Mit sogenannten Wahlleistungen doppelt kassieren!

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LilyG
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Re: Mit sogenannten Wahlleistungen doppelt kassieren!

Beitrag von LilyG » 12.01.15, 11:57

Joerg_sommer hat geschrieben:Vielleicht erst mal mit LilyG's letzten beiden beiden Zitaten, die ich als Bestätigung meiner Position sehe Oder habe ich mich da zu früh gefreut?
Aber weiter oben schreibt die (der?) gleiche LilyG:
LilyG hat geschrieben:Der Chefarzt selbst ist die Wahlleistung und zwar die Chefs aller Abteilungen im Paket.
.
Wie oft habe ich dieses unsinnige Argument schon gehört, wenn meine Einwände gegen sog. "Wahlleistungs"-Rechnungen abgeschmettert wurden! Schon rein sprach-logisch ist es ein Unding: Ein Chefarzt ist ein Mensch bzw. der Angehörige einer Berufsgruppe, aber keine Leistung und schon gar keine Wahlleistung. Er kann eine Wahlleistung erbringen - oder auch nicht.
Ja klar, der Chefarzt ist ein Mensch. Er hat mehr Berufserfahrung, vielleicht spezielleres Wissen, Können und speziellere Fähigkeiten im Vergleich zu einem Assistenzarzt. Die Klinik zahlt ihm mehr Gehalt als einem Assistenzarzt. Da Sie Selbstzahler sind, werden die höheren Personalkosten der Klinik an Sie weitergereicht, wenn Sie über die Leistung "Wahlleistung Chefarztbehandlung" einen Wahlleistungsvertrag abschließen.

LilyG

Joerg_sommer
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Re: Mit sogenannten Wahlleistungen doppelt kassieren!

Beitrag von Joerg_sommer » 12.01.15, 12:11

LilyG hat geschrieben:Das Recht ist der Mehrwert! Ein anderer Arzt hätte die Leistung auch erbracht, wenn es nicht medizinisch erforderlich ist, dass der Chef operiert.
Ich gebe durchaus zu, dass ein "Mehrwert" entsteht, wenn man das Recht erwirbt, von einem bestimmten Arzt seiner Wahl behandelt zu werden, und nicht von irgendeinem anderen. Aber ich habe noch nie von Verträgen gehört, die nur die Arztwahl betreffen. Nach meinen Informationen ist in den Wahlleistungsverträgen das Recht auf einen Wahlarzt immer verbunden mit der Vereinbarung, dass dieser Arzt dann auch noch Wahlleistungen erbringen muss (siehe oben das Zitat aus meinem persönlichen Vertrag). Deshalb heißt das Ganze ja auch eben "Wahlleistungs"-Vertrag. Andernfalls müsste man von einem "Arztwahl-Vertrag" (oder so ähnlich) reden.

Humungus
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Re: Mit sogenannten Wahlleistungen doppelt kassieren!

Beitrag von Humungus » 12.01.15, 15:18

Joerg_sommer hat geschrieben:Wie oft habe ich dieses unsinnige Argument schon gehört, wenn meine Einwände gegen sog. "Wahlleistungs"-Rechnungen abgeschmettert wurden!
Ihnen geht es also gar nicht um die eine "versehentlich unterschriebene Wahlleistungsvereinbarung". Warum sagen Sie das nicht gleich?
Schon rein sprach-logisch ist es ein Unding: Ein Chefarzt ist ein Mensch bzw. der Angehörige einer Berufsgruppe, aber keine Leistung und schon gar keine Wahlleistung.
Die Wahlleistung besteht hier in der Behandlung durch den Chefarzt.
Lieber Humungus, sind Ihnen die Argumente ausgegangen?
Meine Argumente habe ich Ihnen gebracht. Es ist auch müßig wenn wir uns weiter im Kreis drehen. Ich schlage vor, Sie lassen diese Sache vom Verbraucherschutz, von einem Rechtsanwalt, oder, wenn Sie Wert auf eine definitive Antwort legen, von einem Gericht entscheiden. Dann ist auch Schluss mit dem von Ihnen angenommenen Milliardenbetrug, denn entweder ist das Vorgehen der Klinik legal oder es endet. Wen Sie so fester Meinung sind, steht Ihnen der Rechtsweg offen.
Aber ich habe noch nie von Verträgen gehört, die nur die Arztwahl betreffen.
Wahlleistungsverträge können auch nicht "Ärzte benennen" (denn das wäre dann der Leibarzt, der nur dem Patienten zur Verfügung steht), sondern vereinbaren die Durchführung von Leistungen durch einen Wahlarzt.

