Anmeldungsdatum: 28.07.2010 Beiträge: 15 Wohnort: Bad Tölz
Verfasst am: 28.07.10, 10:09 Titel: Künstliches Koma nach Herzstillstand und Reanimation
Hallo ihr Lieben,
ich bin gerade auf dieses Forum gestoßen und hoffe auf einige Antworten und Tipps.
Ich Entschuldige mich schonmal dafür, dass der Beitrag hier sehr lang wird, aber ich fang einfach mal von vorne an.
Am letzten Donnerstag kam ich von der Fahrschule und stand mit meinem Fahrlehrer noch vor dem Haus und unterhielt mich. Da kam mein Papa raus, und wollte ums Haus gehen um unserer Nachbarin beim Einparken zu helfen, weil es dort sehr eng ist. Wir haben noch witze gemacht, ob ich es machen soll...
Ich wollte eigentlich erst hinterher gehen, aber bin dann doch hoch, um nicht zu gaffen.
Ich kam grad oben an und zog mir die Schuhe aus, als ich die Nachbarin über den Balkon rufen hörte, nach meiner Tochter, die gerade aufm Balkon stand. 'Hol die Mama oder die Nika - ruft den Notwarzt!' Ich bin sofort raus, und sie sagte nur 'Irgendwas ist mit deinem Papa!'
Mama hat sofort den Notarzt angerufen und ich bin runtergestürzt, um die Ecke, da lag er, blau im Gesicht, die Augen verdreht und eingenässt.
Ich hab zum Glück grad wegen der Fahrschule meinen Erste Hilfe Kurs gemacht und hab sofort geguggt ob er Puls und Atmung hat - hatte er nicht - ich hab sofort angefangen Herzmassage zu machen und ihn zu beatmen. Ob es was gebracht hat, weiß ich nicht, da er ein ziemlicher Kasten von Mann ist (ca 95kg, gut 2m groß) und ich mit meinen 1,66m und 47kg nicht viel ausrichten konnte - ich tat mein bestes.
Dann hatte er plötzlich eine Schnappatmung und ich bekam vor Panik einen Nervenzusammenbruch und konnte nicht weitermachen....der Notarzt kam kurz darauf - es dauerte laut meiner Mama wirklich nicht lange.
Die Fußgängerin, die ihn fand, sagte, er stand da und meinte, er hat einen Schwächeanfall und fiel daraufhin einfach um.
Die Rettungssanis und Notarzt haben gut 10-15 Minuten herumgemacht bis er Herzrythmus hatte und ihn natürlich sofort mitgenommen.
Sie haben ihn im Krankenhaus ins künstliche Koma gelegt und ihn auf 32-34° herunter gekühlt (Hypothermie), und das 24 Stunden, dann hat er sich von selbst erwärmen können.
Er bekam leichtes Fieber, welches aber schnell wieder weg war.
Ab Sonntag haben sie die Medis für die Narkose weggelassen, nur Nachts hat er noch etwas bekommen. Vorgestern sagten uns die Ärze, dass er wohl eine Lungenentzündung bekommt (hab aber gelesen, dass es öfter vorkommt.)
Gestern hatte er das erste mal kurz die Augen auf, aber auf nichts reagiert.
Es wurden 2 CT's gemacht, welche beide unauffällig waren, eines vorgestern und eines gestern - man sagte uns, man kann keine Einblutungen und keinen Schlaganfall sehen.
Er hatte schon im künstlichen Koma normale, wenn auch schwache Reflexe (was wohl an dem Koma lag), also Pupillen haben sich bei Lichteinfall verkleinert.
Gestern hatte er einen Krampfanfall, einen einzigen.
Heute um 8 Uhr hat meine Mom im Krankenhaus angerufen, und man sagte uns, dass er die Nacht über 4-5 Krampfanfälle hatte, nun wird ein Experte die CT Ergebnisse anguggen, weil er scheinbar doch Schäden zurückbehalten hat.
Er ist wach, hat die Augen geöffnet aber reagiert nicht. Er hat viel Augenbewegung, aber sieht eben niemanden direkt an, fixiert nicht.
