Keine (Fach-) Ärzte über Silvester im Krankenhaus

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Jule90
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Keine (Fach-) Ärzte über Silvester im Krankenhaus

Beitrag von Jule90 »

Hallo,

mich würde mal interessieren ob es "normal" ist, dass keine (Fach-) Ärzte über Silvester / Neujahr bis heute im Krankenhaus arbeiten?

Jemand aus meiner Familie kam am Donnerstag mit Atemnot (COPD + Bronchitis) ins Krankenhaus und erst heute kam ein Arzt zur Visite. Notfallmäßig wurde ihm ja geholfen, aber bis heute war wohl dann kein Arzt da.

Jule
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(Brecht)

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In 'schländischen Krankenhäusern, liebes Julchen,

Beitrag von PR »

haben Fachärzte nachts und an Sonn- und Feiertagen „Hintergrund“. Wer soll sonst am Montag wieder den Plan wegoperieren und die Spezialambulanz machen ?

Jedenfalls in den allermeisten. Sie werden nur gerufen, wenn die/der Uhu ganz offensichtlich nicht weiterkommt. (Die Eidgenossen hier um die Ecke haben für Assistenzärzte die zutreffende Berufsbezeichung Uhu = Unterhund geschaffen.)

War schon 1977 so, als ich meine Pflichtjahre antrat für’n Entwicklungsdienst, war so, als ich 1982 frisch aus’m westafrikanischen Busch im Krankenhaus meiner Wahl aufschlug, war 1989 so, als ich zwecks Facharzt fertig für zweieinhalb Jahre in eine Großstadtklinik wechselte.

Ist bis heut flächendeckend so. Wer sein Fach beherrscht, ist dem Klinikträger für Routinearbeit zu teuer, gar zu Unzeiten. Die wird drum bis heut flächendeckend von denen erledigt, die ihr Fach erst noch lernen müssen.

Im 'schland. Unter dem Diktat kranker Kassen. Gesetzlich und Solidarisch, was denn sonst.

…schon wieder so eine haltlose Pauschalverurteilung, gell Doc Alf…

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Dr. A. Flaccus
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Re: Keine (Fach-) Ärzte über Silvester im Krankenhaus

Beitrag von Dr. A. Flaccus »

Ist bis heut flächendeckend so. Wer sein Fach beherrscht, ist dem Klinikträger für Routinearbeit zu teuer, gar zu Unzeiten. Die wird drum bis heut flächendeckend von denen erledigt, die ihr Fach erst noch lernen müssen.
Ja und?
Wo ist denn das Problem?

Ich halte es für absolut legitim, wenn in Kliniken nach einem derartigen "Stufensystem" (Facharzt im Hintergrund) gearbeitet wird. Es ist in der Tat eine Kostenfrage.

Was für ein Gesundheitssystem wollen wir denn?

- Facharzt-Präsenz rund um die Uhr?
- Keine Wartezeiten in Praxis oder Klinik
- Reha und Physiotherapie "unlimited"?
- Unbegrenzte Heilmittelversogung (Brillen etc.)?
- freie Auswahl der Präparate durch Ärzte :arrow: 100% Kassenleistung
- Freie, 100% durch GKV abgedeckte Therapieentscheidungen durch Ärzte?

Wer all´ das oder auch nur Teile davon umgesetzt haben möchte, der sollte auch Ideen haben, wie man das bezahlen soll. Umso mehr vor dem Hintergrund des demografischen Wandels und der schon jetzt recht hohen Belastung durch Sozialbeiträge.
Sicher liesse sich durch Umstrukturierungen innerhalb des bestehenden Systems (Stichwort Bürokratie) einiges an Mitteln freisetzen. Aber so oder so wird man an einer Rationierung der Ressourcen nicht vorbei kommen.

Irgendwo müssen wir Abstriche machen.
Hat jemand konkrete Vorschläge?

A. Flaccus
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"an einer Rationierung der Ressourcen nicht vorbei kommen"

Beitrag von PR »

Danke ! Wegen einer sinngemäß gleichen Aussage, wenn auch etwas polemischer formuliert, musste mal auf politischen Druck hin ein Bundesärztekammerpräsident zurücktreten, wissen Sie noch ?

Aber dass es ausgerechnet w i r Ärzte sein sollen,
die Politikern, die nichts tun als dem Dummvolk immer und immer mehr Leistung zu versprechen,
das Geschäft der Rationierung und des Abstrichemachens heimlich und hintenrum abnehmen sollen,
das seh ich überhaupt nicht ein. Da sollen d i e den Kopf für hinhalten.

