Kostenerstattung GKV - Ärzte- und Patientenmeinungen gefragt

Moderator: DMF-Team

Bessere Leistungen bekommt man (2 Antworten möglich) ...

Umfrage endete am 13.04.13, 21:00

... 1A) automatisch, wenn der Arzt nicht nach EBM abrechnen muss
0
Keine Stimmen
... 1B) auch dann nicht automatisch, wenn der Arzt nicht nach EBM abrechnen muss
1
33%
... 2A) automatisch, wenn man zur Kostenerstattung (GKV) wechselt
0
Keine Stimmen
... 2B) auch dann nicht automatisch, wenn man zur Kostenerstattung (GKV) wechselt
1
33%
... ich will nicht abstimmen, aber die Umfrageergebnisse einsehen
1
33%
 
Insgesamt abgegebene Stimmen: 3

andyandy
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Kostenerstattung GKV - Ärzte- und Patientenmeinungen gefragt

Beitrag von andyandy »

Hallo zusammen!

in den vergangenen Monaten war ich häufiger in ärztlicher Behandlung. Dabei ist mir aufgefallen, dass die Qualität der Patientenbehandlung immer mehr nachlässt. Ärzte nehmen sich sehr wenig Zeit für den einzelnen Patienten und untersuchen sehr oberflächlich. Ich hatte meistens nicht den Eindruck, dass man mir helfen wollte, sondern dass man mich loswerden wollte.

Theoretisch kann das zwei Gründe haben:
a) Es gibt immer mehr Ärzte mit verbesserungswürdiger Fachkompetenz oder mangelnder Serviceorientierung;
b) Ärzte behandeln GKV-Patienten so, wie die Krankenkassen es bezahlen (Stichwort EBM vs. GOÄ).

Ich tendiere zur Annahme b) und gehe davon aus, dass im Jahr 2013 ein GOÄ-Patient grundsätzlich eine viel aufmerksamere Behandlung erfährt, als ein EBM-Patient.

Das wird aber kein Arzt in einem persönlichen Gespräch mit dem Patienten zugeben, aber hier ist man anonym.

Was meinen die Ärzte hier, wie sind die Patientenerfahrungen in 2012-2013?


Wenn die Annahme stimmt, muss man sich Gedanken machen, wie man in der GKV bleibt, jedoch für sich eine vernünftigte medizinische Versorgung sicherstellt, bis der Gesetzgeber das KV-System neu geordnet hat (was mit Sicherheit kommen wird).

Die Option Kostenerstattung scheint mir eine Lösung zu sein. Die Theorie dazu habe ich studiert. Wie sind die Praxiserfahrungen damit, sowohl aus Arzt- als auch aus der Patientensicht? Man hört von Mißverständnissen, wenn man sich als Privatpatient ausgibt und dann doch eine GKV-Karte vorlegt. Kann man als Kostenerstattungs-Patient tatsächlich eine bessere Behandlung als EBM-Patient erwarten?

PR
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Hallo Doppeldandy,

Beitrag von PR »

Ihnen ist nachlassende Qualität der Patientenbehandlung durch Ärzte aufgefallen ?

Geht ja gar nicht, oder ? Muss man was machen, oder? Können Sie’s präzisieren ? Handelte es sich um
- Strukturqualität
- Prozessqualität
- Ergebnisqualität
- Erlebnisqualität ???

„Man“ wollte Sie los werden ? Hmm, frage mich ja schon, ob Sie wirklich begriffen haben, wofür Ärzte da sind. Ich bin ja nun seit Längerem einer und war bisher der Überzeugung, dass einen Patienten am meisten freut, wenn er gar keiner ist, mich schnellstens wieder los ist oder noch besser gar nicht braucht. Was ja ziemlich genau dem entspräche, was Kranke Kassen so wollen, und Versicherungen erst recht. Würde mich interessieren, was Sie da anders sehen.

Sie sprechen die Kostenerstattung an und haben sie theoretisch studiert, fein ! Meine diesbezüglichen Praxiserfahrungen sind exzellent. Die meiner Patientinnen offenbar auch, sonst kämen sie nicht wieder, wenn sie mich denn brauchen.

