Nur noch MVZs

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PAM55
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Nur noch MVZs

Beitrag von PAM55 » 05.04.15, 00:40

Guten Abend,

anlässlich der neuen Gesetzgebung des Hr. Gröhe sollen ja Niederlassungen (Praxisübernahmen) in "überversorgten" Gebieten nur noch in Ausnahmefällen möglich sein.
Heißt das jetzt, dass ich im Krankheitsfall nur noch in diese unpersönlichen MVZs oder gleich in die Klinik gehen soll, weil als gesetzlich Versicherter werde ich wohl kaum einen Termin bei selbständigen Fachärzten mehr bekommen (schon jetzt ein Problem)?
Sieht es denn allgemein so aus, dass ich die Freiberuflichkeit immer weiter zurückgeht oder war das wieder nur ein Entwurf nach dem Motto "Hauptsache es (Praxenabbau) steht schon mal im Gesetz, ob wirs durchsetzen, schau'n mer mal."?

Wie ich lese, wurde dieses VSG hier schon öfter diskutiert, doch möchte ich ganz klar mal eine (ärztliche) Meinung hören: Gibt es sie noch, diese unabhängigen Praxen, und das auch noch in Zukunft? (Dürfen denn Ärzte auch so ohne weiteres MVZs gründen oder nur Kliniken/...?)

Gespannt auf Ihre Antworten
Mit freundlichen Grüßen

PR
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Dem Gesetz einer "großen" Qualizion folgend,

Beitrag von PR » 05.04.15, 01:20

das sich wohl grad in einer Art Verabschiedung befindet,

werden Sie sich im Fall gesundheitlicher Probleme wohl oder auch übel, jedenfalls zuallerst
an eine sogenannte Termin-Service-Stelle zu wenden haben,
die ein Herr Gröhe für derlei Fälle grad einrichten möcht, bekanntermaßen.

Da werden Sie dann auch nicht geholfen werden, aber was sollt's auch ?

PR
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Quatsch beiseite. Die Ärzte,

Beitrag von PR » 05.04.15, 01:42

die Sie für Ihre Zwecke brauchen

wie jede/r,

die sind gerade dabei, ausgestorben zu werden.

Wg. großer großer Qualizion.

PR

PS: abstrakter gehts aber jetzt echt nicht.
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Timmie2
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Re: Nur noch MVZs

Beitrag von Timmie2 » 05.04.15, 10:52

PAM55 hat geschrieben:Dürfen denn Ärzte auch so ohne weiteres MVZs gründen oder nur Kliniken/...?
§ 95 SGB V hat geschrieben: Medizinische Versorgungszentren können von zugelassenen Ärzten, von zugelassenen Krankenhäusern, von Erbringern nichtärztlicher Dialyseleistungen nach § 126 Absatz 3 oder von gemeinnützigen Trägern, die aufgrund von Zulassung oder Ermächtigung an der vertragsärztlichen Versorgung teilnehmen, gegründet werden...

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...was realiter längst bedeutet:

Beitrag von PR » 05.04.15, 11:50

es reicht, dass wer auch immer welchem Arzt mit Kassenzulassung auch immer ein Gehalt zahlt für ein bisschen Sprechstunde, und schon kann wer auch immer nach Herzenslust riesige MVZs gründen und unterhalten. Ein Beispiel aus der operativen Augenheilkunde kenne ich recht gut. Das ist eine Riesenfirma, und der Arzt ist Mitte siebzig.

Abgesehen davon sollen demnächst ja auch die politischen Gemeinden MVZs gründen und betreiben können, weil ihnen die Ärzte abhanden gekommen sind. Was eine Farce ist, woher sollen die denn das Geld nehmen ?

Nönö, timmiezwoo, das läuft lähängst geradewegs auf die Großinvestoren zu.

