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medizin-forum.de • Thema anzeigen - Hypnotherapie wirklich nützlich, hilfreich, zielführend?
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BeitragVerfasst: 02.02.15, 18:54 
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Beiträge: 3
Hallo,

o. g. Frage wird im entsprechenden Unterforum nicht als vollstes Misstrauen gewertet.

Mein Bruder leidet an emotionaler instabilder Persönlichkeitsstörung, kann von einem Moment zum anderen "austicken". Das nervt nicht nur ihn, sondern ... na ja ... irgendwie alle. Wir wissen zwar, dass er so ist, wenn aber dann mal urplötzlich ein Schrei aus seinem Mund kommt, weil er sich "angebumst" fühlt, ist das sehr oft schon ... komisch. Er ist jetzt noch der liebe, nette Typ von nebenan und gleich ist er eine "Furie". Oftmals dann, wenn er verbal angegriffen wird oder er sich nur so fühlt, obwohl vielleicht gar keine Angriffe stattgefunden haben. Werden Planungen über Bord geworfen, findet er das ... auch nicht wirklich pralle. Er ist u. a. auch deswegen mit sich unzufrieden, was wiederum zu Missstimmungen und Ausbrüchen führen kann.

Zum anderen knubbelt er ständig an den Daumen und Daumennägeln und an der Hornhaut seiner Handinnenflächen. Hin und wieder knabbert er auch an den Fingern. Meist, wenn er unter Stress und Spannung steht oder er sich einen spannenden Film anschaut.

Und, aller "guten" Dinge sind bekanntlich drei, er hat nicht sonderlich viel Selbstbewusstsein und Selbstsicherheit. Er ist unterm Strich ein ganz lustiger Bursche, der gerne im Mittelpunkt steht, eigentlich immer nen lockeren Spruch auf den Lippen hat, kein ungebildeteter Typ ist, der sich durchaus gewandt ausdrücken kann. In Stresssituationen verlässt er aber dieses seriöse Feld und kann, wie die verbalen Gegner, auch laut und beleidigend werden. Kraftausdrücke sind dann nicht nur keine Seltenheit, sondern die Regel. Ihm fehlen dann die seriösen (Gegen-)Argumente, die ruhigen Worte, die Schlagfertigkeit.

Er möchte insgesamt eher ein ruhigerer Typ werden und sein.

Er hat schon eine einjährige ambulante Verhaltenstherapie und eine mehrmonatige stationäre Therapie hinter sich und dort auch mit sog. "Skills" gearbeitet. Allerdings hat er nichts gefunden, was ihm geholfen hat. Er braucht etwas, dass ihn, bevor er einen Ausbruch hat, runterholt oder erst gar nicht nach oben hin ausbrechen lässt. Da das bei ihm so schnell geht, ist es über diesen Wege des Achtsamkeitstrainings vielleicht auch gar nicht möglich, etwas Passendes zu finden.

Jetzt hat er sich über Hypnotherapie erkundigt und bei verschiedenen Therapeuten angefragt. Alle haben ihm mitgeteilt, dass diese drei Dinge mit Hypnotherapie therapierbar sind. Spannungen werden in Entspannungen umgewandelt ... Allerdings spielt da der Mensch als ganzes eine Rolle, jeder ist anders ...

Ist dem wirklich so?

Ich mache mir da so meine Gedanken, zumal er die Therapien selbst zahlen müsste. Vielleicht ist er aber auch gar nicht hypnotisierbar? Solche Menschen gibts ja auch, oder!? Oder nicht, dass er nach einer Hypnose nicht mehr aufwacht oder danach ein ganz komischer Kauz ist. Ist doch schon alles schon passiert, oder!?

Worauf ist bei einem Hypnotherapeuten zu achten (Zertifikat, Qualifikation ...)?

Wie lange dauert i. d. R. eine Sitzung und wie teuer ist im Schnitt eine Stunde Hypnotherapie? Wie teuer darf eine Stunde max. sein?

