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 Betreff des Beitrags: Fragen
BeitragVerfasst: 22.06.09, 08:43 
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Beiträge: 128
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Ein nettes Hallo an alle hier im Forum verbliebenen,

ich bin momentan beim Thema Pflege... Fortbildungen... Basale Stimulation an einem Punkt angelangt, an dem ich nicht mehr weiter komme!

Als Praxisbegleiterin biete ich Basisseminare, Aufbauseminare und kurze Workshops, auch "Lagerungsworkshops" an. Nur momentan bin ich entsetzt, was in der Pflege passiert und dass wir Pflegekräfte das mitmachen...

- da gibt es einen MDK, eine Politikerin Schmidt, Institutionen, die vorschreiben, wieviel ein alter Mensch trinken muss, die vorschreiben, wie der Bodymaßindex eines alten Menschen sein muss... deshalb werden alte Menschen in Heimen dazu gebracht, Tag und meistens auch nachts zu trinken, um die vorgeschriebenen Liter pro Tag aufzunehmen. Da werden alte Menschen dazu gezwungen, einen BMI zu erreichen, den sie vielleicht vorher noch nie hatten...

- da werden alte Menschen nachts zweist√ľndlich gelagert (und ich meine damit auch gelagert), werden aus dem Schlaf gerissen aus Angst vor Dekubiti

- da gibt es massig Pflegekräfte, die von Mikrolagerung noch nie etwas gehört haben... darf nicht sein laut MDK? (ich weiß es nicht, aber ich werde beim MDK anrufen)

- da gibt es aber immer noch Heime, die geschlossen werden wegen ihrer schlechten Pflege... der verwahrlosung der Menschen...

- da gibt es Pflegekr√§fte, die vollkommen √ľberfordert sind... die d√ľrfen auch √∂ffentlich im Fernsehen jammern... bei Anne Will, Hart aber Fair, Maischberger usw.

- da gibt es Pflegekritiker, die auch schon sehr viel zahmer geworden sind und es leid sind, ihr Mantra immer und immer wieder herunterzubeten (siehe Herrn Fussek)

Ich k√∂nnte die Liste weiterf√ľhren, habe aber keine Lust mehr dazu, denn:

-- Es werden Fort- und Weiterbildungen angeboten... wo bleibt die Umsetzung auf den Stationen?

Ich erlebe es so oft auf meinen Seminaren, dass ich von den Teilnehmern (und das sind ja schon die motivierten Pflegekräfte, die noch Fortbildungen besuchen) ausschließlich höre, warum das Konzept Basale Stimulation nicht umgesetzt werden kann... warum die Positionierungen der Betroffenen eben nicht so umgesetzt werden können, wie wir es beim Workshop ausprobieren usw. Jeder zweite Satz beginnt mit der Killerphrase ABER...

Weshalb sind wir sozialen Menschen aus der Pflege nicht fähig, auch mal den Rahmen, den wir uns in unseren Köpfen setzen zu sprengen?

Weshalb hängen wir an Pflegetätigkeiten, die nachweislich aus dem 19. Jahrhundert kommen (siehe Lagerungen und Florence Nightingale im Krimkrieg)?

Weshalb brauchen wir f√ľr alles ein "Handbuch"?

Weshalb denken wir nicht √ľber unsere Pflege nach, reflektieren und ver√§ndern?

Weshalb sind wir in der Pflege nicht f√§hig, VERANTWORTUNG zu √ľbernehmen?

Weshalb lassen wir uns das alles gefallen und gehen mit einer derart devoten Haltung an die √Ėffentlichkeit, dass uns keiner Ernst nimmt?

Auch diese Liste k√∂nnte ich weiterf√ľhren, habe aber auch dazu keine Lust mehr.

Mir fehlen die Diskussionen in den öffentlichen Foren wie hier... es geht nur noch um Informationen, die Leute wollen, die eine Facharbeit oder Diplomarbeit zum Thema BasStim schreiben... was passiert danach?

Mir pers√∂nlich fehlt momentan die Lust und die Kraft, zu √ľberzeugen... weiterzugeben... Beispiel zu sein... denn diese Killerphrase ABER, das st√§ndige, mantrahafte Erz√§hlen, dass es auch anders geht, wenn jeder einzelne auch mal √ľber den Tellerrand schaut, das permanente Gef√ľhl, mich rechtfertigen zu m√ľssen... das raubt unglaublich viel Energie... und ich wei√ü nicht, mehr ob es mir das Wert ist...