Übrigens: anonym ?
Kommt gar nicht in Frage.
Wersinnsedenn und wattjenauwollense hier ?

PR
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andyandy
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Re: Kostenerstattung GKV - Ärzte- und Patientenmeinungen gef

Beitrag von andyandy »

Hey, warum gleich so agressiv?

1. Die Umfrage ist wirklich anonym.

2. Die Teilnahme an diesem Diskussionsforum ist frei.

3. Bevor ich das finanzielle Experiment mit der Kostenerstattung starte, möchte ich in Erfahrung bringen, ob ein durchschnittlicher Arzt auch dann eher unafmerksam oder arrogant bleibt.

4. Von einem Arzt erwarte ich, dass er sich ein [u]ganzheitliches[/u] Bild vom Patienten macht und dem Patienten die Zusammenhänge seiner Probleme erklärt. So kenne ich das von früher. Das scheint bei Praxisärzten nun nicht mehr gängige Praxis zu sein. Da war ich nur mit Ärzten in Krankenhausambulanzen zufrieden. Ob es daran liegt, dass sie ihr TVöD-Fixum bekommen und sich deshalb genügend Zeit für einen Patienten nehmen können? Praxisärzte hören oftmals nicht zu, sie stellen Fragen, die sie für nötig halten, unterbrechen, wenn man von sich aus Angaben macht, kritzeln irgendetwas in die Patientenakte und verlassen das Sprechzimmer ehe man den Mund aufmacht um etwas zu fragen.

Beispiele gefällig? Bitte sehr:

a) Von vier wegen Fußschmerz aufgesuchten Orthopäden hat nur einer gefragt, ob man auch Wirbensäulenprobleme hat, und das war im Endeffekt die Problemursache. Dieser einer war Klinikarzt. Er hat dann auch auf einem Plakat den Zusammenhang zwischen Wirbensäule und Fuß erläutert. Das ist wohl Prozess- und Erlebnisqualität, die für die Ergebnisqualität entscheidend ist. Die anderen drei Praxisärzte waren nur auf den Fuß fixiert.

b) Zwei aufgesuchte Urologen haben mich bei meinen Versuchen, die Vorerkrankungsgeschichte zu schildern, sofort unterbrochen und sich auf die Behandlung des Akutbefunds konzentriert. Ergebnis: falsche Medikamente, kein Effekt. Erst ein dritter Arzt hat sich Zeit genommen, mir zugehört und ein Medikament gegen die tatsächliche Ursache verschrieben. Auch dieser Arzt war ein Klinkarzt.

c) Man sucht eine Praxis mit Verdacht auf einen Muskelriss auf. Der Orthopäde: "Sie haben keinen Muskelriss! Das sehe ich mit bloßem Auge! Kein Sono notwendig!". Es war aber doch ein Muskelriss, was die Sono bei einem anderen Arzt ergeben hat.

Nun frage ich mich, ob man als GOÄ-Patient besser davon gekommen wäre ...

jule_jule
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Re: Kostenerstattung GKV - Ärzte- und Patientenmeinungen gef

Beitrag von jule_jule »

Hallo Andy,

als Zwangsversicherter der GKV stehen Dir nur minderwertige oder gar keine Leistungen zu, Behandlungs- bzw. Therapiefreiheit durch die Ärzte gleich Fehlanzeige - dementsprechend ist die Behandlung. Der GKV bist Du als Mensch nichts wert, ob Du eine verweigerte Leistung mit dem Leben bezahlst, ist denen vollkommen egal. Die GKV will nur Deine horrenden Beiträge und dafür nichts leisten.

