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medizin-forum.de • Thema anzeigen - Mein CPPS-Leiden mit Depressionen und Angstzuständen
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BeitragVerfasst: 12.05.16, 19:38 
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Hallo zusammen,

um mich kurz vorzustellen:

27 Jahre alt aus Köln. Angefangen mit der Odysee hat es im alter von 20, also ich eine bak. Prostataentzündung mit E.Coli bekam.
Diese musste mit Cipro behandelt werden, ging danach weg. Im alter von 20-21 traten sporadisch immer wieder Prostataentzündungen auf, die aber erfolgreich mit Antibiotika behandelt werden konnten. Es blieb aber ein Restschmerz von mehreren Monaten, der nach Physiohtherapie dann 2012 vollständig beseitigt wurde.

Anfang 2015 trennte ich mich von meiner Partnerin, aufgrund von Depressionen die ich mir aber zu dem Zeitpunkt nicht erklären konnte und auch nicht eingestehen wollte. Ich dachte Schuld sei meiner Partnerin, wollte mich auch unbedingt mal austoben. Wir waren viele Jahre zusammen und sind durch dick und dünn gegangen.
Nach der Trennung bekam ich prompt eine Prostataentzündung die wieder mit Cipro behandelt wurde, das war im Jan. 2015 - Erfolgreich.

Ich verliebte mich danach leider danach in die falsche Frau, die mir die kalte Schulter zeigte und mich als eine Art Notgroschen für schlechte Zeiten und zur Ablenkung hielt. Das führte zu schlimmeren Depressionen (wusste ich aber zu dem Zeitpunkt nicht) - an meinem Geburtstag bekam ich dann meine erste Panikattacke. Zu dem Zeitpunkt hatte ich aber keine CPPS Beschwerden. Diese fingen wieder an nachdem ich meine Ex-Freundin zwecks Absprachen traff.

Zweite Panikattacke in meinem Leben - Ich trank an dem Abend gefühlte 2 Liter Wasser und dann fing es wieder an mit starken Schmerzen beim Wasserlassen. Ab diesem Zeitpunkt (Mai 2015) geht es kontinuierlich Berg ab, mit Lichtblicken im August 2015 und Februar 2016. Meine Leidensgeschichte ist elendslang und geprägt von kurzen Beziehungen, One-Night-Stand, Alkohol und andere Drogen. Ich habe in einem Jahr wohl soviel falsch gemacht wie man als CPPS-leidender machen kann. Aber auch einige Fortschritte, die dann leider mehr oder weniger im Sand verlaufen sind.

Die ganze Palette an Schulmedizischen Dingen habe ich schon durch. Momentan nehme ich Pollsti. , Quercetin und Alfusizin - Ohne wirklich Besserung zu spüren. Ausserdem behandle ich meine Triggerpunkte nach dem Buch mit einer Blackroll und Tennisball/Golfball.

Ich suche eher nach einem Austausch über Dinge wie Meditation, Psychopharmaka und anderen Lösungen. Hier noch eine kurze Auflistung an Medikamenten/Lösungsansätzen die ich durch habe:

- Diverse AB - Halfen nur kurzfristig bzw. bei gesunden psychischem Zustand. Darunter war von Cipro, Doxy, Azithromicin etc. wirklich alles
- Brokkoli Kur - Half soweit ich das beurteilen kann kaum. Soweit ich gelesen habe macht die Brokkoli-Kur sowieso nur Sinn wenn Keime festgestellt werden oder? Ich hab im Februar 5 Wochen AB nehmen müssen nach einer Chlamydieninfektion.
- Pollstimol - Nehme ich seit 4 Wochen, bisher keine Wirkung
- Quercetin - Ebenfalls seit 3 Wochen, kann bisher keine Wirkung feststellen

-Paroxetin - Sehr schwierig zu beschreiben, da diese Antidepressiva sich vielseitig auswirkt. Positiv war: Die Schmerzen waren mir teilweise egal, ich war zeitweise gut gelaunt und vor allem sportlich hat das Antidepressiva sehr gute Auswirkungen gehabt. Die Nebenwirkungen waren aber teilweise hoch. Oft Durchfall, Magenkrämpfe, keine Lust auf Sex/Masturbation generell ( sehe ich sogar positiv ), Orgasmusfähigkeit verloren, romantische/Beziehungsähnliche Gedanken verloren/verdrängt usw.