Wie geht es denn euch anderen Praxisbegleitern, Kursleitern, Teilnehmern an Basis- und Aufbaukursen? Mir fehlt der Austausch!

Ich schicke euch liebe Gr√ľ√üe aus dem verregneten Mittelfranken

Bettina

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BeitragVerfasst: 24.06.09, 21:00 
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Beiträge: 219
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Liebe Bettina,
da ich gerade am Schreiben bin, will ich als erster antworten mit dem Hintergrund und der Hoffnung, dass sich wieder viele melden werden. ...
Die Themen sind sehr komplex, nicht gerade ermunternd und spiegelt so gerade ein bisschen die Stimmung im Lande, denke das Du das auch richtig aufgegriffen hast. Mir fehlt, ich bin ja ein Mensch mit einer optimistischen Grundhaltung, so ein bisschen der Mut in der Auflistung. √úberall wo wir negative Dinge sehen gibt es auch Positives. Das Leben ist im Allgemeinen ausgeglichen, so wie die Natur ausgeglichen ist. Der Mensch, also wir sind Natur und deshalb brauchen wir diesen Ausgleich. Verstehe mich nicht falsch, eine Bilanz die ich aufstelle, hat nie nur Soll, wir haben immer auch etwas auf der Habenseite, es ist so, wir m√ľssen es suchen und mit auflisten, sonst k√∂nnen wir einpacken. ... So, das w√§re jetzt auch so ein bisschen der Einstieg auf Deine Fragen, ich kann nicht alles beantworten, da ich ja auf der Intensivstation nicht viel mit dem MDK zu tun habe, schon indirekt, es gibt auch f√ľr uns ein Controling, die sich √ľber unsere Dokumentation hermachen, sie auf Nachvollziehbarkeit pr√ľft, wenn irgendwann dann der MDK unser Haus √ľberpr√ľft. ... kompliziert
Die letztere Frage interessiert mich besonders, wo nehme ich Lust und Kraft her? ...
Die fehlt mir auch zur Zeit etwas, besonders in den Spitzenzeiten wie im Moment, wenn so viel los ist, dass ich f√ľr nichts mehr den Kopf frei haben kann, als nur noch das n√∂tigste zu machen. Klar, die Patienten werden dann nicht mehr so gepflegt, wie sie das gerne h√§tten, bzw. wie ich es gerne h√§tte. Aber ich wei√ü, das ist Urlaubszeit, das ist hohes Arbeitsaufkommen, das ist Wandel in Tarifwechsel, gro√üer Aufruhr und dicke Schlagzeilen dann in der Presse. Diese Negativschlagzeilen schaden uns zwar, aber wir bekommen dadurch wieder die Chance geh√∂rt zu werden, diskutiert zu werden usw. Es kommen dann meist wieder etwas ruhigere Zeiten und da kann dann das nachgeholt werden, was verpasst wurde. Die Ideen umgesetzt werden, neue Ideen eingebracht werden, vielleicht auch etwas gefordert werden. Dies ist kein statischer Zustand, er ist immer und immer ver√§nderbar in Hoch und Tiefs. Eigentlich auch ganz normal, es ist nicht einmal begrenzt auf die Pflege. Eingangs sprach ich von einer Ausgewogenheit des Menschen, vielleicht wird jetzt klarer was ich meine, Du und ich, wir m√ľssen nicht jedes Tief in dem Ma√üe mitgehen, wenn es genug ist, schauen wir einfach mal wieder ein bisschen auf uns selbst. Auf unser eigenes Leben, Abstand gewinnen. Vielleicht brauchen die Menschen hier im Forum auch gerade so eine kleine Ruhepause, besch√§ftigen sich gerade mit sich selbst. - Warum nicht, wenn es sich lohnt wieder aufzuspringen, wieder mit zu mischen, dann geht es wieder los ... warum nicht, ich habe wegen einer Ruhepause kein schlechtes Gewissen mehr, mir ist mein Leben und meine Gesundheit auch sehr wichtig, vielleicht wichtiger als alles andere.
Pflege bewegt Deutschland, es war eine super Sache, ich hoffe so etwas in derart werden wir wieder auf die Beine stellen k√∂nnen. Basale Stimulation, der Internationale F√∂rderverein wird n√§chstes Jahr 10 Jahre alt, sollten wir dies nicht trotz allen Gegenwind nicht doch geb√ľhrend feiern und das Jahr der Basalen Stimulation einl√§uten??? Von mir aus gerne, machst Du mit?
Weiterhin w√ľnsche ich Dir viel Kraft und Elan,
viele Gr√ľ√üe
Peter :wink:


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BeitragVerfasst: 03.07.09, 11:27 
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Beiträge: 166
Liebe Bettina,
auch ich will mich nach ganz ganz langer Zeit mal wieder zu Wort melden. :P

Den Prozess, welchen du gerade durchlebst, habe ich schon lange hinter mir und mit jedem Kontakt in Seminaren und jedem ABER welches mir entgegenschmettert durchlebe ich ihn wieder.

Nachdem ich den Druck auf mich selbst immer gr√∂√üer werden lie√ü, Dinge √§ndern zu wollen die ich nicht √§ndern kann, habe ich f√ľr mich beschlossen, das was wir auch unseren Patienten eingestehen:
Ich kann immer nur Angebote machen, was mein Gegen√ľber f√ľr sich rausnimmt... daf√ľr bin ich nicht verantwortlich. :shock:

Gew√ľnscht sind immer nur "Ma√ünahmen" die man machen kann.
Den Durchbruch an der eigenen Einstellung was zu ändern schaffen die, die Basale tun nur selbst oder eben gar nicht.

Ich beobachte auch die von dir genannte Entwicklung.
Ich schule gerade Pflegepersonal im Bereich Dokumentation/ Pflegeplanung. Hier kriege ich wieder direkt gezeigt wie festgefahren die Pflege doch ist.
Alles wird gemacht, am besten nach Schema "f".
Vom gelernten Weg abgehen kann kaum jemand. Bereit f√ľr Ver√§nderungen ist kaum jemand.
Verschriftlichen was wir tun... ist kaum m√∂glich. Dazu m√ľsste man sich ja erst mal Gedanken machen, warum ich was mache. Daf√ľr ist dann wieder keine Zeit.

Die negativen Eindr√ľcke √ľberwiegen zur Zeit wirklich. Aber ich muss auch Peter recht geben: √úber den Wolken scheint doch immer die Sonne und es gibt die positiven Momente nur man nimmt sie einfach nicht so war, weil das Negative das ist, was immer haften bleibt.

Ob ich jetzt öfter wieder hier bin, mal sehen.


Aber wie immer:

Herzliche Gr√ľ√üe
Schwester :P

_________________
Ich kann,
weil ich will,
was ich muss.
(Immanuel Kant)


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BeitragVerfasst: 11.07.09, 20:26 
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Registriert: 28.09.04, 06:31
Beiträge: 120
Ich habe lange gebraucht, um zu verstehen, dass ich noch soviel Engagement an den Tag legen kann- es wird sich nichts ändern. Ich bin dabei auf der Strecke geblieben- seit Januar wegen eines ausgeprägten Burnouts nicht mehr arbeitsfähig. Mein Körper hat alle Reserven verbraucht.


Elisabeth


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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 11.07.09, 22:14 
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DMF-Moderator

Registriert: 09.10.04, 14:45
Beiträge: 219
Wohnort: 82418 Murnau
Liebe Elisabeth,
das trifft mich jetzt hart, ich danke Dir f√ľr Deine Offenheit und ich w√ľnsche Dir, dass Du die Krise bald √ľberwunden hast. Du hast mein Mitgef√ľhl und alles, alles Gute aus ganzem Herzen. Mein Dank deshalb, weil wir ja doch alle in unserem Beruf gef√§hrdet sind und ich denke die meisten √ľbersehen die Grenzen und pl√∂tzlich ist es da. ... Hoffentlich bekommst Du Hilfe und kannst diese auch annehmen. :?: An dieser Stelle muss ich zugeben, bin ich immer ein wenig ratlos, um das zu schreiben, was Dir wirklich weiterhelfen k√∂nnte... es braucht mit Sicherheit keine guten Ratschl√§ge oder gescheites "Dahergerede" in dem Augenblick sichere ich Dir nur meine guten Gedanken an Dich zu. Lass Dich ganz fest dr√ľcken und lass Dir jetzt viel Zeit f√ľr Dich selbst. Du musst Dir einfach am Wichtigsten sein. Alles Gute und hoffentlich bis bald
viele Gr√ľ√üe, wir brauchen Dich
Peter


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