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medizin-forum.de • Thema anzeigen - Aus- bzw. Fortbildung zum EEMS-Paramedic
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BeitragVerfasst: 14.08.11, 17:12 
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Hallo,
ich arbeite nun schon einige Zeit hauptamtlich als Rettungsassistent und würde mich gerne weiterbilden.
Diesbezüglich meine Frage:
Was würde mir die Weiterbildung zum EEMS - Paramedic in Deutschland bringen?
Oder wäre diese Fortbildungsmaßnahme rausgeschmissenes Geld?

Über Erfahrungen und Anregungen bezüglich meiner Frage würde ich mich sehr freuen.

_________________
Nicht das Fachwissen ist der künftige Engpass,
sondern die Fähigkeit, effizient und kreativ zu denken


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BeitragVerfasst: 15.08.11, 10:33 
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Hallo Matthias,

vielen Dank für die Frage die Du gestellt hast.

Die EEMSP Weiterbildung umfasst derzeit etwas über 1000 Stunden. Sie ist in 12 Blöcke aufgeteilt, die berufsbegleitend über ein Jahr absolviert werden. Sie Stundenanzahl setzt sich aus den Selbstlernphasen zu Hause, den Anwesenheitsphasen (12 Blöcke) und der Facharbeit zusammen.

Im EEMSP werden tiefgreifendere Pathophysiologie, Biochemie und Pharmakologie und die akutellen internationalen Behandlungsalgorhythmen geschult. Hier wird auf die Richtlinien des PHTLS, ITLS, EPLS, PALS, AMLS, ERC und AHA zurückgeriffen. Weiterhin werden auch die neuesten Richtlinien des AMWF und der deutschen Fachgesellschaften integriert.

Jeder Block umfasst Theorieparts und Praxisparts. Je nach Thema ist der Block mehr praxis-/theorielastig.
Die Praxiseinheiten werden nur mit Full-Scale-Simulatoren durchgeführt.

Der EEMPS zielt in erster Linie darauf ab, dass die Kollegen auf die Arbeit im Ausland vorbereitet werden.
Da viele Kollegen mittlerweile die Zustände des deutschen Rettungsdienstes nicht mehr länger ertragen möchten und sehen, dass es nicht weiter geht, was die Berufspolitik anbelangt, gehen sie ins Ausland.
Hier warten meist eine deutlich bessere Bezahlung und umfangreichere gesicherte Arbeitsbedingungen.
Eine Anerkennung als Paramedic im Ausland (Canada, Australien, USA etc.) ohne die EEMSP Weiterbildung ist schwer bis fast gar nicht zu erlangen.

Für Deutschland gilt klar der rechtliche Grundsatz:
§ 3 RettAssG
§ 34 StGB
Garantenstellung etc.
Bitte hier nochmal eindringlich über die Rechtssituation informieren.
Die erweiterten Tätigkeiten sind durchaus in Deutschland möglicht. Ich kenne einige Rettungsdienstbereiche, in denen die EEMSPler arbeiten und auch die erweiterten Maßnahmen ohne Probleme durchführen.
Erlauben muss Dir das keiner, da es niemanden gibt, der eine Legitimationsgrundlage per Gesetz hat.
Auch wenn immer vom Ärztl. Leiter Rettungsdienst gesprochen wird, so besitzt er keine Kompetenz noch eine Rechtslage, die ihm dieses zuspricht. Schön ist trotzdem, um ruhiger arbeiten zu können, wenn er dem zustimmt.

Die Empfehlung ist hier auch ganz klar. Es wird nichts gemacht, was ich nicht beherrsche.
Maßnahmen wie NArkose, Cadioversion, Pacen, Antiarrhytmikatherapie, Analgesie, Thoraxdrainage etc. müssen in einer Klinik ausreichend trainiert werden und auf einem Skill Assessment Sheet unterzeichnet sein.
Dadurch kann man, analog den USA und Australien, durch eine fundierte Ausbildung, eine Prüfung und eine Evaluation unter klinischen Bedingungen beweisen, dass man die Maßnahme beherrscht. Eine jährliches Skill Assessment als Wiederholung und unter Beweisstellung ist unererlässlich, um sich auf der sicheren Seite zu bewegen.

Finanziell gesprochen, wird es Dir in Deutschland leider keinen Vorteil bringen.

Ich hoffe ich habe Dir ein paar Fragen beantworten können.
Ansonsten gerne PM an mich.