Was half/hilft:

- Yoga
- Leichtes Joggen
- Masturbieren, allerdings sehr Stimmungs/Zustandsabhängig
- Sport generell
- FODMAP-Diät und Verzicht auf Gluten, Zucker, Lactose (Habe ich aber in der letzten Zeit kaum eingehalten, da es mir phsychisch einfach extrem schlecht ging)
- Ablenkung durch Freunde etc.

Ich habe durch die Krankheit (wenn man es überhaupt so nennen kann) wirklich viel verloren. Am Anfang steht natürlich die Lebensfreunde, aber auch den Job, ich Quäle mich gerade durchs Studium (bin fast fertig) und kriege schon Angst wenn ich daran denke nach dem Studium mit mit CPPS wieder ins Arbeitsleben einsteigen zu müssen. Die Schmerzen lenken mich wirklich 24/7 ab. Nur manchmal gibt es Lichtblicke.

Als Auslöser sehe ich natürlich zu einem die Psyche, zum anderen aber auch Verkrampfungen die auf Störungen im urologischen Trakt zurückzuführen sind.

Hat jemand positive Erfahrungen mit anderen SSRI-Hemmern machen können? Ich befinde mich gerade im Entzug von Paroxetin und bin gewillt ein anderes Depressiva auszuprobieren, das aber eher einen beruhigen Effekt hat als aufputschend.
Zum anderen würde ich lieber ein Benzo nehmen wie etwa Valium für Notfälle.

Demnächst stehen noch eine Urodynamik-Untersuchung an, um zu sehen wie die Muskulatur und die Blase reagiert.
Im Sommer, in den Semesterferien werde ich mich freiwillig in eine psychosomatische Einrichtung Einweisen lassen um meine Ängste in den Griff zu kriegen.

Auf der Schmerzskala stehe ich im Moment auf einer 8/10. Das Schlimme an der Sache ist halt das man sich alleine fühlt, kein Andere "in der echten Welt" scheint von CPPS betroffen zu sein. Selbsthilfegruppen gibt es zu dem Thema auch nicht. Es haben sich ja viele schon in ähnlicher Form geäußert... Deutschland ist bei dem Thema echt hinter dem Mond und dümpelt seit Jahrzehnten mit einer sinnlosen AB-Therapie umher.

Hat jemand noch Vorschläge zwecks Medikamenten/Psychopharmaka?
Mir gehen auch langsam die finanziellen Mittel aus.

LG


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BeitragVerfasst: 20.08.16, 19:29 
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Hallo tobi mobi 1005,

in deiner Stadt lebe ich auch! Es ist tatsächlich ein Leidensweg! Ich bin nun schon seit 5 Jahren betroffen. Anfangs glaubte ich, bald Hilfe und Erkenntnis zu erfahren. Doch bis heute ist nichts passiert!

Eigentlich wollte ich nicht schreiben, woher ich komme. Denn schon viele Urologen habe ich kennen gelernt und habe mich mit vielen verkracht. Ich bin immer wieder entsetzt über den Zeitmangel, die Ratlosigkeit, die Unfreundlichkeit und die widersprüchlichen Diagnosen Kölner Urolog(inn)en. - So wollte ein Urologe mir und meinem Freund ein AB verschreiben, obwohl damals bei uns beiden keine Bakterien vorlagen.

Auch eine hiesige Großklinik, deren Namen ich hier nicht nennen darf, erstaunt mich mit widersprüchlichen Diagnosen, Zeitmangel und der Ignoranz seelischer Zusammenhänge.

In den ersten 3 Jahren hatte ich bei Uro-Untersuchungen keine Bakterien im Urin oder in der Urinkultur, doch trotzdem täglich Schmerzen im Uro-Genitalbereich. Im Frühjahr 2014 hatte ich wieder einen massiven Harnwegsinfekt. Jedoch sprach diesmal kein AB an. Immer wieder brach der Keim durch. Es gab mal kurzfristig für ein paar Wochen Ruhe, doch seltsames Ziehen und Brennen in der Harnröhre waren stets mein Begleiter.