PR
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Re: ...was realiter längst bedeutet:

Beitrag von PAM55 » 05.04.15, 12:57

PR hat geschrieben: Abgesehen davon sollen demnächst ja auch die politischen Gemeinden MVZs gründen und betreiben können, weil ihnen die Ärzte abhanden gekommen sind. Was eine Farce ist, woher sollen die denn das Geld nehmen ?

Nönö, timmiezwoo, das läuft lähängst geradewegs auf die Großinvestoren zu.

PR
Mit diesem Gedanken spiele ich auch gerade: Laut offiziellem Gesetz (danke dafür timmi2) ist es wohl erlaubt, dass Ärzte MVZs gründen dürfen, aber wenn das Gesetz zur Gründung von MVZs nun so geöffnet wird bei gleichzeitiger Sperre von Praxisübernahmen, kann dann gerade der Nachwuchs so schnell darauf reagieren? Ich meine für die Industrie ist das doch - wie Sie, PR, bereits erwähnt - ein leichtes neue MVZs aus dem Boden zu stampfen (und das doch bestimmt sehr bald, bis der Gesundheitsmarkt in der Stadt überlaufen ist); junge Ärzte bekommen ja nicht so leicht Kredite -> keine Zulassung -> aufs Land. Und dann wird man wohl nicht mehr in diesem Leben in die Stadt kommen.?
PR hat geschrieben:die Sie für Ihre Zwecke brauchen

wie jede/r,

die sind gerade dabei, ausgestorben zu werden.
Ohweh, schon Zeit zum Gedankenmachen? Sie meinen wohl den Trend zur Anstellung oder?

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Ich meine den Trend zur Anstellung.

Beitrag von PR » 05.04.15, 21:50

Sie sollten übrigens "Freiberuflichkeit" keinesfalls mit wirtschaftlicher "Selbständigkeit" verwechseln.

Alle Ärzte sind Freiberufler, nachzulesen ganz oben in der für alle gültigen Musterberufsordnung.
Dort steht auch das berühmte "Gelöbnis", welches unterschrieben zu haben heute reicht.

Dort steht auch, dass es nicht statthaft ist, wen auch immer zu akzeptieren, der sich zwischen seinen Patienten und ihn selbst zu drängen versucht, mithörend, mitbestimmend, mitprofitierend. Was bei Licht besehen eine klare Absage ist an das Vertragsdreieck der kranken Kassen, also eine klare Kampfansage an das Sozialgesetzbuch.

Dieses freilich wurde neben das Bürgerliche Gesetzbuch, Derivat des Grundgesetzes der Deutschen gestellt, um es auszuhebeln. So gilt also auch in aller aktueller Rechtsprechung für die Tätigkeit aller Kassenärzte das BGB nicht, das Grundgesetz nicht, und die Berufsordnung auch nicht.

Klar, dass ein Gesetzgeber, welche Lobby ihn auch immer gerade instrumentalisiert hat, diesen für ihn selbst geradezu paradiesischen Ausnahmezustand konservieren möchte.

Dazu braucht er aber möglichst Ärzte, die ihre eigene Berufsordnung gar nicht mehr kennen, sondern bloß noch das Kwalihandbuch des momentanen Anstellers.

Wenn Sie ob dessen meinen Unmut spüren, haben wir uns ganz richtig verstanden.

PR
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Christianes Herz
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Re: Nur noch MVZs

Beitrag von Christianes Herz » 05.04.15, 23:14

PR hat geschrieben:Was bei Licht besehen eine klare Absage ist an das Vertragsdreieck der kranken Kassen, also eine klare Kampfansage an das Sozialgesetzbuch.
Ja. Klar und wahr und kurz zusammengefasst. Respekt.
Grüße
Christiane

PAM55
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Re: Nur noch MVZs

Beitrag von PAM55 » 05.04.15, 23:38

Sehr überzeugende Antwort, sowohl aus sozialer wie juristischer Sicht!
Sie öffnet wirklich die Augen...