Das Zwangssystem der GKV verstößt eindeutig gegen unser Grundgesetz, dieses System ist überholt und gehört abgeschafft. Jeder muss seine Versicherung frei wählen können.
andyandy hat geschrieben:Nun frage ich mich, ob man als GOÄ-Patient besser davon gekommen wäre ...
... dies ist eindeutig mit "Ja" zu beantworten. Erstens hat der Arzt die freie Entscheidung, wie er behandelt bzw. therapiert (denn die private Krankenversicherung (PKV) erstattet nämlich z. B. Leistungen, die im Katalog der GKV ausgeschlossen sind, obwohl sie eindeutig medizinisch notwendig und effektiv wären) und zweitens haben die Ärzte für solche Patienten mehr Zeit, da sie die erbrachte Leistung auch honoriert bekommen.

Dass der GKV-Patient letztendlich aufgrund eines maroden Gesundheitssystems der Leidtragender ist, lässt sich nicht abstreiten. Es ist von der GKV-Zwangsversicherung so gewollt.

Und zum Schluss fragst Du Dich mal, wieso unsere Politiker und GKV-Vorstände privat versichert sind und nicht freiwillig in der Zwangsversicherung GKV - weil dieser Personenkreis im Krankheitsfall nämlich die optimale und bestmöglichste medizinische Behandlung erfahren und nicht von Leistungsverweigerung leben möchte, die man mit dem Leben bezahlt.

Letztendlich müssten Ärzte und Patienten sich gemeinsam gegen solche Missstände wehren - doch irgendwie arbeitet man hier leider immer noch gegeneinander anstatt miteinander und dieses "Spiel" wird vor allem auf dem Rücken der hilfesuchenden Patienten ausgetragen.

Ich kann Dir die Kostenerstattung voll empfehlen, wenn Du medizinisch gut und optimal behandelt werden möchtest. Sicherlich ist es eine Charaktersache, ob ein Arzt arrogant (Zit. Andy) bleibt oder nicht. Doch bei der Kostenerstattung hast Du ja problemlos die Wahl und Möglichkeit, einen anderen Arzt zu konsultieren - abgelehnt wirst Du da gewiss nicht.

Als Zwangsmitglied der GKV musst Du Dir jedoch bewusst sein, dass im Rahmen des Kostenerstattungsprinzipes Deine tolle GKV Dir nicht alle medizinisch notwendigen Leistungen/Kosten erstattet, auch wenn Du Deine monatlichen hohen Beiträge brav und ordentlich einzahlst.

Viele Grüße

sophica
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Re: Kostenerstattung GKV - Ärzte- und Patientenmeinungen gef

Beitrag von sophica »

Ich kann die Äußerungen von Jule_Jule nur bestätigen - meine Erfahrungen mit der GKV, als ich diese jetzt nach vielen Jahren der hohen Beitragszahlung brauche, erlebe ich dieses System als sehr bürokratisch, perfide, um nicht zu sagen faschistoid.
Gut, wenn man diese nicht in Anspruch nehmen muss - deshalb setze ich alle meine Energien jetzt ganz in die Selbstheilung.
sophica

Ralf Tillenburg
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Re: Kostenerstattung GKV - Ärzte- und Patientenmeinungen gef

Beitrag von Ralf Tillenburg »

