen prügeln sich jetzt schon

Beitrag von Barnie Geröllheimer »

PR hat geschrieben:Sie zahlen keinen Krankenversicherungsbeitrag sondern einen Mitgliederbeitrag in eine "solidarische" Ausgleichskasse.
Das Kind kann man nennen, wie man möchte, jedenfalls erwirbt man unveräußerliche Ansprüche.
PR hat geschrieben: Der Anspruch, den Sie sich damit erwerben, wird im Sozialgesetzbuch mit
W irtschaftlich
A usreichend
N otwendig
Z weckmäßig
benannt.
Genau. Ich erlaube niemandem, darüber zu entscheiden, was "ausreicht" oder "notwendig" ist, solange mir das Sozialgesetzbuch das Recht zubilligt
§1
Die Krankenversicherung als Solidargemeinschaft hat die Aufgabe, die Gesundheit der Versicherten zu erhalten, wiederherzustellen oder ihren Gesundheitszustand zu bessern...
und
§2 Abs. 1
.....Qualität und Wirksamkeit der Leistungen haben dem allgemein anerkannten Stand der medizinischen Erkenntnisse zu entsprechen und den medizinischen Fortschritt zu berücksichtigen.....
Es steht nirgendwo, dass irgendwer darüber befinden darf, den Kassenpatienten wochen- und monatelang auf einen Termin warten lassen zu dürfen und es steht nirgendwo, dass es zulässig wäre, ihn überhaupt nicht zu behandeln.

Eine Selbstverwaltung der Ärzteschaft, die - wie schriftlich mitgeteilt wurde und wie es kürzlich auch Gegenstand eines Gerichtsverfahrens war - nicht in die Terminplanung eines Arztes eingreifen darf (und/oder möchte), hat im Rahmen ihrer Zuständigkeit dafür zu sorgen, dass eine ausreichende(!) ärztliche Betreuung der Bevölkerung gewährleistet wird, die das Notwendigste(!) für die Patienten leistet. Kann sie ihre Mitglieder nicht in der Terminplanung beeinflussen, heißt das zwangsläufig, dass sie dafür zu sorgen hat, dass es genügend Ärzte gibt, die die geschuldete Betreuung sicherstellt.

Man kann sich nun freilich darüber streiten, ob es bei einem Kassenpatienten wie Jesus, mit Nägeln durch Hände und Füße, "ausreichend" wäre, wenn man ihn erst in 3 Wochen behandelt, weil Vitalfunktionen nicht beeinträchtigt sind und man davor Zeitfenster für Privatpatienten mit Halsschmerzen benötigt, aber man muss dann eben auch den Widerstand der Bevölkerung aushalten.

PR
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Exakt, Sie sagen es: das Notwendigste(!)

Beitrag von PR »

Mehr als das darf die kranke Kasse nicht bezahlen, der Arzt nicht leisten oder verordnen,
und hat der Patient nicht zu fordern.

Da genau darauf auch immer weniger Ärzte Bock haben, die Selbstverwaltung aber noch immer keine Kassenärzte backen kann, heißt das zwangsläufig, dass die Leute sich auf Wartezeiten und Massenabfertigung einzustellen haben. Darüber braucht gar keiner mehr zu befinden, das ist längst so beschlossen. Nur schreiben die Politvereine sowas halt nicht gern in ihre Wahlprogramme...

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sophica
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Re: In den Klinikambulanzen prügeln sich jetzt schon

Beitrag von sophica »

Wie wäre es denn damit, dass Ärzte erfolgsorientiert honoriert würden, zumindest teilweise - wäre wahrscheinlich für die gesetzlichen Krankenkassen wirtschaftlicher und für die Patienten gesünder!!!!!!! :lol:

Dr. A. Flaccus
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Re: In den Klinikambulanzen prügeln sich jetzt schon

Beitrag von Dr. A. Flaccus »

Es steht nirgendwo, dass irgendwer darüber befinden darf, den Kassenpatienten wochen- und monatelang auf einen Termin warten lassen zu dürfen und es steht nirgendwo, dass es zulässig wäre, ihn überhaupt nicht zu behandeln.
Richtig.