2015 im Sommer wieder ein heftiger Harnwegsinfekt mit Blut im Urin. Alles ohne sexuellen Kontakt. Hier ging ich zur genannten Großklinik. Dort erinnerte mich alles an Massenabfertigung. Über meine schrecklichen Krankheitsängste (Karzinom?) durfte ich nicht reden. Diese Einrichtung fand stets das gleiche Bakterium: E-Coli. "Wieso immer das gleiche Bakterium?", motze der Urologe. 7 - 10 Tage AB, doch nach etwa 3 Tagen nach der Antibiose waren E-Coli und Klebsiella oxytoca im Urin, Ejakulat und Abstrich schon wieder da. Diese große Klinik nahm mich nicht mehr ernst. Ich erinnere mich, wie die Ärztin bei meinem letzten Besuch ins WARTEZIMMER kam und mich vor den anderen Patienten fragte: "Na, was fehlt uns denn heute schon wieder!?"

Das große Krankenhaus schob alles auf die Nerven ab, wahrscheinlich auch deswegen, weil ich mir so große Ängste um meine Gesundheit machte. (Ist das denn nicht berechtigt, bitteschön?!) Trotzdem: Psychosomatische Grundversorgung durfte nicht stattfinden. Ständig ein AB verschrieben; der Teufelskreis schraubte sich weiter herunter. Die Blasenspieglung (bei mir nur unter Vollnarkose möglich) blieb ohne Befund.

Da die Blasenspieglung kein Karzinom ergab, war ich glücklich und heilfroh. Vor der Blasenspieglung wieder AB eingenommen, war trotzdem kurze Zeit später wieder E-Coli da. Diese Großklinik hat mich seit der Spieglung nicht mehr zu sehen bekommen ...

Das war meine Vorgeschichte.

Aktuell: Sehr viele Leute in diesem Forum mit CPPS-Leiden beklagen sich über Depressionen, Hypochondrie und Panikattacken. Ich leide auch darunter, gebe ich zu. Deshalb stellt sich mir die Frage, was war zuerst da: CPPS oder die angeschlagene Psyche? - Deshalb gehe ich nun zum Psychotherapeuten, mit dem ich sehr gut klarkomme.

Das tolle Fachbuch "Psychosomatische Urologie" schreibt, wie Urologen eine "chronische Prostatitis" diagnostizieren, obwohl Beckenbodenverspannungen nachweislich vorlägen. Die "Prostatiten" beschreibt der Autor als ängstlich, stressanfällig, dysthymisch und hypochondrisch. In meinem Fall stimmt das auch. Doch woher kommen die Keime? Keime als psychische Reaktion auf belastende Kindheits- und Jugenderfahrungen? Darauf habe ich noch keine Antwort gefunden.

Was mir gut tut: Durch die Psychotherapie haben meine Panikattaken nachgelassen, wenn mal wieder NACH dem Wasserlassen die Beschwerden auftreten. - Bei schmerzhaften Zuständen im Uro-Genitalbereich lege ich mich auf die Couch, trinke viel Wasser und versuche mich zu entspannen. Tatsächlich geht es danach wieder deutlich besser. Ich habe auch festgestellt, dass ALKOHOL die Beschwerden lindert. Doch sollte das keine Lösung sein. Auch Massagen haben mir geholfen.

Von den Urologen sehr enttäuscht, war ich kürzlich bei einem Nephrologen (Nierenfacharzt) gewesen. Dieser hat sich für meinen Fall viel Zeit genommen, mehr als ein Urologe es je tat! Da er im Urin keinen entzündlichen Nachweis fand (chemische und mikroskopische Untersuchung), hat er eine Urinkultur angelegt. Tatsächlich zeigt die Urokultur wieder eine hohe Besiedlung an E-Coli-Keimen, sogar zwei Stämme parallel, doch beide nicht multiresistent. Er meinte, ich solle kein Antibiotikum einnehmen, da der Körper offenbar mit den 2 Virenstämmen einigermaßen gut klarkomme. Ich nehme eine Nahrungsergänzung ein, die meinen Urin sauer machen soll. Angeblich könnten sich dann die Bakterien in der Blase nicht so schnell vermehren. Der Nierenfacharzt meinte, es bestehe in meinem Falle keine Gefahr einer Nierenbeckenentzündung.

Vielleicht hat die Psychotherapie mich und mein Immunsystem so stark gemacht, dass ich nicht (wie in den Jahren 2014/15) ständig einen akuten Harnwegsinfekt von den vorhandenen Keimen davontrage.