Das wäre der neueste Stand, und ich hab natürlich Fragen.
Das Krampfen, woran kann das liegen?
Das 'wach' sein, aber nicht reagieren/fixieren, ist das nun schon als 'schlecht' einzustufen oder kann es sein, dass er einfach noch nicht ganz wach ist?
Deutet das viell. schon auf ein Wachkoma hin?
Wir wissen nicht, wie lange er ohne Sauerstoff war...es dauerte laut Mama nicht lange bis der Rettungswagen kam...mir kam es natürlich eine Ewigkeit vor in meinem Nervenzusammenbruch.
Ich hab viel gegooglet, aber finde nichts richtiges...ich weiß, was das schlimmste wäre, weiß aber nicht, ob es noch Hoffnung geben könnte?
Er atmet selbstständig hat aber zur Unterstützung von der Maschiene. Kreislauf ist stabil.
Ich weiß, Diagnosen könnt ihr mir nicht geben, aber vielleicht einfach einiges Erklären?
Ich bin ehrlich, ich war noch nicht im Krankenhaus, weil ich es nicht schaffe...ich packe es nicht, ihn so zu sehen, ich war schon am Ende als er da unten lag...ich trau es mir nicht zu. Ich rufe oft an, aber ich trau mich nicht, die Ärzte mit Fragen zu bombadieren, weil sie jedesmal was anderes sagen.
Laut den Ärzten lag es am Herzkranz? Er hatte scheinbar einen Herzinfarkt der unbemerkt war, erhöhten Blutdruck und der Zuckerspiegel war erhöht.
Liebe Laura,
damit Dir hier Profi's ein paar Antworten geben können, solltest Du noch schreiben wie alt Dein Papa ist und ob es irgendwelche bekannten Vorerkrankungen gibt. Weisst Du wielange Dein Papa insgesamt ohne Bewusstsein war?
Es ist ganz schwer 100%zige Aussagen zu treffen, das Aufwachen nach solchen Ereignissen kann immer sehr unterschiedlich verlaufen und dauert auch manchmal länger. Das hast Du hier sicher schon häufiger gelesen. daher ist es gut möglich, dass die Ärzte verschiedene Aussagen machen.
Ich möchte Dir sagen wie grossartig ich es finde, dass Du so schnell erste Hilfe geleistet hast. Das war bestimmt sehr wichtig für Deinen Papa. Dass Du danach nervlich zusammengeklappt bist, ist sehr verständlich.
Wenn Du es nervlich schaffst Deinen Papa zu besuchen, würde ihm das bestimmt auch helfen. Aber natürlich nur wenn Du das aushälst. Auch wenn Patienten "nicht reagieren" ist nicht sicher was sie alles spüren oder wahrnehmen können. Vertraute Stimmen und Berührungen von Menschen die sie kennen können da sehr hilfreich sein. Wichtig ist nur, am Bett nicht zu weinen oder den Patienten anderweitig aufzuregen. Geht denn Deine Mama ins Krankenhaus?
Liebe Laura ich drücke Euch fest die Daumen für einen positiven Verlauf.
LG
georgia _________________ Hippokrates von Kos
* ca. 460 v. Chr. - † um 370 v. Chr.
Zitat: "Ein Arzt, der zugleich Philosoph, kommt einem Gotte gleich." Zitatende
Anmeldungsdatum: 28.07.2010 Beiträge: 15 Wohnort: Bad Tölz
Verfasst am: 28.07.10, 11:24 Titel:
Georgia hat folgendes geschrieben::
Liebe Laura,
damit Dir hier Profi's ein paar Antworten geben können, solltest Du noch schreiben wie alt Dein Papa ist und ob es irgendwelche bekannten Vorerkrankungen gibt. Weisst Du wielange Dein Papa insgesamt ohne Bewusstsein war?
Es ist ganz schwer 100%zige Aussagen zu treffen, das Aufwachen nach solchen Ereignissen kann immer sehr unterschiedlich verlaufen und dauert auch manchmal länger. Das hast Du hier sicher schon häufiger gelesen. daher ist es gut möglich, dass die Ärzte verschiedene Aussagen machen.