Aber es steht auch "nirgendwo"...

...wie lange man mit Gürtelrose-Schmerz auf den ersten Arztkontakt maximal warten darf.
...wie lange es "zumutbar" ist, mit Rücken-/Hüft-/Schulterschmerzen auf einen Arzttermin zu warten.
...wie lange man überhaupt und grundsätzlich auf eine Arztbehandlung warten sollte

...wie lange wartet man in den USA?
...wie lange wartet man in Ghana?

PR schreib es schon ganz richtig:

Die Ressourcen sind begrenzt.
Bezahlt wird auch längst nicht alles.
Die Anzahl der Behandlungswünsche steigt (mit dem Alter und der demografischen Verschiebung).

Der Rest erklärt sind von selbst.

@sophica: Mal kurz nachdenken. Wie definiert man in der Medizin "Erfolg"? Soll der Arzt z.B. keinen Cent bekommen, wenn der Patient am Ende doch dem Krebsleiden erliegt?
Seltsamer Vorschlag :shock:

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dora
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Re: In den Klinikambulanzen prügeln sich jetzt schon

Beitrag von dora »

...wie lange wartet man in den USA?
...wie lange wartet man in Ghana?
wie soll das denn funktionieren wenn es dort kaum Versicherte gibt.
Die Anzahl der Behandlungswünsche steigt (mit dem Alter und der demografischen Verschiebung).
das sind meist keine Behandlungswünsche, sonder alterbedingte Notwendigkeiten.
...wie lange man überhaupt und grundsätzlich auf eine Arztbehandlung warten sollte
es sollm doch ganz gut mit den Vermittlungsstellen klappen ?

Dr. A. Flaccus
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Re: In den Klinikambulanzen prügeln sich jetzt schon

Beitrag von Dr. A. Flaccus »

@dora: Was hat das mit "Versicherten" zu tun?

Wird ein medizinischer Notfall anders eingeordnet, wenn man "versichert" ist?

Bedeutet "Versicherung"etwa,dass man nicht so lange warten muss?

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dora
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Re: In den Klinikambulanzen prügeln sich jetzt schon

Beitrag von dora »

Dr. A. Flaccus hat geschrieben:@dora: Was hat das mit "Versicherten" zu tun?

Wird ein medizinischer Notfall anders eingeordnet, wenn man "versichert" ist?

Bedeutet "Versicherung"etwa,dass man nicht so lange warten muss?

A. Flaccus
die Frage war doch wie lange man dort wartet.
Ich weiß es nicht, aber nehme an dass man dort länger warten muss, weil es kein vernüftiges System gibt.
Wir hier sind versichert und zahlen fast alle dafür, und dafür sollte man halt auch was erwarten können.

Barnie Geröllheimer
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Re: In den Klinikambulanzen prügeln sich jetzt schon

Beitrag von Barnie Geröllheimer »

Dr. A. Flaccus hat geschrieben: Richtig.

Aber es steht auch "nirgendwo"...

...wie lange man mit Gürtelrose-Schmerz auf den ersten Arztkontakt maximal warten darf.
...wie lange es "zumutbar" ist, mit Rücken-/Hüft-/Schulterschmerzen auf einen Arzttermin zu warten.
...wie lange man überhaupt und grundsätzlich auf eine Arztbehandlung warten sollte

...wie lange wartet man in den USA?
...wie lange wartet man in Ghana?

PR schreib es schon ganz richtig:

Die Ressourcen sind begrenzt.
Bezahlt wird auch längst nicht alles.
Die Anzahl der Behandlungswünsche steigt (mit dem Alter und der demografischen Verschiebung).

Der Rest erklärt sind von selbst.
Also das Gesundheitswesen von Ghana wollte ich hier nicht diskutieren. Ich denke auch, das bringt uns nicht weiter.