Interessant ist auch, dass die Uro-Beschwerden VOR meinem Geburtstag stärker waren als danach. Beeinflusst Stress und Belastung also doch die CPPS-Beschwerden?

Es wäre schön, wenns in Köln eine Selbsthilfegruppe für CPPS gäbe!


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BeitragVerfasst: 22.08.16, 15:51 
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Beiträge: 12
Hallo tobimobi!

Vielen Dank für deine Schilderung. Ich kann deine Ängste und Schmerzen sehr gut verstehen, da ich seit 2 Jahren unter den gleichen Problemen leide.

Das einzige, das mir hilft:

- Wasser ohne Kohlensäure trinken, nichts süßes, kein Alkohol (vor allem kein Bier oder Kaffee)
- Viel Sport, Bewegung -> dadurch muss ich mehr Schwitzen -> weniger Pinkeln; bei mir ist es erstaunlicherweise so, dass ich weniger Schmerzen habe, je weniger durch die Harnröhre durchfließt

Ich wäre froh über eine bessere Transparenz bei CPPS. Bin auf der Suche nach Selbsthilfegruppen in Hessen bspw. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass viele Leute mit diesen Problemen leben müssen, da ich beim Urulogen oft mitbekomme, dass Erregertests "negativ" ausfallen und Patienten ratlos sind. Leider findet kein geeigneter Austausch in den Praxen steht.

Antibiotika haben bei mir nur einmal geholfen (bei der ersten Gabe / Cotrimoxazol), danach nie wieder.


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BeitragVerfasst: 26.09.16, 12:31 
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Beiträge: 8
Hallo tobimobi, hallo zweiter-Thomas,

auch ich wohne in der Stadt mit K :-)

Bei mir ist es 100prozent psychosomatisch! Habe zig Psychotherapien hinter mir, aber hab die Probleme noch nicht gelöst. Die Besonderheit bei mir ist, dass ich oft 100prozentig schmerzfrei bin aber dann wieder ein blöder Auslöser kommt und ich mir vom Kopf her die Beschwerden "herbeirrede" und dann kommen sie auch...

@zweiter-Thomas: das Buch "Psychosomatische Urologie" wird ich mal lesen. Auch ich fänd eine Selbsthilfegruppe (bzw. gerne auch ein "zwangloses Austauschen bei ein paar Kölsch oder Fassbrause") nett. Meldet euch gerne mal per PN.

LG,
Christoph


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BeitragVerfasst: 26.09.16, 22:14 
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Beiträge: 187
Zitat:
Doch woher kommen die Keime? Keime als psychische Reaktion auf belastende Kindheits- und Jugenderfahrungen


Ich bin überzeugt davon, dass nicht verarbeitete belastende Situationen im Leben dazu führen können, dass das körpereigene Immunsystem die Flügel streckt und sich Bakterien vermehren können und selbst Antibiotika nicht mehr Herr der Lage wird. Keime sind allgegenwärtig.. Normal machen sie uns nichts. Die einen kämpfen mit chronischer Sinusitis, die anderen mit cpps, die dritten mit entzündlichen Darmerkrankungen.

Psychotherapie kann ein Weg zurück zur körperlichen Gesundheit sein...


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BeitragVerfasst: 27.09.16, 13:06 
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Beiträge: 107
miriah hat geschrieben:
Zitat:
Psychotherapie kann ein Weg zurück zur körperlichen Gesundheit sein...


Interessant, wie manche hier auf dem Forum immer wieder auf Psychotherapie setzen, während meiner Erfahrung nach nur Physiotherapie und vor allem (sensomotorische) Körpertherapie schon eine deutliche Besserung gebracht haben, ganz ohne Psychotherapie. Kann auch nicht verstehen, wie Psychotherapie meine Art und Weise zu gehen (nach einer Verletzung am rechten Fuss vor 13 Jahren, die zu einem funktionnellen Beckenschiefstand geführt haben dürfte) überhaupt beeinflussen soll.

Also wer zu viel Zeit und auch Geld hat kann es meinetwegen zusätzlich auch mit Psychotherapie versuchen. Es könnte sich aber wohl zeigen, dass Psychotherapie alleine gar nichts bringt! Jeder ist natürlich anders, aber alles immer wieder auf die Psyche zurückzuführen ist - soweit ich dass jetzt aufgrund eigener Erfahrung beurteilen kann - ein völlig falscher Ansatzpunkt :?

