Datenschutzerklärung | Foren | Archiv | Startseite | Impressum | FAQ

Borreliose

Beschreibung: Sinnvolle Diagnostik und Irreführungen

Kategorie: Innere u. Allgmeinmedizin

Link zu diesem Beitrag: Alles auswählen

[url=https://www.medizin-forum.de/phpbb/app.php/kb/viewarticle?a=83&sid=7cde2ad02dcb8f0fb8e5e994276ea707]Knowledge Base - Borreliose[/url]

Dieser Text ist kein Kompendium oder eine umfassende Darstellung sondern ein Hinweis. Er soll verunsicherten Patienten helfen, die Frage zu klären: "Ist es wahrscheinlich, dass meine Symptome auf eine Borreliose zurückzuführen sind?"

Grundsätzliches: Eine Borreliose ist eine Erkrankung, die durch Zeckenbiss übertragen wird. Der Erreger heisst Borrelia burgdoferi und kann sehr wirksam mit Antibiotika behandelt werden.

Stadieneinteilung und Leitsymptome

Stadium 1 + 2 = Frühstadium
Stadium 3 = Spätstadium

Stadium 1

Frühmanifestation und Leitsymptom der Lyme-Borreliose ist das Erythema migrans = Wanderrötung. Tage bis Wochen nach dem Zeckenstich bildet sich eine makulöse oder papulöse Effloreszenz, die im weiteren Verlauf meist als zentral abblassendes, peripher wanderndes Ring-Erythem zuweilen auch als homogenes Erythem imponiert.

Stadium 2

Häufigste Manifestation des Stadium II ist die Neuroborreliose, insbesondere als lymphozytäre Meningoradikulitis (LMR), auch als Bannwarth-Syndrom bezeichnet. Diese bietet in der Regel eine typische klinische Symptomatik. Leitsymptome sind das radikuläre Schmerzsyndrom - charakterisiert durch quälende, brennende Schmerzen, die vor allem nachts exazerbieren - und/oder Hirnnervenparesen. Auch eine Myokarditis (Av-Block) oder eine Arthritis (Knie/Sprunggelenk) ist nicht selten.

Stadium 3

Die häufigsten Manifestationen des Stadium III sind die Lyme-Arthritis und die Acrodermatitis chronica athrophicans (ACA) . Das Befallsmuster der Lyme-Arthritis ist in aller Regel mon- oder oligoarticulär, am häufigsten sind die Kniegelenke befallen.

Zusätzlich zu den geschilderten Symptomen kommen sehr variable und unspezifische Beschwerden vor. Die Listen mit solchen unspezisfischen Beschwerden sind endlos und in der Diffentialdiagnostik wenig hilfreich. Man findet auf solchen Listen etwa
  • Müdigkeit, Erschöpfbarkeit (Fatigue)[/*:m]
  • Schweißausbrüche, v.a. nachts und ohne körperliche
    Anstrengung sowie Hitzewallungen[/*:m]
  • Neue Nahrungsmittel- (und Alkohol)unverträglichkeiten[/*:m]
  • Diffuse Bauchschmerzen mit Blähungen.[/*:m]
  • Steifheitsgefühle der Muskulatur[/*:m]
  • LWS/BWS-Schmerzen[/*:m][/list:u]

    usw. usw.

    Solche Listen sind daran Schuld, dass sich fast jeder Patient mit irgendeiner Befindlichkeitsstörungen fragt, "Habe ich etwa eine Borrelliose?", denn die geschilderten Allgemeinsymptome passen auf sehr sehr viele Patienten.

    Die ärztliche Aufgabe ist dann die sogenannte sinnvolle Differentialdiagnose. Als Differentialdiagnose (auf Befundschreiben abgekürzt DD) bezeichnet man die Gesamtheit aller Diagnosen, die als Erklärung für ein Symptom (Krankheitszeichen) oder eine Kombination mehrerer Symptome möglich sind. Dazu muss man als Arzt viel über viele Krankheiten und deren Häufigkeiten wissen.