Zur Zeit sind rund 90.000 Studenten für Humanmedizin immatrikuliert. Ich gehe davon aus, dass mindestens 60.000 Studenten ihren Abschluss machen und davon der weitaus größte Teil kurativ tätig werden möchte.
So jedenfalls die Daten bei deStatis.
Man braucht noch nicht einmal die Zugangsqualifikationen zum Medizinstudium herunterschrauben, um mehr als genügend Nachwuchs zu generieren. Das Problem, das wir hier im Forum seinerzeit auch schon grottenbreit diskutiert hatten und das mir meine hausärztliche Freundin bestätigt, ist doch vielmehr, dass man sich aus mehr oder minder fadenscheinigen Gründen mit seiner Praxis nicht auf das Land begeben will.
Wenn es schon die Spatzen von den Dächern pfeifen, dass es nicht die Faulpelze sind, die einen nachts aus dem Bett klingeln, wenn es nicht die wenigen PKV-Patienten sind, die es auf dem Land gibt, wenn es nicht das Einkommen ist, das auf dem Land so bescheiden wäre, wenn es nämlich vielmehr der fehlende Golfplatz ist, der die Ärzte lieber in die Stadt gehen lässt, dann heißt das für mich als Patient mit Herpes zoster oder einer Uveitis, dass ich eben der Gearschte bin, wenn es in meiner Wohngegend keinen Golfplatz gibt.

Muss es mich als Patient tatsächlich interessieren, ob auch auf dem Land ein Golfplatz vorhanden ist, damit man mit der Gürtelrose nicht länger als unbedingt nötig unbehandelt bleibt? Gilt der Sicherstellungsauftrag für Wohngegenden ohne Golfplatz nicht?
Muss ich mit einer Gürtelrose oder einer Uveitis in die Nähe des nächsten Golfplatzes reisen, um eine Behandlung zu erbetteln, weil ich ja angeblich keinen Anspruch auf eine zeitnahe Behandlung hätte?

Aber soweit simmer noch nicht..., auch ich kenne die wichtigsten Passagen des Mantelvertrages Ärzte!
Wie es die Selbstverwaltung hinbekommt, flächendeckend ärztliche Präsenz zu sichern, kann dem Patienten völlig wurscht sein. Wenn sie es nicht hinbekommt, wird er sich an die Politiker wenden. Was dabei rauskommt, gefällt dann auch den Ärzten nicht.

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Wem gehört das Phantom "Sicherstellungsauftrag" ?

Beitrag von PR »

Es gehört einer Staatsbehörde, deren Besonderheit ist, von denen finanziert zu werden, die ihren "Bescheiden" bedingungslos unterworfen sind.
Es handelt sich um die "Kassenärztlichen Vereinigungen" und um ihre Subjekte, die "Kassenärzte". Und es handelt sich um ein gern weiter gehätscheltes Relikt aus dem Dritten Reich.
Weil das für die jeweils regierenden Politiker so bequem ist.

Mir Nochkassenarzt gehört der Sicherstellungsauftrag mal ganz gewiß nicht.


Diese Staatsbehörde KV hat in Exekution der ihr vorgegebenen Gesetze die letzten zwanzig Jahre lang alle ärztlichen Leistungen verramscht, die zur "Grundversorgung" gehören.

Die Leute haben das gern mitgenommen und dem applaudiert. Wenn einer gesagt hat: obacht, dann werden Euch aber mit der Zeit die Ärzte davonlaufen, haben sie hässlich gelacht und gesagt: für Einen der wegläuft kommen aus dem Ausland drei nach (Zita Caspers-Merk aus der Zeit, als sie Staatsekretärin im BMG war).

Es ist aber doch so gekommen, und jetzt sagen mir die Leute: aber gell, sie bleiben uns noch lange erhalten,

und ich werd den Teufel tun, einen Nachfolger für meine Fachpraxis in Rumänien zu suchen.

PR
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Dr. A. Flaccus
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Re: In den Klinikambulanzen prügeln sich jetzt schon

Beitrag von Dr. A. Flaccus »

Also das Gesundheitswesen von Ghana wollte ich hier nicht diskutieren. Ich denke auch, das bringt uns nicht weiter
Darum geht´s doch gar nicht. Möglicherweise habe ich mich nicht klar genug ausgedrückt.

Menschen in Ghana, den USA und sonst wo sind auch krank. Sie haben auch Grippe, Rückenschmerzen und andere Krankheiten.
Und sie warten eben auch auf ihre Behandlung.
Weltweit warten kranke Menschen auf ihre Behandlung.

