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medizin-forum.de • Thema anzeigen - Nekrotischer Dekubitus bei intakter Haut?
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BeitragVerfasst: 11.05.11, 01:44 
Hallo,

meine Oma erkrankte im Dezember 2010 am Guillain-Barré Syndrom und ist seit einigen Monaten in der Reha. Dort hat sie in Folge der immer noch andauernden Lähmung und einer Herz-Vorerkrankung eine Thrombose bekommen. Wegen der Erkranken musste sie rund um die Uhr AT-Strümpfe tragen, die offensichtlich zu klein waren und hat dadurch an der Ferse erst rote Stellen bekommen, die sich in der Folge schwarz färbten, da die Klinik auf das Tragen der AT-Strümpfe weitere 2 Wochen bestand. Die Haut an den Fersen ist jedoch (noch?) intakt.

Meine Fragen sind nun:
Wie schnell kann sich ein Dekubitus entwickeln?
Ist es prinzipiell möglich, dass die Haut trotz tiefgehender Schädigung intakt ist?
Wie kann man feststellen ob die Sehnen und Muskeln, bzw. die Knochen bereits angegriffen sind?
Öffnet sich der Dekubitus trotz Druckentlastung im Laufe der Zeit?
Ist es ratsam oder nötig den Dekubitus zu öffnen und das nekrotische Fleisch auszuschneiden?

Ich weiß, das sind viele Fragen auf einmal, aber ich bin ratlos.


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BeitragVerfasst: 15.05.11, 15:05 
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DMF-Moderator

Registriert: 29.09.04, 14:41
Beiträge: 1079
Wohnort: Hannover
Hallo,

das klingt nach einem fortgeschrittenem Dekubitus. Hat sich die Haut erstmal schwarz gefärbt sind bereits die Hautzellen abgestorben. Hatte sie denn in dieser Zeit zu enge Schuhe getragen die für den Druck an den Fersen verantwortlich waren? Ansonsten kann es durchaus sein, dass die zu engen Thrombosestrümpfe dafür verantwortlich waren. Zur Druckentlastung und Heilung muss unbedingt der Druckherd ausgeschalten werden, sonst wird weiteres Gewebe geschädigt und es können Infektionen usw. entstehen. Die Haut bzw. das Gewebe unter der geschlossenen Hautdecke ist nicht mehr intakt! Die Thromboseprophylaxe ist ja angeordnet, kann aber mit Verbänden wie Pütter Verband umgangen werden der den in etwa den gleichen Ansatz zeigt, wobei die erkrankten Stellen ausgespart werden können und sich dadurch eine Druckentlastung ergibt. Ein Dekubitus erfordert unbedingt Druckentlastung!!!

_________________
Liebe Grüße

Annette Koch
---------------------
DMF-Moderatorin
Geriatrie/Gerontologie
Pflege


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BeitragVerfasst: 15.05.11, 21:37 
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DMF-Mitglied
DMF-Mitglied

Registriert: 09.06.08, 09:46
Beiträge: 968
Guten Abend Suchende,

das klingt sehr unschön, was Sie beschreiben. Wenn das Problem der Reha-Klinik gemeldet wurde und daraufhin keine Reaktion erfolgte, sollten Sie dem mal nachgehen...
Zu Ihren Fragen:

>> "Wie schnell kann sich ein Dekubitus entwickeln?"
Je nach Patient bereits binnen wenigen Stunden. Bis es zu einem nekrotischen Dekubitus kommt, dauert es aber schon etwas.

>> "Ist es prinzipiell möglich, dass die Haut trotz tiefgehender Schädigung intakt ist?"
Definieren Sie "Haut" - wenn Sie die Oberfläche meinen - ja. Wenn Sie das Organ Haut an dieser Stelle meinen - nein, denn die Subcutis ist auf jeden Fall geschädigt.

>> "Wie kann man feststellen ob die Sehnen und Muskeln, bzw. die Knochen bereits angegriffen sind?"
Z.B. mit einem Röntgen. Hier kann man feststellen, ob der Knochen bereits angegriffen ist.

>> "Öffnet sich der Dekubitus trotz Druckentlastung im Laufe der Zeit?"
Das hängt vom Ausmaß des Dekubitus ab, ist allerdings anzunehmen.

>> "Ist es ratsam oder nötig den Dekubitus zu öffnen und das nekrotische Fleisch auszuschneiden?"
Das sollte ein Arzt vor Ort entscheiden. In der Regel ist es nötig, die Nekrosen abzutragen, damit die Wunde von Grund auf heilen kann.

Allerdings schreiben Sie nicht, wie die Stellen genau aussehen: Wie groß sind sie? Wie ist die Haut beschaffen? Hat Ihre Großmutter an diesen Stellen Schmerzen?
Mit dieser Problematik sollten Sie sich unbedingt an einen Arzt, besser noch, an einen zertifizierten Wundexperten oder ein Wundtherapiezentrum wenden.

Mit freundlichen Grüßen,

_________________
der Matze,
(dieser Benutzer ist nicht mehr im DMF aktiv)

Info: Koma und Aufwachen auf der Intensivstation


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