Grüße

Jimmy


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BeitragVerfasst: 02.02.15, 20:04 
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Beiträge: 4216
Hallo,
Hypnose ist nicht wie im Fernsehen dargestellt. Persönlichkeit kann man nicht verändern. Man kann auch nicht unter Hypnose eine Person zwingen etwas zu tun was sie nicht will. Es ist eher eine tiefe Entspannungszustand.

Ob es funktioniert? Wissenschaftliche Belege gibt es nicht dafür.

Kosten: Schätze um die 80€/Stunde.

Manche Psychotherapeuten (Psychoanalytiker o.ä.) bieten es an - eher sinnvoller bei der Störungsbild.

Hat er mit Medikamenten wie Lamotrigin o.ä. versucht?

Gruß
Muppet


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BeitragVerfasst: 02.02.15, 20:22 
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Registriert: 02.02.15, 18:31
Beiträge: 3
Hallo,

er hat den Wirkstoff Quetiapin genommen. Täglich 100 mg eine halbe Stundd nach dem Abendessen. 30 Minuten später fing es an, dass er sich wie besoffen fühlt, weitere 30 Minuten später hat er geschlafen, wie ein Baby. Geschlafen hat er locker 12 Stunden. Obwohl ihm sonst 6 - 7 reichen. Er bekam täglich starke Kopfschmerzen und Verstopfung. Geträumt hat er sehr oft, meist schöne Träume.

Insgesamt hat er das Mittel ein Jahr genommen, aber selbst abgesetzt, weil ihm das mit der Schläfrigkeit überhaupt nicht gefallen hat und er Angst davor hatte, dass sich das Mittel negativ aufs Herz auswirkt.

Ob es ihm mit dem Mittel aber besser ging, kann er selbst nicht mehr sagen.

Grüße

Jimmy


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BeitragVerfasst: 05.02.15, 04:04 
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Registriert: 21.12.06, 03:41
Beiträge: 87
Wohnort: Bergheim/Erft
Hallo,

@ Muppet:
Zitat:
Ob es funktioniert? Wissenschaftliche Belege gibt es nicht dafür.

Einer der führenden deutschen Hypnoseforscher schreibt dazu auf der Seite der "Milton Erickson Gesellschaft für klinische Hypnose":
"Die Wirsamkeit von Hypnose ist mitttlerweile in zahlreichen internationalen Publikationen nachgewiesen. Einen Überblick finden Sie hier:
Tabellarische Übersicht über 200 Studien zur Hypnotherapie"
> Quelle <

Hypnose ist seit 2006 vom "Wissenschaftlichen Beirat Psychotherapie" für verschiedene Indikationen als Therapieverfahren anerkannt, WEIL die Wirksamkeit längst empirisch belegt ist.

@Jimmy:
Zitat:
Ist dem wirklich so?

Hypnose kann bei den genannten Themen tatsächlich hilfreich sein und manche der Aufgabenstellungen sind weit verbreitet und "Alltagsgeschäft" im Bereich hypnotischer Hilfestellung. Dass Spannungen dabei aber mal eben in Entspannungen umgewandelt würden - so einfach und plump funktioniert es dann doch nicht, etwas komplexer ist es schon.

Zitat:
Vielleicht ist er aber auch gar nicht hypnotisierbar? Solche Menschen gibts ja auch, oder!?

Grundsätzlich ist jeder Mensch hypnotisierbar (wenn er es denn will!). Nicht hypnotisiert werden können lediglich Menschen mit schweren(!) psychischen Störungen wie etwa Autisten, Menschen mit Down-Syndrom, (krankhaft!) niedriger Intelligenz usw. Jeder "halbwegs normale" Mensch kann aber zu therapeutischen Zwecken hypnotisiert werden.

Zitat:
Oder nicht, dass er nach einer Hypnose nicht mehr aufwacht oder danach ein ganz komischer Kauz ist. Ist doch schon alles schon passiert, oder!?