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Jule90
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Re: Keine (Fach-) Ärzte über Silvester im Krankenhaus

Beitrag von Jule90 »

Naja, so in etwa hatte ich es mir fast gedacht.
Sparen, wo es geht :roll: .
Wäre ein Facharzt schon eher da gewesen, hätte der Patient womöglich schon früher wieder nach Hause gekonnt. So musste er fünf Tage da liegen, ohne das etwas gemacht wurde und dementsprechend auch Zuzahlung leisten :roll:

Jule
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(Brecht)

Barnie Geröllheimer
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Re: Keine (Fach-) Ärzte über Silvester im Krankenhaus

Beitrag von Barnie Geröllheimer »

Jule90 hat geschrieben:Hallo,
mich würde mal interessieren ob es "normal" ist, dass keine (Fach-) Ärzte über Silvester / Neujahr bis heute im Krankenhaus arbeiten?
Jemand aus meiner Familie kam am Donnerstag mit Atemnot (COPD + Bronchitis) ins Krankenhaus und erst heute kam ein Arzt zur Visite. Notfallmäßig wurde ihm ja geholfen, aber bis heute war wohl dann kein Arzt da.
Immerhin wurde notfallmäßig geholfen! Sie erinnern sich vielleicht an die Geschichte, die ich hier bereits mal zum Besten gab, als eines abends um ca. 19.45 Uhr eine Dame mit völlig zugeschwollenem Auge bei mir im Laden nach einem Augenarzt fragte, der aber umgezogen war. Man hätte sie im Krankenhaus Bruchsal unbehandelt zum Niedergelassenen geschickt, weil kein Augenarzt mehr da sei.
Die Frau war Touristin, ortsfremd, man hat sie halb blind an eine veraltete Adresse geschickt und offensichtlich nicht einmal notdürftig versorgt.
Mich als Optiker hat sie anfleht, den Fremdkörper aus dem Auge zu pulen, weil sie sich vor Schmerzen und Tränen nicht mehr zu helfen wusste.

Was danach folgte, war ein groteskes Trauerspiel deutschen ärztlichen Bereitschaftsdienstes und der RL des DRK, der eine Beschwerde bei der Ärztekammer und schließlich eine Eingabe bei der Landesregierung nach sich zog.
Erfolg: NULL
Der Phlegmatismus und die Gleichgültigkeit, mit denen man den Leuten begegnet, treibt mir noch heute den Zorn ins Gesicht.

Muppet
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Re: Keine (Fach-) Ärzte über Silvester im Krankenhaus

Beitrag von Muppet »

Hallo,
muss zugeben. Habe noch nie abends oder Wochenenddienst gehabt.
Ist halt so. Die Assistenzärzte und studentische Hilfskräfte haben die A....karte.
Gibt es eine Krise müssen meine Patienten bis Montag warten oder sich mit ein Assistenzarzt aus der Psychiatrie zufrieden geben. Die leider oft ziemlich Mist bauen.
Ich bin eben zu teuer.
Gruß
Muppet

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Ach so ja: wie könnt's besser gehen ?

Beitrag von PR »

In der Notaufnahme jedweder stationären oder sonst "erstversorgenden" "Einrichtung" jederzeit 1 Hocherfahrene/r mit der sehr gut bezahlten Aufgabe, nicht DRGs zu optimieren sondern

1. die Indikation zur stationären Aufnahme kritisch zu überprüfen
2. den danach tätigen Uhus die Auswahl der ambulant oder stationär abzuarbeitenden Routinen vorzugeben

Erfahrung ist bezahlbar. Der Erfahrene besitzt eine zuverlässige (freilich nicht: untrügliche !) Wahrnehmung dafür, wann welche weitere Maßnahme ohne Schaden entbehrlich ist.

Die Frage ist freilich: wen belohnen die DRGs,
den, der aus Erfahrung Unnötiges nicht macht,
oder den, der warum auch immer möglichst viel macht, und sei es bloß aus Unerfahrenheit ?

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Barnie Geröllheimer
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Re: Keine (Fach-) Ärzte über Silvester im Krankenhaus

Beitrag von Barnie Geröllheimer »

Ob rund um die Uhr in jedem Provinzkrankenhaus Fachärzte vorgehalten werden müssen/können, lasse ich mal dahingestellt sein.
Aber es stimmt doch die komplette Logistik nicht.
WENN man schon eine dringend erforderliche Behandlung nicht selbst und sofort leisten kann, müsste es doch selbstverständlich sein, dass der Patient auf Kosten der Krankenkasse/Klinik zu vakanten Betreuern gebracht wird.

