Eine ehrliche gesundheitspolitische Aussage

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Timmie2
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Re: Eine ehrliche gesundheitspolitische Aussage

Beitrag von Timmie2 » 19.11.14, 17:41

Christiane hat geschrieben:
Die USA sind uns da bereits einen großen Schritt voraus.
(Geschrieben von Timmie am 18.11.2014, 14:43 h, sonst wird die Suche zu schwierig)
Inwiefern, Timmie? Was machen die in den Vereinigten Staaten besser bzw. anders bzw. ehrlicher?
In den USA werden Pharmakonzerne regelmäßig zu hohen Strafzahlungen verdonnert. Die Liste der Strafzahlungen ist lang und reicht von Bilanzfälschung, Kauf von Patientendaten, Preisbetrug und Korruption bis zu Journalistendiskreditierung und Bedrohung oder Erpressungsversuchen. Häufiger sind aber Marketingfehlverhalten und Kartellabsprachen.

Mit Kartellabsprachen (pay for delay) werden Arzneimittelpreise künstlich oben gehalten. Für einen neuen Wirkstoff erhält der Hersteller ein Patent für 20 Jahre, in dieser Zeit hat er einen erheblichen finanziellen Spielraum bei der Preisfestsetzung. Nach 20 Jahren dürfen Wettbewerber ein nachgeahmtes Generikum anbieten, das oft nur einen Bruchteil kostet. Mittels illegaler Kartellabsprachen verzichten die Generikahersteller darauf, eine billigere Nachahmerversion auf den Markt zu bringen und erhalten dafür einen finanziellen Ausgleich durch die Herstellerfirma.

Die Strafzahlungen insgesamt wurden in den Jahren 2009-2012 deutlich erhöht, was die Pharmakonzerne allerdings wenig beeindruckt hat. Ein Pharmaunternehmen wurde zwischen 2003 und 2012 insgesamt 4 x wegen betrügerischer Preis- und Marketingpraktiken verurteilt, nach jeder Verhängung gelobte man Besserung und unterzeichnete ein Corporate Integrity Agreement, das eine Wiederholung illegalen Tuns verhindern sollte. In Europa sind solche Strafzahlungen noch eher selten.

Corporate Integrity Agreements sind vertragliche Verpflichtungen zur Niederlegung illegaler Machenschaften. Da diese keinen durchschlagenden Erfolg zeigten, wurde den in USA tätigen Pharmaherstellern per Gesetz (Physician Payment Sunshine Act) auferlegt, alle Zuwendungen an Kliniken mit Lehraufträgen und Ärzte zu veröffentlichen (Open Payments), dabei kommt mitunter Interessantes zutage.

In Deutschland begnügen wir uns immer noch mit freiwilligen Vereinbarungen (Transparenz-Kodex ab 2016), die bereits daran scheitern, dass eine Veröffentlichung nur mit Zustimmung des Zuwendungsempfängers erfolgt.

Solche finanziellen Zuwendungen (Interessenskonflikte genannt) sind in vielerlei Hinsicht problematisch, besonders gravierend wirken sie sich auf medizinische Leitlinien aus. In den Leitliniengremien sitzen überwiegend von der Industrie gesponserte Experten, die Forschungsgelder und/oder Beraterhonorare der Pharmaindustrie erhalten und letztlich über Diagnostik und Behandlung entscheiden.

