"Jammern auf hohem Niveau"

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Christine R.
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"Jammern auf hohem Niveau"

Beitrag von Christine R. »

Hoffnung ist nicht die Überzeugung dass etwas gut ausgeht, sondern die Gewissheit, dass etwas Sinn hat, egal wie es ausgeht

Vaclav Havel

zackbohne
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Beitrag von zackbohne »

Hallo,

der Eindruck des Autors ist natürlich individuell und es gibt bestimmt mindest genau so viele Patienten, die Gegenteiliges zu berichten haben (oder nicht mehr berichten können, weil sie nicht mehr leben).

Nicht falsch ist sicherlich die verallgemeinernde Tatsache, dass wir nicht das schlechteste Gesundheitssystem haben. Es könnte wahrscheinlich noch besser sein, wenn es in den letzten Jahrzehnt nicht durch profilierungssüchtige Interessengruppen dutzende erfolglose Reformierungen erleiden hätte müssen und zum Spielball politischer Querelen geworden wäre.

Wobei es freilich auch immer darauf ankommt, womit man sich vergleicht. Sicherlich leben wir gegenüber Entwicklungsländern in einem medizinischen Schlaraffenland, und auch der Vergleich mit einigen südeuropäischen Staaten offenbart oft qualitative Überlegenheit.

Damit ist jedoch noch überhaupt nichts über die Versorgung in der Breite gesagt. Die USA beispielsweise führen das Negativbeispiel an, wir sind irgendwann auf den besten Wege dorthin: Spitzenmedizin für einige wenige, dafür praktisch nur Basisversorgung für die Mittelschicht und Nullversorgung für die Mittellosen und in den Provinzen.
Grüßle,
zackbohne

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Daily Soap der deutschen Politik

Beitrag von PR »

Kann man nicht besser sagen, angesichts dieser bodenlosen Seehofereien. Dieser Mann hat zu der Unzurechenbarkeit zurückgefunden, die man von ihm gewohnt war.

Freilich kriegen die Leute das allmählich mit und werden - nachdem sie im letzten Herbst a u c h deshalb eine eine große Volkspartei zur kleinen Volkspartei gestutzt haben -
die Sonderpartei der Herren Strauss, Stoiber und Seehofer endlich zu der Splitterpartei deklarieren, die sie längst ist.

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Vampi
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Beitrag von Vampi »

ich find den artikel ehrlich gesagt ziemlich schlecht. das "jammern auf hohem niveau" ist doch nichts anderes als "schau mal, anderen Leuten geht es viel schlechter als dir" - wovon niemand was hat. irgendnen ort wo s noch schlechter ist, findet man immer. und deutschland mit einem land zu vergleichen, das so reaktionär ist, dass abtreibungen und homosexualität geächtet werden bringt einen nicht wirklich weiter.

zackbohne
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Beitrag von zackbohne »

... zudem der Autor in vielen Belangen auch nicht korrekt recherchiert zu haben scheint:
Bei einem Unfall sind die Überlebenschancen in Deutschland hoch, weil ein dichtes Netz aus Krankenhäusern und Notfallkliniken besteht, und der Krankenwagen braucht keine zwei Stunden, sondern nur fünf oder zehn Minuten, bis er beim Unfallopfer ist. Auch das ist nicht überall auf diesem Globus eine Selbstverständlichkeit....
Wenn man direkt neben der RLS wohnt oder in einem hochversorgten Großstadtgebiet mag das zutreffen. Die ländlichen Regionen und Provinzen sind hingegen (nicht zuletzt durch Sparmaßnahmen, aber auch durch Falschparker, Gaffer, organisatorische Mängel u.v.m.) unterversorgt und das knappe Zeitfenster gerade bei Herznotfällen wie SCD oder fulminantem Infarkt ist in aller Regel dort eher nicht einzuhalten. Fünf Minuten halte ich schlicht für eine Illusion.

