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medizin-forum.de • Thema anzeigen - Medizinischer Nutzen der eGK
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 Betreff des Beitrags: Medizinischer Nutzen der eGK
BeitragVerfasst: 19.06.06, 13:58 
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Registriert: 19.06.06, 13:53
Beiträge: 1
Hallo,

ich schreibe gerade eine Seminararbeit zum Thema "EGK und ihr medizinischer Nutzen" Habe schon n bissel was gefunden, aber mich interessieren auch die Meinungen derer, die sich damit von Berufswegen aus beschäftigen.

Von Medizinern, Gesundheitspolitiker....

Habt ihr zu diesem Thema irgend etwas bei zu steuern


Vielen Dank.


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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 19.06.06, 18:28 
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Registriert: 13.05.06, 09:09
Beiträge: 25
Hallo mimaxx,

Ich bin kein Mediziner und zum Glück auch nicht aus der Politik (obwohl die mehr verdienen als ich).
Der medizinische Nutzern der eGK sollte klar im Mittelpunkt der eGK stehen. Im Prinzip ist eine AMTS (Arzneimittelteraphiesicherheit) oder ein Notfalldatensatz sehr gut. Jedoch gehören diese Anwendungen zu den FA (Freiwilligen Anwendungen), bei denen jeder Patient für sich selbst bestimmen kann und entscheiden muss, ob er diese Anwendungen nutzen will. Die Pflichtanwendungen (Versichertendatenclearing, Verordnungsmanagment) sind (man darf es kaum laut sagen) jedoch wohl eher für andere Personen- und Interessenkreise von Bedeutung. Aus meiner Sicht macht es für den Patienten keinen Unterschied, ob das Rezept nun auf Papier oder auf einer Karte/ einem Server abgelegt wird. Die Karte kann genau so wie das Rezept verloren gehen. Und auch das Clearing hilft dem Patienten nicht. Das Krankenhaus oder der Arzt kommt vielleicht sogar noch in Ethikkonflikte, wenn er bei dem Clearing feststellt, das der Patient keine Versicherung mehr hat.
Auf lange Sicht gesehen (und ich denke solche Projekte muss und kann man nur so betrachten) lässt sich für den Patienten schon sehr viel positives ableiten. Gedanklich für dich ist hier weitere Anwendungen wie ein Arztbrief (Projektname eArztbrief) oder eine EPA (elektronische Patientenakte) zu nennen. Das sind die Werte von denen die Patienten profitieren können.

Auf der anderen Seite könntest/ soltlest du nicht aus der Acht lassen, was passiert, wenn ein Patient sein Recht auf Selbstbestimmung missbraucht/frei auslebt. So könnte es durch die Selbstbestimmung des Patienten zu Behandlungsfehler kommen. Beispiel: Der Patient, der in der Arzneimitteldokumentation absichtlich kürzlich verabreichte Medikamente versteckt oder gar löscht (sofern diese Dinge möglich sind/ nach Grundgessetz jedoch kaum umgehbar). In einer Anschlussbehandlung kommt es dann zu Wechselwirkungen bei den Medikamenten, die zu Schäden oder sogar dem Tod führen könnten. Nur ein Mögliches Szenario!
Ungeachtet, diese Fehler können heute auch schon auftreten.

So ich hoffe es ist nicht ganz unverständlich geworden! Solltest du Fragen haben, meld dich einfach.
Bei zwar nur ein dummer ITler aber vielleicht habe ich ja ein wenig geholfen


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 Betreff des Beitrags: Die Wechselwirkungen
BeitragVerfasst: 21.06.06, 15:08 
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Beiträge: 6265
Wohnort: Lörrach
gibts natürlich. Die Nebenwirkungen auch.

Erstere sind mit einer passablen, Letztere zumeist nur mit sehr kleiner Wahrscheinblichkleit vorherzusehen.

Für Erstere brauchen Sie die Kenntnis s ä m t l i c h e r Arzneistoffe, die ein Patient zu sich nimmt / nahm. Das leistet die Elektrokarte nicht mit ausreichender Zuverlässigkeit, wie Sie richtig sehen. Wo Sie aber sicher sein können, alle Arzneistoffe eines Patienten zu kennen, brauchen Sie die Elektrokarte nicht, dafür reicht jede handelsübliche ordentlich upgedatete lokale Arzneimitteldatenbank.

Auch bei Letzteren stehen Sie mit der Elektrokarte auf demselben Schlauch wie ohne. Entweder Sie kennen a l l e bisherigen individuell schon mal aufgetretenen Nebenwirkungen und a l l e Diagnosen des individuellen Patienten, oder eben nicht. Wenn nicht, dann ist auch mit Elektrokarte nicht mehr möglich als die Angabe von statistischen Wahrscheinlichkeiten, die über ein individuelles Risiko wenig aussagen.