Das US-Institut IOM (Institute of Medicine) empfiehlt, Experten mit Interessenskonflikten bei der Leitlinienerstellung auszuschließen. Aus Sicht der (deutschen) DELBI-Kommission würde das die Leitlinienerstellung unmöglich machen, da auch intellektuelle Interessenskonflikte berücksichtigt werden und somit niemand mehr an der Bewertung von Evidenzen und Konsensfindung teilnehmen könnte. Auch das DNEbM (Dt. Netzwerk für evidenzbasierte Medizin), das sich öffentlich gegen Interessenskonflikte positioniert, möchte sich den strikten Regelungen des IOM nicht anschließen. Das DNEbM vertritt gar die Meinung, Interessen wie z.B. Karriereehrgeiz könnten förderlich für gute Arbeit sein. Das ist deshalb schon geradezu haaresträubend, da Pharmafirmen Ärzten ganze Karrierepakete (Ghost management) schnüren. Anstatt das Thema anzugehen, begnügt man sich hierzulande damit, zunächst einmal (evidenzbasiert versteht sich) erforschen zu wollen, was ein Interessenskonflikt überhaupt ist und wie er sich auswirkt. Man geht davon aus, dass grundsätzlich Patienten als auch die Gesellschaft von einer Kooperation zwischen Forschung und Industrie profitieren können und appelliert an Regelungen nach Augenmaß, deshalb belässt man es bei Empfehlungen. Solange es aber bei schlichten Empfehlungen bleibt, kann von unabhängigen Leitlinien keine Rede sein.

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ach timmiezwoo, wie viel Ahnung haben Sie denn

Beitrag von PR » 20.11.14, 00:02

ausgerechnet von "Forschung" ? Können Sie mehr als anderer Leute Traktätchen hier reinkopieren ?

Bitte mal erkundigen: wo findet "Forschung" denn überhaupt (noch) statt ? Unsere Universitäten sind doch längst totgespart. Im Bereich Technik geht ja noch was, sogar ziemlich anwendungsorientiert und produktiv.

Und in der Medizin hat das DKFZ seine Meriten. Aaber gucken Sie mal, wie viel Zeit vergangen ist zwischen Zur Hausen's grundlegender Entdeckung (Virus als Onkogen) und der ersten brauchbaren und nützlichen Anwendung (HPV-Impfung).

Fortschritt braucht Forschung und Forschung kost richdich viel Geld. Der Steuerzahler hat's über Jahrzehnte nicht aufbringen wollen. Isses jetzt halt der Kassenbeitragszahler, der die Forschung zu seiner Behandlung im Nachhinein zu blechen hat.

Kassenbeitrag ist eh Zwangsabgabe und Pseudosteuer, einziger Unterschied: zweckgebunden. Bedeutendster Veruntreuer übrigens: kranke Kasse.

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Re: Eine ehrliche gesundheitspolitische Aussage

Beitrag von Timmie2 » 20.11.14, 14:04

PR hat geschrieben:Und in der Medizin hat das DKFZ seine Meriten. Aaber gucken Sie mal, wie viel Zeit vergangen ist zwischen Zur Hausen's grundlegender Entdeckung (Virus als Onkogen) und der ersten brauchbaren und nützlichen Anwendung (HPV-Impfung).
Da haben Sie ja das beste Beispiel gewählt. Sie wissen aber schon, wie umstritten diese Impfung ist und wer da alles mitkassiert? :lachen:
PR hat geschrieben:Bitte mal erkundigen: wo findet "Forschung" denn überhaupt (noch) statt ? Unsere Universitäten sind doch längst totgespart...
Fortschritt braucht Forschung und Forschung kost richdich viel Geld. Der Steuerzahler hat's über Jahrzehnte nicht aufbringen wollen. Isses jetzt halt der Kassenbeitragszahler, der die Forschung zu seiner Behandlung im Nachhinein zu blechen hat.
Auch von Geldflüssen in der Forschung haben Sie offenbar nicht die geringste Ahnung, gell? Hauptsache dicke Backen machen und Sprüche kloppen :mrgreen:

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Das Attribut "umstritten"

Beitrag von PR » 20.11.14, 17:07

ist ja sowas von schwachsinnig.

Wennse sich hier jetzt auch noch als "Impfgegner" outen, hamse von mir zum letztenmal einen Tastaturanschlag gekriegt, denn dann sinnse's mir endgültig nicht wert.