Aber um noch einmal zu meiner anderen Frage zurückkehren: Glauben Sie, dass die "Einladung" der Industrie ins Gesundheitssystem nun zu einem raschen Aufkaufen des ambulanten Sektors (im fachärztlichen Bereich) führt, in Form von MVZs in Städten und Krankenhäusern in unterversorgten Gebieten? (Wie kann das den funktionieren: Industrie darf Kassensitze in Städten kaufen, Ärzte aber nicht?)

PR
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rasch aufkaufen

Beitrag von PR » 07.04.15, 18:22

glaub ich noch nichtmal.

Flächendeckend ganz sicher nicht, sonst träten sie doch längst als Mitbieter auf. Da braucht die KV dorch gar nix mehr kaputtzukaufen, sondern da ist einfach gar kein Interessent da und der Laden geht still und nachfolgerlos zu. Das ist, was in meinem "großkreisstädtischen" uns ländlichen Umfeld ganz ohne irgendeines Zutun seit vier Jahren passiert. Das Weiterbestehen einer Praxis wird zur Seltenheit.

Sitze ggf. auf Vorrat kaufen wird die Gesundheizindustrie da, wos lukrativ zu werden verspricht. Das sind die Lauflagen, die unmittelbaren Nachbarschaften zu kommunalen und Kreiskliniken, die ja allesamt seit einem guten Jahrzehnt forchtbare Wackelkandidaten geworden sind. Noch in jeder Kreistags- und Gemeinderatsamtsperiode wird da mindestens einmal vom Vorteil der baldigen Privatisierung geschwärmt, nach jedem Tarifverhandlung sowieso. Dabei haben die doch längst alle outgesourct dass es schon sittenwidrig ist.

Und sowas gibt's eben auch: eine zwanzig Jahr jüngere Fachkollegin, von der ich null Ahnung hab, woher sie dazu das Geld hat, hat vor ein paar Jahren den dritten GYN-Sitz im Kreis aufgekauft und werkelt mit einer stets rasch wechselnden Mixtur angestellter Kollegen entsprechend desorganisiert vor sich hin. Wahrscheinlich war den abgebenden Kollegen genug, dass sie denen die Archivierungspflicht Akten abgenommen hat, die werden allesamt nicht mehr viel goodwill viel für ihren jahrzehntelangen Einsatz gekriegt haben.

An alledem wird das Versorgungsstärkungsgesetz des Gröhl Hermann eben nichts verbessern, sondern alles verschlechtern.

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Re: rasch aufkaufen

Beitrag von PAM55 » 07.04.15, 19:10

PR hat geschrieben:Und sowas gibt's eben auch: eine zwanzig Jahr jüngere Fachkollegin, von der ich null Ahnung hab, woher sie dazu das Geld hat, hat vor ein paar Jahren den dritten GYN-Sitz im Kreis aufgekauft und werkelt mit einer stets rasch wechselnden Mixtur angestellter Kollegen entsprechend desorganisiert vor sich hin. Wahrscheinlich war den abgebenden Kollegen genug, dass sie denen die Archivierungspflicht Akten abgenommen hat, die werden allesamt nicht mehr viel goodwill viel für ihren jahrzehntelangen Einsatz gekriegt haben.

PR
Aber sowas ist doch noch ein Hoffnungsschimmer. Gemeinschaftspraxen haben sicherlich einige Vorteile, v.a. auch was das Teilen der Kosten angeht. Dass die klassische Einzelpraxis ausgedient hat, kann man sich schon vorstellen; Einzelkämpfer bei Juristen/Steuerberatern habens auch schwer.
Sehen Sie in dieser Praxisform, PR, die Zukunft der "kleinen Ärzte" neben den riesen Rendite-MVZs oder sehen sie auch diese scheitern (meinten Sie das mit "werkelt... desorganisiert vor sich hin")?

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Mich betrifft das alles nicht mehr "aktiv"

Beitrag von PR » 07.04.15, 23:52

Sommer 2019 ist ultissimo.