Dr. A. Flaccus
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Re: Keine (Fach-) Ärzte über Silvester im Krankenhaus

Beitrag von Dr. A. Flaccus »

Als jemand, der selbst noch 5-6 24-Std-Anwesenheitsdienste pro Monat in der Klinik ableistet will ich mal folgendes zu Protokoll geben:

1. Längst nicht jeder Patient, der sich in einer Notaufnahme vorstellt, ist auch tatsächlich "in Not". Wir erleben hier Zeckenbisse ("hab ich schon entfernt - ich sehe nix mehr, sehen Sie noch etwas, Herr Doktor?"), monatelang bestehende Rücken/Schulter/Fußschmerzen ("Können Sie nicht mal schnell ein Kernspin machen?"), Notfall-Verhütungswünsche (Pille danach) und vieles mehr...

2. Selbstverständlich gibt´s die echten Notfälle, für die eine Klinik da sein muss. Und selbstverständlich ist da Fachkompetenz gefordert - die man auch verlangen muss. Aber in den allerwenigsten Fällen ist diese sofort und ohne Zeitverzug zu leisten.
Dafür gibt´s halt die "Hintergrund"-Ärzte, die zu Hause angerufen werden und die je nach Sachlage ins Haus kommen oder aber telefonische Weisungen erteilen.
In den über 20 Jahren Krankenhausarbeit, die ich jetzt überblicke, hat sich dies System durchaus bewährt.

Und auch hier die Frage: Wo auf der Welt trifft ein Patient 24 Std. am Tag in einem Krankenhaus einen Facharzt an, mit genau der Spezialisierung, die sein Krankheitsbild gerade erfordert?

Übrigens:
Die DRG´s belohnen nicht etwa "falsche Aufnahmen" - im Gegenteil: Der MDK streicht sofort und unerbittlich.
Eine schlechte Aufnahmepraxis wird also für eine Klinik schnell zur Retourkutsche.

A. Flaccus
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Christianes Herz
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Re: Keine (Fach-) Ärzte über Silvester im Krankenhaus

Beitrag von Christianes Herz »

Dr. A. Flaccus hat geschrieben:
... Was für ein Gesundheitssystem wollen wir denn?
Irgendwo müssen wir Abstriche machen.
Hat jemand konkrete Vorschläge?
A. Flaccus
Bevor wir Abstriche machen, sollten wir erst einmal durchzusetzen versuchen, dass die zugesicherten Standards eingehalten werden und solche Auswüchse
http://www.apotheke-adhoc.de/nachrichte ... 4cb39bf4de
nicht möglich sind.
Durch nicht ausreichende Qualität der Hilfsmittel werden die Kranken kränker als sie sein müssten, die Lebensqualität sinkt beträchtlich mit all den „seelischen“ Folgen. Folgekosten zu Lasten der Versichertengemeinschaft würden vermieden, weil die Krankenkassen sich nicht um Qualitätskontrollen herumdrücken könnten und darauf vertrauen, dass sich die Geschädigten schon nicht wehren und selber draufzahlen, weil sie sonst Entzündungen erleiden, nicht mehr mobil sind etc.

Prinzip: Das bestehende System erst einmal optimieren, indem alle Beteiligten (hier sind es die gesetzlichen Krankenkassen) ihre vorgegebenen Mindeststandards auch erfüllen.

Frdl. Grüße
Christiane

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jederzeit 1 Hocherfahrene/r

Beitrag von PR »

hatt ich geschrieben. Abwarten. Die Klinikscheffs (Oberbuchhalter) werden von allein drauf kommen, dass sie wen für die Triage brauchen.

Abgesehen davon will der Gröhl ja jetzt auf Kosten der Niedergelassenen in allen Kliniken "Portalpraxen" etabliert sehen, die den Klinikinvestoren Enttäuschungen à la "MDK hat gestrichen" ersparen sollen. Dies wenige Monate, nachdem die KVen den ambulanten Notdienst neu organisiert haben. Ein Tollhaus.

Was sind bitte "vakante Betreuer", Barnie ? Was ich hier Platz greifend erlebe, sind verwaiste Praxen...

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Barnie Geröllheimer
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Re: Keine (Fach-) Ärzte über Silvester im Krankenhaus

Beitrag von Barnie Geröllheimer »

Vakante Betreuer sind Leute, die die Zeit haben, sich Kranken zu widmen. Das müssen zunächst nicht unbedingt Fachärzte sein, es können auch Heilpraktiker, VERAHs oder Rettungssanitäter u.ä. sein.

Vor genau 1 Jahr hatte mein Schwager tagelang total wässrigen Stuhlgang, aber er wollte partout nicht zum Arzt gehen. Er glaubte, die Medis wegen Morbus Bechterew nicht gut zu vertragen und wollte sich mit Essensumstellung und Hausmittelchen behelfen. "Das geht schon wieder weg".
Als er nach einigen Tagen mal abends so geschwächt war, dass man ihn auf dem Weg zur Toilette stützen musste, haben wir den Medizinischen Dienst angerufen, der jenseits der regulären Sprechzeiten der Ärzte Hilfe leisten können soll.