Nein, ist noch nicht passiert! :) Das sind Märchen aus der Vorurteils-Kiste, die mit der Realität nichts zu tun haben. Und das ist auch kein Wunder: Hypnose erzeugt einen Trance-Zustand und der ist völlig normal und alltäglich. Viele kennen es z.B. aus der Schule, wenn der Unterricht mal wieder totaaal langweilig ist, man aus dem Fenster glotzt, sich ganz woanders hinträumt und nichts mehr von dem mitbekommt, was im Klassenraum geschieht... dann ist man in Trance. Und danach kommt man irgendwann wieder ganz normal drauf, sogar ohne fremde Hilfe - so wie man ja auch bei der Selbsthypnose immer(!) wieder in einen "normalen" Bewusstseinszustand zurückkehrt, ohne da drin steckenbleiben zu können.

Zitat:
Worauf ist bei einem Hypnotherapeuten zu achten (Zertifikat, Qualifikation ...)?

Das ist zunächst mal eine rechtliche Frage und weniger eine der Qualifikation. Wenn man eine psychische Störung oder Erkrankung lindern oder heilen möchte, muss der/die Hypnyotiseur/in eine sogenannte Heilberechtigung vorweisen können, also Heilpraktiker, Arzt, psychologischer oder ärztlicher Psychotherapeut usw. sein. Wenn es aber nur darum geht: "Er möchte insgesamt eher ein ruhigerer Typ werden und sein", dann dürfen da auch Hypnotiseure ohne Heilberechtigung tätig werden.
Bei "Zertifikaten" ist Vorsicht geboten, manche sind nicht das Papier wert, auf dem sie stehen. Mehr als von diesen würde ich eine Entscheidung von einem (kostenlosen?) Vorgespräch und dem persönlichen Eindruck abhängig machen.

Zitat:
Wie lange dauert i. d. R. eine Sitzung und wie teuer ist im Schnitt eine Stunde Hypnotherapie? Wie teuer darf eine Stunde max. sein?

Psychotherapeuten bestreiten oft Sitzungen von etwa 50 Min. Dauer (auch Doppelstunden sind möglich), "Berater" gestalten ihre Sitzungen mitunter auch länger. Kosten pro Sitzung aktuell etwa 60,- bis 250,- €, da gibt es keine festen Sätze. Und teurer bedeutet nicht zwangsläufig besser.

Fazit also: Hypnyose (-therapie) kann hier ggf. durchaus hilfreich sei, wenn man offen dafür ist und bereit, das Geld zu zahlen. Dann sind im Einzelfall tatsächlich auch erstaunliche Erfolge möglich - die man aber natürlich nicht versprechen oder gar garantieren kann.

Lieben Gruß
Lutz


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BeitragVerfasst: 05.02.15, 23:15 
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Beiträge: 1738
Wohnort: Hannover
Lutz HHF hat geschrieben:
Hallo,
Einen Überblick finden Sie hier:
Tabellarische Übersicht über 200 Studien zur Hypnotherapie"[/i] > Quelle <


Ich hab das jetzt mal überflogen, ich hab in der Übersicht eigentlich keine einzige Studie gefunden, die den grundlegensten Qualitätsstandards einer Wirksamkeitsstudie entsprechen. Die meisten hätten noch nicht mal statistisch signifikante Ergebnisse geliefert, wenn man nur die Häufigkeit von Kopf/Zahl bei einem Münzwurf untersuchen würde..


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BeitragVerfasst: 06.02.15, 00:00 
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Registriert: 10.01.07, 16:48
Beiträge: 4216
Hallo Adromir,
was mir auch stört ist z.B. Angst durch ein Angstthermometer gemessen wurde. Wenn ich solche eine Studie durchführen würde, wäre es natürlich wichtig Angst durch ein anerkannte Methoden zu messen/quantifizieren - z.B. SKID, SCL, MMPI usw. die sehr häufig in die Forschung benutzt werden.

Hier sind die Studien nicht vergleichbar (Verstoß Forschungsprinzip) und einge Studien fanden laut eigene Angaben keinen Effekt. Zudem lief bei einige gleichzeitig eine Psychotherapie.

Geld wäre besser in z.B. Kampfsport wie Kung fu der Bewegung, Disziplin und Meditation kombiniert - hilft tatsächlich.

Es gibt auch Stimmungsstabilisierende Meds wie Lamotrigin die kaum Nebenwirkungen haben. Erhöht Compliance enorm.

Alles gute
Muppet


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