Hallo,

einige Kommentare zum bisher geschriebenen:
andyandy hat geschrieben:Von einem Arzt erwarte ich, dass er sich ein ganzheitliches Bild vom Patienten macht und dem Patienten die Zusammenhänge seiner Probleme erklärt. So kenne ich das von früher.
dann müssen Sie das auch bezahlen. :wink: Vermutlich geht Ihre Frage ja in diese Richtung.
andyandy hat geschrieben:Das scheint bei Praxisärzten nun nicht mehr gängige Praxis zu sein.
Schauen Sie, ein Allgemeinmediziner wie ich bekommt pro Patient und Quartal ca 35 Euro in NRW. Was erwarten Sie, was er dafür leistet, wenn ich es mal überspitzt formulieren darf?
andyandy hat geschrieben:Da war ich nur mit Ärzten in Krankenhausambulanzen zufrieden. Ob es daran liegt, dass sie ihr TVöD-Fixum bekommen und sich deshalb genügend Zeit für einen Patienten nehmen können?
Das scheint mir in der Tat der Grund zu sein. Und dank Marburger Bund verdienen KH-Ärzte ja derzeit gar nicht mehr schlecht - zu Recht, wie ich meine.
andyandy hat geschrieben:Praxisärzte hören oftmals nicht zu, sie stellen Fragen, die sie für nötig halten, unterbrechen, wenn man von sich aus Angaben macht, kritzeln irgendetwas in die Patientenakte und verlassen das Sprechzimmer ehe man den Mund aufmacht um etwas zu fragen.
Man kann in einer Praxis nur noch durch "Masse statt Klasse" überleben, von wenigen Idealisten mal abgesehen.
andyandy hat geschrieben:Nun frage ich mich, ob man als GOÄ-Patient besser davon gekommen wäre ...
Jein. Sie wären anders davon gekommen. Ob besser, mag jeder für sich beantworten. Was bei Kassenpatienten zu wenig gemacht wird, wird bei GOÄ-Patienten zu viel gemacht. Da wird aus finanziellen Gründen auch schonmal etwas gemacht, was unnötig ist. Das haben übrigens inzwischen auch die privaten Versicherer gemerkt, sie bezahlen schon lange nicht mehr alles, was von den Ärzten berechnet wird. Auf den Differenzen bleibt der Privatpatient aber sitzen, die muss er selbst bezahlen.
Alles Gute
Ralf Tillenburg
Facharzt für Allgemeinmedizin
http://www.praxis-tillenburg.de

Ralf Tillenburg
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Re: Kostenerstattung GKV - Ärzte- und Patientenmeinungen gef

Beitrag von Ralf Tillenburg »

Hallo,
jule_jule hat geschrieben:als Zwangsversicherter der GKV stehen Dir nur minderwertige oder gar keine Leistungen zu,
das sehe ich nicht so. Es kommt darauf an, wie man Leistungen bewertet. Grundsätzlich gibt es die WANZ-Kriterien, nach denen die Kassen alles bezahlen müssen, was
Wirtschaftlich
Ausreichend
Notwendig und
Zweckmäßig ist.

Das tun Sie auch, aber
1) kann man trefflich darüber streiten, was diese Kriterien erfüllt
2) heißt "bezahlen" ja noch nicht, dass das zugebilligte Honorar auch dem Wert der Leistung entspricht (s. o.).
jule_jule hat geschrieben:Der GKV bist Du als Mensch nichts wert, ob Du eine verweigerte Leistung mit dem Leben bezahlst, ist denen vollkommen egal.
Dem würde ich zustimmen. Bei manchen GKVs ist der Verwaltungsaufwand bereits höher als die Gesamtsumme aller Kosten für ambulanten ärztlichen Leistungen.
jule_jule hat geschrieben:Das Zwangssystem der GKV verstößt eindeutig gegen unser Grundgesetz, dieses System ist überholt und gehört abgeschafft. Jeder muss seine Versicherung frei wählen können.
Aus der Sicht eines (GKV-gebeutelten) Arztes würde ich Ihnen zwar zustimmen. Aber Vorsicht, viele Patienten und unser Solidarsystem bleiben dabei auf der Strecke. Ich weiß nicht, ob Sie das wollen.
jule_jule hat geschrieben:...denn die private Krankenversicherung (PKV) erstattet nämlich z. B. Leistungen, die im Katalog der GKV ausgeschlossen sind, obwohl sie eindeutig medizinisch notwendig und effektiv wären
Das ist so nicht richtig. Auch die PKV zahlt nur notwendige Leistungen, hat aber bisher nur selten die Notwendigkeit einer Leistung geprüft. Mehr und mehr meiner Patienten berichten aber über Abzüge seitens der Privaten, auf denen sie dann sitzen bleiben. Und notwendige Leistungen zahlt die GKV auch, allerdings gibt es naturgemäß unterschiedliche Meinungen darüber, was notwendig ist, und was nicht.
Alles Gute
Ralf Tillenburg
Facharzt für Allgemeinmedizin
http://www.praxis-tillenburg.de

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Protest, lieber Hausarztkollege, bzgl.