Ich weiß, ich werde Sie nicht überzeugen können. Kann es denn ein Richter?
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LilyG
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Re: Mit sogenannten Wahlleistungen doppelt kassieren!

Beitrag von LilyG » 12.01.15, 16:31

Wahlleistung: Chefarztbehandlung
Chefarzt = Mensch/Person
Behandlung = Leistung
Joerg_sommer hat geschrieben:Wahlärztliche Leistungen der aufnehmenden Fachabteilungen werden durch die ärztliche Direktorin / den ärztlichen Direktor Frau / Herrn Dr. XY erbracht.
Joerg_sommer hat geschrieben:Deshalb heißt das Ganze ja auch eben "Wahlleistungs"-Vertrag. Andernfalls müsste man von einem "Arztwahl-Vertrag" (oder so ähnlich) reden.
"Arztwahl-Vertrag" ist eine tolle Wort Kreation. Ich schließe mich Humungus an. Sie sollten einen Rechtsanwalt fragen.

LilyG

Kinke
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Re: Mit sogenannten Wahlleistungen doppelt kassieren!

Beitrag von Kinke » 12.01.15, 17:08

Irgendwie muss man das hier gerade nicht so ganz verstehen.

Wenn ich wegen einer Operation ins Krankenhaus gehe, unterschreibe ich bei der Aufnahme einen Wahlleistungsvertrag. Darunter fallen z.B. die Behandlung durch den Chefarzt (oder eines Vertreters, z.B. der Ltd. Oberarzt), das Zimmer (z.B. 1-Bett oder 2-Bett) und sonstige tolle Kleinigkeiten (wie z.B. eine gratis Telefonkarte, einen Obstkorb täglich, einen Kaffee und Kuchen zur Nachtmittagszeit, ect.).

Wer eine Wahlleistung wünscht, tut dies meistens aufgrund des Versicherungsstandes (z.B. Privat oder Privat-Zusatzversichert). Also nimmt man gleich den ganzen Rutsch mit und genießt die allgemein bekannte Chefarzt-Behandlung. Der daraus entstandene Aufwand möchte der Chef natürlich auch vergütet bekommen. Entsprechend erhalten Sie von sämtlichen an der Behandlung beteiligten Abteilungen jeweils eine Privatrechnung - bei OP's üblicherweise vom Chirurgen und vom Anästhesisten. Da einige Bestandteile des Blutbildes von der Inneren abgerechnet werden, auch noch vom Chefarzt der Inneren.

Dazu erhalten Sie die Rechnung für das Wahlzimmer (1- oder 2-Bett-Zimmer).

Die restlichen Dinge werden über die gesetzliche Krankenversicherung abgerechnet.


Wo ist nun das Problem? Die allgemeinen Kosten werden selbstverständlich von der Gesetzlichen bezahlt. Da Sie aber eine Wahlleistung wählten (hier ist es ganz egal, ob es nur der Chefarzt oder das Zimmer war, es ist und bleibt Wahlleistung), müssen die dadurch entstandenen Kosten von Ihnen selbst getragen werden. Danach können Sie sich das Geld von Ihrer Zusatzversicherung erstatten lassen - oder auch nicht.



Was die Begrifflichkeit "Wahlleistung" bedeutet, steht ja schon oben. Aus dieser Gruppe können Sie verschiedene Leistungen wählen. Darunter fällt nun einmal eben auch die Behandlung durch den Chefarzt.


Im Grunde besteht damit ein direkter Vertrag zwischen dem Arzt und Ihnen! Ihre Krankenkasse ist hier aus dem Schneider und hat mit der Angelegenheit nichts mehr zu tun.
Wenn Sie nicht zahlen wollen (oder können), besteht die Forderung ausschließlich gegen Sie - Sie sind Vertragspartner, nicht Ihre Versicherung.

