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BeitragVerfasst: 16.09.08, 09:16 
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Beiträge: 19
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Ich habe heute in einer Zeitung den nachfolgenden unglaublichen Bericht gelesen. Als Betroffener / potentieller Patient eines Herzkatheterlabors finde ich die Haltung der Trägergesellschaft ungeheuerlich.

Aber lest selbst:


Weser-Kurier am 16.09.2008 hat geschrieben:
Bannstrahl gegen neues Katheterlabor
BREMEN-NORD. Die Fronten sind verhärtet: Wenige Wochen nach der Eröffnung des zweiten Bremer Herzkatheterlabors müssen sich die Betreiber darauf einrichten, dauerhaft von einem Teil des möglichen Patientenaufkommens abgeschnitten zu sein. Die Einrichtung auf dem Gelände des Klinikums Nord in Vegesack ist in der Krankenhausplanung des Landes nicht vorgesehen.

Im Frühjahr war die kardiologische Gemeinschaftspraxis Horstkotte/Meyer in das neu errichtete Facharztpraxenzentrum in unmittelbarer Nachbarschaft zum Klinikum umgezogen. Das Spektrum der medizinischen Dienstleistungen wurde in diesem Zuge um sogenannte Herzkatheteruntersuchungen erweitert. Dabei wird eine Sonde über die Blutgefäße in den Herzbereich vorgetrieben. Neben der Diagnostik dient diese Technik der Behandlung von akuten Erkrankungen, etwa von Infarkten. Für den Betrieb der mehrere Hunderttausend Euro teuren High-Tech-Sektion wurde eigens der habilitierte Herzspezialist Rüdiger Blindt (Uni-Klinik Aachen) angeworben.

Doch mit ihrem Katheterlabor treten die Vegesacker Kardiologen in Konkurrenz zu einer bereits bestehenden Einrichtung am Klinikum Links der Weser (LdW). Von dort kam im Vorfeld hinhaltender Widerstand, mehrere Gesprächsrunden über Kooperationsformen scheiterten.

Die Gesundheit Nord hat sich als Dachgesellschaft der kommunalen Krankenhäuser in diesem Streit klar positioniert. Sie verweist auf die Krankenhausplanung des Landes, die neben dem LdW keinen weiteren Katheterlabor-Standort vorsieht. Die Folge: Wer sich mit Herzbeschwerden zum Klinikum Nord begibt, wird nicht etwa in die direkt angrenzende Facharztpraxis gebracht, sondern mit dem Krankenwagen quer durch die Stadt nach Kattenturm chauffiert. "Da klopft man sich ein bisschen an den Kopf", meint Rüdiger Blindt.

Die Sprecherin der Gesundheitsbehörde, Petra Kodré, sieht indes keinen Anlass, bestehende Strukturen zu ändern. Wenn eine Arztpraxis die "private unternehmerische Entscheidung" treffe, ein Katheterlabor zu eröffnen, begründe dies keinen Anspruch auf Zuweisung von Patienten. Für Rüdiger Blindt ist diese Abwehrhaltung nicht nachvollziehbar. In vielen Großstädten gebe es durchweg mehrere solcher Einrichtungen, in Hamburg allein zehn. Eine gewisse Konkurrenz verbessere "die Qualität der Versorgung und den Komfort für die Patienten".


Eine Verlegung mit dem RTW ist nicht unter 1 Stunde zu schaffen, bei einer möglichen Notverlegung mit einem Helikopter muss die Kostenfrage berücksichtigt werden. Wie so oft, scheinen in diesem Fall Politik, freunschaftliche Geschäftsverbindungen und das richtige Parteibuch mehr zu wiegen, als der gesunde Menschenverstand und unter Umständen die Gesundheit des Einzelnen.


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BeitragVerfasst: 16.09.08, 20:49 
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DMF-Moderator

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Beiträge: 4393
Wohnort: Hildesheim
Guten Abend,

das ist ja ein interessanter Bericht, den ich da aus meiner Geburtsstadt lese...

Ist es tatsächlich so, daß es in der 500.000 Einwohner-Stadt Bremen nur einen Herzkatheter-Messplatz / ein Labor gibt ?