Mit freundlichen Grüßen,

Sascha Steingrobe

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Advanced Care Paramedic - Queensland Ambulance Service (Australia)


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BeitragVerfasst: 16.08.11, 11:59 
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Wohnort: Bad Nauheim
S_Steingrobe hat geschrieben:
Erlauben muss Dir das keiner, da es niemanden gibt, der eine Legitimationsgrundlage per Gesetz hat.
Auch wenn immer vom Ärztl. Leiter Rettungsdienst gesprochen wird, so besitzt er keine Kompetenz noch eine Rechtslage, die ihm dieses zuspricht. Schön ist trotzdem, um ruhiger arbeiten zu können, wenn er dem zustimmt.

Wieviel daran ist Interpretation/Meinung und wieviel klare Rechtslage?

_________________
Herzlichen Gruss
Ihr Achim Jäckel
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BeitragVerfasst: 16.08.11, 12:21 
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Wohnort: Köln/Magdeburg
Nach deutschem Recht ist die Lage recht klar. Hab mir das mal von nem Richter erklären lassen. So lange nirgendwo (gesetzlich) festgelegt ist was ein ÄLRD ist und was genau er darf und was nicht ist alles was er tut Empfehlungen aussprechen (rechtlich gesehen)... auch hier sicherlich ein Punkt den man ändern sollte!

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Quid pro quo?


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BeitragVerfasst: 16.08.11, 18:20 
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Beiträge: 475
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Ich hoffe mal nur das der RA dann auch eine entsprechende medizinische Berufshaftpflichtversicherung hat. Ich kann mir nicht vorstellen das im Schadensfall der Arbeitgeber in the Bresche springen wird und die Klagefreudigkeit wird groß sein wenn als erstes die Qualifikation des Narkotiseurs bekannt wird und RA lautet.
Für Deutschland alleine ist der Nutzen außer für das eigene Selbstvwertgefühl..... gering.

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mfg Marcus

Urban Search and Rescue Paramedic


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BeitragVerfasst: 16.08.11, 20:12 
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Definitiv!
Selbst mit Berufshaftpflicht und (Berufs)Rechtsschutz würde ich vorher klären ob der Job nicht trotzdem hinterher weg ist...
Leider gibt es zur Zeit nur die Optionen rechtsfreien Raum nutzen so lange es gut geht, studieren oder ins Ausland gehen.. oder frustriert und resigniert zum Krankenwagentragenträger werden...

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Quid pro quo?


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BeitragVerfasst: 16.08.11, 21:12 
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Hallo,

nun der ärztliche Leiter hat, wie schon erwähnt wurde, lediglich eine Beratungsfunktion. Erlassen von Maßnahmen, Reglementierungen noch Untersagung von Maßnahmen, können derzeit nicht durch ihn durchgeführt werden.
Dies ergibt sich aus der Gesetzeslage.
In den Rettungsdienstgesetzen der Länder ist der ärztliche Leiter teilweise oder gar nicht definiert. Weiterhin gibt es keine Gesetzeslage, die den Umfang der Position definiert. Sollte es irgendwann mal so sein, dann stände das RettAssG immer noch, als Bundesgesetz, über dem Landesgesetz.

Dr. Scherer hatte dieses mal in Rheinland-Pfalz über das Verbot von Ketanest für RA versucht, welches rechtlich voll in die Hose gegangen ist, um es mal umgangssprachlich zu formulieren.
HIer wurde durch mehrere Rechtsgutachten erbracht, das es eine Anstiftung der Verletzung der Garantenstellung darstellt.

Eine Berufshaftpflicht sollte man immer ins Auge fassen. Gerade wenn man an eine solche Maßnahmenbasis sich herantastet.

Ob jemand glaubt oder nicht, dass es in einigen Bereichen in Deutschland wirklich so ist, ist einerlei.
Fakt ist, dass ich mich immer auf einer rechtlichen unsicheren Seite befinde, dennoch auch andersherum Maßnahmen die ich beherrsche bzw. erbringen kann und welche lebensnotwendig sind in der jeweiligen Situation, vom Rettungsassistenten erbracht werden müssen! Dieses sollte man nicht unterschätzen.
Sollte man also die Cardioversion beherrschen und auch die Indikation, die Analyse des 12 Kanal etc mit eingeschlossen, dann ist er dazu verpflichtet diese bei einer instabilen Tachykardie, durchzuführen.
Unterlässt er es, begeht er im Zweifel die Verletzung der Garantenstellung sowie eine unterlassene Hilfeleistunge, etc.