Ich möchte Dir sagen wie grossartig ich es finde, dass Du so schnell erste Hilfe geleistet hast. Das war bestimmt sehr wichtig für Deinen Papa. Dass Du danach nervlich zusammengeklappt bist, ist sehr verständlich.
Wenn Du es nervlich schaffst Deinen Papa zu besuchen, würde ihm das bestimmt auch helfen. Aber natürlich nur wenn Du das aushälst. Auch wenn Patienten "nicht reagieren" ist nicht sicher was sie alles spüren oder wahrnehmen können. Vertraute Stimmen und Berührungen von Menschen die sie kennen können da sehr hilfreich sein. Wichtig ist nur, am Bett nicht zu weinen oder den Patienten anderweitig aufzuregen. Geht denn Deine Mama ins Krankenhaus?
Liebe Laura ich drücke Euch fest die Daumen für einen positiven Verlauf.
LG
georgia
Hallo, danke für deine Antwort.
Mein Papa ist 50 Jahre alt, Vorerkrankungen sind keine bekannt. Aber er war ich nie beim Arzt...und man sollte sich doch einmal im Jahr durchchecken lassen...somit hätten evtl. Krankheiten erkannt werden können - wie z.B. der Herzinfarkt der unentdeckt blieb.
Aber nein, der Herr wollte nie hören.
Hmmm ich rechne mal nach... ich denke etwa 15 Minuten? Ich kann es nicht genau sagen, mein Zeitgefühl in der Situation war wie weg. Aber ich denke 15-20 Minuten kommt hin.
Allerdings war er nicht die ganzen 20min ohne Sauerstoff...wie lange genau, kann ich nicht sagen.
Ja ich hab hier schon viel gelesen, dass die Aufwachphasen total verschieden ausfallen können. Auch dass es ganz lange dauern kann...deshalb bin ich auch so unschlüssig, ob nun die fehlende Reaktion seinerseits von Schäden ausgeht oder doch 'nur' nicht da ist, weil er noch nicht ganz wach ist.
Dankeschön, für das Lob. Ich denke nur, auch wenn ich es versucht habe, wird es nicht viel geholfen haben, da ich ja doch etwas...zierlich bin. Aber ich habe es versucht und das beruhigt mein Gewissen ungemein. Ich hätte es mir nicht verzeihen können, wenn ich nichts getan hätte. Ich wünschte nur, ich hätte mehr machen können...oder könnte ihm jetzt helfen.
Ja meine Mama ist täglich im Krankenhaus, ich rufe viel an. Ich bin ein sensibelchen und sehr nah am Wasser gebaut, deshalb trau ich mich auch nicht hin. Ich müsste sicher weinen, und ich dachte mir schon, dass es nicht gut ist...deshalb lasse ich es vorerst, aber ich versuche es so bald wie möglich zu schaffen...im Moment bin ich einfach noch zu geschockt, ich kann es einfach nicht fassen, was passiert ist.
Danke für deine Daumen, die können wir wirklich brauchen.
Im Moment weiß ich noch nicht, was ich tun sollte ohne ihn...wobei es ja im Moment nicht sooo gut aussieht für ihn.
Mein Papa ist nichtmal mein richtiger Papa - er ist erst seit 6 Jahren in unserer Familie (Lebensgefährte meiner Mom) - aber er ist vollständig als Papa adoptiert und ich liebe ihn genauso. Ich brauche ihn so sehr...ich versteh es nicht, wie man ihn mir jetzt schon wieder wegnehmen soll...
*seufz*
Es ist komisch, man denkt wirklich selbst passiert einem so etwas nicht...und dann ist es plötzlich so, dass ein Augenblick das ganze Leben verändert.
Es ist grausam...
Hallo,
ich kann verstehen, wie du dich fühlst!
Ich hab mit meinem verstorbenen Mann ähnliches hinter mir (andere Krankheit).
Zum Besuch im Krankenhaus: Einige unserer Freunde mussten auch weinen und sind dann raus gegangen; andere haben mir hinterher gesagt, dass sie besser damit umgehen konnten, als sie gedacht haben.
Nimm dir die Zeit, die du brauchst!