Bei uns in der 100.000 Einwohner Stadt Hildesheim gibt es 4 ( vier! ) Tische in zwei Krankenhäusern. Jedes der Häuser hält zudem einer 24-Std.-Bereitschaft vor - da der Landkreis mit versorgt wird, ist das Einzugsgebiet natürlich größer, insgesamt sind es rund 250.000 Einwohner, die hier eine Rolle spielen.

Bremen hat sich für eine Zentralisierung der großen Fachgebiete entschieden. Alle "Herzsachen" kommen eben ins "LdW". Unter dem Ressourcenaspekt, aber auch in bezug auf die Bündelung fachlicher Kompetenz ist das ein bemerkenswerter Schritt.

Was man eventuell an mehr Fahrzeit braucht, verkürzt sich durch reibungslose Abläufe innerhalb der Klinik. Am Ende zählt die Zeit vom Symptombeginn des Infarktes bis zur Eröffnung des Herzkranzgefäßes. Notfalls kann der Herzchirurg ja auch sofort Bypässe legen. Im Norden Bremens geht das nicht...

Die Frage muß erlaubt sein: Kann eine kardiologische Praxis das auch leisten ? Hier sind viele Patienten einbestellt, die elektiv einen Herzkatheter bekommen sollen.Damit verdient die Praxis ihr Geld. Ein Notfall stört den Ablauf und blockiert 1 - 2 Stunden den Tisch. Und nachts / am Wochenende ? Bietet die Praxis einen 24-Std.-Service an, oder ist das "LdW" dann doch gut genug ? Das geht aus dem Artikel leider nicht hervor...

Ich will aus der Ferne den 2. Standort nicht schlecht reden, aber man muß bei solchen Entscheidungen viele Aspekte bedenken. Nicht zuletzt wußten die Praxisinhaber vorher, das die Krankenhausplanung kein zweites Labor vorsieht. Da darf man sich hinterher nicht beschweren.

Das einzig gute Argument wäre: Für die Patienten im Einzugsgebiet Bremen-Nord verbessert sich die Chance auf schnelle Infarktbehandlung erheblich.

Täglich. Rund um die Uhr. 365 Tage im Jahr.

Kann die neue Praxis das gewährleisten ?

Mit freundlichen Grüßen

Dr. A. Flaccus

_________________
Dr. A. Flaccus
Facharzt für Anästhesie
- Notfallmedizin -
DMF-Moderator


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BeitragVerfasst: 17.09.08, 08:41 
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Interessierter

Registriert: 05.07.05, 12:47
Beiträge: 19
Wohnort: Norddeutschland
Hallo Herr Dr. Flaccus,

nein, natürlich hält die Kardiologische Praxis nicht nur einen Tisch bereit. Auch eine 24-Stundenversorgung ist vorgesehen und das Einzugsgebiet ist weit über die Landesgrenze hinaus.
Jedoch: auch diese Kardiologische Praxis ist dem Krankenhaus nur angeschlossen. Dieses expandierende Unternehmen ( seit einiger Zeit mit einem Ableger im Arabischen Raum ) hat hier lediglich den Vorteil, bereits seit Jahren einzig am Standort zu sein. Die Qualifikation und das umfangreiche Angebot, welches in den Jahren mitgewachsen ist, stellt niemand dabei in Frage. und dass sie nun durch die Eröffnung der neuen Praxis in HB-Nord eine mögliche Beschneidung ihrer Einkünfte sehen, ist ebenfalls nachvollziehbar.

Dieses rechtfertigt mE jedoch nicht, es anderen qualifizierten Mitbewerbern ( denn das sind sie ja wohl global gesehen ) zu verwehren, sich ebenfalls in einer Stadt wie Bremen anzusiedeln. Dass diese zusätzliche Praxis zunächst nicht mit einem so großen Angebot aufwarten kann, ist mehr als verständlich, jedoch ist Bremen-Nord im weitesten Sinne eine Stadt für sich, und das Einzugsgebiet lässt die Prognose zu, dass die Praxis durchaus gute Umsätze machen kann und bei steigender Nachfrage auch das Angebot erweitern wird.