Joerg_sommer
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Re: Mit sogenannten Wahlleistungen doppelt kassieren!

Beitrag von Joerg_sommer » 12.01.15, 18:14

Die ganze Diskussion läuft in dem folgenden Brennpunkt zusammen:

Ein Wahlleistungsvertrag kann bereits dann erfüllt sein, wenn der Wahlarzt (mit seiner ganzen Wahlarztkette) den betr. Patienten mit allgemeinen Krankenhausleistungen behandelt hat.

Wenn das der Weisheit letzter Schluss sein soll, können wir in der Tat aufhören. Warum sich der Gesetzgeber die Mühe macht, in § 17, Abs. 1 des Krankenhausentgeltgetzes überhaupt den Begriff der Wahlleistung ins Spiel zu bringen und auch noch festlegt, dass es sich dabei "um andere als die allgemeinen Krankenhausleistungen" handeln muss, bleibt dann ein ungeklärtes Rätsel.

Ein ungeklärtes Rätsel bleibt auch, warum sich die Dt. Krankenhausgesellschaft die Mühe macht, lang und breit zu erklären, was Wahlleistungen inhaltlich sein können (ich habe das weiter oben schon weiter ausgeführt - z. B. Schönheits-OP, noch nicht zugelassene Medikamente usw.)

Also, machen wir Schluss. Übrigens: den Weg eines privaten Rechtstreits habe ich nicht beschritten, weil ich zum fraglichen Zeitpunkt keine Rechtschutzversicherung hatte. Das Risiko konnte ich nicht eingehen. Die Ärztelobby steht in dieser Frage wie eine "Eins". Was ich sonst noch alles unternommen habe - vergeblich! - können Sie auf meiner Internetseite nachlesen.

kosa
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Re: Mit sogenannten Wahlleistungen doppelt kassieren!

Beitrag von kosa » 12.01.15, 21:16

Guten Abend,

vielleicht kann ich noch etwas Licht in die Sache bringen.

Allgemeine Krankenhausleistungen sind in §2 Abs.2 KHEntgG näher bezeichnet:
(2) Allgemeine Krankenhausleistungen sind die Krankenhausleistungen, die unter Berücksichtigung der Leistungsfähigkeit des Krankenhauses im Einzelfall nach Art und Schwere der Krankheit für die medizinisch zweckmäßige und ausreichende Versorgung des Patienten notwendig sind.
Quelle: www.Gesetze im Internet.de

Alles was darüber hinausgeht sind gesondert zu vereinbarende Wahlleistungen. Dazu gehört das Einzelzimmer genauso wie die Chefarztbehandlung oder auch medizinische Wahlleistungen, wie z.B. kosmetische Operationen.

Besteht ein Patient auf die Behandlung durch einen Chefarzt, dann schließt er mit dem KH eine Wahlleistungsvereinbarung gem. §17 Abs.1 und Abs.2 KHEntgG in der die Behandlung durch den Chefarzt oder benannten Vertreter festgelegt wird. In diesem Moment wird aus den allgemeinen Krankenhausleistungen im Sinne des o.g. Paragraphen, die der Chefarzt übernimmt, gem. §17 Abs.3 KHEntgG eine wahlärztliche Leistung, denn der gewünschte Wundverschluss durch den Chefarzt, als Beispiel, ist nicht mehr den allgemeinen Krankenhausleistungen gem. §2 Abs.2 zuzuordnen.

Wahlärztliche Leistungen sind, die Leistungen, die der gewählte (Chef-)Arzt oder sein Vertreter selbst durchführt, selbst in Auftrag gibt oder die unter seiner Aufsicht ausgeführt werden.

Dementsprechend ist diese Aussage
Joerg_sommer hat geschrieben:Ein Wahlleistungsvertrag kann bereits dann erfüllt sein, wenn der Wahlarzt (mit seiner ganzen Wahlarztkette) den betr. Patienten mit allgemeinen Krankenhausleistungen behandelt hat.
nur insofern nicht richtig, da es sich um wahlärztliche Leistungen handelt.