Beitrag von PR »

Was bei Kassenpatienten zu wenig gemacht wird, wird bei GOÄ-Patienten zu viel gemacht
Hab im Bundesvergleich ausgesprochen viele GOÄ-Patientinnen. Neben "meinen" Beamtinnen (Lehrerinnen, Bähnlerinnen, Pöstlerinnen, Zöllnerinnen, Grenzschützerinnen öberer Kategorien), Unternehmersgattinnen und Akademikerinnen in öberen Etagen der benachbarten Weltpharma sind das überwiegend "kleine" angestellte Grenzgängerinnen mit Schweizer Lohnzettel und Versicherung (nicht: „Kasse“ !): „Bedienung“, „Arzt- und Tierarzthelferin“, „Laborantin“, „Zolldeklarantin“ undsoweiter.

So. In dieser zugegeben vergleichweise komfortablen Lage brauch ich nicht Idealist, es reicht, Realist zu sein um festzustellen, dass GOÄ-Rechnungen nur dann fix und komplett bezahlt werden (und die Patientinnen auch wiederkommen und später mal ihre Töchter schicken), wenn man sie sowie die Erstattungsgewohnheiten ihrer jeweiligen Versicherung kennt - und beide respektiert. Genau das tu ich schon immer, was selbstredend schon immer beinhaltet, was jetzt so ein deppertes Patientenrechtegesetz meint erst herbeigesetzgebern zu müssen: was gemacht wird, und was das kost, wird vorher ausgemacht. Den ganzen vom Gesetz geforderten Schreibkram dazu hat hier noch nie wer gebraucht, denn hier gilt das gesprochene Wort tatsächlich.

So. Um dem Doppeldandy direkt zu antworten
warum g l e i c h so aggressiv ?
: weil ich was gegen Verkäufer von erschlichener Meinung hab. Getz probierensebloßnich mir weiszumachen, sewollten nix verkaufen.


So. Und um dem Doppeldandy auf den richtigen Kern seiner Meinungsklaue zu antworten:

Ja, wer GOÄ Kostenerstattung macht, bekommt wenigstens eine Ahnung davon, was die Leistung eines Arztes wert ist.
Ja, wer GOÄ Kostenerstattung macht, geht deshalb „automatisch“ mit ärztlicher Leistung enorm viel sorgfältiger um als von Kranken Kassen zu „allyoucaneat“ Verführte.
Ja, wer GOÄ Kostenerstattung macht, hat eine enorm viel höhere Chance, dem Arzt seiner Wahl und „auf Augenhöhe“ zu begegnen.
Ja, wer GOÄ Kostenerstattung macht, braucht nicht hunderttausende restlos parasitäre Sesselfurzer zu finanzieren.

Kollege Humungus, helfen Sie mir wieder ? Und finden im Bundestagsprotokoll den Wortlaut der Elke Ferner, wo sie sich darüber auslässt, warum nach Meinung der Esspeedee vom Hirn her kranke deutsche Kassen so schauderhaft viele Angestellte haben müssen ?

PR
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Humungus
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Re: Protest, lieber Hausarztkollege, bzgl.

Beitrag von Humungus »

PR hat geschrieben:Kollege Humungus, helfen Sie mir wieder ? Und finden im Bundestagsprotokoll den Wortlaut der Elke Ferner, wo sie sich darüber auslässt, warum nach Meinung der Esspeedee vom Hirn her kranke deutsche Kassen so schauderhaft viele Angestellte haben müssen ?
Lieber PR, ich würde es ja gerne finden. Leider müsste ich dann sämtliche Protokolle der Bundestagssitzungen der letzten Jahre durchgehen, denn Frau Ferne ist sehr fleißig, insbesondere, was Zwischenrufe mit und auch ohne Sinn angeht. Als Augenarzt krieg ich aber nur noch 14 Euro pro Patient und Quartal. Wie Tillenburg so wahr sagt: es geht nur noch über
- die Masse (und selbst das nicht - Budget! Aber bloß nicht zu wenige, dann wird weiter rationiert)
- die IGeL (und da ich nur das anbiete, hinter dem ich stehe, ist mein IGeL-Umsatz im Quervergleich der Ärzte nur halb so hoch. Aber keine Sorge: bei mir erblinden nur die, die dem "IGel-Monitor" mehr glauben als mir)
- die Operationen, denn da gibts noch Honorar für den enormen Stress, den man sich antut. Ich lade übrigens jeden ein, mich zu begleiten und das mal aus nächster Nähe zu erleben, wenn man zittert und schwitzt, weil man so richtig Angst hat. Als Arzt, gemeinsam mit dem Patient. Die Honorare sollen übrigens wieder fallen, denn KrankenKassenMitarbeiter wissen besser, was gute Arbeit wert ist, und gutes Sehen auch.

