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Obstruktives Schlaf-Apnoe-Syndrom (OSAS)
Artikel ID: 11
Dieser Artikel wurde 11209 mal aufgerufen
Verfasst von: Martin Stadler
Verfasst am: 21.12.04, 23:46
Artikel Beschreibung: Übersicht über Schlafbezogene Atemstörungen (SAS)
Externer Link zu diesen Artikel:
https://www.medizin-forum.de/phpbb/kb.php?a=11
Man unterscheidet zunächst 2 große Gruppen sog. schlafbezogener Atemstörungen (SAS):
- SAS ohne Obstruktion (Verlegung) der oberen Atemwege, z. B.:
-- primäre und sekundäre alveoläre Hypoventilation (verminderte Belüftung der Lungenbläschen)
-- zentrale Apnoe
-- asynchrones Atmen
- SAS mit Obstruktion:
-- partielle Obstruktion = \"obstruktives Schnarchen\"
-- komplette Obstruktion (Okklusion) = \"obstruktive Schlafapnoe\"

:idea: Bei allen obstruktiven SAS gehört das Schnarchen praktisch zum Leitsymptom, daher werden obstruktive SAS auch als Rhonchopathien bezeichnet!
(OSAS steht übrigens für \"obstruktives Schlaf-Apnoe-Syndrom)

Das Schnarchen entsteht durch Engstellen der oberen Luftwege, meist aber hinter der Nase, bis zur Glottis (Stimmbandritze im Kehlkopf). Ein erhöhter Nasenwiderstand bzw. eine Nasenatmungsbehinderung ist ein prädisponierender Faktor, jedoch nie die alleinige Ursache von SAS!

Das Schnarchgeräusch entsteht praktisch durch Vibrationen der Rachenwand, und zwar meist im Bereich des weichen Gaumens und des Gaumenzäpfchens (Uvula), seltener auch durch Vibrationen im Bereich des unteren Rachens (Hypopharynx) oder der Epiglottis (Kehldeckel). Schnarchgeräusche und obstruktive Apnoen, welche also vor allem in der mittleren Rachenebene (Oropharynx) entstehen, sind durch eine gestörte Regulation und Abstimmung zwischen Atemzentrum (verlängertes Mark des Gehirns, Hirnstamm) und dem peripheren Atemapparat bedingt. Im Normalfall sorgt dieser Regelkreis während der verschiedenen Schlafstadien durch eine differenzierte Innervierung verschiedener Rachenmuskeln und der Muskeln für Brust- und Bauchatmung für einen stabilen Querschnitt der oberen Luftwege und eine normale Luftströmung.

Man beobachtet sehr häufig, daß im Schlaf der Oropharynx von SAS-Patienten enger gestellt ist als bei Nichtschnarchern. Zusätzlich ist der Muskeltonus (muskuläre Anpannung) vermindert, was durch Erschlaffung der Rachenwände den Rachenraum (ggf. zusätzlich zu einer vorgegebenen genetischen oder konstitutionellen Verengung) zusätzlich einengt und die Vibration der Rachenwände erleichtert. Der Luftstrom während der Einatmung (Inspiration) wird durch diese Verengung in Richtung Lungen beschleunigt (ähnlich eines enggestellten Blutgefäßes, in dem der Blutdruck höher ist als in einem weitgestellten). Dadurch kommt es aus physikalischen Gründen zu einem Unterdruck im Oropharynx, was die Rachenwände weiter nach innen ziehen läßt. Dies führt dann im Wechsel der Ein- und Ausatmung bei niedrigem Muskeltonus zum Schnarchgeräusch.
Da der Oropharynx Teil des Luftweges ist, erhöht sich auch der Atemwegswiderstand. Das führt kompensatorisch zu einem Anstieg des intrathorakalen (in der Brusthöhle) Unterdrucks. Ab einer kritischen Strömungsgeschwindigkeit im Oropharynx kollabiert dieser und die Apnoephase beginnt (kurzzeitige Verlegung des Luftweges).

Grundsätzlich kann man 2 Schnarchgeräusch-Typen unterscheiden:
- \"Velum-Schnarcher\": regelmäßiges, harmonisches bis zum \"Sägen\" sich steigerndes Geräusch ohne Apnoen des chronischen Schnarchers. Im Frequenzspektrum vor allem tiefe Frequenzen mit Obertönen, welche vorwiegend im verengten weichen Gaumen entstehen
- \"Zungengrund-Schnarcher\": Typisch für den Apnoiker, kaum bis keine Oberwellen oder Obertöne in der Frequenzanalyse, dafür aber höherfrequente Töne, die im Bereich der Zungengrundverengung entstehen. Dieses Schnarchen ist unregelmäßig, unharmonisch bis schlagartig, welches am Ende der Apnoeepisode die Wiedereröffnung des Luftweges anzeigt.