Ansonsten, wie hier bereits mehrfach geschrieben wurde, ja, der Wahlleistungsvertrag wurde erfüllt.
Das Krankenhaus rechnet gewöhnlich direkt mit der Versicherung ab (Ausnahme in Ihrem Fall wegen der Beihilfe) und die beteiligten Ärzte liquidieren Ihre Leistungen gesondert (abzüglich der 25%, die bereits über die Fallpauschale abgedeckt sind).

Gruß
kosa

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Re: Mit sogenannten Wahlleistungen doppelt kassieren!

Beitrag von Humungus » 12.01.15, 23:33

Joerg_sommer hat geschrieben:Die Ärztelobby steht in dieser Frage wie eine "Eins".
...und natürlich wird sie von der "Juristenlobby" noch unterstützt. Sie sehen sich als ein Opfer des Krähensystems, dem selbst der Verbraucherschutz, das Gesundheitsministerium und Bundestagsabgeordnete beigetreten sind.

Ich darf doch aus Ihrer Homepage zitieren:
http://www.oeko-trimaran.de/Folgeseiten/Folgeseiten4/Presse-Info9.htm hat geschrieben:Hier die buchstabengetreue Wiedergabe des Tenors von Staatsanwalt Schmitt (Vorname nicht angegeben) von der Staatsanwaltschaft Heidelberg, am 23. 6. 2014):

„Zunächst betreffen die meisten Rechnungen Leistungen, für welche die Wahlleistung „Wahlarzt“ angegeben worden ist. Bei diesen Rechnungen stellt sich die Frage, ob diese Leistungen als allgemeine Krankenhausleistungen zu qualifizieren nicht, da bereit die Vornahme durch einen „Wahlarzt“ die besondere Vergütungspflicht auslöst“.
Mir fällt da wieder der alte Witz mit der Radiomeldung ein: "Achtung! Auf der Autobahn befindet sich ein Geisterfahrer!" "Wieso einer - hunderte..."
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Ei was freut mich,

Beitrag von PR » 13.01.15, 22:05

daß ich i m m e r Wahlarzt bin

und das auch bleiben werd, wenn mir irgend eine "Servicestelle" Patienten zuteilen will (Gröhl !).

Für die hab ich nämlich schlicht keine Zeit.

Nie. So viele haben mich gewählt.

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Von Fremdinteressen freie an Patienteninteresse orientierte eigene Meinung.
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Re: Mit sogenannten Wahlleistungen doppelt kassieren!

Beitrag von Joerg_sommer » 14.01.15, 09:14

Tja, lieber Humungus, ich muss zugeben: Ihrem Geisterfahrer-Witz habe ich nicht viel entgegenzusetzen. Immerhin, da fährt noch ein Geisterfahrer vor mir her - ausgerechnet der Chefarzt, der mich operiert hat (siehe meine Internetseite, ganz am Schluss): Dem habe ich ja die Rechnung mit angeblichen Wahlleistungen gezeigt, die offenbar ohne sein Zutun generiert wurde. Und er hat mir den Betrag zurück-überwiesen - immerhin etwas über 1000 €. Und ich versichere Ihnen: Ich habe ihm nicht vorgejammert, dass mich seine Rechnung an den Bettelstab bringen würde, und dass meine Kinder jetzt hungern müssten. Ich habe ihn lediglich gefragt, ob auf dieser Rechnung irgendeine Position zu finden sei, die über die allgemeinen Krankenhausleistungen hinausginge. Er hat, als er die Rechnung durchging, nur immer wieder den Kopf geschüttelt und dann wie beschrieben, gehandelt. Seine ganze Entourage in der sog. "Wahlarztkette" war leider anderer Meinung.

Ja, und noch ein Geisterfahrer ist unterwegs - genauer gesagt: Eine ganze Gesellschaft in einem Bus, eine illustre Gesellschaft, die man da nun gar nicht erwarten würde. Aber es ist tatsächlich die Deutsche Krankenhausgesellschaft. Die hat ja ein umfangreiches Papier zu der Frage ausgearbeitet, was denn nun konkret unter einer "Wahlleistung" zu versehen sei (die Quelle finden Sie ebenfalls auf meiner Internetseite). Und da finden sich tatsächlich "echte" Wahlleistungen, also solche, die von sich aus etwas anderes sind als allgemeine Krankenhausleistungen - so, wie sich das der Gesetzgeber wohl ursprünglich auch gedacht hat.