Doch darf man diese kleine Rivalität nicht mit der Konkurenz zweier benachbarter Autohäuser oder zweier Gastronomiebetrieb vergleichen. Hier geht es doch um Dinge der medizinischen (auch Notfall- ) Versorgung, und es ist mir unverständlich, dass man in diesem Fall sagt: "bei Dir kaufen wir nicht, auch wenn Du unser Nachbar bist". Es kann doch nicht sein, dass eine etablierte Institution einen Exklusivvertrag für die Rettung von Menschenleben oder auch nur die Ausführung einer medizinischen Versorgung erhält und andere ebenfalls qualifizierte Kollegen keinen Fuss auf den Boden bekommen, "weil es der der große Masterplan nicht vorsieht". Somit wird einem Patienten auf politischer Ebene eine mögliche Leistung - und die Wahl der Klinik - vorenthalten.

Abgesehen davon macht es doch durchaus Sinn, wenn direkt am Krhs Nord die Möglcihkeit der kardiologischen Versorgung/Behandliung angeboten wird, auch wenn es "nicht eine 24-Stundenbereitschft gibt". Wenn in dieser Praxis auch nur ein einziges Menschenleben gerettet, auch nur eine einzige dauerhafte Schädigung des Herzens vermieden wurde, hätte sich der Standort schon bewährt.

Ich als Herzpatient kann es also nur begrüßen, wenn neben der Kardioloigischen Praxis am LDW auch eine zweite Praxis existiert.


Dazu wurde heute wieder ein Artikel veröffentlicht:

Weser-Kurier vom 17.09.2008 hat geschrieben:
Eine Frage des Blickwinkels
Kostenträger und Patienten bewerten Herzkatheterlabor unterschiedlich
Von Jürgen Theiner


BREMEN-NORD. Kassen und Krankenhausgesellschaft zeigen den Betreibern des neuen Herzkatheterlabors die kalte Schulter. Doch wer auf ein wohnortnahes kardiologisches Behandlungsangebot angewiesen ist, sieht die Dinge anders. So lassen sich die Reaktionen auf unsere gestrige Berichterstattung über die ungewisse wirtschaftliche Zukunft des Projekts zusammenfassen.

Dass das Klinikum Nord derzeit weder stationäre noch Notfallpatienten an das Herzkatheterlabor im benachbarten Facharztpraxenzentrum überstellen darf, ist aus Sicht der AOK Bremen und anderer Akteure des Gesundheitswesens nur konsequent. Der größte örtliche Kostenträger stellt sich nach Angaben seines Sprechers Jörn Hons hinter die Position der senatorischen Behörde und der Gesundheit Nord, die sich auf die gültige Landeskrankenhausplanung berufen. Und die sehe für die Gesamtstadt lediglich das Klinikum Links der Weser als Standort eines Herzkatheterlabors vor. Wer an dieser Rahmenplanung vorbei ein neues Angebot etabliere, so der Tenor, müsse sehen, wie er klarkommt.

Auch für die Notfallversorgung in Bremen-Nord sei die neue Vegesacker Einrichtung nicht erforderlich, sekundiert Uwe Zimmer, Geschäftführer der Krankenhausgesellschaft im Land Bremen. In akuten Fällen könne ein Patient per Hubschrauber rasch ins Kattenturmer Herzzentrum transportiert werden.

Das Blumenthaler Ehepaar Schwaab betrachtet die Dinge von einer anderen Warte. Erst vor wenigen Wochen musste sich Hannelore Schwaab einer kardiologischen Behandlung unterziehen, ein sogenanntes Vorhofflimmern machte ihr schwer zu schaffen. Zunächst wurde sie stationär im Klinikum Nord behandelt, allerdings ohne durchgreifenden Erfolg. Erst ein Eingriff am Klinikum Links der Weser brachte sie auf den Weg der Genesung. Für Hannelore und Hans-Jürgen Schwaab steht deshalb fest: Wenn das Klinikum Nord derzeit nicht über ausreichende kardiologische Kompetenz verfügt, sollte das im Facharztzentrum verfügbare Spezialwissen auch für die Klinikpatienten verfügbar gemacht werden. Die Landeskrankenhausplanung sei schließlich nicht in Stein gemeißelt.