Vielleicht ist es aber auch für dich nicht so schlimm, wie du jetzt denkst.
Vielleicht musst du weinen. Dann geh raus und weine. Wenn du dich etwas beruhigt hast, kannst du einen neuen Versuch starten. Ich glaube, der erste Anblick ist oft das Schlimmste. So ging es zumindest unseren Freunden!
Evtl war dein Vater ja auch nicht 20 Minuten ohne Sauerstoff. Die "Schnappatmung" könnte ja auch bedeuten, dass er selbstständig wieder zu atmen angefangen hat. Außerdem hast du im günstigen Fall durch deine Reanimation einen kleinen Kreislauf aufrecht erhalten.
Ich drück die Daumen! _________________ Viele Grüße, Linda
der Verlauf und das Aufwachverhalten Ihres Vaters sind in Anbetracht der Umstände nicht ungewöhnlich.
Wie Georgia schon schrieb war es sehr gut, das Sie sofort mit der Wiederbelebung begonnen haben. Die darauf einsetzende Schnappatmung ist ein gutes Zeichen und zeigt, das die Wiederbelebungsmassnahmen effektiv waren.
Das Gehirn wurde wieder durchblutet und damit setzte der Atemantrieb wieder ein.
Dennoch kann es zu einem Sauerstoffmangel gekommen sein, der das Hirn geschädigt hat.
Um die Schäden zu minimieren hat man im Krankenhaus - völlig richtig und gemäß dem aktuellem Stand - eine künstliche Hypothermie eingeleitet.
Um Ihre Fragen zu beantworten:
1. Das Krampfen kann auf einen Hirnschaden hinweisen. Es ist aber aucgh möglich, das dies nur ein vorübergehendes Symptom im Rahmen der Aufwachphase ist.
2. Mit einer gezielten Reaktion / Fixierung kann es noch dauern. Jeder Mensch reagiert unterschiedlich und für die Prognose hat das in dieser frühen Phase (eine Woche nach dem Ereignis) noch keine Aussagekraft.
3. Prognosen über ein evtl. "Wachkoma" kann man jetzt sicher noch nicht abgeben.
An meinen Antworten merken Sie: Es ist Geduld nötig, denn die Erholungsphase nach einer erfolgreichen Reanimation braucht Zeit.
Der eigene Atemantrieb ist schon mal ein positives Signal, im weiteren Verlauf sollte jetzt zeitnah die Untersuchung durch einen Neurologen erfolgen. Er beurteilt das CT, ein EEG wurde sicher auch schon gemacht und gemeinsam mit einer gezielten Untersuchung (Reflexe) kann dann eine erste vorsichtige Einschätzung des weiteren Verlaufes gegeben werden.
Wenn Sie weitere Ergebnisse von Untersuchungen haben, können Sie diese gern hier mitteilen.
Einstweilen wünsche ich Ihnen und Ihrer Familie viel Kraft und vor allem Ausdauer für die kommende Zeit.
Mit freundlichen Grüßen
Dr. A. Flaccus _________________ Dr. A. Flaccus
Facharzt für Anästhesie
- Notfallmedizin -
DMF-Moderator
Anmeldungsdatum: 28.07.2010 Beiträge: 15 Wohnort: Bad Tölz
Verfasst am: 28.07.10, 13:07 Titel:
Hallo!
@Vigeo, ja ich werde die nächste Zeit sicher ins Krankenhaus zu ihm gehen...ich denke, am Wochenende werde ich mir das fest vornehmen, da meine Tochter dann auch bei ihrem Papa ist und ich sie nicht zu unserer Nachbarin stecken muss...sie darf ja nicht mit auf die Intensivstation, aber mich mit meiner Mama abwechseln und mit der Kleinen im Krankenhauspark zu bleiben finde ich nicht gut. Sie hängt sehr an meinem Papa und sie würde weinen, weil sie ihn nicht sehen darf.
Aber ich werde sicher hingehen...
@ Dr. A. Flaccus
Vielen vielen Dank für ihre Antwort! Es hat mich sehr beruhigt und war sehr hilfreich!