:shock:

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Re: Das Attribut "umstritten"

Beitrag von Timmie2 » 20.11.14, 21:04

PR hat geschrieben:Das Attribut "umstritten" ist ja sowas von schwachsinnig.
PR
Schwachsinnig? Japan hat die Empfehlung für eine HPV-Impfung im Rahmen des Japan´s Preventive Vaccination Law ausgesetzt. In Kolumbien geriet die Impfung in Verdacht, Auslöser einer mysteriösen Krankheitswelle gewesen zu sein. In der Schweiz wurden bei der Swissmedic 167 Fälle von unerwünschten Nebenwirkungen gemeldet, davon wurden 27 als medizinisch wichtig eingestuft. Bei 11 % kam es zu schweren Folgen. In den USA wurden 259 Entschädigungsanträge wegen schwerer Nebenwirkungen gestellt. Davon 12 Todesfälle. 73 Fälle wurden anerkannt und ausbezahlt. Auch in Frankreich hat eine junge Frau Strafanzeige nach einer Impfung erstattet. 2 Gutachten der Schlichtungs- und Entschädigungskommission bescheinigten den Kausalzusammenhang zwischen Impfung und entzündlicher Reaktion des Nervensystems und sprachen ihr eine Entschädigung zu. Ihre Anwältin spricht bereits von einem Arzneimittelskandal. In vielen Fällen der Nebenwirkungen handelte es sich um Störungen des Nervensystems.

Nach vorliegenden Studien kann die Impfung zwar gutartige Zellveränderungen verhindern, nicht aber die eigentlichen Krebsvorstufen (höhergradige Zellveränderungen). Die Erteilung der Zulassung erfolgte, bevor die Studien zum klinischen Nutzen abgeschlossen waren. In einem Leitartikel des New England Journal of Medicine wurde die Wirkung gar als bescheiden bezeichnet. 2008 haben 13 angesehene deutsche und österreichische Wissenschaftler ein kritisches Manifest veröffentlicht, die STIKO hielt aber an ihrer Empfehlung fest. Deren Vorsitzender wechselte wenig später auf einen Vorstandsposten eines großen Impfkonzerns.

Die beiden Hersteller haben sich gegenseitig Kreuzlizensen erteilt, das Deutsche Krebsforschungszentrum ist Co-Patentinhaber und profitiert finanziell. Die Informationskampagnen in den USA starteten, nachdem den medizinischen Fachgesellschaften eine kräftige Finanzspritze verpasst wurde. Die beratenden Sachverständigen hatten mehr Interessenskonflikte als Unabhängigkeit und das nicht nur in den USA - STIKO, Cochrane, Leitlinienautoren bis in die höchste Ebene der AWMF… und Sie bezeichnen das Attribut umstritten als "schwachsinnig" :?:

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Re: Eine ehrliche gesundheitspolitische Aussage

Beitrag von Barnie Geröllheimer » 20.11.14, 21:58

Zu dem Thema kann ich auch noch etwas beisteuern..

Anscheinend wird bei Masern-Impfstoffen noch auf Thiomersal als Konservierungsmittel zurückgegriffen.
Thiomersal enthält Quecksilber, weshalb man es aus den allermeisten Kontaktlinsenpflegemitteln längst verbannt hat. Ins Blut spritzen darf man's aber noch...

Ich finde, es ist durchaus legitim, sehr kritisch mit Impfempfehlungen umzugehen. Soll nicht heißen, dass ich Impfungen generell für unsinnig hielte, aber man sollte stets Nutzen und Risiken gesagt bekommen und sorgfältig abwägen.

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Der Meister hier im Abschreiben

Beitrag von PR » 20.11.14, 23:04

ist timmiezwoo.

Blöd ist bloß, daß er hier Dinge abschreibt, von denen er sachlich keine Ahnung hat.

Könnense mal eben wo abschreiben w a r u m Japan nicht (mehr) flächendeckend HPV impft ?
Könnense mal eben wo abschreiben, was in Kolumbien noch alles mysteriös ist ?
Könnense mal eben wo abschreiben, warum die Schweiz noch immer flächendeckend HPV impft ?
Könnense mal eben wo abschreiben, bei 11 % von welchem Kollektiv es zu schweren Folgen kam ?
Könnense mal eben wo abschreiben, ein wie großes Kollektiv in den USA HPV geimpft wurde und mit welchem Impfstoff ?
Könnense mal eben wo abschreiben, was die aktuelle Studienlage ist zur Prävention schwerer Dysplasien ? Und wieso man für diesen Wirkungsnachweis vorneweg acht bis fünfzehn Jahre braucht ?