An welchem Standard messen wir nun, wie lange man mit einer Gürtelrose auf einen Arztkontakt warten muss?
Muss ich mit einer Gürtelrose oder einer Uveitis in die Nähe des nächsten Golfplatzes reisen, um eine Behandlung zu erbetteln, weil ich ja angeblich keinen Anspruch auf eine zeitnahe Behandlung hätte?
Woher leiten Sie genau diese Schlussfolgerung her?
Von welchen "Anspruch" reden Sie konkret?
Was genau ist die Definition von "zeitnah"?

Es wurden zwei Ärzte konsultiert.
Es fand eine Therapie statt.
:arrow: Alles gut. :)

Der Auftrag im Sinne der GKV wurde zu 100% erfüllt.

A. Flaccus
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Barnie Geröllheimer
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Re: Wem gehört das Phantom "Sicherstellungsauftrag" ?

Beitrag von Barnie Geröllheimer »

PR hat geschrieben:Wem gehört das Phantom "Sicherstellungsauftrag" ?
Wieso soll sich jemand den Kopf darüber zerbrechen, wem er "gehört"? Langt es nicht, wenn man von "seinem" Arzt weiß, dass er Teil des Systems ist, das mir als Patient per Gesetzbuch zumindest eine ärztliche WANZ-Versorgung zusichert und für dessen Rahmenbedingungen gerade der Patient nichts kann?
PR hat geschrieben:Es gehört einer Staatsbehörde, deren Besonderheit ist, von denen finanziert zu werden, die ihren "Bescheiden" bedingungslos unterworfen sind.
Es handelt sich um die "Kassenärztlichen Vereinigungen" und um ihre Subjekte, die "Kassenärzte". Und es handelt sich um ein gern weiter gehätscheltes Relikt aus dem Dritten Reich.
Weil das für die jeweils regierenden Politiker so bequem ist.
Jawoll, wahrscheinlich ist es bequem, denn man hat einen Schwarzen Peter. Deshalb rede ich seit Jahren davon, dass die Selbstverwaltung abgeschafft werden muss. Das erfordert zwangsläufig die Mitwirkung der Ärzte, die unter der Knute leiden. Und da kommt einfach nix.
Aber für den Moment gilt: immerhin haben Sie sich und viele andere Vertragsärzte diesem "gehätschelten Relikt" verpflichtet! Man kann sich nun nicht auf Kosten der Patienten mit dem Hinweis seiner Verpflichtung entziehen, man sei sowieso gegen das uralte System.
PR hat geschrieben: Mir Nochkassenarzt gehört der Sicherstellungsauftrag mal ganz gewiß nicht.
Da würde ich aber empfehlen, nochmal in Ihren Vertragsunterlagen nachzusehen.
PR hat geschrieben: Diese Staatsbehörde KV hat in Exekution der ihr vorgegebenen Gesetze die letzten zwanzig Jahre lang alle ärztlichen Leistungen verramscht, die zur "Grundversorgung" gehören.
Die Leute haben das gern mitgenommen und dem applaudiert. Wenn einer gesagt hat: obacht, dann werden Euch aber mit der Zeit die Ärzte davonlaufen, haben sie hässlich gelacht und gesagt: für Einen der wegläuft kommen aus dem Ausland drei nach (Zita Caspers-Merk aus der Zeit, als sie Staatsekretärin im BMG war).
Da stimme ich Ihnen gerne zu, aber für diese Entwicklung kann der Patient nichts. Auch der Patient wurde um eigentlich versicherte Leistungen betrogen.

Von den mutmaßlich rund 60.000 jungen Ärzten müssen möglichst viele bereit sein, auch ohne Golfplatz auf dem Land tätig zu werden. Verdienen kann man da ja anscheinend sehr ordentlich!
Aber das ist eine Sache in den Köpfen derer, deren oberstes Ziel es war, kranken und verletzten Menschen zu helfen, auch wenn sie auf Einsiedlerhöfen leben.
Das hat auch mit überzogenem und elitärem Anspruchsdenken zu tun. Menschlich verständlich, aber ein Arzt will ja sein Berufsethos gewahrt wissen, auch wenn er selbst Leute mit Bechterew und akuten Schmerzen unbehandelt wegschickt.