Eine zusammengekaufte Großpraxis ist nach meinem Erleben kein Hoffnungsschimmer sondern ein Patientenhorror. Von der Kollegin erb ich wöchentlich Patientinnen. Wechselnde Besatzung ist der Gyn Praxis Untergang. Wechselnde Klein-Teilzeitjobberei ist das Ende jeder Kontinuität.
Bin totaler Dokumentationsfan, hab mir das in 25 Jahren so hingebastelt, wie ich es noch bei nienieniemandem gesehen hab. Aber so viel können Sie gar nicht mit der nötigen Klarheit dokumentieren, dass der Kollege, der beim nächstenmal zufällig Schicht hat, da weitermacht wo Sie aufgehört haben. Da wird vergessen, verschlampert, sich widersprochen, da geht sowieso alles subkutane und softe verloren, das können Sie im Leben nicht "übergeben". Heut wieder eine Kollegin, zwanzig Wochen schwanger, der großartig schnieken Großpraxis im Fußgängerzentrum entlaufen weil da die linke Hand der rechten widerspricht und dafür niemand eine eine Schwangere beruhigende Eklärung geben kann.
Ein Block weiter eine Riesenhausarzztpraxis, mit Lehrassistent jetzt fünf Leute unterschiedlichster Qualifikation und Partialinteresses. Hat letztes Jahr begonnen Termine zu vergeben, jetzt isses alles noch chaotischer. Meine Briefe werden von den Helferinnen aus der Faxleitung heraus in die elektronischen Karteikarten entsorgt. Lesen tut die keiner, auch nichtm wenn ich da eine dringende Frage reinschreib. Einmal wollt ich da einen Kollegen selber dringend sprechen, habe mir die Helferinnen erklärt: wir wissen dass er da ist, aber wir finden ihn nicht. Dortb ist alles auf einer Etage.

Der informationelle Übergabebedarf wächst exponentiell mit der Zahl der Praxisangehörigen.

Das mir den Synergieeffekten hält sich finanziell in sehr engen Grenzen. Räume: ok, Personal: ok. Geräte: keine Synergie, wenn nicht alle genau das Gleichen machen. Der Kardiologeninternist braucht seine teuren Dopplerkisten ja dann doch.

Was ich tät, wär ich Investor, ist: 1. meine für mich selber in einem Vierteljahrhundert entwickelten Praxisroutinen und ihre elektronische Dokumentation noch ein bisschen in die Breite ausbauen. 2. Ärzte anstellen, 3. am Empfang einer, der die Bildschirmmaske festlegt, die dann 4. die Kollegen in den Sprechzimmern noch abzuarbeiten haben.
Bin ich aber nicht und behalt mir noch den Luxus vor, die Bildschirmmaske, die mir meine (geschulten erfahrenen !) Helferinnen zugeteilt haben, jederzeit zu ändern.
Und wills auch nie werden.

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Re: Mich betrifft das alles nicht mehr "aktiv"

Beitrag von PAM55 » 08.04.15, 20:15

PR hat geschrieben: Eine zusammengekaufte Großpraxis ist nach meinem Erleben kein Hoffnungsschimmer sondern ein Patientenhorror. Von der Kollegin erb ich wöchentlich Patientinnen. Wechselnde Besatzung ist der Gyn Praxis Untergang. Wechselnde Klein-Teilzeitjobberei ist das Ende jeder Kontinuität.

...

Das mir den Synergieeffekten hält sich finanziell in sehr engen Grenzen. Räume: ok, Personal: ok. Geräte: keine Synergie, wenn nicht alle genau das Gleichen machen. Der Kardiologeninternist braucht seine teuren Dopplerkisten ja dann doch.