Das Attribut "umstritten", timmiezwoo, nach aller Erfahrung, pappen Schurnalisten gern auf Themen ihrer Bemühung, von denen sie nix verstehen aber was "Ausgewogenes" zusammenschmieren müssen...

Mir bedeutet es: da solls auch noch ein paar ganz Erleuchtete geben, die sind dagegen.

Seiense bei mir en bisschen vorsichtig mit dem Thema Impfen, timmiezewoo, in meiner nächsten Umgebung gibt's einen arg grünen Stadtrat und eine Waldorfschule, von der die Welt weiß, daß von ihr häufiger Masernausbrüche ausgegangen sind, die sich bis an den Polarkreis verfolgen ließen. Will heißen: die Debatte hab ich drauf, seitdem ich mal mit dem Kollegen von der Pädiatrie Volkshochschüler weitergebildet hab.

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Ins Blut spritzen

Beitrag von PR » 21.11.14, 00:52

Also wenn ich wen impf, mach ich noch die Aspirationsprobe. Ist ansich beinah obsolet, denn das Allermeiste geht mittlerweil subkutan mit halbzentimeterlangem Kapillarnädelchen, aber bittschön, einmal gelernt und nie mehr nix dazu...

Wir impfen nicht "ins Blut", Bernie.
Und: was hätten Sie den so genommen als Konservierungsmittel, darf ja nix kosten !?

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Zur Hapevau-Impfung, timmiezwoo,

Beitrag von PR » 21.11.14, 01:13

und Ihrem Lieblingsthema: jahaa da verdient ja wer dran und nicht ich, da muss ich gegen sein!

darf ich Ihnen vermelden, daß ich mal mit einem Abendessen bestochen worden bin in einem Speisesaal hier in der Gegend, in dem man, um sich mit Umsitzenden zu verständigen, ziemlich plärren muß, und in dem überwiegend jugendliche Problemfälle servieren. Danach war ich satt.

Bestochen vom Vertreter der Pharmafirma, die mir die Frage nicht beantworten konnte: wieso ist in Ihrem Impfstoff deutlich mehr Adjuvans als in dem von der Konkurrenz ? Deren Präparat ich nicht verwende.

Dabei ist die Antwort simpel: weil damit der Surrogatparameter "Antikörpertiter" schneller höher zu treiben geht, der in den ersten Anwendungsstudien primärer Endpunkt gewesen war,

weil eben das HPV eine "Bio"logie an den Tag gelegt hat, die für den primären Studienendpunkt "vermiedene Zervixkarzinome" eher zwei als ein Jahrzehnt Studiendauer braucht.

Wennse das verstanden haben, timmiezwoo, kriegense jetzt drei Fortbildungspunkte. Bevorse mich jetzt im WWW zitieren, tät ich Ihnen aber dafür dann gern noch die Konditionen mitteilen.

capisce ?

PR
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Timmie2
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Re: Eine ehrliche gesundheitspolitische Aussage

Beitrag von Timmie2 » 21.11.14, 14:03

PR hat geschrieben:Wennse das verstanden haben, timmiezwoo, kriegense jetzt drei Fortbildungspunkte. Bevorse mich jetzt im WWW zitieren, tät ich Ihnen aber dafür dann gern noch die Konditionen mitteilen.

Von Impfungen versteh ich in der Tat nichts, da muss ich mich auf Aussagen anderer stützen. Wie Sie aber sehen, gibt es durchaus Argumente und Experten , die von dieser Impfung nicht überzeugt sind. Von unumstritten kann also gar nie nicht die Rede sein.

Wo Sie mir aber ganz sicher nichts vormachen ist das Thema Interessenskonflikte und dazu gehört zwangsläufig auch, sich mit Manipulationsmethoden auseinanderzusetzen. Nachdem das rote Parteibuch und der Freund vom Kopf her kranker Kassen Rohrkrepierer waren, kommen Sie mir jetzt mit Traktätchen abschreiben, um meine Argumentation zu untergraben. Können Sie keine Sachdiskussion führen ohne auf solche zweifelhaften Methoden zurückgreifen zu müssen? Soll ich jetzt auch persönlich werden und Ihnen unterstellen, dass Sie diese Impfung nur aus monetären Gründen befürworten, weil derartige Leistungen außerhalb des RLV vergütet werden oder sicher noch etwas mehr als nur ein ordinäres Abendessen drin war?