Barnie Geröllheimer
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Re: In den Klinikambulanzen prügeln sich jetzt schon

Beitrag von Barnie Geröllheimer »

Dr. A. Flaccus hat geschrieben:
Also das Gesundheitswesen von Ghana wollte ich hier nicht diskutieren. Ich denke auch, das bringt uns nicht weiter
Darum geht´s doch gar nicht. Möglicherweise habe ich mich nicht klar genug ausgedrückt.

Menschen in Ghana, den USA und sonst wo sind auch krank. Sie haben auch Grippe, Rückenschmerzen und andere Krankheiten.
Und sie warten eben auch auf ihre Behandlung.
Weltweit warten kranke Menschen auf ihre Behandlung.
Dann gibt's nicht genug Ärzte! Vielleicht suchen auch viel mehr Leute als nötig Ärzte auf!? Vielleicht tut's auch der Besuch bei einem Schamanen, einem Optiker oder eine Hebamme, statt sich beim unmotivierten Arzt, der ohnehin zu nichts verpflichtet ist, als 26. Patient ins vermiefte Wartezimmer zu setzen.
Dr. A. Flaccus hat geschrieben: An welchem Standard messen wir nun, wie lange man mit einer Gürtelrose auf einen Arztkontakt warten muss?
Am Standard der Zumutbarkeit, der Ethik und Menschlichkeit. Einschlägige Gesetzestexte oder Gerichtsurteile kann ich Ihnen auf Wunsch gerne raussuchen.
Vielleicht sollte man dazu übergehen, Ärzten erst dann das Dach zu reparieren, wenn man Bock darauf hat oder wieder mal Geld braucht. Vielleicht sollte man ihnen in 6 Monaten einen Friseurtermin geben und die Sachbearbeiter bei der KV bearbeiten Ihre Honorarabrechnung auch nur, solange sie nichts Besseres zu tun haben.
Dr. A. Flaccus hat geschrieben:
Muss ich mit einer Gürtelrose oder einer Uveitis in die Nähe des nächsten Golfplatzes reisen, um eine Behandlung zu erbetteln, weil ich ja angeblich keinen Anspruch auf eine zeitnahe Behandlung hätte?

Woher leiten Sie genau diese Schlussfolgerung her?
Von welchen "Anspruch" reden Sie konkret?
Was genau ist die Definition von "zeitnah"?
Das sollte sich eigentlich von selbst verstehen:
a) wenn sich Ärzte "auf dem Land" nur dort ansiedeln, wo die Infrastruktur stimmt, dann bin ich wohl genötigt, mich dorthin zu begeben, wenn ich gesundheitliche Probleme hab
b) siehe oben
c) "zeitnah" ist in etwa der Zeitraum, den man einem PKV-Patienten einräumt. Wenn Sie darauf bestehen, lassen wir einfach die Politik genauer definieren, was "Zeitnähe" bedeutet, nachdem nun schon Terminservicestellen eingerichtet werden mussten, um wenigstens 4-wöchige Fristen zu realisieren.
Wenn ich Sie so argumentieren lese, muss ich schon sagen, dass Sie anscheinend geradezu darum betteln, dass man vorschreibt, wie sich ein Arzt gegenüber Kassenpatienten zu verhalten hat.
Das können Sie meinetwegen gerne haben!
Dr. A. Flaccus hat geschrieben: Es wurden zwei Ärzte konsultiert.
Es fand eine Therapie statt.
Nein, man wurde in der ersten Arztpraxis von der VoZiDa abgewimmelt und beim 2. Arzt (dem angestammten Augenarzt) auch nur widerwillig sofort behandelt.
Klar, auf Freundlichkeit oder Empathie hat man als Kassenpatient keinen Anspruch..., muss auch nicht, solange der Arzt seiner vertraglich geschuldeten Leistung nachkommt.
Dr. A. Flaccus hat geschrieben: Der Auftrag im Sinne der GKV wurde zu 100% erfüllt.
Das wird sich noch herausstellen. Bin gespannt, was mir der Justitiar der BÄK antwortet.

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