PS: Miktionsbeschwerden bei mir seit Ende Februar ganz weg, kein einziges Mal wieder aufgetaucht (auch nicht nach 10-minütigen Aufenthalt im kalten Becken nach der Sauna!), einseitige Restbeschwerden vor allem im linken Quadriceps und in den linken Gluteen, zum Teil auch im Unterbauch (möglicherweise auch mehr einseitig geprägt).
Demnächst will ich die (linke) Quadrizepssehne mit Stosswellen behandeln lassen und dem Physiotherapeuten, dem ich die Geschichte ganz kurz wieder von Anfang an erzählt habe, hat nicht gestaunt. Er fand sogar - wie andere Physiotherapeuten zuvor - alle Zusammenhänge durchhaus absolut logisch.
Leider scheinen viele Urologen überhaupt keine Ahnung von Zusammenhängen zwischen Bein-, Becken- und Bauchmuskeln zu haben und wollen (2016!) immer wieder für alle Beschwerden die Prostata verantwortlich machen, schreiben weiter Rezepte für völlig nutzlose Antibiotika, usw. So 'ne Schande!


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BeitragVerfasst: 28.09.16, 14:33 
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Interessant.
Nach meiner inzwischen 20jährigen Leidensgeschichte kann ich Deinen Aussaggen zu 100% zustimmen. Bei meinem Psychotherapieversuch wurde mir von der Therapeutin nach der 3. Sitzung gesagt: "Ich weiß gar nicht, wie ich mit Ihnen weiterkommen soll. Ich finde keine Ansatzpunkte". Aus Ihrer Sicht sind die Schmerzen auf das chron. Schmerzgedächtnis zurück zu führen, welches jedoch nicht reversibel sei. Punkt. Ich müsse damit leben lernen. Ihre ureigenste Aufgabe, nämlich den Betroffenen mittels einer Verhaltenstherapie den Weg aufzeigen wie man mit den Schmerzen dann umgehen kann, kam sie nicht nach.
Schmerzgedächtnis: Gibt es bestimmt in Einzelfällen, jedoch jederzeit reversibel. Es ist nur ein Versuch ein Erklärung für was zu finden, wofür mein bisher noch keine medizinische Antwort gefunden hat.
Ebenso das Thema Psyche: Wenn ich nicht mehr weiter weiß, dann schiebe ich mal die Psyche des Patienten vor.
1996 beim Beginn der Chronifizierung der Krankheit sagte behandelnde Urologe zu mir: Ich kann hier nichts mehr tun, da kann nur noch der Neurologe oder der Psychologe weiterhelfen. Mal schön die Verantwortung weitergereicht.

Zur Physiotherapie: Die meisten ehemaligen Forumsteilnehmer, welche inzwischen beschwerdefrei sind, haben dies mittels Triggerpunktmassage und teilweise begleitender Entspannungsverfahren erreicht.


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BeitragVerfasst: 30.09.16, 20:05 
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thomas. hat geschrieben:
Ihre ureigenste Aufgabe, nämlich den Betroffenen mittels einer Verhaltenstherapie den Weg aufzeigen wie man mit den Schmerzen dann umgehen kann, kam sie nicht nach.


Achja, die Verhaltenstherapie wurde mir tatsächlich auch angeboten und war sowas von einer Zeitverlust (für mich) und Geldverschwendung (für meine Krankenkasse und letztendlich für alle Steuerzahler). Nachdem ich erzählte, wie ich wegen Missempfindungen im linken Bein und im linken Beckenboden schlecht einschlafen kann, sollte ich lernen, mich mittels "Hypnose" (pompöser Name für einen totalen Schwachsinn!) zu enstpannen. Natürlich hat das Null geholfen und es war mir schon von Anfang an klar. Was auf Dauer hilft ist Physio- oder (sensomotorische) Körpertherapie + tägliches Hausübungsprogramm. Nur so kann man auf Dauer die Muskeln effektiv entspannen.