Joerg_sommer
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Re: Mit sogenannten Wahlleistungen doppelt kassieren!

Beitrag von Joerg_sommer » 14.01.15, 09:59

kosa hat geschrieben:Wahlärztliche Leistungen sind, die Leistungen, die der gewählte (Chef-)Arzt oder sein Vertreter selbst durchführt, selbst in Auftrag gibt oder die unter seiner Aufsicht ausgeführt werden.
Lieber Kosa, Ihre Ausführungen bringen die Mainstream-Auffassung noch mal auf den Punkt. Etwas salopper formuliert: Alles, was ein Wahlarzt anfasst, wird zur Wahlleistung und kann zu Geld gemacht werden. Die allgemeine Krankenhausleistung wird durch das bloße Anfassen zur Wahlleistung! Ich will das im Folgenden mal als "Wandlungstheorie" bezeichnen. Nur: Aus dem von Ihnen zitierten Gestzestext kann ich das mit dem besten Willen nicht herauslesen! Bitte zitieren Sie mir doch mal die genaue Formulierung im Gesetzestext, auf der Ihre Interpretation basiert!

Das Besondere an Kosa ist, dass ich in ihm den ersten und einzigen Vertreter der Wandlungstheorie antreffe, der sich überhaupt auf § 17 des Krankenhausentgeltgesetzes einlässt. Das haben bisher alle Verfechter dieser Theorie strickt vermieden - die Verwaltungsleute, die meine Einsprüche gegen angebliche Wahlleistungs-Rechnungen abgeschmettert haben, die Rechtsanwälte, die Staatsanwälte usw. Sie meiden dieses Gesetz wie der Teufel das Weihwasser, auch wenn ich sie mit der Nase darauf stoßen wollte - wohl wissend, dass dies Glatteis ist, auf dem sie ausrutschen werden.

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Re: Mit sogenannten Wahlleistungen doppelt kassieren!

Beitrag von Humungus » 14.01.15, 10:23

Joerg_sommer hat geschrieben:Ja, und noch ein Geisterfahrer ist unterwegs - genauer gesagt: Eine ganze Gesellschaft in einem Bus, eine illustre Gesellschaft, die man da nun gar nicht erwarten würde. Aber es ist tatsächlich die Deutsche Krankenhausgesellschaft. Die hat ja ein umfangreiches Papier zu der Frage ausgearbeitet, was denn nun konkret unter einer "Wahlleistung" zu versehen sei (die Quelle finden Sie ebenfalls auf meiner Internetseite). Und da finden sich tatsächlich "echte" Wahlleistungen, also solche, die von sich aus etwas anderes sind als allgemeine Krankenhausleistungen - so, wie sich das der Gesetzgeber wohl ursprünglich auch gedacht hat.
Gut, Herr Sommer, ein einziges Mal werde ich Ihnen noch antworten, weil ich Anhänger der Schule "dum spiro, spero" bin. Sie haben auch den Text der DKG nicht wertfrei gelesen, sondern nur die Passagen herausgepickt, die Ihrer Meinung Unterstüzung bieten. Dass die DKG aber beim Wahlarzt gar nicht in Frage stellt, dass dieser privat liquidiert werden muss, haben Sie glatt überlesen. Sie sind ja Psychologe, und Sie werden das Phänomen kennen, wenn jemand sich derart auf ein Weltbild versteift, dass er alle Argumente, die dagegen sprechen, ignoriert (darum auch mein Geisterfahrerwitz). Übrigens befinden Sie sich damit in illustrer Gesellschaft.