Vor allem das mit der Schnappatmung hat mich absolut beunruhigt - im Internet liest man da ja verschiedene Sachen, wie auch, dass es auf einen 'Todeskampf' hindeutet. Als ich das las, war ich erst recht fertig mit den Nerven. Dass es aber ein gutes Zeichen sein kann, hab ich bisher nirgendwo gelesen! Das baut mich natürlich nun etwas auf.
Ebenso beruhigt es mich, dass es wirklich sein kann, dass er wegen der Aufwachphase noch so komisch ist. Ich weiß, dass es schlimm ausgehen kann, aber es gibt viel Hoffnung, wenn man hört, dass es auch 'nicht schlimm' sein kann.
Ob man schon ein EEG gemacht hat, weiß ich nicht, werde aber Nachfragen, heute Nachmittag gibts auch wieder neue Infos, da meine Mama gleich ins Krankenhaus fährt.
Geduld haben wir - bleibt uns auch gar nichts weiteres übrig - aber wir haben viel Hoffnung - auch wenn man natürlich das schimmste im Hinterkopf hat.
Gerne teile ich die neuesten Infos mit, es tut gut, darüber zu reden.
Vielen Dank auch von meiner Mama an euch, sie ist auch etwas erleichterter, dass es nicht das schlimmste sein muss - aber kann. Es beruhigt eben ungemein.
Liebe Laura,
ich drücke Euch ganz feste die Daumen, dass es gute Nachrichten gibt.
Bei allen solchen Ereignissen braucht man leider viel Geduld. Manchmal gibt es nach Fortschritten, wieder Rückschläge, aber das muss nichts schlimmes bedeuten. Es ist ganz schwer auszuhalten, wenn ein geliebter Mensch an vielen Kabeln angeschlossen auf einer Intensivstation liegt, aber man muss auch sehen dort ist er unter ständiger Beobachtung und die Ärzte können sofort helfend eingreifen wenn es nötig ist.
Dein Papa ist ja noch sehr jung und so kann der Körper vielleicht auch dieses Ereigniss besser "verarbeiten".
Wenn Du meinst Du schaffst den Besuch noch nicht, ist das nicht schlimm. Warte so lange wie Du es für richtig hälst. Es ist ja gut dass Deine Mama dort ist und ihr so auch regelmässigen Kontakt zu den Ärzten habt. Schreib, wenn Du wieder Fragen hast und oder es Neuigkeiten gibt.
Viel Kraft für Euch !!
Liebe Grüsse
georgia
georgia _________________ Hippokrates von Kos
* ca. 460 v. Chr. - † um 370 v. Chr.
Zitat: "Ein Arzt, der zugleich Philosoph, kommt einem Gotte gleich." Zitatende
Anmeldungsdatum: 28.07.2010 Beiträge: 15 Wohnort: Bad Tölz
Verfasst am: 28.07.10, 16:28 Titel:
Er wird sterben - meine Mom kam grad heim.
Die Anfälle werden schlimmer, kommen in kürzeren Abständen.
Wenn er überleben würde, wäre er ein Pflegefall. Aber es ist unwahrscheinlich.
Es ist zu 99% sicher, dass er es nicht überlebt.
es tut mir leid, das zu lesen.
Leider schreiben Sie nicht mehr über genauere Untersuchungsergebnisse, aber ich kann verstehen, das Ihnen danach jetzt wohl auch nicht zumute ist.
Ich wünschen Ihnen viel Kraft für die kommende Zeit. Wenn dennoch weitere Fragen auftauchen, sind wir hier gerne für Sie da.
Mit freundlichen Grüßen
Dr. A. Flaccus _________________ Dr. A. Flaccus
Facharzt für Anästhesie
- Notfallmedizin -
DMF-Moderator
Anmeldungsdatum: 28.07.2010 Beiträge: 15 Wohnort: Bad Tölz
Verfasst am: 29.07.10, 12:21 Titel:
Hallo ihr Lieben.
Genaue Ergebnisse weiß ich nicht, ich kann nur sagen, was die Ärztin gesagt hat.