Schmerzgedächtnis ist in der Hinsicht praktisch nur eine Erfindung, ja eine Ausrede für Beschwerden, die die klassische Medizin (an erster Stelle die Urologen) nicht erklären kann. Bei mir hält diese Theorie des Schmerzgedächtnisses keine Minute: da empfinde ich im Laufe der Monate immer weniger Schmerzen und Beschwerden, und bin auch zuversichtlich, dass ich in ein paar Monaten beschwerdefrei bin. Aber wie schon gesagt ist jeder Fall anders und individuell zu behandeln. Wenn jemand vor allem wegen Stress Muskeln anspannt, kann Psychotherapie vielleicht zusätzlich helfen (habe da selber trotzdem meine Zweifeln, aber gut ...).


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BeitragVerfasst: 06.10.16, 09:49 
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Für mich ist der Erfolg der Physiotherapie deutlich spürbar. Die letzten äußeren Triggerpunkte (Pyramidalis li. & re.) sind seit ca. 5 Monaten verschwunden (2mal Dry- Needling) und somit auch die damit verbundenen Schmerzen (Harnröhre, Beckenboden mitte). Im Beckenbereich ist momentan nur noch der Obturator links noch verspannt, jedoch nach inzwischen 7 Behandlungen deutlich reduzierte Beschwerden. Ich bin optimistisch, die ganze Thematik in den nächsten 3- 6 Monaten los zu sein.

Entspannungstraining nach Jacobson: Keine Verbesserung bei mir, eher eine leichte Erstverschlimmerung nach der Anwendung.
Autogenes Training: Sehr gut fürs Allgemeinbefinden, jedoch keine Auswirkung auf CPPS.

Mit Dehnübungen habe ich gute Erfahrungen, jedoch nie zu viel davon, sonst kann es zu deutlichen Verschlimmerungen kommen. Alle 2-3 Tage reicht.


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BeitragVerfasst: 28.10.16, 15:51 
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@Luxemburger 1977:

wie du schon sagst, jeder Mensch ist anders.

Bei einigen ist Psychotherapie die Lösung, bei anderen Körpertherapie.

Ich z.B. habe sensomotorische Körpertherapie ohne Erfolg gemacht. Auch Psychotherapie hat meine Beschwerden noch nicht verschwinden lassen. Aber in meinem Fall bin ich sicher, dass die Lösung nur über den Kopf geht...Ich habe komplett schmerzfreie Phasen und dann kommen die Schmerzen ausgelöst durch Gedanken (Bsp. einer sagt das Wort "Becken" oder spricht über seine "schlimmen Rückenschmerzen" - dann stelle ich sofort eine Verbindung (nicht aktiv, eher unbewusst) zu meinen Beckenbodenschmerzen her; oder ich sitze auf nem unbequemem Stuhl und denke dass sich jetzt die Schmerzen einstellen könnten, das hat viel mit Angst zu tun)

Diejenigen, die im Forum sagen "nimm dieses Extrakt oder dieses Medikament oder diese Therapie/Anwendung und dann geht es dir besser, weil es bei mir so war" sollten vorsichtig mit diesen Aussagen sein. Es gibt tausend Ansätze und jeder muss seinen finden. Ich suche Leute, bei denen es ebenfalls reine Kopfsache ist wie bei mir und die auch diese komplett schmerzfreien Phasen haben - ist dann eben eine andere Ausprägung der Beckenbodenschmerzen, als bei denen die es täglich haben und bei denen es vielleicht durch eine körperliche Fehlstellung kommt und nicht durch die Psyche/den Kopf.

An die Kölner hier: meldet euch mal bez. Selbsthilfegruppe; irgendwie kann ich keine Nachrichten mehr verschicken...

Viele Grüße!


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BeitragVerfasst: 28.10.16, 22:50 
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Obwohl jeder Fall anders ist, wäre allerdings ziemlich pauschal die eine Übung zu empfehlen, die den meisten Patienten wohl helfen soll. Wenn nicht, kann die schlimmstenfalls ohne Wirkung bleiben, schaden aber nicht.

Die Übung, die ich mehr oder weniger in dieser Form recht früh - bei der ersten oder zweiten Behandlung - von meiner Therapeutin in Saarbrücken erklärt bekam, heisst auf english 'Pelvic Floor Drop'. Da würde ich wiederum einen Artikel (auf englisch) empfehlen:
http://www.pelvicpainrehab.com/pelvic-p ... t-my-pain/
Da ist auch ein Video zu sehen, das man ruhig ohne Englischkenntnisse verfolgen kann.