Doch wie schon bei der Touristin mit dem geschwollenen Auge war auch hier kein Arzt direkt zu erreichen und auf tel. Rückfrage erklärte man sich im Bruchsaler Krankenhaus für überlastet und könne den Patienten nicht aufnehmen.
Man schickte uns in die Notaufnahme des 15-20km entfernten Klinikums in Bretten, wo wir nach einer mehrstündigen Odysee endlich einen leibhaftigen Arzt antrafen.

@Dr. Flaccus
Längst nicht jeder Patient, der sich in einer Notaufnahme vorstellt, ist auch tatsächlich "in Not". Wir erleben hier Zeckenbisse ("hab ich schon entfernt - ich sehe nix mehr, sehen Sie noch etwas, Herr Doktor?"), monatelang bestehende Rücken/Schulter/Fußschmerzen ("Können Sie nicht mal schnell ein Kernspin machen?"), Notfall-Verhütungswünsche (Pille danach) und vieles mehr...
Ist wirklich anzunehmen, dass sich jemand freiwillig und "unnötigerweise" in die bekanntermaßen übervollen Notaufnahmen begibt? Ich finde, Besorgnis nach einem Zeckenbiss, Angst und subjektiven Leidensdruck sollte man schon respektieren, auch wenn es für einen fachkundigen Arzt dann schließlich nur Kinkerlitzchen sind, die man da zu behandeln hat.
Dafür gibt´s halt die "Hintergrund"-Ärzte, die zu Hause angerufen werden und die je nach Sachlage ins Haus kommen oder aber telefonische Weisungen erteilen.
Schön wär's! Wenn Sie mit "Hintergrund-Ärzte" die Bereitschaftsärzte meinen, so scheinen sich diese wegen der besch!ssenen Bezahlung für den Dienst bestmöglich "wegzuducken". Bei uns hier steht kein Augenarzt namentlich in der Zeitung, der Notdienst leisten würde.
Und auf meinen Anruf im Falle der augenverletzten Touristin bei der RLS des DRKs wurde behauptet, es gäbe einen solchen augenärztlichen Bereitschaftsdienst überhaupt nicht mehr in Bruchsal, was die Ärztekammer auf meine Beschwerde hin vehement abstritt.

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Vakante Betreuer sind Leute, die

Beitrag von PR »

für umme nur so drauf brennen, jemanden gesundheitlich "betreuen" zu dürfen ? Kennen Sie so welche ? Ich nicht. Sie wären nicht mal in der Lage, die eigene Haftpflichtprämie aufzubringen.

Bei mir ist es seit längster Zeit grad andersrum. Eigentlich sollte ich mich noch immer am zwangskörperschaftlich organisierten allgemeinmedizinischen Notdienst beteiligen. Ich hielte dies wg. fachlicher Inkompetenz jedoch für komplett verantwortungslos und zahle deshalb seit Jahrenden Allgemeinärzten, die sich keine eigene Praxis leisten wollen oder können, sehr ordentliche Summen dafür, dass sie mir diese Dienste in eigener Verantwortung abnehmen. Denn ihrer sind nicht wenige.

Ein paar wenige Quartale lang hatten wir einen kreisweiten Fachnotdienst. Jedoch können Sie mit dem, was dabei an Umsatz zu erzielen ist, im Leben nicht bloß die (Nacht-/Feiertags-/Wochenend-) Überstunden einer einzigen Arzthelferin finanzieren. Wir haben dieses Draufzahlgeschäft drum recht hastig wieder beerdigt.

So siehts bei Fachleuten aus, die nix zu verkaufen haben, weil sie gar nix verkaufen dürfen.

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Barnie Geröllheimer
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Re: Keine (Fach-) Ärzte über Silvester im Krankenhaus

Beitrag von Barnie Geröllheimer »

Glauben Sie mir bitte, dass ich den Ärger über die liderliche Bezahlung durchaus verstehen kann. Humungus hat das ja auch bestätigt.
Aber die Reaktion ausbaden muss letztendlich der Patient, der keinen Arzt antrifft.

Wenn die -zugegeben- argumentativ strapazierte Berufsethik der Ärzte schon nicht mehr zieht, dann sollte es doch der Humanität und nicht zuletzt der Garantenpflicht geschuldet sein, sich zähneknirschend (erst-)helfend zur Verfügung zu stellen.
Auch ein Gynäkologe ist besser als gar kein Arzt.
Insgesamt erreichen die allermeisten Ärzte durchaus Einkommen, die bei anderen den blanken Neid hervorrufen.

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