So, nun zu weiterem:
Ich finde es bringt sicherlich mehr als nur für das eigene Selbstwertgefühl. Wissen und Training kann sicherlich nicht schaden und bringt letzendlich auch mehr Sicherheit in der Durchführung von Maßnahmen im Allgemeinen. Dieses haben uns alle Absolventen bescheinigt.

Aber ich gehe konform. Aber besten ist es sicherlich, wenn man die Weiterbildung als Vorbereitung für die Tätigkeit im Ausland sieht.
Kostentechnisch kann man mal den Vergleich machen.
PHTLS Kurs von 2 Tagen: 550 EUR / EEMSP Kurs von über 300 Stunden Anwesenheit / ca. 1900 EUR.

Mit freundlichen Grüßen,

S.Steingrobe

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Advanced Care Paramedic - Queensland Ambulance Service (Australia)


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BeitragVerfasst: 16.08.11, 21:19 
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Es ging ja gar nicht um die Ausbildung. Die hat einen guten Ruf und ich kann sie zumindest aus zweiter Hand (guter Freund von mir, du hast ihn geprüft - nur so am Rande *g*) nur weiterempfehlen.
Man soll sich halt nur im klaren sein, dass man in D nicht unbedingt glücklich wird und daher auch mal etwas weiter in die Ferne blicken sollte... zumindest eben wenn man genug motiviert und ausgebildet ist!
Bringt ja nichts wenn man alles kann (und möglicherweise auch darf) und es trotzdem durch Chef und Kollegen sehr "ungemütlich" wird - und das nicht trotz, sondern wegen der guten Ausbildung.

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BeitragVerfasst: 17.08.11, 11:41 
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Wohnort: Reutlingen (D Ba-Wü)
Verweise auf das Reutlinger Rechtsgutachten zu diesem Thema. Da nicht geheilt sondern akut behandelt wird fällt Rettungsfachpersonal nicht unter das Heilpraktikergesetz. Was nachweislich beherrscht wird, davon wird ERWARTET!, dass es angewandt wird.

Dies bezieht sich auf interne Weiterbildungen mit Zertifikaten sowie alle nationalen und internationalen Kurskonzepte. Sprich wer einen ALS Kurs besucht hat, von dem kann der Patient erwarten, sofern die Skills beherrscht werden, dass alle angemessenen Massnahmen ergriffen werden, auch ohne Approbation.

So die Quintessenz einer Fortbildung bei einem Richter, der sich intensiv mit der Thematik aufgrund eines Falles bei uns beschäftigt hat.

Grüße

Markus Bela

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Lehrrettungsassistent / ILS-Disponent / QMB
"Gut gemeint" ist nicht gut genug.
Skype: m.bela77


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BeitragVerfasst: 17.08.11, 14:56 
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@Vk-Retter

Richtig. Da gehe ich konform. Auch ich sehe derzeit nur den Weg ins Ausland, wenn man als hochqualifizierte Kraft seine Möglichkeiten voll auschöpfen möchte, ohne dauernd einem Notarzt, ärtzlichen Leiter oder Chef erklären zu müssen, dass es nicht Ihr Job ist, meine Arbeit in Frage zu stellen.
Sofern Notärzte in Berlin bei einem Notfall den vom Rettungsassistenten akurat gelegten PVZ ziehen und selbst einen neuen legen, weil Sie der Meingung sind es ist nicht des Rettungsassistenten Job, solange in der gleichen Stadt nach einer Studie 67 % Patienten vom NEF mit einer ACS Therapie richtig versorgt worden sind und 33 % keine oder nicht leitliniengerechte Therapie bekamen, solange müssen wir wohl auswandern um professionell arbeiten zu dürfen oder zum Krankenwagenfahrer mutieren.


@mbela

Danke nochmal für die Aufarbeitung. Genau hier zielt das Reutlinger Gutachten von Prof. Fehn ab, sowie die Gutachten der DBRD zum Einsatz von Ketanest in Rheinland Pfalz und die Untersagung durch Dr. Scherer und zum Schluß das Arbeitsgerichtsurteil aus Mayen.

Die Frage ist, warum hilft uns keiner professionell arbeiten zu können? Warum hört ein Innenminister auf einen ärztlichen Leiter und ist der Meinung, das die Anwendung von Ketanest nur durch einen Arzt erfolgen darf, was juristisch, medizinsch und menschlich völlig falsch ist.

Warum wettert die BÄK gegen einen umfangreicheren Maßnahmenkatalog für das Rettungsdienstfachpersonal?