Dank weit verbreitetem schlechten Ershelferwissen oder gar fehlender Bereitschaft, überhaupt etwas zu tun, sterben diese Patienten den Anwesenden dann oft vor der Nase weg.
Grüßle,
zackbohne

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Hat halt nicht jeder

Beitrag von PR »

'n Defi in der Garage.

Ich übrigens auch nicht.

Aber über die Alarm-Einsatz-Zeiten kann uns sicher der moderate Doc Alf berichten, gelle ?

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gemeine_Stockente
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Beitrag von gemeine_Stockente »

Hallo zackbohne, danke für den Beitrag. Das mit dem Vergleichen ist immer eine Frage der Perspektive. Die reicht in unserer öffentlichen Debatte zwar bis zu den USA aber in den seltensten Fällen zu unseren europäischen Nachbarländern. Der Vergleichsmaßstab sollten dabei unsere EU-Nachbarn sein und nicht die Dritte Welt oder die USA.

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Beitrag von Dr. A. Flaccus »

Hallo!

Ein netter "europäischer Vergleich" findet sich
hier.

Für eine identische Behandlung (Diagnose und Versorgung eines Sprunggelenk-Bruchs)zahlt man in Österreich bar: 740 Euro.
Unser System erlöst für den Arzt nicht einmal 100 Euro...

Und weil´s gewünscht war noch ein Satz zur Notfallversorgung:

In ganz Deutschland gilt eine 15-minütige Hilfsfrist. Das bedeutet, in 95% aller Fälle muß innerhalb von 15 Minuten ein Rettungswagen vor Ort sein (kein Arzt!). Selbst in einem Flächenland wie Niedersachsen wird diese Hilfsfrist weitgehend eingehalten. In Ballungsräumen ist sie sicher kürzer.

Gruß

A. Flaccus
Dr. A. Flaccus
Facharzt für Anästhesie
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Christine R.
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Beitrag von Christine R. »

Guten Abend :)

nur eine kurze Frage:

Hat jemand das Buch gelesen ?

Meine Wenigkeit schon.....

Der "Titel" Jammern auf hohem Niveau" betrifft inhaltlich, auf unser Gesundheitssystem bezogen, nur einen kleinen Bruchteil des Buches und diesen auch mit einem gehörigen Schuss Ironie
Ich habe es im BK Forum eingestellt , dort wurde es verschoben

Kein Thema, dass mein Hoffnungsschimmer Dr. Rösler immer noch nicht das annähernd anspricht und auf die Wege bringt, was ich mir von seiner Partei erhofft habe.
Aber vielleicht scheitert es ja daran , dass der Koalitionspartner alles boykottiert.

Schönen Abend noch

Christine
Hoffnung ist nicht die Überzeugung dass etwas gut ausgeht, sondern die Gewissheit, dass etwas Sinn hat, egal wie es ausgeht

Vaclav Havel

Vampi
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Beitrag von Vampi »

dass der RTW häufig zu spät eintrifft wurde aber schon vielfach kritisiert:
Björn Steiger Stiftung fordert erneut bundeseinheitliche Lösung - Hilfsfristen im Rettungswesen werden oft nicht eingehalten

21.2.2008 - Winnenden, 21. Februar 2008 – Weil gespart werden soll, kommt der Rettungswagen immer später zum Einsatzort. Dabei gibt es gesetzlich vorgeschriebene Hilfsfristen – doch sie werden häufig nicht mehr eingehalten. Gerade sind Zahlen in Stuttgart bekannt geworden, im letzten Herbst gab es hierzu eine Veröffentlichung aus Sachsen. Die Björn Steiger Stiftung, Initiator der Notrufnummer 110/112, fordert deshalb neben der Einhaltung der Fristen schon seit Jahren eine einheitliche Regelung der Hilfsfristen, um die Zahlen bundesweit vergleichen zu können.
http://www.steiger-stiftung.de/index.ph ... &newsid=58

Rainer Pöhler
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Jammern auf hohem Niveau - die dunkle Seiter der Macht