Fazit 1:
Was Politiker sich selbst und denen, die die Elektrokarte samt allem Drumrum finanzieren müssen, so alles in Bezug auf Verordnungssicherheit versprechen, ist bloße reine Spekulation. Dafür halte ich das Ganze für enorm zu teuer.
Fazit 2:
Es handelt sich bei der Elektrokarte keineswegs um ein Instrument zur Verbesserung der Verordnungssicherheit, sondern um eines zur Verbesserung der Gesundheitsberichterstattung (vulgo: insgeheimes Ausspähen der gesetzlich Versicherten) sowie eines zur Verbesserung der der medizinischen Gewohnheiten der im Gesundheitswesen Dienst Leistenden (vulgo: insgeheimes Ausspähen der Ärzte).

Beides würde ich freiwillig niemals unterstützen.

PR

_________________
Von Fremdinteressen freie an Patienteninteresse orientierte eigene Meinung.
99 2988 015 Die Nummer zur Sicherheit


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 Betreff des Beitrags: Medizinischer Nutzen
BeitragVerfasst: 22.06.06, 10:59 
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Registriert: 19.05.06, 13:51
Beiträge: 341
Hallo mimaxx,

ich gehöre zwar nicht zum auserwählten Personenkreis, geb jetzt aber trotzdem mal meinen Senf dazu.

Die Karte ersetzt nun mal das medizinische Wissen des Arztes, insofern hat sie keinen Nutzen. Sie dient nur dazu, dass Andere Einblick gewinnen in die Behandlung. Sie unterwandert die ärztliche Schweigepflicht. Deshalb kommen auf meine Karte nicht mehr Informationen als auf der alten Karte sind. Denn dann könnte ich ja gleich sämtlich Arztberichte usw. nehme und auf das Einwohnermeldeamt bringen. :lol: Wie viele Andere auch, werde ich mein verfassungsmäßig verbrieftes Recht auf Selbstbestimmung ausleben.

Syri


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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 22.06.06, 21:44 
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DMF-Moderator

Registriert: 18.02.06, 14:25
Beiträge: 577
Wohnort: Ober-Mörlen
Hallo Syri1,

die Einführung der elektronischen Gesundheitskarte (eGK) ist insbesondere im Hinblick auf Einhaltung und Sicherstellung datenschutzrechtlicher Aspekte hochbrisant. Ich möchte versuchen, einige von Ihnen angesprochene Punkte etwas anders zu beleuchten.

Die Einführung der eGK ist in § 291a SGB 5 festgeschrieben. Dort ist die Verwendung als europäische Krankenversichertenkarte und verbindlich für alle Versicherten die Abbildung des elektronischen Rezeptes vorgesehen. Weitere Stufen der Einführung (Notfalldaten, Arztbrief, Arzneimittel, elektronische Patientenakte) sind freiwillig.

Generell erfolgt der Kartenzugriff (so wie das Modell es z.Zt. vorsieht) entsprechend der gesetzlichen Grundlagen im SGB 5 nur mit Einwilligung des Versicherten via PIN-Code (Ausnahme: Notfalldaten) und nur mit Hilfe des Heilberufsausweises (i.d.R. eines Arztes bzw. Apothekers, von Heilberufsangehörigen und ärztlichem Personal). Die Einhaltung datenschutzrechtlicher Vorgaben und Sicherstellung der ärztlichen Schweigepflicht i.S. des § 203 StGB sind ebenfalls in § 291a SGB 5 normiert. Sicherlich sind damit hohe Hürden für die Verarbeitung dieser besonders schutzwürdigen Gesundheitsdaten verbunden, deren gesetzeskonforme Abbildung mit Hilfe der eGK jedoch technologisch gesehen nicht unlösbar ist.

Das in Artikel 2 Abs. 1 i.V. mit Artikel 1 Abs. 1 des Grundgesetzes normierte informationelle Selbstbestimmungsrecht ist durch das berühmte Volkszählungsurteil 1983 des Bundesverfassungsgerichtes und (seit dem) mehrfach auch durch andere Gerichtsurteile bestätigt worden. Innerhalb unserer demokratischen Grundordnung werden diese unveräußerlichen Grundrechte auch weiterhin Bestand haben. Umso wichtiger erscheint es mir, sich mit der kritikwürdigen Thematik inhaltlich konstruktiv auseinander zu setzen.

