Sterbehilfe

Moderator: DMF-Team

Christianes Herz
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Re: Sterbehilfe

Beitrag von Christianes Herz » 20.02.14, 14:48

schneefrau hat geschrieben:Ich meinte das im Kontext damit, dass...
Herzlichen Dank für die ausführliche Antwort und
frdl. Grüße
Christiane

schneefrau
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Re: Reift denn nun endlich auch dem Forum die Erkenntnis,

Beitrag von schneefrau » 20.02.14, 17:24

PR hat geschrieben:daß dies k e i n Stoff für eine ö f f e n t l i c h e Debatte ist ?

PR
Hallo,
ich wollte hier auch nochmal bemerken, dass ich die Argumentation von PR zu dem Thema hier nicht nachvollziehen kann (sofern man hier überhaupt von Argumentation sprechen kann, denn er spricht eher in Rätseln). Das Thema ist doch an sich schon ein Thema, das unter die Haut geht, bei dem man sich einfach persönlich betroffen fühlen muss. Warum sollte man dann also nicht auch auf die Idee kommen, über persönliche Erfahrungen dazu zu berichten. Ich schreibe ja hier nicht unter meinem tatsächlichen Namen, sodass die Patienten nächste Woche mit Fingern auf mich zeigen könnten. Und wenn das so wäre, wär es mir auch egal. Zu dem, was ich hier geschrieben habe, könnte ich auch öffentlich stehen. Gerade durch die persönlichen Erfahrungen wird einem ja auch so manches klarer. Es ist eben keine abstrakte Fragestellung, sondern eine eigentlich sehr konkrete. Vielleicht ist ja das Thema für manchen hier so bedrohlich, dass die einzige Art und Weise, damit umzugehen, die ist, es komplett auszublenden. Mir leuchtet nicht ein, was der Vorteil sein soll, wenn man nicht darüber spricht. Gerade das Schweigen darüber macht es ja noch viel schwieriger, auf diese Fragen für sich persönlich eine Antwort zu finden.
LG von Schneefrau

schnuffeldi
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Re: Sterbehilfe

Beitrag von schnuffeldi » 21.02.14, 12:45

Ich finde das Thema auch wichtig, es betrifft uns nunmal dann oder wann. Und warum sollte man nicht sachlich, wie es ja hier abläuft, Argumente für oder gegen zusammentragen? Ich denke, dass es auch informativ ist. Man muss sich ja nicht daran beteiligen.
"Es amüsiert mich immer, wenn Menschen all ihr Unglück dem Schicksal, dem Zufall oder dem Verhängnis zuschreiben, während sie ihre Erfolge oder ihr Glück mit ihrer eigenen Klugheit, ihrem Scharfsinn oder ihrer Einsicht begründen." (Coleridge)

dora
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Re: Sterbehilfe

Beitrag von dora » 21.02.14, 13:54

ich finde das Thema auch sehr interessant, ich habe hier nun Argumente und Erfahrungen lesen können die mich doch nachdenklich machen lassen. Es ist wirklich ein sehr schweres Thema, aber warum sollte man soetwas nicht diskutieren ?
Man muss sich ja nicht daran beteiligen.
genau 8)

Coza
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Re: Sterbehilfe

Beitrag von Coza » 21.02.14, 14:13

Ich persönlich würde die belgische Variante (für Erwachsene) favorisieren. Patienten mit beispielsweise einem unheilbaren Grundleiden haben dort, wenn sie es wünschen und psychiatrische Erkrankungen (Depressionen) ausgeschlossen sind, ein Set zu Hause, welches ihnen eine selbstbestimmte Entscheidung ermöglicht. Wenn Patient dazu selbst nicht mehr in der Lage ist, läßt sich das dann in vielen Fällen auch innerhalb der Familie regeln.

Bei den in D gegebenen gesetzlichen Verhältnissen, die man, hier lebend, im wesentlichen akzeptieren muß, bleibt nur die Möglichkeit einer sehr konkreten und detaillierten Patientenverfügung mit konkreten Aussagen zu allen Bereichen der Intensivmedizin, Beatmung, Dialyse etc. und einer Vorsorgevollmacht, die einer vertrauten Person gestattet, die konkrete Patientenverfügung auch gegenüber den behandelnden Ärzten und evtl. auch juristisch durchzusetzen.