Beitrag von Rainer Pöhler »

Schufterei oder abkassieren - so einfach funktioniert die (Arzt-)Welt nicht:
Geht es wirklich nur darum? Ich bitte um Entschuldigung, wenn ich mich an dieser Diskussion unter Ärzten beteilige. Ich bin jedoch mit einer Landärztin verheiratet und als solcher Leidtragender der gegenwärtigen Situation.
„Arbeit macht glücklich – oder krank.“
Es ist doch nicht das Geld, um das es hier geht. Geld ist immer nur Mittel zum Zweck. Jeder Manager weiß, wie wichtig Anerkennung für die Motivation seiner Mitarbeiter und deren Leistungsfähigkeit ist.
Ich stelle einmal nur Fragen:
  • Wird die Leistung der Hausärzte von Seiten der Meinungsträger ausreichend gewürdigt, um als Motivation für weitere Arbeit zu dienen?
    Kann man das jahrelange Warten auf einen möglichen Regress als motivationsfördernd für die Ergreifung dieses Berufes werten?
    Ist das, was in den letzten Jahren in den Medien über Ärzte berichtet wurde, tendenziell als „Medienschelte“ bezeichenbar?
    Gibt es eine Statistik über die gesundheitlichen Risiken des Berufes „Hausarzt“ hinsichtlich der Folgen von Stressfaktoren auf die Lebenserwartung?
    Gibt es eine Statistik, die Aussagen zur Häufigkeit von Raubüberfällen auf ärztliche Praxen beinhaltet?
    Gibt es eine Statistik, die zum Ausdruck bringt, wie oft Ärzte oder ihr Personal bedroht oder sogar tätlich angegriffen werden?
    Gibt es eine Statistik darüber, wie oft Ärzte freitags um 16:00 Uhr noch in ihrer Praxis erreichbar sind? Wie würde diese Statistik aussehen, wenn sie auch die erfolglosen? Versuche dieser Kollegen enthielte, um diese Zeit noch Mitarbeiter in Ämtern und Behörden zu erreichen? Würde diese Statistik besser aussehen, wenn als X-Zeit 14:00 Uhr angesetzt würde?
Es kann ja sein, dass die Antworten wesentlich positiver ausfallen, als ich im Moment denke. Zahlen lügen ja nicht.
Apropos Zahlen. Vielleicht sollte man, statt sich in deutschlandweiten Statistiken (die sind so schön anonym) zu wälzen, einmal GANZ KONKRETE, nachweisliche Zahlen nennen.

Die folgenden Zahlen stammen aus einer Landarztpraxis im Einzugsgebiet einer größeren Stadt in Mecklenburg-Vorpommern. Die Praxis hat ein Regelleistungsvolumen von ca. 900 Scheinen pro Quartal (was bedeutet, das der Arzt in einem Quartal zwischen 1500 und 3000 Patientenkontakte hat). In der Praxis arbeiten ein Arzt, eine medizinische Fachangestellte (die erst vor einem halben Jahr ausgelernt hat, ein Auszubildender zum medizinischen Fachangestellten und ein Angestellter mit einem nichtmedizinischen Beruf.
* Ca. 5600 eingehende Befundberichte von Ärzten und Krankenhäusern im Jahr 2009 erreichten die Praxis, das ist eine Steigerung um mehr als 10 Prozent gegenüber 2008 (4989 Befunde).
* 1600 Laborbefunde wurden ausgewertet und ca. 800 Befundberichte, Rentenanträge, Zahlscheine und sonstige größeren Atteste durch den Arzt erstellt.