Nachdem Sie so ein vehementer Befürworter der HPV-Impfung sind, dürfte es Sie ja freuen, dass u.a. Überlegungen anstehen, den jährlichen Pap-Test gegen ein HPV-Screening (aktuell IGeL) mit verlängertem Intervall auszutauschen.
PR hat geschrieben:und Ihrem Lieblingsthema: jahaa da verdient ja wer dran und nicht ich, da muss ich gegen sein!

Wenn diese Impfung so überragend ist, weshalb dann der enorme finanzielle Aufwand? Ist es wirklich eine Bagatelle, wenn Ärzte und Institutionen Schmiergelder erhalten, um ein Produkt durchzusetzen? Jeder (niedrige) Beamte muss sich verantworten, wenn er mehr als nur einen Kugelschreiber geschenkt bekommt, aber in der Medizin ist es ein "ganz normales, natürliches Verhalten"?

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Also dann erklär ich Ihnen mal die Sache HPV-Impfung

Beitrag von PR » 21.11.14, 21:09

Es ist eine "Totimpfung", sie enthält kein vermehrungsfähiges Virus, sondern dessen hybridisiertes Hüllprotein. Die Impfung macht extrem selten krank, der Beweis der Kausalität ist so gut wie nicht zu führen, aber der Beweis der Nichtkausalität eben auch nicht. Die Entschädigungsregelung ist in D großzügig, es braucht bei empfohlenen Impfungen keinen stichfesten Beweis.

Theoretisch ist vorstellbar, daß mal ein Immunsystem durch die Impfung überstimuliert wird, das ist dann die Geschichte mit entzündlichen ZNS-Erkrankungen. Dann liegt das aber nicht am eigentlichen Antigen (mit dem Mensch ja konfrontiert ist, seitdem es Mensch gibt), sondern am Adjuvans, das stimuliert unspezifisch. Es gibt mittlerweile die Bestrebung, die Kinder noch zwei drei Jahre früher zu impfen, deren Immunsystem läuft eh höhertourig, dann sind bloß zwei Impfungen nötig.

Die wichtigsten Unterschied zu anderen Impfungen sind:
- HPV ist auf der Welt endemisch
- es gibt keine Epidemien,
- die natürliche Ansteckung immunisiert nicht
- die resultierende Erkrankung verläuft praktisch immer sehr langsam und
- die Spontanheilungsrate ist enorm hoch (95 %),
- die Impfung schützt (wie bei Tetanus) nur den Geimpften
- an die Erreichung von Zielen wie "Herdenimmunität" oder "Eradikation" (wie bei Virusinfekten, die in Epidemien verlaufen), ist also überhaupt nicht zu denken.

Wär ich jetzt begeisterter Krebsoperateur, müsst ich die Impfung bekämpfen. Bin ich aber nicht.
Die Schweizer überlegen tatsächlich, nach vollständiger HPV-Impfung die "Krebsfrüherkennungs" - Intervalle zu strecken. Ist diskutabel, denn die Impfung schützt mittlerweile nachgewiesener Maßen vor allen Vorstufen des plattenepithelialen Zervixkarzinoms. Auch deshalb müsst ich diese Impfung bekämpfen.

Die Entwicklung des Zervixkarzinoms von der HPV-Infektion über die Integration des Virusgenoms in die Epithelzelle, deren Umsteuerung und fortschreitende Entartung (Verlust der Kontrolle der Zellteilung und der "kollateralen Hemmung" ist seit Jahrzehnten intensivst untersucht und bekannt. Ebenso ist die Gesetzmäßigkeit gesichert: je höher ein Dysplasiegrad, desto geringer die Spontanheilungsrate. Es gilt als sicher: kein plattenepitheliales Zervixkarzinom ohne HPV-Infektion. Drum muss eines Tages nachweisbar sein, daß, was vor HPV schützt, vor dem Karzinom schützt.