Aber zurück zu Ihnen, PR: meines Wissens fiel der Satz mit der Arbeitsbeschaffungsmaßnahme in einer Podiumsdiskussion. Und nur Lauterbach hat keine Probleme damit, solche industriellen Steuerungen gerne noch aufzeichnen zu lassen. Ich finde es immer wieder komisch, dass ein bezahlter Lobbyist des Rhön-Konzerns das nicht jeden Tag aufs Brot geschmiert kriegt. Na ja, die Presse ist ja auch...aber lassen wir das lieber.

Und zum Thema: natürlich hat der Privatpatient ein anderes Standing, schlicht, weil der Arzt bei ihm ein reelles Honorar erhält. Ohne Budget, schlicht nach Leistung. Und der Patient ist frei, mit dem Arzt über die Leistung und das Honorar zu diskutieren. Umso mehr, wenn er Kostenerstattung gewählt hat. Denn dann zahlt er fast alles selber und erfährt dann, welchen Hungerlohn KrankeKassen zahlen. Sollte ein Arzt da unkonziliant sein - es gibt viele. Für Private immer.

Kostenerstattungspatienten sind bei mir selten, und sie genießen bei mir einen Selbstzahlerstatus, der sich noch von dem von Privatversicherten unterscheidet. Der Selbstzahler zahlt nämlich auch selber, und da sind Steigerungssätze sehr variabel und patientenfreundlich. Übersichtliche Rechnung gibts selbstverständlich.

Diskussionen hab ich mit Privatpatienten und Selbstzahlern eigentlich nie über die Rechnung. Schlicht, weil man eben nicht immer alles machen muss. Im Vergleich zu den 14 Euro des KassenPatienten wirds ja zwangsläufig besser.

Zusammengefasst: Übersichtlichkeit, Diskussionsbereitschaft, Transparenz, Fairness. So etwas geht nur in der GOÄ. Fragt sich noch jemand ernsthaft, warum unsere "Volks"vertreter die endlich abschaffen wollen?
Augenarzt? Flatrate. Für nur 18 Euro all you can (tr)eat, ein ganzes Quartal lang! DAS ist heutige Gesundheitspolitik.

*Katharina
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Re: Kostenerstattung GKV - Ärzte- und Patientenmeinungen gef

Beitrag von *Katharina »

Was ich nicht verstehe: Wenn Sie als Augenarzt 14€ pro Quartal bekommen und damit, völlig zurecht, nicht zufrieden sind - wer hat das denn ausgehandelt? Ich dachte das wären Kassen + Ärzte? Irgendwie muss es ja mal zu diesem Konsens gekommen sein.

Humungus
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Re: Kostenerstattung GKV - Ärzte- und Patientenmeinungen gef

Beitrag von Humungus »

Ja, wer hat das ausgehandelt? Da stellen wir uns mal janz dumm...

da haben wir ne KV, die verwaltet die Ärzte. Und ne GKV, die verwaltet das Geld.

Un die beiden einigen sich auf nen Batzen Geld, den die GKV zahlt. Für alles, tutto bene, all inclusive.

Un die KV verteilt nun den Batzen auf die einzelnen Facharztgruppen. Un dann noch innerhalb der Facharztgruppen.