Daraus ergibt sich die Zeitberechnung für den Arzt:
* Pro eingehendem Brief ca. 5 Minuten für den Arzt, 1 Minute für die Schwester (Öffnen, Akte heraussuchen, lesen und handeln durch den Arzt, weitere Maßnahmen, Akte einsortieren).
* Pro Laborbefund ca. 2 Minuten.
* Pro ausgehendem Dokument ca. 10 Minuten (5 Minuten für einen Zahlschein, ein Rentenantrag oder ausführlicher Befundbericht für den MDK bis 60 Minuten)

Daraus ergibt sich rein rechnerisch ein ärztlicher Dokumentationsaufwand in der patientenfreien Arbeitszeit von 35200 Minuten, das sind 587 Stunden oder 14,7 Wochen zu je 40 Stunden durchgehender Patientendokumentation.

Zum Vergleich wird jetzt die sonstige Arbeitsbelastung betrachtet. In Mecklenburg-Vorpommern muss der Arzt pro Woche seine Praxis mindestens 20 Stunden öffnen. Real sind es jedoch, mit Notfällen und Hausbesuchen ca. 30 Stunden, also pro Arbeitstag 6 Stunden Patientenkontakt. Ein Jahr hat 260 Arbeitstage, minus 10 Feiertage und den Mindesturlaub, bleiben 230 Arbeitstage oder 1840 Arbeitsstunden.
Von diesen werden durch den Arzt bereits 6x230, also 1380 Stunden für den Patientenkontakt verbraucht. Wird jetzt die Zeit für die patientengebundene Verwaltung dazu addiert, ergeben sich 1967 Stunden, das ist ein Überhang von 127 Stunden oder 3 Wochen.
Das betrifft aber nur den patientengebundenen Teil der Arbeitszeit in einer Praxis. Hinzu kommt noch die Arbeit für das „Unternehmen Praxis“, also
- Ämter, Behörden, Institutionen
- Finanzamt, Steuern, Banken
- Teamführung
- Qualitätsmanagement
- Lieferanten, Firmen
- Kassenärztliche Vereinigung, Ärztekammern,
- Abrechnungen, Rechnungen erstellen
- Weiterbildung, Wissen
Wird dafür nur ein Schätzwert von nur 1 Stunde Aufwand pro Tag gerechnet, so sind das zusätzliche 230 Stunden im Jahr, insgesamt also 2297 Arbeitsstunden.

Verschärfend kommt hinzu, das ein Arzt auch krank werden kann, mehr als den gesetzlichen Mindesturlaub nimmt (nehmen muss aus Wirtschaftlichkeitsgründen) und auch für einige wichtige Weiterbildungen geschlossen werden muss. Das reduziert zwar auch die Öffnungsstunden, die Verwaltungsarbeit bleibt aber konstant. Damit verteilen sich dann die 400 Jahresüberstunden nicht mehr auf 230 Tage, sondern vielleicht nur noch auf 210 Arbeitstage. Ganz vorsichtig rechne ich jetzt noch 48 Notdienststunden im Monat = 576 Stunden und 1 Stunde Nothausbesuche pro Woche (am Wochenende oder in der Nacht) = 32 Stunden hinzu, dann sind das

1008 (in Worten eintausendundacht) Überstunden im Jahr,

verglichen mit einem tariflich bezahlten Angestellten.

Um es leichter fassbar zu machen: Das "Arztjahr" hat nicht 12, sondern mindestens 17 Monate !!
Noch einmal. Diese Zahlen basieren auf nachweisbaren Fakten und Arbeitszeiten aus dem Jahre 2009. Vielleicht habe ich mich dabei verrechnet, und es sind nicht 1000 Überstunden, sondern nur 800 – das wäre dann natürlich viel weniger schlimm …

Das Gesundheitssystem in Deutschland funktioniert noch, weil die Ärzte diese Arbeit freiwillig, ihrer Berufung verpflichtet und zum Wohle ihrer Patienten leisten. Was mich dabei aber mittlerweile nur noch traurig macht (bitte verzeihen Sie, wenn ich jetzt doch noch emotional werde), ist der Umkehrschluss dieser Tatsache.
Ich denke (das ist nur meine persönliche Meinung), dass es Menschen, Institutionen und Organisationen gibt, die diese unmenschliche Belastung in ihre Planungen einbeziehen, als sei es eine Selbstverständlichkeit und somit zu Nutznießern dieser Freiwilligkeit werden. Schließlich kann man ja immer noch, sollten die Ärzte geschlossen auf einem wenigstens Zehn-StundenTag bestehen, ihnen immer noch vorwerfen, sie würden den Patienten als Geisel nehmen …