Ich zitiere aus der DKG:
Seit langem vertraute Wahlleistungsangebote wie die Wahlarztbehandlung...
...dass es sich bei der Behandlung durch den Chefarzt um eine allgemeine Krankenhausleistung und nicht um eine Wahlarztbehandlung nach § 17 Abs. 3 KHEntgG handelt, wenn die besonderen Erfahrungen und Fähigkeiten des Chefarztes im Einzelfall für eine ausreichende Behandlung notwendig sind;
Das heißt: der Chefarzt muss arbeiten, und zwar ohne Extra-Liquidation, wenn der Eingriff derart schwierig ist, dass er persönlich "ran" muss. Ähnliches gilt auch für die Unterbringung im Ein- oder Zweibettzimmer. Hier würde wohl niemand missverstehen, dass ein Isolierzimmer bei einer ansteckenden Erkrankung nicht dem Patienten liquidiert werden kann.

Dies gilt aber nicht für den Fall, dass ein Patient vom Chefarzt behandelt wird, weil der Patient das so will.

Innerhalb eines Absatzes hat die DKG ihre Position eindeutig erklärt. Wenn Sie das nicht verstehen wollen, tut es mir leid. Übrigens habe ich kein Problem mit dem 17 KHEntgG, er besagt das Gleiche: allgemeine Leistungen sind der notwendige Mindeststandard (je nach Schwierigkeit eben mit oder ohne Chef), alles darüber hinaus ist Wahlleistung, auch der Chef, denn man will, ohne dass "es es braucht".
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Re: Mit sogenannten Wahlleistungen doppelt kassieren!

Beitrag von Joerg_sommer » 14.01.15, 15:48

Humungus hat geschrieben:Dass die DKG aber beim Wahlarzt gar nicht in Frage stellt, dass dieser privat liquidiert werden muss, haben Sie glatt überlesen.
Richtig. Das habe ich überlesen, weil es mit unserem Thema nichts zu tun hat. Natürlich muss ein Wahlarzt privat liquidiert werden, wenn er Wahlleistungen erbracht hat. Hat das jemand in Frage gestellt? Ich jedenfalls nicht!
Humungus hat geschrieben:Ich zitiere aus der DKG:
Zitat:
Seit langem vertraute Wahlleistungsangebote wie die Wahlarztbehandlung...
Was Sie mit diesem Zitat sagen wollen, habe ich nicht verstanden.
Humungus hat geschrieben:Zitat:
...dass es sich bei der Behandlung durch den Chefarzt um eine allgemeine Krankenhausleistung und nicht um eine Wahlarztbehandlung nach § 17 Abs. 3 KHEntgG handelt, wenn die besonderen Erfahrungen und Fähigkeiten des Chefarztes im Einzelfall für eine ausreichende Behandlung notwendig sind;
Das heißt: der Chefarzt muss arbeiten, und zwar ohne Extra-Liquidation, wenn der Eingriff derart schwierig ist, dass er persönlich "ran" muss. Ähnliches gilt auch für die Unterbringung im Ein- oder Zweibettzimmer. Hier würde wohl niemand missverstehen, dass ein Isolierzimmer bei einer ansteckenden Erkrankung nicht dem Patienten liquidiert werden kann.
Da bin ich ganz Ihrer Meinung. Was hat das mit unserer Kontroverse zu tun?
Humungus hat geschrieben:Dies gilt aber nicht für den Fall, dass ein Patient vom Chefarzt behandelt wird, weil der Patient das so will.
Richtig. Dann muss der Patient einen Wahlleistungs-Vertrag abschließen. Und der Wahlarzt muss die gewünschten Wahlleistungen erbringen. Wo ist das Problem?
Humungus hat geschrieben:Übrigens habe ich kein Problem mit dem 17 KHEntgG, er besagt das Gleiche: allgemeine Leistungen sind der notwendige Mindeststandard (je nach Schwierigkeit eben mit oder ohne Chef), alles darüber hinaus ist Wahlleistung, auch der Chef, denn man will, ohne dass "es es braucht".
Auch einverstanden, wenn man in Ihrer Formulierung das Wort "Wahlleistung" durch "Besatndteil des Wahlleistungsvertrages" ersetzen könnte. Denn der "Chef" ist keine Leistung, sondern ein Mensch bzw. der Angehörige einer Berufsgruppe (das hatten wir oben schon mal); er kann Leistungen erbringen, auch Wahlleistungen, oder auch nicht.