So sieht es auch die SPD-Bürgerschaftsabgeordnete Ursula Arnold Cramer. Sie fordert die Konfliktparteien auf, die kardiologische "Versorgungslücke" in Bremen-Nord gemeinsam zu schließen.


Mit herzlichen Grüßen aus der alten Heimat,
Korinthe


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BeitragVerfasst: 17.09.08, 14:49 
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Hallo,

Herzkatheter-Messplätze wird es in Bremen sicher mehr geben, als nur die beim "LdW" und jetzt in HB-Nord.

Die Fragen, die sich für Bremen-Nord stellen:

1. Wie viele Tische hält die neue Praxis dort vor ?
2. Was passiert, wenn um 11 Uhr ein Notfall von draußen kommt, mit gesichertem Herzinfarkt, und es wurde gerade eine Untersuchung begonnen ?
3. Was ist während der Urlaubszeit ?

Wir diskutieren hier ja im "Management"-Forum, da muss man die Sache auch einmal klar von der wirtschaftlichen Seite her beleuchten. Eine 24-Std.-Bereitschaft kostet enorm viel Vorhaltekosten. Das muss auch finanziert werden.
Deswegen war die Entscheidung, dies in Bremen zu bündeln, sicher klug und richtig.

Wenn Sie schreiben:

Zitat:
Wenn in dieser Praxis auch nur ein einziges Menschenleben gerettet, auch nur eine einzige dauerhafte Schädigung des Herzens vermieden wurde, hätte sich der Standort schon bewährt.


Dann ist das in der heutigen Zeit ein Stück Idealismus.
Bremen hält rund um die Uhr für seine Bürger ein hochqualifiziertes Zentrum vor, das alle Möglichkeiten bietet. Dafür muss man evtl. in der Versorgungszeit Abstriche machen (aber gehen Sie da mal ins platte Land nach Niedersachsen....). Wobei erst einmal bewiesen werden muss, das andere Lösungen schneller und besser sind.

Bremen hat in seinem Krankenhausplan klare Definitionen getroffen. Damit werden die vorhandenen Standorte gesichert und es wird eine Mindestauslastung garantiert.

Im Weser-Kurier wurde es schon ganz richtig zitiert: Wer daneben etwas neues aufmacht, der geht eben ein unternehmerisches Risiko ein. Was ja nicht bedeutet, das sich langfristig an den Plänen etwas ändern kann - man müsste eben gute Argumente haben. Zum Beispiel eine 24-Std.-Bereitschaft...

Gruß

Dr. A. Flaccus

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Dr. A. Flaccus
Facharzt für Anästhesie
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BeitragVerfasst: 15.11.08, 19:10 
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Registriert: 15.11.08, 18:58
Beiträge: 2
Hallo!

Als Insiderin kann ich sagen das ein Transport ins LDW durchaus unter einer Stunde zu schaffen ist, wird eng, geht aber!

Alternativ kann ich nur Vorschlagen bei Beschwerden direkt den Rettungsdienst zu rufen, dann geht es nämlich noch schneller!

Die Aussage das man Pat. mit dem Helikopter fliegen kann, kann ich nicht glauben. Das hab ich den letzten 6 Jahren nicht ein einziges Mal erlebt und das wird sich mit neuem Landeplatz sicherlich auch nicht ändern!

Wirklich verstehen kann ich das alles auch nicht, in Bremen-Nord sind, je nach Zeit, 4 RTW und 1 NEF stationiert (+ einen RTW Reserve) Es ist nicht selten das es zu Engpässen kommt, auch tagsüber. Gerade das NEF ist oft für die Verlegungen ins LDW gebunden, das nächste NEF steht am Diako bzw. kommt aus den Nachbarkreisen OHZ und BRA.

Im LDW stehen 3 Tische zur Verfügung, rund um die Uhr. In Bremen-Nord weiß ich es leider nicht.

Wie immer ist der Pat. der Leidtragende, ich gehe davon aus das sich das auch nicht mehr bessern wird im Laufe der Zeit.

Gruß
glu


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