Rainer Pöhler

(zur Zeit häuslicher Pfleger einer kranken Ärztin)

PS: Die Erkrankung meiner Frau hat selbstverständlich nichts, aber auch gar nichts mit den oben geschilderten Arbeitsbedingungen über einen Zeitraum von 5 Jahren zu tun

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Das Gesundheitssystem in Deutschland funktioniert noch, weil

Beitrag von PR »

es hier eine die grundgesetzliche Gewaltenteilung überschreitende Allianz gibt aus patientenfernen Politikern, Richtern und Funktionären,
die - freundlich formuliert - die Sorge umtreibt, das System könne ihnen um die Ohren fliegen, wenn sie - unfreundlich formuliert - sämtliche in diesem Gesundheitswesen Tätigen aus der Geiselhaft des Sozialgesetzbuchs entlassen. Es handelt sich um eine Geiselhaft, die wichtige Teile der garantierten bürgerlichen Grundrechte dieser Republik einem wichtigen Teil ihrer Bürger vorsätzlich und gezielt vorenthält.
Dies geschieht weitgehend verdeckt und wird aus verständlichen Gründen dem Bürger so nicht erklärt. Wer dafür Beweise sucht, muss sie Gestzen und Verordnungen entnehmen, die selbst von denen nicht mehr in Gänze überschaut werden, die sie beschlossen haben.

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Vom Kopf auf die Füße

Beitrag von Rainer Pöhler »

Vom Kopf auf die Füße
In allen Diskussionen in diesem Forum, in der Zeitung, im Fernsehen und wo auch immer vermisse ich oft den Blick auf grundlegende gesellschaftliche Zusammenhänge bzw. die Bereitschaft, selbige an zu erkennen.
Was meine ich damit?
Jede Gesellschaft besteht im Wesentlichen aus drei Gruppen:
- A) diejenigen, die den gesellschaftlichen Reichtum erarbeiten
- B) diejenigen, die diesen erarbeiteten gesellschaftlichen Reichtum (im Auftrag der Gruppe A )verwalten
- C) alle jene Personen, die weder A) noch B) zugehörig sind, also Rentner, Kinder, Kranke, Arbeitslose etc.
Alle Angehörigen der Gruppe B werden bezahlt aus den Mitteln, die die Gruppe A erwirtschaftet. Mediziner sind in dieser Gruppensystematik nicht erfasst, da sie selbst keinen gesellschaftlichen Reichtum erarbeiten, aber sowohl die Erarbeitungs- als auch Verwaltungsfähigkeit desselben sicherstellen. Je größer die Gruppen B und C werden, umso geringer wird der verteilbare gesellschaftliche Reichtum.
Ich möchte das Gesagte nicht durch lange Erklärungen verwässern, deshalb nur eine allgemeine Frage:
- Ist sich jeder politische und gesellschaftliche Mandatsträger bewusst, dass das Geld, mit dem er hantiert und mit dem seine Tätigkeit bezahlt wird, von anderen erwirtschaftet und ihm in gutem Glauben dahingehend zur Verfügung gestellt wird, dass er es nicht zur persönlichen Bereicherung, Selbstdarstellung oder Machtvervielfältigung, sondern zur Mehrung und Erhaltung eben dieses gesellschaftlichen Reichtums nutzt?
Ein einziges von tausenden möglichen Negativbeispielen soll an dieser Stelle stellvertretend genannt werden: Wie kann es sein, das ein Lehrling zum Sozialfachangestellten fast das Dreifache an Lehrlingslohn erhält wie ein Auszubildender zum Medizinischen Fachangestellten?