Fast alle Patientenverfügungen, die im Internet als Vorlage zu finden sind, sind viel zu unkonkret und zu sehr interpretierbar.

Coza
Hinweis unter Bezug auf §7(4) der Berufsordnung für Ärzte:
Mein Beitrag ist eine Stellungnahme, die auf den vorliegenden Angaben beruht. Sie ersetzt aber nicht die persönliche Beratung, Untersuchung und Behandlung durch Ihren Arzt.

Christianes Herz
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Re: Sterbehilfe

Beitrag von Christianes Herz » 22.02.14, 03:10

Coza hat geschrieben: ...und einer Vorsorgevollmacht, die einer vertrauten Person gestattet, die konkrete Patientenverfügung auch gegenüber den behandelnden Ärzten und evtl. auch juristisch durchzusetzen
Diese rechtliche "Verbindlichkeit" wollte man doch nunmehr festschreiben, ist das immer noch im Fluss?
Frdl. Grüße
Christiane

dora
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Re: Sterbehilfe

Beitrag von dora » 22.02.14, 09:38

wenn die Patientenverfügung für den Arzt deutlich genug formuliert ist hält er sich auch dran, aber wie schon geschrieben sind die meisten nicht klar genug und die Meinung zwischen Ärzten und Betreuenden gehen oft auseinander.

Coza
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Re: Sterbehilfe

Beitrag von Coza » 22.02.14, 11:19

Für mich als Arzt ist eine Patientenverfügung verbindlich, wenn sie eine konkrete Aussage zur vorliegenden Situation macht.

Zum Beispiel:
bei Demenz oder Hirnschädigung durch Hirnblutung, Schlaganfall oder schwere Gehirnerschütterung sind jegliche Nierenersatzverfahren bei akuten oder chronischen Nierenversagen (Dialyse, Hämofiltration, Plasmapherese) untersagt.
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Re: Sterbehilfe

Beitrag von Christianes Herz » 23.02.14, 00:28

Guten Morgen!

Ok, dann ist das der letzte Stand der Dinge?
http://patientenverfuegung.de/rechtliche-grundlagen
…„Eine solche Reichweitenbeschränkung von Patientenverfügungen etwa nur auf aussichtslose Situationen oder ein irreversibles Koma gibt es jetzt definiv nicht mehr. Eine hinreichend konkrete PV gilt verbindlich unabhängig von Art oder Stadium einer Erkrankung - das stellt das Gesetz ausdrücklich klar.“…
Jetzt einmal ganz schlicht von mir formuliert und gefragt: Angenommen, nächste Woche erfahre ich z. B., dass ich eine Art „Krebs“ habe, eine Art, die nicht heilbar ist. Dann kann ich mich mit einem Arzt und Notar oder Anwalt hinsetzen und einen Text verfassen, dass ich auf jegliche Maßnahmen wie Chemotherapie etc. verzichten und mit ärztlicher Hilfe langsam, sicher, aber schmerzfrei (-arm) daran sterben möchte und dies wird mir dann gewährt?

Freundliche Grüße
Christiane

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Re: Sterbehilfe

Beitrag von Coza » 23.02.14, 00:45

Eine Chemotherapie ist eine Maßnahme, die Sie ablehnen können. Desgleichen kann jeder operative Eingriff abgelehnt werden. Unabhängig davon, ob das aus medizinischer Sicht sinnvoll oder nicht sinnvoll ist. Das machen aber aus realer Erfahrung weniger als 1% der Patienten, weil die meisten sich an die Hoffnung oder auch an geringe Chancen klammern.
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Re: Sterbehilfe

Beitrag von Christianes Herz » 23.02.14, 02:34

Coza hat geschrieben:Desgleichen kann jeder operative Eingriff abgelehnt werden.
Ich möchte hier in diesem Thema ja einen gedanklichen Weg einschlagen, Coza: Die Möglichkeit ist also gegeben, es versucht niemand, mich mit irgendetwas zu entspr. Maßnahmen zu bewegen? Soll heißen, ich kann wirklich entscheiden, ob ich eine Therapie annehme oder ablehne? Hauptsache, der Text in der Patientenverfügung ist in Ordnung? Und alle Unterzeichnungen darunter natürlich.
Das würde doch dann wirklich bedeuten: „Ich bin todkrank, ich will sterben, helft mir sanft“.
Das hört und liest sich für mein persönliches Empfinden eigentlich sehr in Ordnung an. Eigentlich.
Frdl. Grüße
Christiane