Herzliche Grüße

_________________
Jan Alkemade
DMF-Moderator


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BeitragVerfasst: 23.06.06, 08:52 
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Registriert: 19.05.06, 13:51
Beiträge: 341
Hallo Jan,

Server sind nach meinem Wissen dazu da, geknackt zu werden. So wird es auch eines Tages mit dem Server geschen, auf dem diese sensiblen Daten. Und dann auch Leute Zugang zu den Daten, die keinen Heilberufeausweis haben. Wenn ich die Karte als Rezept verwenden muss, habe ich ja wohl keine Wahl. Bleibt nur zu hoffen, dass nicht gerade das Kartenlesegerät des Apothekers einen Defekt hat, wenn ich gerade mal im Notfall ein Medikament benötigen sollte.
Es ist mir auch nicht bekannt, dass die Karte ein Programm enthält, dass eine Fehlermeldung anzeigt, wenn die auf der Karte aufgelisteten Medikamente untereinander wechselwirken oder mit einer möglichen Diagnostik interferieren. Dazu braucht es das Wissen eines Arztes und das kann die Karte nicht ersetzen. Auch kann die Karte nicht zur Früherkennung von Systemerkrankungen diszpilübergreifend beitragen. Es benötigt auch hier die Idee bzw. den Verdacht eines Arztes. Es nehme auch an, dass es nicht mehr Arbeit ist, weiterhin Befunde auszudrucken als abzuspeichern. Ist sehe keine Arbeitserleichterung für den Arzt.
Ich erhalte auch keinen einzigen Op-Bericht früher. Die Lauferei von Arzt zu Azrt bleibt die gleiche.

Fazit: Ich sehe keinen einzigen Vorteil zur Verbesserung der Diagnostik und Therapie. Den einzigen Grund der Einführung der eGK sehe ich darin, dass Server früher oder später knackbar sind und dann haben andere Leute, als die am Behandlungsprozeß beteiligten Zugang.

Lg Syri


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BeitragVerfasst: 23.06.06, 21:24 
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DMF-Moderator

Registriert: 18.02.06, 14:25
Beiträge: 577
Wohnort: Ober-Mörlen
Hallo Syri,

vor Einführung der eGK, voraussichtlich innerhalb der nächsten 2-3 Jahre, ist es insbesondere Aufgabe unserer Politiker, des Bundesdatenschutzbeauftragten und der verantwortlichen Institutionen für die technische Umsetzung (z.B. Gematik), die allgemeinen Bedenken der zentralen Speicherung und des geschützten Zugriffs unserer Gesundheitsdaten anzusprechen und letztlich auszuräumen.

Sicherlich gibt es (auch heute schon) Möglichkeiten, Wechselwirkungen bzw. Kontraindikationen von Medikamenten EDV-gestützt zu erkennen. Dies ist jedoch nicht die originäre Aufgabe der eGK, sondern muss allein vom Grundsatz der ärztlichen Entscheidungsfreiheit her in ärztlicher Verantwortung bleiben.

Die eGK wird jedoch m.E. erst der Anfang einer durchgehend elektronischen Abbildung der relevanten medizinischen Wege sein. Mit ihrer Einführung wird die einheitliche Infrastruktur für eine große Zahl telemedizinischer Anwendungen und Möglichkeiten, z.T. erstmals neu, geschaffen, die möglicherweise in 10 oder 20 Jahren gar nicht mehr anders vorstellbar sein werden.

Herzliche Grüße

_________________
Jan Alkemade
DMF-Moderator


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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 24.06.06, 07:38 
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Registriert: 13.05.06, 09:09
Beiträge: 25
Hallo Jan, Hallo Syri,

Ich bin der Meinung, dass die Daten früher oder später missbraucht werden und nicht mehr dem reinen Patientenwohl dienen. In welcher Form das der Fall ist, ist schwer zu sagen. Alleine die großen Konzerne im Gesundheitswesen und ihre weiten Verzweigungen sind ein eindeutiges Indiz. Ich meine nicht nur Krankenhauskonzerne, auch Krankenkasse und Versicherungsgruppen. Ebenso denke ich dabei an die Unternehmen, die mit der Datenhaltung beauftragt sind und werden. Ich will keine schlechte Stimmung bereiten, jedoch bin ich von dem Schlechten im Menschen aus Erfahrung überzeugt.
Hacker wären mir dabei eine willkommene Abwechselung!!! Das wäre der Beweis nicht nur für das falsche Vertrauen, sonder auch für die Nichtmachbarkeit der Sicherheit!

Auch in den nächsten 20Jahren mag dieser Weg der einzig machbare sein. Ob er dem Wohl der Patienten gerecht wird, wage ich zu bezweifeln.

Alle Freiwilligen Anwendungen sind als Hilfestellung für den Arzt zu verstehen. Ich kann mir einen geringen Vorteil bei anständiger Präsentation auf dem Bildschirm schon vorstellen (wie gesagt, bei Freiwilligen Anwendungen). Ziel ist es (so habe ich das verstanden) den Arzt in seinem Entscheidungsprozess zu unterstützen. Klar: Es macht auch mehr Arbeit, vor allem bei aktueller Rechtslage!


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