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Re: Mit sogenannten Wahlleistungen doppelt kassieren!

Beitrag von LilyG » 14.01.15, 16:12

http://www.oeko-trimaran.de/Folgeseiten/Folgeseiten4/Presse-Info9.htm hat geschrieben: Neben der positiven Definition der Wahlleistung (Dt. Krankenhausgesellschaft, siehe oben) und der negativen Definition nach dem Krankenhausentgeltgesetz (Leistungen, die nicht zu den allgemeinen Krankenhausleistungen gehören) werden in der Literatur noch zwei weitere Kriterien genannt:
1. Leistungen, die ich ohne Wahlleistungsvertrag nicht erhalten hätte.
2. Leistungen, bei denen ich als Patient überhaupt eine Wahl hatte, was voraussetzt, dass mir Alternativen angeboten wurden, von denen mindestens eine als „Wahlleistung“ zu betrachten war.
Zu 1.: Der Chefarzt hätte Sie nicht ohne Abschluss des Vertrags operiert, da die Operation auch ein anderer Arzt hätte vornehmen können.
Zu 2.: Die Alternative ohne Wahlleistungsvertrag wäre gewesen, dass ein anderer Arzt Sie operiert hätte. Die Person des Operateurs hätte sich ausschließlich nach der medizinischen Notwendigkeit gerichtet. Das war Ihre alternative Wahl zwischen zwei Personen.
Allein die Behandlung durch den Wahlarzt ist eine Zusatzleistung (ärztlichen Wahlleistung), die über die allgemeinen Krankenhausleistungen hinausgeht, so dass Ihre Schlußfolgerung
http://www.oeko-trimaran.de/Folgeseiten/Folgeseiten4/Presse-Info9.htm hat geschrieben:2. Dieser Wahlarzt muss an dem betr. Patienten Zusatzleistungen erbringen, die über die allgemeinen Krankenhausleistungen hinausgehen – eben die ärztlichen Wahlleistungen.
falsch ist, denn diese enthält die Verknüpfung zweier Wahlleistungen. Sie können eine Schönheitsoperation genauso annehmen oder ablehnen, wie die Chefarztbehandlung. Auch muss nicht ein Chefarzt eine Schönheitsoperation vornehmen, es könnte auch einer seiner Mitarbeiter sein.

Nun da Sie die Klinik schon genannt haben. …. Müsste es nicht auf Ihrer Homepage Herrn Prof. Dr. E. statt Herrn Prof. Dr. K. heißen?

LilyG

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Re: Mit sogenannten Wahlleistungen doppelt kassieren!

Beitrag von Humungus » 14.01.15, 16:29

Joerg_sommer hat geschrieben:Das habe ich überlesen, weil es mit unserem Thema nichts zu tun hat.
Oh doch.
DKG hat geschrieben:Seit langem vertraute Wahlleistungsangebote wie die Wahlarztbehandlung...
Was Sie mit diesem Zitat sagen wollen, habe ich nicht verstanden.
Das heißt - wie LilyG auch sagt, dass allein die Behandlung durch einen Wahlarzt bereits eine Wahlleistung ist. Dieser Meinung ist die DKG!
Denn der "Chef" ist keine Leistung, sondern ein Mensch bzw. der Angehörige einer Berufsgruppe (das hatten wir oben schon mal); er kann Leistungen erbringen, auch Wahlleistungen, oder auch nicht.
Er erbringt aber seine Leistungen als Wahlleistungen, wenn er als Wahlarzt bestimmt wurde und sein Einsatz sonst nicht notwendig gewesen wäre.

Siehe erneut LilyG! Ich habe als Assistent und als Facharzt im Krankenhaus Schönheitsoperationen durchgeführt, weil ich dafür qualifiziert war. Nur, wenn der Patient dies wünschte und vereinbarte (oder wenn die OP schwierig war), wurde der Chef aktiviert.

Noch einmal:
1. Chef nötig - keine Wahlleistung (§2 KHEntgG)
2. Chef gewünscht, aber nicht nötig, und so vereinbart - Wahlleistung (§17 KHEntgG)
Gleiches gilt für besondere Unterbringung.
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