In seinem Gehirn geht es ab, wie bei einem Gewitter. Die Anfälle/Krämpfe werden schlimmer und kommen in immer kürzeren Abständen. Sein Gehirn hat scheinbar doch Schaden davon getragen, die Synapsen wissen mehr oder weniger nicht mehr was zu tun ist, es stimmt nichts mehr überein.
Sie legen ihn nun wieder in ein tiefes Koma, da es SO im Moment nichts bringt.
Die Ärztin sagte, die Chance, dass er überlebt ist sehr gering...kaum da. WENN er überleben sollte, wird er ein Pflegefall, sodass er in ein Heim muss, weil man ihn so zu Hause nicht pflegen könnte...
Er atmet ja selbstständig und sie sind am überlegen, ob sie ihn von den Maschinen entwöhnen...die Ärztin sagte auch, dass, wenn er nicht mehr selbstständig atmen würde, wir uns übelegen sollten, ob wir die restlichen Maschinen nicht abstellen sollen...
Er ist quasi nicht mehr da...er krampft, liegt da...macht nichts...ER selbst, ist schon längst weg.
Ich weiß nicht, je länger ich drüber nachdenke, desto komischer kommt es mir vor, ich blicke nicht durch.
Es ist absolut (tschuldigung) Schei*e. Erst Bergauf, dann bergab, dann sagte die Ärztin am Telefon 'Machen Sie sich nicht so viele Sorgen, wir hatten vor kurzen einen ähnlichen Fall, und der Mann ging gesund nach Hause!' - und dann so eine Nachricht. Immer hoch und runter...ein Schock, ein TIef, ein Hoch, ein Juhuu...und wieder von vorne...dann immer 'das Gehirn hat scheinbar keine Schäden' und im nächsten Augenblick hats das wohl doch.
Hmpf...wir warten einfach weiter ab...mehr können wir nicht tun.
Anmeldungsdatum: 28.07.2010 Beiträge: 15 Wohnort: Bad Tölz
Verfasst am: 29.07.10, 13:39 Titel:
Ich nochmal.
Mama hat eben aus dem KH angerufen.
Bei Papa funktioniert nur noch der Hirnstamm, sonst nichts.
Sie haben ihn NICHT ins Koma gelegt, aber seine Werte sind so niedrig, dass er total weg ist.
Bei einem normalen Menschen waren es glaub ich 100 und und bei ihm sind sie weit unter 40.
Er wird noch beatmet, weil er, wenn er krampft nicht alleine atmet, aber der Blutdruck auf über 200 hochschnellt....meine Mom soll nun laut der Ärztin mit Papas Eltern reden..
...weil, sie wollen ihn vom Beatmungsgerat hängen, und gucken ob er es alleine schafft...wenn nicht, sollen wir uns übelegen ob sie einen Luftröhrenschnitt (tubus legen?) machen sollen oder ob sie nichts machen sollen...
Ich denke...und ich weiß, wir alle und auch Papa hätte nicht gewollt, dass sie ihn weiter 'leben' lassen, wenn es keine Aussicht auf irgendwas geben würde....
Augenbewegung oder Reflexe...nichts mehr vorhanden. Rein gar nix.
Anmeldungsdatum: 28.07.2010 Beiträge: 15 Wohnort: Bad Tölz
Verfasst am: 01.08.10, 16:24 Titel:
Hallo, ich bins wieder.
Es gibt so einiges neues.
Papa ist wieder sediert...die Ärzte haben es nun oft versucht, aber er wacht nicht auf.
Immer wenn sie ihn aufwachen lassen wollen, fängt er an zu krampfen...vor einigen Tagen konnte er 3-4 Std alleine atmen, war danach jedoch so erschöpft, dass sie ihn wieder beruhigungsmittel gegeben haben. Sie sagen, er regt sich innerlich so auf, wenn er versucht aufzuwachen, dass er krämpfe bekommt.
Eigentlich hatte sich die gesammte Familie gegen einen Luftröhrenschnitt entschieden, weil mein Dad nie ein Pflegefall werden wollte.
Nun haben seine Eltern sich doch dafür entschieden...nächste Woche wird er nach Bad Aibling zur Früh-Reha verlegt, auch wenn die Ärzte keine Chance mehr sehen...