In Entwicklungsländern ohne vernünftige medizinische Infrastruktur (und mit hoher Promiskuität) ist das Zervixkarzinom noch immer das wichtigste und tödlichste Malignom der Frau. So, wie es bei uns vor Einführung der Früherkennung auch war. Letztere ist in aller Klarheit ein beispielloser Erfolg, auch wenn es Hampelmänner gibt, die auch das noch "umstreiten" müssen.

Ich verwende ausschließlich den Impfstoff mit weniger Adjuvans. Wenn ich seit Marktfähigkeit 50 dieser Impfungen gemacht hab, ist das viel.
Was ich bei Markteinführung gemacht hab sind öffentliche (VHS, von der KV honoriert) und nichthonorierte Vorträge vor den Kinderärzten ( die sich anfangs gesträubt hatten, mittlerweile ist die HPV-Impfung in deren Impfpläne integriert) im Ärztenetz, und am örtlichen "Gesundheitstag". Vehement sieht anders aus. Ich halt die Impfung für eine Chance.

Den Pap-Test durch den HPV-Nachweis ersetzen zu wollen ist komplett albern. Das haben Sie nicht richtig verstanden. Es interessiert doch überhaupt nicht, ob jemand zu den 80 % der Weltbevölkerung gehört, die sich mindestens ein-, theoretisch -zigtausendmal im Leben irgend ein HPV einfangen, das dann mit größter Wahrscheinlichkeit spontan eliminiert wird. Sondern es interessiert, wer mit dem HPV nicht fertig wird.

Ich kenn die Freundchen gut, die gern mehr HPV testen würden. Die würden ihre Maschinenfarmen gern auch mehr suspendierte Abstriche auswerten lassen, da wär die Gensonde für die häufigsten HR-HPV ja bloß noch ein kleiner prozeßtechnischer Zusatzschritt. Das ist das Problem der schlesischen Weber: Maschine ersetzt Mensch und kost mindestens gleichviel. Die Schweizer machen das wiedermal völlig richtig. Deren Kassen und Versicherungen zahlen für den maschinell beurteilten Abstrich genau gleich viel wie für den "echten" Pap. Begründung: der maschinelle hat seine Überlegenheit eindeutig und klar nicht beweisen können.

Wer mich fragt, kriegt zur Antwort: der alte Pap hat seine Qualitäten keineswegs eingebüßt. Bei Dysplasien ist er um die Bestimmung von zwei, drei Prognosemarkern zu ergänzen. Geben die Entwarnung, kann man die Abstrichintervalle strecken. Zeigen die Progredienz an, kann man sich weitere Abstriche schenken und soll bald zu Schlinge oder Messer greifen, je nach Alter und aktuellem Stand der Familienplanung.

Sie lasen die Laienversion meiner Praxisroutine "Zervixdysplasie"

PR
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Re: Eine ehrliche gesundheitspolitische Aussage

Beitrag von Timmie2 » 22.11.14, 00:17

PR hat geschrieben:Theoretisch ist möglich, daß mal ein Immunsystem durch die Impfung überstimuliert wird, das ist dann die Geschichte mit entzündlichen ZNS-Erkrankungen. Dann liegt das aber nicht am eigentlichen Antigen sondern am Adjuvans, das stimuliert unspezifisch.
In den Studien erhielt die Vergleichsgruppe wohl auch deshalb ein aluminiumhaltiges Placebo. 1-2% der Studienteilnehmerinnen wiesen autoimmune Nebenwirkungen auf. In einer dieser Studien wurden diese Nebenwirkungen im Vergleich mit der Placebogruppe aber 3x so häufig beobachtet.