    Unter der Vielzahl der aufgeführten seltenen und häufigeren Symptome gelten nur das Erythema migrans, das Borrelien-Lymphozytom und die Acrodermatitis chronica atrophicans (ACA) als krankheitsbeweisend (pathognomisch).

    Sinnvolle Fragen, die Sie sich stellen sollten:
    1. Hatte ich einen Zeckenbiß?

      Wenn die Antwort NEIN lautet, ist ein Borreliose zumindest unwahrscheindlich.
      [/*:m]
    2. Hatte ich eine vom Neurologen festgestellte Nervenlähmung?
      Wenn die Antwort JA lautet, sollte neben anderen möglichen Ursachen an eine Borreliose gedacht werden.
      [/*:m]
    3. Hatte ich ein schmerzhaftes, entzündetes, geschwollenes Gelenk im Knie oder Sprunggelenksbereich?
      Wenn die Antwort JA lautet, sollte neben anderen möglichen Ursachen (Rheuma?) an eine Borreliose gedacht werden.
      [/*:m]
    4. Leide ich besonders nächtlich an bislang unerklärlichen starken Rückenschmerzen, wie sie für Bandscheibenbeschwerden typisch sind?
      Wenn die Antwort JA lautet, sollte neben anderen möglichen Ursachen an eine Borreliose gedacht werden. Insbesondere, wenn man an der Wirbelsäule bzw. den Bandscheiben keine Ursache für die Beschwerden findet. [/*:m][/list:o]
      Lauten Ihre Antworten auf alle Fragen NEIN, dann ist eine Borreliose als Ursache Ihrer Beschwerden eher unwahrscheinlich.
      Wurde ein Zeckenbiß ärztlich behandelt und habe ich danach Antibiotika eingenommen, dann ist eine Borreliose als Ursache Ihrer Beschwerden ebenfalls sehr unwahrscheinlich.

      Labornachweise
      Alle Laboruntersuchungen sind nur im Zusammenhang mit der klinischen/körperlichen Befunden sinnvoll zu interpretieren.

      Warnung vor Irreführungen
      Die Schwierigkeit der Diagnostik und die Vielzahl der unspezifischen Symptome, die eine Borreliose begeleiten können, bietet für Patienten mit unspezifischen Befindlichkeitsstörungen eine Möglichkeit, alle Beschwerden auf eine Borreliose zurückzuführen. Chonische Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Erschöpfungssyndrome und Befindlichkeitsstörungen aller Art werden auf Borreliose zurückgeführt. Mediziner sprechen auch verklausuliert von Rentenbegehren oder sekundärem Krankheitsgewinn. In der Umgangssprache würde man das eher als "Einbildung", "Tunnelblick" oder "fixe Idee" bezeichnen. Typische Anzeichen einer solchen fixen Idee sind vorschnelle diagnostische o. therapeutische Tipps in Richtung Borreliose ohne gründliche diffentialdiagnostische Überlegungen. In Foren kann das durchaus irreführenden Charakter annehmen.

      Quellen und empfehlenswerte weiterführende Seiten im Internet:
      1. Kompedium 2002 Lyme Borreliose, B. Wilske, V. Fingerle
        Stand 2002[/*:m]
      2. Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Neurologie: Neuroborreliose
        Stand 2005[/*:m]
      3. Empfehlungen zur Diagnostik und Therapie der Lyme-Borreliose der Deutsche Borreliose-Gesellschaft e.V.
        Stand Mai 2008[/*:m]
      4. Infektion nach Zeckenstich: Zweifelhafte Borreliose-Tests
        Dtsch Arztebl 2007; 104(26): A-1891 / B-1670 / C-1606[/*:m][/list:o]

        Alles Gute!
        Ihr
        Dr. med. Achim Jäckel
        Facharzt für Innere Medizin
        www.medizin-forum.de

        Hat Ihnen der Artikel weiter geholfen?