Warum sieht die DIVI (Dr. Sefrin) die Fachweiterbildung von 3 Monaten zum Fachrettungsassistent Intensivtransport mit deutlich mehr Tiefgang als der 2,5 Tageskurs, als unsinnig und nicht nötig an? Wir wissen doch alle, das weder RA noch NA in 2,5 Tagen Intensivmedizin/Intensivtransport versteht und auch danach durchführen kann.

Ich finde es so schade, dass es für die wirklichen Profis und guten Konzepte in Deutschland keine Chance mehr gibt, ausser wirklich das Weite zu suchen. Soll so die Zukunft unseres Rettungsdienstes aussehen? Geprägt von Personen die sich im Gesundheitsausschuss tümmeln und lediglich die Interessen der HiOrgs, der Feuerwehren, der Kassen, der BÄK etc darstellen. Wo ist unsere Vertretung? (Bitte, wer sitzt im Vorstand der Berufsverbände? Hohe Funktionäre der Hilfsorganisationen...)

Sorry für das Off Topic.

Mit kollgialem Gruß,

S.Steingrobe

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BeitragVerfasst: 17.08.11, 23:24 
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@steingrobe: Jetzt wirds zwar noch mehr offtopic, aber hast du noch immer nicht gemerkt, dass 99% der RettAsse in Deutschland(nach eigenen Erfahrungen geschätzte Zahl) nicht deinen Ausbildungsstand haben? Und dass ein gewisser Teil davon(die genaue Größe vermag ich nicht einzuschätzen) diesen auch gar nicht haben will?


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BeitragVerfasst: 18.08.11, 11:39 
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@Phileas

99% finde ich vielleicht ein wenig hoch gegriffen, dennoch magst du mit der Einschätzung Recht haben.
Die Frage wäre dann, warum wollen diese Kollegen keinen besseren Wissensstand?
Die Menschen die zu uns kommen, um diese Weiterbildung zu besuchen, gehören sicherlich nicht zu den "99%" und wollen. Interessant ist, das alle diese Menschen genau die gleichen Probleme haben und sehen, mit denen sie tagtäglich kämpfen, um ihre Patienten nach besten Wissen und Gewissen versorgen zu können.

Müssen wir in Deutschland diese massive Gegenwehr bezüglich der Fort- und Weiterbildung sowie Professionalisierung des Rettungsdienstes durch den großen Anteil der Kollegen akzeptieren?

Ich denke immer noch, man muss mit gutem Beispiel vorangehen und Aufklärungsarbeit leisten.

Wie kann man in Zukunft hier sinnvoll die Situation ändern?
Schluabschluß anheben? Verpflichtende Fortbildungen einführen mit arbeitsrechtlichen Konsequenzen?
Bessere Bezahlung für mehr Ausbildung?

Irgendwie muss man da doch etwas ändern können...

MfG S.Steingrobe

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BeitragVerfasst: 19.08.11, 12:44 
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S_Steingrobe hat geschrieben:
Müssen wir in Deutschland diese massive Gegenwehr [...]akzeptieren?

Lassen Sie sich doch mal auf ein Gedankenexperiment ein. Sie wären als Gesetzgeber für die Gesundheitsversorgung politisch verantwortlich. Auf der einen Seite haben Sie staatlich kontrollierte/reglementierte Heilberufe, auf der anderen Seite haben Sie ein Dickicht aus zunächst behaupteter Kompetenz (real oder nicht real kann politisch nicht eingeschätzt werden) mit der Maßgabe, was man nur genug privat trainiert hat, das dürfe man als Nicht-Heilberufler auch. Welchen Weg würde man ausbauen, welchen beschränken?

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Herzlichen Gruss
Ihr Achim Jäckel
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BeitragVerfasst: 19.08.11, 15:26 
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jaeckel hat geschrieben:
S_Steingrobe hat geschrieben:
Müssen wir in Deutschland diese massive Gegenwehr [...]akzeptieren?

Lassen Sie sich doch mal auf ein Gedankenexperiment ein. Sie wären als Gesetzgeber für die Gesundheitsversorgung politisch verantwortlich. Auf der einen Seite haben Sie staatlich kontrollierte/reglementierte Heilberufe, auf der anderen Seite haben Sie ein Dickicht aus zunächst behaupteter Kompetenz (real oder nicht real kann politisch nicht eingeschätzt werden) mit der Maßgabe, was man nur genug privat trainiert hat, das dürfe man als Nicht-Heilberufler auch. Welchen Weg würde man ausbauen, welchen beschränken?