Wesentlich zur Klassifizierung und damit für evtl. therapeutische Entscheidungen ist die Diagnostik, insbesondere die Beurteilung der anatomischen Verhältnisse der oberen Luftwege. In manchen Fällen können bei SAS-Patienten keine Auffälligkeiten gefunden werden.

Wichtig zur genauen Klassifizierung SAS (schlafbezogener Atemstörungen) kann auch die Bestimmung des Apnoemusters sein.
Unterschieden wird:
- eine zentrale Apnoe
- eine periphere obstruktive Apnoe
- eine gemischte Apnoe, diese kommt am häufigsten vor.

Die wichtigste Untersuchung ist die Polysomnographie in einem Schlaflabor!
- Aufzeichnung verschiedener Schlafparameter (z. B. Schlafzeit, Einschlafzeit, etc.)
- Messung schlafabhängiger Atemgeräusche
- Videodokumentation mit Messungen der Körperposition
- EEG-Aufzeichnung
- EOG-Aufzeichnung (Elektrookulogramm: Aufzeichnung der Augenbewegungen)
- Registrierung nasaler und oraler Luftströme und deren Widerstände zur Apnoe-Differenzierung
- Registrierung der thorakalen und abdominellen Atembewegungen (Bauch-Brust-Atmung)
- EKG (Herz-Rhythmus und -Frequenz)
- Pulsoxymetrie (Messung der Sauerstoff-Sättigung im arteriellen Blut)
- ggf. Aufzeichnung von Muskelpotentialen (EMG)
- ggf. Messung des Rachen- und Ösophagusdrucks (Speiseröhrendruck)

Nasendiagnostik:
- Septumdeviation (Nasenscheidewandverkrümmung)?
- Schiefnase?
- Schleimhauthypertrophie? (Gründe: Allergie? chron. Rhinitis? Wegener? etc.)
- Nasenpolypen? (entzündlich-hyperplastisch? neoplastisch-adenomatös?)
- vergrößerte Rachenmandel (= Adenoidhyperplasie)?
Beurteilung der Relevanz durch Bestimmung der nasalen Luftströme und des Nasenwegswiderstandes (Rhinomanometrie, akustische Rhinometrie); Nasenspiegelung (vordere und hintere Rhinoskopie); Endoskopie; Bildgebung.

Mundhöhlen-Diagnostik:
- Fehlbiß? (Retrogenie? Mikrogenie? Mikro-/Makrognathie?)
- Zungenvergrößerung (Makroglossie)? (Gründe: z. B. Akromegalie? Hypothyreoidismus? Glossitis?)
- Einschränkung der Mundöffnung? (neuro-muskulär? Kiefergelenk?)
- Schleimhaut-Hypertrophie im weichen Gaumen, v. a. der hinteren Gaumenbögen (webbing) (entzündlich? Prozeß in der Rachenumgebung?)
- Schnarcherzäpfchen?
- Gaumen-/Zungengrundtonsillenvergrößerung? (Gründe: welche Tonsillitis?)
- Rachenzysten?
- Tumoren?
Spiegelung (Pharyngoskopie).

Kehlkopf-Diagnostik:
- weiche, unterentwickelte oder U-förmige Epiglottis?
- Stimmlippenbeweglichkeit? (eingeschränkt? koordiniert? Morphologie?)
- Stimmlippen- oder Glottisödem? (entzündlich? Tumor?)
- dicker, kurzer Hals bzw. zu tief stehendes Zungenbein?
Direkte und indirekte Laryngoskopie (Kehlkopfspiegelung) mit Stroboskopie (Beurteilung der Stimmlippenbewegung und deren Koordination).

Ggf. Fiberoptische Nasopharyngoskopie mit Videodokumentation

Konservative Therapie-Optionen:
- Gewichtsreduktion!
- Alkohol- und Nikotinkarenz
- Verzicht auf Schlaf- und Beruhigungsmittel
- Keine Mahlzeit innerhalb 3 Stunden vor dem Schlafengehen
- Schlafhygiene
- Schlafposition und konservative Reduktion des Nasenwiderstandes (durch Kopf-/Oberkörper-Hochlagerung, ggf. Nasenflügelspreizer)
- NCPAP (Atemmaske; kontinuierliche Überdruckbeatmung)
- ggf. (je nach kieferorthopädischer Beurteilung) Stellungsregulatoren für Biß und Zunge
- ggf. Medikamente

Operative Therapieoptionen (je nach diagnostischen Befunden!):
- Adenoidotomie/Adenoidektomie, Tonsillotomie/Tonsillektomie
- UPPP (Uvulo-Palato-Pharyngo-Plastik) oder Varianten davon
- Eingriffe am Zungengrund
- Eingriffe an der Epiglottis
- kieferchirurgische Korrekturen
- ggf. unterstützende rhinochirurgische Korrekturen (Nasenoperationen)

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