Coza
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Re: Sterbehilfe

Beitrag von Coza » 23.02.14, 04:13

Hallo Christiane,

solange Sie bei Bewußtsein sind, wird man natürlich versuchen, Sie von sinnvollen medizinischen Maßnahmen zu überzeugen. Eine Patientenverfügung kann ja auch jederzeit geändert oder widerrufen werden. Die letzte Entscheidung aber treffen Sie bzw. es gilt (bei Bewußtlosigkeit), so verfügbar, die Patientenverfügung.

Und, wie mein obiges Beispiel zeigt, die Verfügung muß passend zum bestehenden Krankheitsbild formuliert sein, sonst gibt es Interpretationsspielräume.
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Re: Sterbehilfe

Beitrag von Christianes Herz » 23.02.14, 14:21

Gut oder besser: soweit so gut :wink:
Nach dem Lesen drehten sich meine Gedanken dann als nächstes um die Qualität der Schmerzmittel bzw. der Beruhigungsmittel oder wie man sie nennt, die Mittel, die einen dahindämmern lassen bis zum Tod, meine ich. In Bezug auf die Rabattverträge usw. Aber das wäre wohl ein ganz anderes Thema.
Vielen Dank an alle, die mich gedanklich bis hierhin begleitet haben.
Frdl. Grüße
Christiane

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Re: Sterbehilfe

Beitrag von Wibbedy » 25.02.14, 15:59

Hallo Ihr,

ich gebe zu, mir fehlen viele Argumente zu einem Für oder einem Wider der ak´tiven Sterbehilfe.

Ich kann nur aus eigener Erfahrung sprechen und werde euch diesen Fall einfach mal schildern. Mein Opa hat vor 8 Tagen die Diagnose Lungenkrebs im Endstadion erhalten, soweit ich das mit bekommen habe ist das mit der qualvollste Tod den es gibt. Der Patient wird mit sämtlichen Betäubungsmitteln voll gepumpt, damit er das Ersticken nicht mehr mitbekommt. Er liegt derzeit im Krankenhaus, wird aber in ein Hospiz verlegt. Die Ärtzte geben ihm keine große Aussicht auf viel verbleibende Lebensdauer - aus meiner, ich gebe zu sehr naiven Perspektive - wünsche mir, dass er jeden Tag lebt, bis die Natur oder der Gott, an den er sehr stark glaubt, ihn von slebst nimmt. Ich weiß, dass auch er über jeden Tag dankbar ist, noch halten sich die Schmerzen in Grenzen.

Ich weiß wie es ist, wenn ein Angehöriger leidet, aber auch wie wertvoll das Leben ist. Wenn der Tag kommt, denke ich, dass die Mitarbeiter im Hospiz ihm einen Schmerz und Angstbefreiten Tod ermöglichen werden, auch dies empfinde ich als "Sterbehilfe" - schließlich ist das eigentliche Sterben nur ein Teil eines größeren Prozesses. Für mich, um abschließend etwas zu sagen, hat kein Mensch der Welt das recht darüber zu urteilen, wann und wie ein Leben endet. Keiner darf (bewusst nicht als Gott ausgewiesen) sich über die "Natur" hinwegsetzen und richten was gut und schlecht für jmd ist. Der Tod ist nur die finale Lösung.

Jose

Christianes Herz
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Re: Sterbehilfe

Beitrag von Christianes Herz » 20.04.14, 22:26

http://sz.de/1.1939711
Fast hätte ich diesen Heribert Prantl nicht gelesen, weil ich weder an Gott noch Teufel glaube. Dann tat ich es doch und mir gefällt der Bogen, den er von der Geburt zum Sterben hin schlägt. Vielleicht Euch auch.
Frohe Ostern noch weiterhin.
Christiane

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