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Vielleicht ist es

Beitrag von PR »

Schweigegeld, wie wohl das vierzehnte Monatsgehalt der Kassen-SoFas...

Krakenkassen scheinen mir keineswegs die gesetzlosesten Orte im Land zu sein, aber diejenigen Orte, an denen die für alle Übrigen im Land gültigen Gesetze am allerwenigsten beachtet u n d k o n t r o l l i e r t werden.

Ein Versehen kann ich dabei nicht erkennen. Hab an anderer Stelle von der gesundheitspolitischen Konferenz 1997 berichtet. Die Kassenleute haben da klar gesagt: jetzt machen wir auch mal Sachen, die nicht im Gesetz stehen.

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Vom Kopf auf die Füße ist es ein langer Weg...

Beitrag von Beitragszahler »

Rainer Pöhler hat geschrieben:...vermisse ich oft den Blick auf grundlegende gesellschaftliche Zusammenhänge bzw. die Bereitschaft, selbige an zu erkennen...
Hm, die werden doch tagtäglich zwangsweise und bestimmt oft genug auch mit vollem Bewusstsein dazu anerkannt.
In solchen und anderen Foren geht es ja eben oft darum zu erklären, dass zunächst einmal der Fisch vom Kopfe her stinkt und sich damit noch nicht einmal zum Aroma der untersten Extremitäten vorgearbeitet werden konnte und wollte.
Rainer Pöhler hat geschrieben:...Ist sich jeder politische und gesellschaftliche Mandatsträger bewusst, dass das Geld, mit dem er hantiert und mit dem seine Tätigkeit bezahlt wird, von anderen erwirtschaftet und ihm in gutem Glauben dahingehend zur Verfügung gestellt wird, dass er es nicht zur persönlichen Bereicherung, Selbstdarstellung oder Machtvervielfältigung, sondern zur Mehrung und Erhaltung eben dieses gesellschaftlichen Reichtums nutzt?...
Wie wir vom dauerbeleidigten Guy Guido erfahren durften, der von der Freizeitlich Demagogischen Partei, oder wie nannte die sich doch gleich, ist da nach Selbstbekenntnis schon Bewusstsein dabei, dreister hatten wir's kaum.
Nun haben wir ihn also, unseren Spaß-Guido. Und die Kumpels von der Partei der dunklen Fürsten wollen den nun auch nicht mehr so wirklich haben.
Dabei kennen die sich doch aus den Zeiten der Sandkiste gegen Spaß-Gesellschaft und rote Socken, das jung-dynamische Liberalvolk wird's wohl nicht mehr so recht wissen können.
Kommen wir aber mal zur Verantwortung derer, die die Pappnasenfraktion mitwählten und sich mittelständisch aus Anstellungsverhältnissen rekrutieren, kenne ein paar solcher m.E. Wahnsinnigen.
Wie kann man nur so sein eigenes, sozial-politisches Grab buddeln und wenn möglich sich auch noch privat versichern. Sicher jede Versicherung ist ein Geschäft mit der Angst und die wurde oft genug erfolgreich bedient, nur mal so nebenher angemerkt.
Nun jedenfalls haben die Auswirkungen der Banker-Zockereien eben genau auch diesen angestellten Mittelstand erreicht, schwups weg sind die tollen Angeber-Jobs, Hartz4 hat nun auch schon einige erwischt und die PKV ist gnadenlos was Beitragszahlungen angeht. Und die regierende Spaß-Union interessiert sich natürlich null für solche Loser, weil ist klar, ist eben nur für den Mittelstand da.
Rainer Pöhler hat geschrieben:...Wie kann es sein, das ein Lehrling zum Sozialfachangestellten fast das Dreifache an Lehrlingslohn erhält wie ein Auszubildender zum Medizinischen Fachangestellten?
Und was ist mit den Auszubildenden im Haarschneide- und Backhandwerk?
Verdienen die etwa mehr als ein Azubi zum MTA?
Komische Frage.

Schöne Grüße
Robert

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