Auch wenn man vor allem aus Stress oder durch den Kopf, nur in bestimmten Situationen, den Beckenboden anspannt, würde ich doch davon ausgehen, dass man erst mal so "preventiv" jeden Tag ein paar Minuten und ein paar Wochen lang üben kann. Wie gesagt, wenn's nicht hilft, kann es sicherlich auch nicht schaden ...


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 Betreff des Beitrags: Für Luxemburger1977
BeitragVerfasst: 21.11.16, 10:58 
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Hallo Luxemburger,

deine Beiträge beobachte ich mit besonderer Aufmerksamkeit. In deiner Region bin ich geboren, aufgewachsen und habe lange dort gelebt: im Quadrat Saarbrücken - Perl - Trier - Hermeskeil. Ich kenne also die sozio-kulturellen Gegebenheiten unserer Heimat sehr gut!

Neben dem konservativen, sexualfeindlichen Umfeld gibt es eine allgegenwärtige Homophobie. So erinnere ich mich an die 1980er-Jahre, als unser Religionslehrer ganz aufgeregt berichtete, er habe in Saarbrücken zwei sich küssende Männer gesehen. Als unsere Klasse darüber lachte, meinte er: "Das ist jetzt ein sehr gesundes Zeichen!"

In der Merziger Pfarrkirche wetterte noch Anfang der 1990er-Jahren der kath. Priester im Sonntagabend-Gottesdienst auf den vorehelichen Geschlechtsverkehr. Anfang der 2000er-Jahre haben in Merzig ausländische Jugendliche einen Homosexuellen an Karneval in der Trierer Straße zusammengeschlagen. Ich kenne das Opfer gut und weiß, dass er bis heute wegen psychischen Problemen noch nicht arbeitet. (Es kam später zu weiteren Übergriffen.)

Egal ob homo- oder heterosexuell: In unserer Heimat gibts eine morbide Einstellung zur Sexualität, die hier im Rheinland in dieser Art und Weise völlig unbekannt ist! Meine Überzeugung ist es, dass diese Erfahrungen von sozialer Ablehnung der persönlichen Sexualität (und damit der eigenen Person) nicht an der Oberfläche eines Menschen abperlen; sie gehen tiefer und bleiben als Stolpersteine im Lebenslauf haften. Offenbar suchen sie sich über den Körper ihren Weg als Ausdruck von Verletzungen.

Gerade lese ich das Buch "Das Gedächtnis des Körpers". Der Autor J. Bauer behauptet, dass Gene nicht nur unseren Körper steuern, sondern zwischenmenschliche Beziehungen, Umwelteinflüsse und individuelle Erfahrungen unsere Gene steuern. Eindrucksvoll beschreibt er eine Patientin mit sporadischen Rückenschmerzen, die immer in Stresssituationen plötzlich auftreten würden, eine körperliche Ursache fehle jedoch. In der Therapie deckte er auf, dass die Patientin des Öfteren in ihrer Kindheit von ihrer Mutter mit einem Gürtel auf den Rücken geschlagen wurde. - Der Körper vergisst nichts!

Ich sehe mich mittlerweile als Opfer der katholischen Kirche und ihrer rigiden Sexualmoral! Mir fällt der Satz eines Therapeuten ein, den ich wegen meiner urologischen Probleme konsultierte: "Es tropft Ihnen nicht aus dem Ohr heraus ...!"

Deshalb solltest du den Begriff "Schmerzgedächtnis" nicht verurteilen; es gibt handfeste wissenschaftliche Untersuchungen und Ergebnisse dazu.

Grüß mir die Heimat!


Zuletzt geändert von zweiter-Thomas am 22.11.16, 00:35, insgesamt 1-mal geändert.

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BeitragVerfasst: 21.11.16, 21:06 
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Hallo zweiter-Thomas,

Im Grossherzogtum wohne ich erst seitdem ich mit 32 Jahren wegen der Arbeit hierhergezogen bin. In meiner Heimat, einer Grossstadt, wurde ich damals, Ende der 70er, wirklich nur auf Druck meiner Grosseltern getauft, meine jüngere Schwester schon gar nicht. In der Kirche waren wir kaum, nie zu Ostern oder Weihnachten, höchstens auf Hochzeiten oder Beerdigungen. Viele meiner Freunde halten die Ehe für altmodisch, andere wollten gar nicht in der Kirche heiraten.