Der Nutzen dagegen scheint relativ gering. Gem. Kosten-Nutzen-Analyse des Wiener Boltzmann-Instituts erwartete man mittelfristig eine Verringerung der Krebshäufigkeit von 6 auf 4 von 100.000 Fälle. Selbst die Studien der Hersteller ergaben bei Einbeziehung aller Studienteilnehmer (ohne schöngerechneten Ausschluss) bei lediglich max. 17 % eine Verminderung höhergradier Zellveränderung. Die Dauer der Immunität ist noch nicht bekannt und die Wirkung des Impfstoffs auf invasive Carcinome wird dazu erst Jahrzehnte später beurteilbar sein. Da erstaunt doch die Kosten-Nutzen-Analyse der (unabhängigen?) Stiko.
PR hat geschrieben:Es gilt mittlerweile als sicher: kein Zervixkarzinom ohne HPV-Infektion
Eine mutige Aussage. Nach Veröffentlichungen des CDC, und die sind schon hochgegriffen, sind 95 % des CxCa HPV-assoziiert und 76 % fallen auf HPV-Typ 16 und 18.
PR hat geschrieben:Letztere ist in aller Klarheit ein beispielloser Erfolg, auch wenn es Hampelmänner gibt, die auch das noch "umstreiten" müssen
Nun, einer dieser Hampelmänner war immerhin eine an den Studien beteiligte Wissenschaftlerin, die später ihre Aussagen - warum auch immer - zurückgenommen hat.

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Wollt's halt nicht nochmal wiederholen:

Beitrag von PR » 22.11.14, 00:32

kein plattenepitheliales... Von den adenomatösen weiß's man halt noch nicht mit der selben Genauigkeit.

Der volkswirtschaftliche Nutzen der HPV-Impfung ist im aktuell gültigen 'schländischen setting:
"kranke Kasse"
tatsächlich nicht besonders hoch.

Jedoch: in dermaßen erbärmlichen Kategorien denkt "der Arzt Ihres Vertrauens"

nicht. Aber vielleicht kriegen Sie ihn ja noch so weit. Einfach mal dranbleiben.

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Re: Eine ehrliche gesundheitspolitische Aussage

Beitrag von Timmie2 » 22.11.14, 10:02

PR hat geschrieben:Der volkswirtschaftliche Nutzen der HPV-Impfung ist im aktuell gültigen 'schländischen setting:
"kranke Kasse"tatsächlich nicht besonders hoch.
Jedoch: in dermaßen erbärmlichen Kategorien denkt "der Arzt Ihres Vertrauens"
nicht. Aber vielleicht kriegen Sie ihn ja noch so weit. Einfach mal dranbleiben.
Der volkswirtschaftliche Nutzen ist eine Sache, die Nutzenbewertung gemessen an den Nebenwirkungen eine andere. Bei den gemeldeten Nebenwirkungen (2011) sind es vor allem neurologische, die als "nicht beurteilbar" eingestuft wurden.
PR hat geschrieben:Die Entschädigungsregelung ist in D großzügig, es braucht bei empfohlenen Impfungen keinen stichfesten Beweis
Die Möglichkeit eines Zusammenhangs reicht nicht aus, es muss ein Ursachenzusammenhang zwischen Impfung und Schaden erkennbar sein. Die Entschädigung übernimmt dann der Staat.

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Voilà: ...Nebenwirkungen... vor allem neurologische,

Beitrag von PR » 23.11.14, 03:01

die als "nicht beurteilbar" eingestuft wurden.
Und dann "Ursachenzusammenhang zwischen Impfung und Schaden erkennbar"
Fragezeichen.
Ist erkennbar Quark, oder ?
Ich bleib mal bei: ...ist in D großzügig geregelt.

Aber egal. Impfungen sind dafür da, was überaus Naturähnliches mit dem Immunsystem zu machen. Wichtigster Unterschied zur natürlichen Infektion ist, daß das Antigen in aller Regel parenteral dargegeboten wird und Lösungsmittel, Konservierungsmittel, Stabilisatoren, Adjuvanzien u.v.a.m. mit injiziert werden. Da ist mit Sicherheit noch nicht alles fertig erforscht.

Ein Kumpel und hohes Viech in der benachbarten Pharma hat nach einer banalen Grippeimpfung beim "eigenen" Betriebsarzt ein Guillain-Barrée entwickelt und ist nochmal grad so von der Schippe gehopst.

Gibt's. Mehr kann man dazu eben nicht sagen.

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