Un wenn der Batzen zu klein ist, ist das wie mit der Bettdecke für zwei: wer am meisten zieht, liegt warm, der andere friert. Un je kleiner der Batzen ist, je mehr friert man un muss ziehen.

Bis jetz muss es klar sein.

So, un jetzt kommt der Einwand: ja, warum macht die KV das denn mit? Warum streiken die Ärzte nicht einfach? Warum benimmt sich die KV nicht wie eine Interessenvertretung der Ärzte?

Weil die KV nämlich jar keine is. So einfach is dat.

Die KV is nämlich ne KdÖR, ne Körperschaft des Öffentlichen Rechts. So etwas Ähnliches wie eine Behörde. Wie die GEZ un so. Un die KV steht unter der Knute des Jesundheitsministeriums. Wenn se nich spurt, wird se auf Vordermann jebrach oder gleich janz abjeschaff.

Un in de KV is jut leben für de Anjestellte un de Ärzte, die dorthin jewählt wurde. Die kriegen viel, viel Jeld. Und dat wollen se nich verlieren.

Un darum verspreche unsere Funktionäre vor jeder Wahl, et würd besser werde für die Ärzte un auch die Patiente. Un nach der Wahl haben se alles verjesse.

Wie de Politiker, nich?

Un jetz kommt et noch viel besser: de KV weiß auch, dat de Politik de Niederjelassene jar nit mehr will. De Lauterbach will nämlich Rhön, denn die zahlen ihn jut. Un de Ulla und de Rote Ferners Elke wollen dat auch, denn die haben Angs vor de Niederjelassene un de Freiberuflichkeit. Un deshalb krigge de Ärzte immer weniger, un immer mehr fließt in die Ambulanzen un in Spezialversorgung. Damit de Niederjelassene kaputtgehe un in son dickes MVZ wechseln. Dann werden de Patienten schlech behandelt, aber dat is de KV, de KrankenKassen un de Politik scheißejal. Dat sagen se nur nich, sondern denken et nur.

Un darum haben de KV-Vorstände janz im Geheimen Patiomed gejründet. Dat soll dann ne Kette wie Kaisers Kaffe werden un de Patientenversorgung übernehmen. Un die Vorstände haben da viel Geld hinjeleg, so ne halbe Million wahrscheinlich oder so.

Un wenn de Niederjelassene kaputt sin, dann werden de KV-Vorstände stinkereich. Un de Lauterbach auch. Un de Rote Ferners Elke jeht zu der KrankenKasse, wie viele ihrer Vorgänger.

Schlau, nich?
Augenarzt? Flatrate. Für nur 18 Euro all you can (tr)eat, ein ganzes Quartal lang! DAS ist heutige Gesundheitspolitik.

klaus1
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Re: Kostenerstattung GKV - Ärzte- und Patientenmeinungen gef

Beitrag von klaus1 »

Zum Thema gibt es auch unter http://www.recht.de/phpbb/viewtopic.php ... 4e&start=0 eine interessante Diskussion.
klaus1

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Danke für den Link !

Beitrag von PR »

Da steht zum abertausendsten Mal, was keine Zeitung druckt und kein Fernzäh jemals sendet, weil
die Antworten niemand wissen will und niemand wissen soll:

Was passiert mit Beiträgen zu Kranken Kassen, bis sie da landen, wofür sie zwangseingesammelt wurden, (für „solidarische“ gesundheitliche Versorgung der „solidarischen“ Kassenmitglieder)

welch unglaublich geringer Anteil vom Beitrag landet tatsächlich da, wo 90 % der täglichen gesundheitlichen Probleme der Kassenmitglieder abschließend geregelt werden (in der ambulanten Medizin)

wie krank muss das deutsche System der Kranken Kassen demnach sein ?

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Re: Kostenerstattung GKV - Ärzte- und Patientenmeinungen gef

Beitrag von andyandy »

Ich habe die Diskussion lesend verfolgt. Danke für alle Rückmeldungen.

PR
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Sagen Sie uns mal eben noch,

Beitrag von PR »

was Sie daraus denn geschlussfolgert haben ?

Schreibend !

Bitte !

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