Hier im Grossherzogtum hat aber sowohl der liberale Premierminister einen Mann geheiratet als auch, vor kurzer Zeit, der sozialistische stellvertretende Premierminister. Die allgegenwärtige Homophobie, die du beschreibst, konnte ich eigentlich nie beobachten oder spüren, erst recht nicht unter den 70% ausländischen und weltoffenen Bürgern der Stadt Luxemburg. Wie es auf dem Land so richtig aussieht, kann ich aber auch nicht sagen, weil ich eben in der Stadt wohne.

Was die eigenen Schmerzen prägt, soll im Grunde jeder für sich herausfinden. Manche gehen dann dementsprechend eher zum Psychologen, so gehen für sie die Schmerzen zurück- und das ist auch gut so! Andere wie ich gehen wiederum eher zum Körpertherapeuten, so gehen für mich und andere die Schmerzen zurück. Wieso das "Schmerzgedächtnis" jetzt eben in meinem linken Oberschenkel steckt, kann ich mir sehr gut durch einen funktionnellen Beckenschiefstand erklären.

Allerdings wurde mir jetzt klar, dass der Körper bei mir sowie bei vielen anderen durch Muskelverspannungen auf Stress reagiert. Dieser Stress hat sich vor allem deswegen aufgebaut, weil ich monatelang am Arbeitsplatz gemobbt wurde, und ist nicht auf meine (übrigens glückliche) Kindheit zurückzuführen, zumindest soweit ich das beurteilen kann. Hauptsache: die Schmerzen gehen bei mir langsam aber stets zurück, ohne jeglichen Rückfall, Miktionsbeschwerden kamen nie wieder.

Egal ob mit Psychotherapie oder, wie bei mir, mit Körpertherapie, wünsche ich auf jeden Fall allen eine gute Besserung. Alles andere halte ich an dieser Stelle für Spekulation, kann aber gegebenenfalls eben mit einem Psychotherapeuten besprochen werden, wobei ich selber mit allen möglichen Opfern der katholischen Kirche Mitleid habe! Da muss ich eben an alle Kinder denken, die von Priestern misshandelt oder vergewaltigt worden sind ...


Zuletzt geändert von Luxemburger1977 am 22.11.16, 00:30, insgesamt 2-mal geändert.

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BeitragVerfasst: 21.11.16, 22:05 
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@tobimobi1005

Hallo tobimobi1005,

Leider (zu?) spät kann ich dir ein Antidepressivum empfehlen, das ich in dem Fall nur bei Bedarf zum einschlafen nehme, und zwar Mirtazapin. Es wird nicht nur als Antidepressivum sondern auch - off label - als Schlafmittel verordnet, zum Teil auch in der Schmerztherapie eingesetzt.

Meine Erfahrung damit ist noch ganz "frisch" und soweit nicht unbedingt ausschlaggebend. Nebenwirkungen hatte ich aber keine und dieses AD hat ein ganz anderes Profil als viele andere was Nebenwirkungen angeht.

Hoffentlich geht es dir seit der ersten Message schon mal besser. Melde dich wieder mal!


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BeitragVerfasst: 22.11.16, 13:16 
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Ich kann z.B. zu 100% bestätigen, dass bei mir Streßsituationen unweigerlich zu einer Anspannung der Muskeln führen. Bis man bewusst lernt dagegen zu wirken, dauert das eine lange Zeit.

Schmerzgedächtnis: Meine persönliche Meinung dazu ist: Das gibt es nur in Ausnahmefällen. Wenn ich ein Schmerzgedächtnis hätte, dann wäre es nicht so leicht möglich, dieses nach nun 20 Jahren Dauerschmerzen auf nahezu null zu reduzieren. :?:
Des weiteren bin ich gerade in Abstimmung mit meinem Schmerztherapeuten dabei das Gabapentin langsam abzusetzen. Ohne weitere Probleme, bzw. Rückfälle.
Aber wie erwähnt: Das stellt nur meine persönliche Meinung/Erfahrung dar, was ich hier von mir gebe.

Allen weiterhin gute Besserung!


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