Lasse ich gerne zu.
Den Gedankengang kann ich gerne nachvollziehen und scheint auch auf den ersten Blick plausibel. Dennoch war es der Arbeitgeber und die dort ansässigen, die damals 1989 und nachfolgend zu diesem Dickicht und Dilemma geführt haben, da sie nicht in der Lage waren, eine fundamentale Gesetzesgrundlage zu schaffen, in dessen Rahmen bewegt, das Personal seine Aufgaben erledigen kann.
Es gibt sicherlich heutzutage einige renomierte Menschen, die sich für die Verbesserung der Umstände einsetzen und keinen Zugang zu diesem Gremium haben, da dort nur Vertretungen zugelassen sind, denen man eine Mitarbeit unterstellt. (Das es den HiOrgs und Berufsfeuerwehren nicht unbedingt um Professionalisierung geht und um Verbesserung der Gesamtsituation sieht man an den Budgetverhandlungen in den Rettungsdienstbereichen, dem Fortbildungs- und Arbeitsvertragsverhalten dieser.)
Ich finde das eine solches Expertengremium sich auch aus solchen zusammensetzen sollte.
Ein hochrangiger Verteter einer HiOrg oder Feuerwehr hat meist ein entsprechend hohes Alter und kommt aus gewachsenen Strukturen, so dass ihm der Weitblick für Neues und Übertragbares aus anderen Rettungsdienstnationen einfach fehlt. Hier müssen wir uns auch Dingen widmen, die nicht Deutsch oder aus unserem System zu stammen scheinen. Dabei meine ich nicht die komplette Umschwenkung auf ein Paramedicsystem. Es geht einfach schon alleine um die Bezahlung, die Ausbildung, die Struktur im großen und im kleinen Sinn.

Hier sehe ich und höre ich immer nur, dass alte Dinge umformuliert werden und sich nichts verbessert hat. Warum wird denn nun schon seit 6 Jahren an dieser Novellierung diskturiert? Ich proglamiere dem Gremium Handlungsunfähigkeit, denn so muss man es sehen, wenn man nach 6 Jahren noch immer zu keinem Ergebnis gekommen ist, obwohl einige Inselllösungen hier schon weiter sind, als die Politik und die Vertreter der Interessengemeinschaften.

Ihren Ansatz kann ich nachvollziehen und verstehe ihn auch voll und ganz. Dennoch sollte man auch sehen, das man anscheinend nicht mehr weiter kommt und vielleicht ein umdenken wichtig ist.
Warum schafft man nicht ein Board von Rettungsdienstlern, wie es sich zum Beispiel in allen Paramedicnationen wiederfinden lässt. Dieses Board besteht aus Experten, die sich durch Publikationen, Forschung, Ausbildung etc. einen Namen gemacht haben und wirkliche Experten darstellen. Sie kommen zu 80% aus den Bereichen der Paramedics und zu 20 % aus dem ärztlichen Bereich. Hier wird auf Augenhöhe diskutiert und entschieden. Dieses Germium reicht dann die einheitlichen abgestimmten Veränderungen in die Politik ein, die dann darüber abstimmt, bzw. dieses dann direkt durchgewinkt wird.

Es gibt dort keine Vertreter von verschiedenen Organisation wie Berufsfeuerwehr, oder HiOrgs, da es die in der Form nur in Deutschland gibt. Es geht in diesem Germium auch nicht darum, die eigenen Interessen zu vertreten, sondern dem System und dem Ziel dienlich zu sein.

So long,

S.Steingrobe

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Advanced Care Paramedic - Queensland Ambulance Service (Australia)


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BeitragVerfasst: 19.08.11, 15:47 
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S_Steingrobe hat geschrieben:
Dieses Board besteht aus Experten, die sich durch Publikationen, Forschung, Ausbildung etc. einen Namen gemacht haben und wirkliche Experten darstellen.
Gegenfrage im Gedankenexperiment: Warum sollte man von einem Experten nicht den Nachweis verlangen können, sich in einem 6-jährigem Studium mit allen wichtigen Bereichen der Medizin beschäftigt zu haben und eine staatliche Prüfung abgelegt zu haben?
S_Steingrobe hat geschrieben:
]Es geht in diesem Germium auch nicht darum, die eigenen Interessen zu vertreten, sondern dem System und dem Ziel dienlich zu sein.
Das ist leider reine science fiction.

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Herzlichen Gruss
Ihr Achim Jäckel
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