Was ich tät, wär ich Investor, ist: 1. meine für mich selber in einem Vierteljahrhundert entwickelten Praxisroutinen und ihre elektronische Dokumentation noch ein bisschen in die Breite ausbauen. 2. Ärzte anstellen, 3. am Empfang einer, der die Bildschirmmaske festlegt, die dann 4. die Kollegen in den Sprechzimmern noch abzuarbeiten haben.
Bin ich aber nicht und behalt mir noch den Luxus vor, die Bildschirmmaske, die mir meine (geschulten erfahrenen !) Helferinnen zugeteilt haben, jederzeit zu ändern.
Und wills auch nie werden.

PR
Ja dieses Problem mit den wechselnden Ärzten sehe ich ja in den MVZs. Wieso sollte man denn die Ärzte anstellen? Man sollte es natürlich nicht so wie die Riesen-Gyn-Praxis machen, aber man könnte sich doch als Facharzt zusammenschließen und als gleichwertige Partner einer Praxis arbeiten. Als Gemeinschaftspraxis der gleichen Fachrichtung muss es doch möglich sein, gute Patientenversorgung zu gewährleisten und gleichzeitig finanziell gut dazustehen? Wenn sich bspw. 3 oder 4 Radiologen zusammenschließen, müssten doch die Kosten zu stemmen sein?
Gerade beim Beispiel des Radiologen ist mir bekannt, dass es sehr wohl niederlassungswilligen Nachwuchs gibt, die kaum Teilhaber werden. Wieso muss man denn dann noch die Industrie dazwischenschalten?

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Wieso anstellen

Beitrag von PR » 08.04.15, 21:25

Hatten wir schon: weil dem Nachwuchs die Lust auf selbständig gründlich ausgetrieben worden ist.

Die einzige Alternative zu "angestellt" heisst "selbständig"

Für "selbständig sich als FA zusammenschließen" gibt es genau zwei Modelle:
- die Praxisgemeinschaft, jeder hat seine separate Zulassung, jeder hat seine separaten Patienten (die KV achtet sehr sehr genau darauf, dass es da sehr sehr wenig hin-und-her-Bewegungen gibt !), man nutzt Räume und Personal und facilities gemeinsam, man vertritt sich gegenseitig im Urlaub und bei Erkrankung
- die Gemeinschaftspraxis, alle arbeiten auf einer Abrechnungsnummer, alle "versorgen" den selben Patientenstamm, der Patien hat "Recht auf" den, der grad Schicht hat, alle nutzen alles Vorhandene gemeinsam. Es muss ein sehr genaues internes Reglement für Soll und Haben geben, sonst fliegt sowas flugs in die Luft.

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Re: Wieso anstellen

Beitrag von PAM55 » 08.04.15, 22:42

PR hat geschrieben:Hatten wir schon: weil dem Nachwuchs die Lust auf selbständig gründlich ausgetrieben worden ist.

PR
Ob das so für alle Regionen zu unterschreiben ist, denke ich wohl nicht. Bei einer nahe gelegenen 70.000 Einwohner Stadt mit ländlichem Umkreis war es z.B. so, dass sich in einer Praxis 4 Orthopäden auf 2 Sitze verteilten (mit OPs haben sie nebenbei etwas verdient) & es hat JAHRE gedauert, bis sie einen weiteren bekommen konnten. Und ich bin hier in keinem "lukrativen" überversorgten Gebiet, eher das Gegenteil (viele Gegenden herum gelten als unterversorgt). Die Nachfrage an Radiologen-, Kardiologen-... -Sitzen ist durchaus da, aber keine Chance auf Niederlassung. Und dann sollen diese Praxen auch noch stillgelegt werden?
Zahlen Ihrer Interessenvertretung: http://www.kbv.de/html/honorarbericht.php

Mir ist bewusst, dass das Durchschnittswerte sind, finde auch, dass das bei Ihrer Verantwortung noch mehr sein könnte, aber so dramatisch ist die Situation finanziell doch nicht. Ich meine, dass Gehalt ist oft deutlich höher als bei leitenden Klinikkollegen oder übersehe ich hier etwas? (klar muss noch die Verschuldung abgezogen werden, aber die PKV kommt ja noch hinzu.)

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