Ich weiß nicht, was ich glauben soll oder hoffen...oder überhaupt.
Ich hab ihn heute besucht...er sah aus, als würde er schlafen...ich hab ihm so einiges erzählt, aber er war so narkotisiert, dass er wahrscheinlich nichts mitbekommen hat.
Ich finde es schlimm, ihn so zu sehen....er sieht aus als würde er schlafen, aber zu wissen, dass er nicht aufwachen wird, macht mich fertig - das Bild das ich sehe passt mit meinem Wissen nicht zusammen....
Ich musste oft schlucken und mich zusammenreissen, dass ich nicht weine...
Ich bin froh, dass ich ihn nochmal gesehen habe....auf der anderen Seite, weiß ich nicht, ob ich es nochmal schaffe ihn zu besuchen...jedes mal zerbricht mein Herz, wenn ich an ihn denke, und ihn zu sehen, ist als würde es mir rausgerissen...
Ich habe keine Ahnung ob es weitergeht und wie...ich verstehe nicht mehr, was die Ärzte sagen, sie sagen immer was anderes.
Es soll nun übrigens wieder 'gut' aussehen, weil er es geschafft hat, alleine zu atmen - wenn auch nicht lange...aber ob es 'gut' aussieht, wenn sie einen großen Hirnschaden vermuten?
Diese Ungewissheit macht mich wahnsinnig und dieses Hin und Her macht mich langsam echt wütend...mal so und mal so...ich mag es nicht -.-
Ich hab ihn heute besucht...er sah aus, als würde er schlafen...ich hab ihm so einiges erzählt, aber er war so narkotisiert, dass er wahrscheinlich nichts mitbekommen hat.
Ich finde es schlimm, ihn so zu sehen....er sieht aus als würde er schlafen, aber zu wissen, dass er nicht aufwachen wird, macht mich fertig - das Bild das ich sehe passt mit meinem Wissen nicht zusammen....
Ich musste oft schlucken und mich zusammenreissen, dass ich nicht weine...
Ich bin froh, dass ich ihn nochmal gesehen habe....auf der anderen Seite, weiß ich nicht, ob ich es nochmal schaffe ihn zu besuchen...jedes mal zerbricht mein Herz, wenn ich an ihn denke, und ihn zu sehen, ist als würde es mir rausgerissen...
Hallo,
wie viel narkotisierte Menschen oder solche, die im Koma liegen mitbekommen, von dem was um sie herum geschieht, weiß man nicht.
Selbst wenn dein Vater nichts verstehen sollte, kann es aber sein, dass er deine Gefühle, deine Liebe wahrgenommen hat, als du bei ihm warst. Das ist doch auch schön! _________________ Viele Grüße, Linda
Ich habe keine Ahnung ob es weitergeht und wie...ich verstehe nicht mehr, was die Ärzte sagen, sie sagen immer was anderes.
Ich kann gut verstehen, daß Sie durcheinander sind.
Um Ihnen aber evtl. weiterhelfen zu können müßte man wissen, was die Ärzte so alles gesagt haben.
Wurde ein EEG gemacht?
Wurde eine Kernspintomografie (MRT) gemacht?
Wurde eine Untersuchung duch den Neurologen gemacht?
Wie waren die Ergebnisse?
Welche Medikamente werden aktuell verwendet?
Zur Beurteilung der Krämpfe ist dieser Satz sehr wichtig:
Zitat:
Sie sagen, er regt sich innerlich so auf, wenn er versucht aufzuwachen, dass er krämpfe bekommt.
- Entweder sind die "Krämpfe" Teil des Aufwachverhaltens. Das wäre nicht ungewöhnlich und prognostisch eher ein gutes Zeichen. Solche krampfartigen Zustände gehen vorüber.
- Oder die echten Krämpfe sind Teil eines schweren Hirnschadens. Dazu muß es dann aber mittlerweile handfeste Befunde geben (s.o., genannte Untersuchungen). Hier wäre die Prognose eher schlecht.
Können Sie darüber mehr berichten?
Mit freundlichjen Grüßen
Dr. A. Flaccus _________________ Dr. A. Flaccus
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